Was geschah im Oktober 1907

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Wetterstationen Oktober 1907

1.10.1907, Dienstag

Die Bierpreise in München werden um zwei Pfennig erhöht, ohne dass Protest laut wird. Die Ruhe wird als Zeichen dafür gewertet, dass der Kampf von SPD und Gewerkschaften gegen den Alkoholmissbrauch bei der Arbeiterschaft auf fruchtbaren Boden fällt. Die “Münchner Post” rät den Arbeitgebern gar in den Kantinen billige alkoholfreie Getränke wie Tee anzubieten. Einige Münchner Kantinen melden im Verlauf des Oktobers, dass täglich nur noch 50 l statt wie bisher 15 Hektoliter Bier ausgeschenkt würden.

Der Deutschkonservative Wilhelm von Wedel-Piesdorf tritt aus Altersgründen als preußischer Minister des königlichen Hauses zurück. Wedel-Piesdorf hatte dieses Amt seit 1888 inne. Nachfolger wird August Graf zu Eulenburg, der seit 1890 Oberhof- und Hausmarschall des Kaisers ist.

2.10.1907, Mittwoch

US-Präsident Theodore Roosevelt fordert bei einer Rede in St. Louis, die großen Eisenbahngesellschaften unter staatliche Aufsicht zu stellen. Nur so könnten wirtschaftlicher Machtmissbrauch und Korruption bekämpft werden.

3.10.1907, Donnerstag

In Hamburg beginnt die 24. Generalversammlung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins.

Das Kriegsgericht der 18. Division in Altona (Hamburg) verurteilt den Musketier Georg Bäumler zu fünf Jahren und einem Monat Gefängnis, weil er in betrunkenem Zustand Kameraden angerempelt hatte. Der Ankläger hatte diese Vorgänge als besonders schlimm bezeichnet, weil sie geeignet seien, die militärische Disziplin zu untergraben.

4.10.1907, Freitag

Viele Einwohner des Königreichs Sachsen wünschen sich eine neue Landesmutter.

Das österreichische Kriegsministerium erklärt dem Schriftsteller Alexander Roda Roda, der in seinen satirischen Romanen, Anekdoten und Komödien vor allem die Schwächen des Offizierskorps der Donaumonarchie aufzeigt, seiner Offizierscharge für verlustig. Nach Meinung von Freunden wird es Roda Roda schwer fallen, einen so guten Witz zu übertrumpfen.

5.10.1907, Samstag

Im preußischen Wittenberg wird ein Landwehrmann zu fünf Tagen Arrest verurteilt, weil er einen Branddirektor mit “Guten Morgen, Herr Direktor” gegrüßt hatte. Der Branddirektor aber hatte Hauptmannsuniform getragen und hätte mit “Guten Morgen, Herr Hauptmann” gegrüßt werden müssen. Dem Soldaten wird mit dem Arrest eine Lehre fürs Leben erteilt: Der Titel eines Hauptmanns ist mehr wert als der ebenfalls ehrenwerte Titel eines Branddirektors.

Die französische Regierung unter Georges Clemenceau reagiert mit Ausweisungen auf antimilitärische Propaganda von Ausländern. So werden vier Spanier ausgewiesen, die in Paris Vorträge gegen den Krieg in Marokko halten wollten.

In Wiesbaden wird unter Teilnahme von fast 1000 Delegierten der Parteitag der Nationalliberalen eröffnet. Der Parteivorsitzende Ernst Bassermann verteidigt auf der zweitägigen Veranstaltung die Bildung des konservativ-liberalen Bülow-Blocks, fordert jedoch eine deutliche Abgrenzung von den anderen liberalen Parteien.

6.10.1907, Sonntag

In München wird der Deutsche Werkbund gegründet, eine Vereinigung von Architekten, Designern, Vertretern des Handwerks, der Industrie u.a.

Die Generalversammlung der Vorstände der preußischen Feuerbestattungsvereine im Reichstag in Berlin verabschiedet eine Protestresolution gegen das Behördenverbot, das Krematorium in Hagen bei Dortmund benutzen zu dürfen. Die Versammlung betont, dass die in der Bevölkerung umstrittene Feuerbestattung “einen Fortschritt in gesundheitlicher, schönheitlicher und wirtschaftlicher Beziehung” bedeute.

