Was geschah im Oktober 1917

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Wetterstationen Oktober 1917

1.10.1917, Montag

Das Schifffahrtsdepartment der USA beschlagnahmt in Bau befindliche Handelsschiffe, die von Großbritannien und Frankreich in Auftrag gegeben wurden. Die Auftraggeber verlangen die Freigabe spätestens mit Kriegsende.

In Bern tagt eine internationale Gewerkschaftskonferenz, die Forderungen für einen Friedensschluss aufstellt. Gleichzeitig werden Grundsätze der internationalen Gesetzgebung im Arbeitsrecht beschlossen.

In den Niederlanden erscheint die erste Nummer der Zeitschrift “De Stijl”. Die Publikation ist das Organ einer Künstlergruppe, die sich für die Reform der Architektur und Gebrauchskunst zugunsten von klaren, abstrakten Strukturen einsetzt.

Die russische Armee und Marine in Helsingfors verweigern den Befehl des Ministerpräsidenten Alexandr F. Kerenski, den Zusammentritt des finnischen Parlaments zu verhindern.

2.10.1917, Dienstag

Anlässlich seines 70. Geburtstages richtet Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg eine Botschaft an das deutsche Volk.

Der ungarische Ministerpräsident Alexander Wekerle betont in Wien die Stärke des Kaiserreichs. Er spricht sich gegen den Krieg als Fortsetzung der Politik aus und wünscht einen baldigen Waffenstillstand.

Der Hauptausschuss des Deutschen Reichstags in Berlin beschließt eine neue Wuchergesetzgebung. Die Strafe für Wucher soll danach mindestens das Doppelte des erzielten Gewinns betragen.

Zahlreiche deutsche Stadte protestieren beim Reichstag gegen die hohen Kartoffelpreise. Der Zentner kostet derzeit neun bis zehn Mark.

3.10.1917, Mittwoch

An der Flandern-Front liefern sich die eingegrabenen Armeen schwerste Artilleriegefechte.

Nach verschiedenen Luftangriffen durch deutsche Flugzeuge steht der Hauptumschlagplatz der britischen Armee, der belgische Hafen Dünkirchen, in Flammen.

Die Städte Stuttgart, Frankfurt am Main und Dortmund werden von feindlichen Bombenflugzeugen angegriffen.

Bei einem Taifun, der über den japanischen Städten Tokio und Osaka wütet, werden 138 Personen getötet.

4.10.1917, Donnerstag

Zum Abschluss des internationalen Gewerkschaftskongresses in Bern wird der Achtstundentag gefordert. Die Beschäftigung von Frauen wird grundsätzlich abgelehnt.

In Berlin findet ein Entmündigungsprozess gegen den preußischen Prinzen Friedrich Leopold (Sohn) statt. Der mit 900 000 Mark verschuldete Prinz hatte 5000 Mark monatliche Unterstützung aus seinem Erbe verlangt.

Das US-amerikanische Kriegsministerium in Washington unterzeichnet Verträge zum Bau von 20 000 Militärflugzeugen. Der deutsche Flieger Manfred Freiherr von Richthofen meint, die USA könnten niemals 20 000 trainierte Piloten in Dienst stellen, da sie vor dem Krieg viel zu wenige Männer ausgebildet hätten.

Die deutschen Städte Dortmund, Frankfurt am Main und Baden-Baden werden von alliierten Flugzeugen bombardiert. Die kriegführenden Mächte werfen sich gegenseitig vor, offene, d. h. von Militäreinrichtungen freie und unbefestigte Städte zu bombardieren.

5.10.1917, Freitag

In der dritten Flandern-Schlacht ist bisher viermal soviel Artilleriemunition verschossen worden wie in der großen Somme-Schlacht von 1916. Ziel der alliierten Großangriffe ist die deutsche U-Bootbasis an der belgischen Küste.

Die japanische Regierung in Tokio beschließt die Beschlagnahme aller im Bau befindlicher Handelsschiffe. Die Maßnahme trifft vor allem Großbritannien, das 20 große Schiffe in Auftrag gegeben hat.

In Ausstellungen der Kommunalbehörden wird die deutsche Bevölkerung über das sachgemäße Einkellern von Kartoffeln informiert.

6.10.1917, Samstag

Im Deutschen Reichstag kommt es zu schweren Auseinandersetzungen über die vaterländische Propaganda des Alldeutschen Vereins und der Vaterlandspartei an der Front. Die Sozialdemokraten fordern das Verbot der Propaganda durch Vorgesetzte.

Der Deutsche Reichstag debattiert die Pressezensur, die bisher zum Konkurs verschiedener Zeitungen geführt hat. Die SPD beantragt, Verbote nur noch für die Dauer von zwei Tagen auszusprechen.

Der sozialdemokratische “Konsum-, Bau- und Sparverein” erzielt einen Gewinn von 2,3 Millionen Mark und schüttet zusätzlich 13 Millionen Mark an die Mitglieder der Genossenschaft aus.

7.10.1917, Sonntag

Die Transportarbeiter der Pariser Untergrundbahn (Metro) treten wegen Lohnstreitigkeiten in Streik.

Uruguay und Peru brechen die diplomatischen Beziehungen zum Deutschen Reich ab.

Die deutsche und niederländische Handelskonferenz in Den Haag vereinbart ein Wirtschaftsabkommen, das sich zunächst auf die Lieferung von Steinkohle in die Niederlande bezieht.

8.10.1917, Montag

Die Diskussionen über die politische Propaganda an der Front führen zu einer schweren Krise der deutschen Reichsregierung. Die linken Parteien fordern abermals das Verbot der Propaganda durch Vorgesetzte. Reichskanzler Georg Michaelis nimmt nicht deutlich Stellung.

Wegen der Meutereien in der Hochseeflotte richtet der Deutsche Reichstag schwere Vorwürfe an die USPD. Den Abgeordneten wird die Aufhebung der Immunität empfohlen, damit wegen Hochverrats gegen sie ermittelt werden kann.

Leo D. Trotzki wird zum Vorsitzenden des Petrograder Sowjet gewählt. Der Rat lehnt die neue Koalitionsregierung ab.

9.10.1917, Dienstag

Das neue Kabinett des russischen Ministerpräsidenten Alexandr F. Kerenski besteht aus drei Sozialrevolutionären, vier Sozialdemokraten, drei unabhängigen Sozialisten, vier Kadetten und zwei Parteilosen.

Der Schweizer Bundesrat erlässt in Bern Maßnahmen zur Kohleeinsparung. So müssen z. B. die Geschäfte um 19.00 Uhr geschlossen werden.

In Nordchina ist nach Überschwemmungen ein Gebiet von 30 000 km² überflutet. Die Hauptstadt Peking ist nahezu von der