7.10.1907, Montag

Wilhelm von Schoen wird neuer deutsche Staatssekretär des Auswärtigen als Nachfolger von Heinrich Leonhard von Tschirschky und Bögendorff.

Der marokkanische Sultan Abd Al Asis empfängt in Rabat den französischen Gesandten Régnault. Dieser überreicht ihm das Großkreuz der Ehrenlegion, den bedeutendsten französischen Orden.

In Karlsruhe wird unter Teilnahme von Kaiser Wilhelm II. der am 28. September verstorbene Großherzog Friedrich I. von Baden beigesetzt. Scharfen Angriffen ihrer Genossen sehen sich die SPD-Politiker Kolb und Ludwig Frank ausgesetzt, die ebenfalls an der Beerdigung teilnehmen.

Mit einer Glanzleistung an Pedanterie sorgt wieder einmal die Potsdamer Regierungsbehörde für Aufsehen. Sie schickt einem Oranienburger Bürger die Aufforderung, vierteljährlich 87 Pfennig Einkommensteuer zu bezahlen. Der Unglückliche wendet sich nun an die deutsche Öffentlichkeit mit der prekären Frage: Wo gibt es halbe Pfennige?

8.10.1907, Dienstag

In Florenz beginnt eine Konferenz der Sozialdemokratischen Partei Italiens und des Allgemeinen Gewerkschaftsbundes. Auf der dreitägigen Veranstaltung wird vereinbart, dass politische Streiks nur dann durchgeführt werden dürfen, wenn sie gemeinsam von Partei und Gewerkschaft beschlossen wurden.

Große Unruhe herrscht in der Berliner Bevölkerung über das weitere Schicksal des Grunewalds. Anfang des Jahres hatten die Magistrate und Gemeindevorstände aller am Grunewald gelegenen Stadt- und Landgemeinden Kaiser Wilhelm II. aufgefordert, zu verhindern, dass dieses Naherholungsgebiet der Bauspekulation preisgegeben und in Villenbezirke aufgeteilt werde. Die nun bekannt gewordene Antwort des Kaisers jedoch deutet darauf hin, dass nur der “Hauptbestandteil” des Grunewalds erhalten bleiben soll.

Der Kolonialminister von Transvaal (Südafrika), Jan Christiaan Smuts, kündigt eine Verschärfung des Gesetzes gegen asiatische Einwanderer an. Transvaal müsse ein Land mit weißer Bevölkerung werden.

In Budapest wird der neue Ausgleich zwischen Österreich und Ungarn unterzeichnet.

US-Außenminister William Howard Taft betont in einer Versammlung US-amerikanischer Siedler in Schanghai, die Vereinigten Staaten würden jedes Mittel anwenden, um die Wirtschaftspolitik der offenen Tür im Reich der Mitte durchzusetzen. Zugleich beendet Taft die Spekulationen um einen Verkauf der US-Kolonie Philippinen an Japan.

9.10.1907, Mittwoch

Das Kriegsgericht der 18. Division in Hamburg verurteilt einen Landwehrmann zu zwei Monaten Gefängnis, weil er während eines Urlaubs an einem Gewerkschaftsausflug teilgenommen hatte. Dies sei ein Ausdruck “anti-patriotischer Gesinnung”. Die Haft soll dem Mann, der nach eigenen Angaben kein Sozialdemokrat ist, Gelegenheit geben, zum “schwarz-weiß-roten Gesinnungsideal zurückzufinden”.

Der 77-Jährige österreichische Kaiser Franz Joseph I. zieht sich eine Grippe zu. Die Bevölkerung und die internationale Presse bereiten sich bereits auf das Ableben des greisen Monarchen vor. Doch dieser übersteht die Krankheit und unternimmt wenige Tage später schon wieder einen Spaziergang.

10.10.1907, Donnerstag

Während der revolutionären Unruhen in Persien unterzeichnet Schah Mohammad Ali die lange geforderte Verfassung.

Die Berliner Stadtverordnetenversammlung beschließt die Anschaffung eines Automobils für den Magistrat.

11.10.1907, Freitag

Die Arbeiterkammer in Mailand proklamiert den Generalstreik. Karabinieri und Polizisten hatten auf streikende Arbeiter geschossen, die einen Eisenbahnzug mit Steinen beworfen hatten. Der Generalstreik wird am 23. Oktober nach der Verhaftung der “schießfreudigen” Polizisten beendet.

Der Kongress der Radikalen Partei Frankreichs – sie ist an der Regierungskoalition unter Georges Clemenceau beteiligt – erklärt es in Nancy zur Pflicht jedes Patrioten, gegen die Desorganisation der Armee und für Reformen wie die Einführung einer Arbeiterversicherung und der Einkommensteuer einzutreten.

Um die Abwanderung ländlicher Arbeiter einzudämmen, ordnet der preusische Arbeitsminister Paul Breitenbach an, dass beim Bau des Grosschifffahrtswegs Berlin- Stettin nur solche Arbeiter beschäftigt werden, die den Nachweis erbringen, dass sie im vergangenen Jahr mindestens drei Monate in der Landwirtschaft tätig waren.

12.10.1907, Samstag

Die niederländische Regierung unter dem Liberalen Theodore Herman de Meester legt einen Gesetzentwurf zur Änderung der Verfassung vor. Danach sollen die Wahlrechtsbeschränkungen aufgehoben werden.

Den Eiffelturm in Paris schmückt jetzt eine Leuchtuhr.

Das Reichsgericht in Leipzig verurteilt den Sozialdemokraten Karl Liebknecht wegen seiner Schrift “Militarismus und Antimilitarismus” zu eineinhalb Jahren Festungshaft.

13.10.1907, Sonntag

Wegen der höheren Löhne in den Städten wandern immer mehr Landarbeiter ab. Bei der diesjährigen Kartoffelernte werden deshalb mehr denn je Kinder eingesetzt. Eine zehn- bis elfstündige Arbeitszeit ist die Regel. Die “Pädagogische Zeitung” warnt vor den moralischen Schäden, denen die Kinder bei den “Kartoffelbuddlern” ausgesetzt sind, wo Mann und Frau, Bursch und Mädchen nachts “zusammenschlafen”.

14.10.1907, Montag

Im ostpreußischen Grabowen wird gegen einen Schullehrer das Disziplinarverfahren mit sofortiger Suspendierung vom Dienst eingeleitet, nachdem er in der “Lehrerzeitung” für Ost- und Westpreußen einen Artikel über das Thema “Die Gewissensfreiheit der Lehrer und Geistlichen” veröffentlicht hatte.

15.10.1907, Dienstag

Auf der Konferenz des Women’s Industrial Council in London zur Erörterung der weiblichen Arbeitslosigkeit wird betont, dass in Großbritannien mehr als 3 Mio. unverheirateter und 1 Mio. verheirateter Frauen auf eigenen Erwerb angewiesen seien.

Die Explosion einer Pulverfabrik zerstört fast die ganze Stadt Fontanet im US-Bundesstaat Indiana. Fast 100 Menschen kommen ums Leben, Hunderte werden verletzt.

Die neueröffnete Berliner Stadtbibliothek hält 90 000 Bücher bereit.

16.10.1907, Mittwoch

Das Auswärtige Amt in Berlin verweigert zwei Abgesandten des marokkanischen Gegensultans Mulai Abd Al Hafis den Zutritt. Noch unterstützt das Deutsche Reich den bisherigen Sultan Abd Al Asis.

17.10.1907, Donnerstag

Das Heidelberger Bezirksamt verurteilt einen US-amerikanischen Staatsbürger “wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses” zu fünf Tagen Haft und verweist ihn des Landes. Der reiche US-Amerikaner hatte zwei Arbeitslosen 50 Mark Belohnung versprochen, wenn sie öffentlich auf dem Marktplatz von Heidelberg Pferdemist essen würden, was die beiden taten.

Der französische Ministerrat unter Georges Clemenceau beschließt, den marokkanischen Sultan Abd Al Asis im Kampf gegen den Gegensultan, seinen Halbbruder Mulai Abd Al Hafis, zu unterstützen.

Die dänische Regierung unter Jens Christian Christensen betont im Folketing in Kopenhagen, außenpolitische Richtschnur sei die Bewahrung der dänischen Neutralität.

Sintflutartige Regengüsse richten in Schottland und England verheerende Schäden an.

18.10.1907, Freitag

In Den Haag endet die zweite Friedenskonferenz nach viermonatiger Tagungsdauer.

Die Schreckensmeldungen aus aller Welt werden in den Schatten gestellt von der Entdeckung des Münchner “Kinder-Vampyrs”. Dort hat die 13-Jährige Ida Schnell sieben Säuglinge, die sie hüten sollte, kaltblütig und so raffiniert umgebracht, dass erst nach dem siebten Mord der Verdacht auf sie fiel. Aufgrund seines jugendlichen Alters wird das Mädchen in eine Besserungsanstalt eingewiesen.

19.10.1907, Samstag

Die Skupschtina, das serbische Parlament in Belgrad, wird bis zum 17. Dezember vertagt, nachdem es zu tumultartigen Szenen wegen nationalistisch motivierter Morde gekommen war.

In Wien wird das “Kabarett Fledermaus” eröffnet.

20.10.1907, Sonntag

In Berlin beginnt der zweite Deutsche Arbeiterkongress. Die Delegierten, vor denen Reichsinnenminister Theobald von Bethmann Hollweg eine vielbeachtete sozialpolitische Rede hält, vertreten mehr als 1 Mio. Arbeitnehmer. Die Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine nehmen an der dreitägigen Veranstaltung nicht teil.

Der britische Staatssekretär für Indien, John Viscount Morley, macht “Rassengründe” für die Unruhen in Britisch-Indien verantwortlich und fordert eine Änderung im Verhalten der Europäer den Eingeborenen gegenüber: Indien sei das einzige Land, wo schroffe und anmaßende Manieren der Europäer in den Augen der Bevölkerung ein politisches Verbrechen seien.

Die ersten Deutschen Golfmeisterschaften enden in Hamburg.

21.10.1907, Montag

Die spanische Regierung unter Antonio Maura y Montaner räumt Differenzen mit Frankreich bezüglich des Kriegs in Marokko ein. Die Presse bringt diese Differenzen auf folgende Formel: Für Frankreich sei die Algeciras-Akte von 1906 ein Hindernis für die Verwirklichung ehrgeiziger Kolonialpläne, für Spanien aber Richtschnur der Außenpolitik.

In Petersburg (Leningrad) werden im Vorfeld der Wahlen zur dritten Duma zahlreiche Oppositionelle unter dem Verdacht revolutionärer Agitation verhaftet.

22.10.1907, Dienstag

Die deutsche Kaiserin Auguste Viktoria feiert ihren 49. Geburtstag. Die Berliner Stadtverordnetenversammlung übersendet zum ersten Mal seit sieben Jahren wieder einen Glückwunsch.

23.10.1907, Mittwoch

In Ottawa wird ein kanadisch-japanischer Notenwechsel veröffentlicht. Darin verspricht die kanadische Regierung unter Premierminister Wilfried Laurier, Japaner-Pogrome zu verhindern.

24.10.1907, Donnerstag

Der russische Außenminister Alexandr P. Iswolski erklärt in einem Interview der französischen Zeitung “Matin”, die russische Außenpolitik basiere auf der Allianz mit Frankreich. In beiden Ländern müsse alles dafür getan werden, dieses Band immer fester zu machen.

In London gründen mehrere antisozialistische Vereine das Komitee zur Überwachung der sozialistischen Bewegung. Der frühere konservative Premierminister Arthur James Balfour hatte zur Gründung einer Organisation zur Bekämpfung des Sozialismus aufgerufen. Schatzkanzler Herbert Henry Asquith (liberal) hingegen hatte am 19. Oktober in Ladybank erklärt, der Sozialismus sei für Großbritannien keine Gefahr.

Die süditalienische Provinz Kalabrien wird von einem schweren Erdbeben erschüttert.

Den Gordon-Bennett-Preis der Lüfte in St. Louis in den USA gewinnt der Deutsche Oskar Erbslöh, der mit dem Ballon “Pommern” 873,4 englische Meilen zurücklegt.

25.10.1907, Freitag

Die bayerische Abgeordnetenkammer in München nimmt gegen die Stimmen des Bauernbunds und der Konservativen einen Antrag der Liberalen an, Frauen zum Armen- und Waisenpflegschaftsrat für wählbar zu erklären.

26.10.1907, Samstag

Dem Franzosen Henri Farman gelingt erstmals ein Wendemanöver in der Luft.

Französische Truppen schlagen einen Angriff des marokkanischen Gegensultans Abd Al Hafis auf die Stadt Mogador (Essaouira) zurück, die sie erst vor wenigen Tagen erobert hatten.

Bei religiös-nationalistischen Auseinandersetzungen anlässlich der Einweihung der katholischen Kirche in Czernowo im ungarischen Komitat Liptau erschießt die Gendarmerie 15 Slowaken.

Die 28. Generalversammlung des Internationalen Vereins zur Reinhaltung der Flüsse, des Bodens und der Luft in Frankfurt am Main fordert die Reichsregierung auf, angesichts der in besorgniserregender Weise zunehmenden Verunreinigung der deutschen Gewässer dafür Sorge zu tragen, dass von den Einzelregierungen keine neue Erlaubnis zur Anlage von Schwemmkanalisationen gegeben werde. Sämtliche Klärmethoden hätten technisch oder hygienisch versagt.

Mehrere Berliner Milchhändlervereine und -großfirmen erhöhen den Milchpreis von 22 auf 24 Pfennig je Liter. Die Preiserhöhung wird begründet mit Viehfuttermangel und den steigenden Löhnen auf dem Lande.

28.10.1907, Montag

König Alfons XIII. von Spanien trifft zu einem Staatsbesuch in Paris ein, wo er von Präsident Armand Fallières empfangen wird.

Der Zentralverband deutscher Industrieller veranstaltet in Berlin eine Kundgebung zur Sozialpolitik. Darin erklären sich die Unternehmer zur Mitarbeit an der Sozialpolitik bereit, verwahren sich jedoch gegen eine Arbeitszeitverkürzung auf acht Stunden.

Der konservative norwegische Ministerpräsident Christian Michelsen tritt auf Druck der Opposition der linken Parlamentsmehrheit zurück. Nachfolger wird Reichsaußenminister Jørgen Løvland (Venstre) als Chef einer Koalitionsregierung.

29.10.1907, Dienstag

Das Deutsche Reich und Russland unterzeichnen in Petersburg (Leningrad) ein geheimes Ostseeabkommen, das den Status quo garantiert.

Das Berliner Schöffengericht spricht im Beleidigungsprozess des Grafen Kuno von Moltke gegen den Publizisten Maximilian Harden den Angeklagten frei. Harden hatte in seiner Zeitschrift “Zukunft” Moltke “normwidrige sexuelle Empfindungen” vorgeworfen und damit die Eulenburg-Affäre ausgelöst.

Der ungarische Ministerpräsident Sándor Wekerle verteidigt im Abgeordnetenhaus in Budapest seine Nationalitätenpolitik vor Angriffen der Serben und Kroaten.

30.10.1907, Mittwoch

Die Besatzung des russischen Torpedobootzerstörers “Skory” hißt die rote Flagge und eröffnet das Feuer auf Wladiwostok. Die “Skory” wird von einem anderen Kriegsschiff zerschossen. Der Großteil der Meuterer kommt ums Leben, 20 der Verhafteten werden zum Tod verurteilt.

Der Senat der Bonner Universität richtet einen Protest gegen Kardinal Antonius Fischer, den Erzbischof von Köln. Dieser hatte zum Boykott der Vorlesungen des katholischen Theologen Heinrich Schrörs aufgerufen. Schrörs steht im Verdacht, modernes Gedankengut zu fördern.

15 000 Menschen sterben bei einem Erdbeben in der bucharischen Stadt Karatag in Russland.

31.10.1907, Donnerstag

Nach einer Meldung aus der osmanischen Stadt Saloniki (heute zu Griechenland) nimmt die Tätigkeit nationalistischer Guerillas in Makedonien stark zu. In Klepusna sollen elf wohlhabende bulgarische Bauern von griechischen Guerilleros ermordet worden sein.

Nach neuesten Angaben ist die Kriminalität im Deutschen Reich seit 1902 stark zurückgegangen. Dafür ist die Kinder- und Jugendkriminalität seit 1882 um 26% angestiegen. So wurden allein im Jahr 1905 mehr als 10 000 Kinder unter 14 Jahren zu Gefängnisstrafen verurteilt. Nach der Meinung von Fachleuten steht das Ansteigen der Kinderkriminalität in direktem Zusammenhang mit der Kinderarbeit, die ebenfalls stark zugenommen hat.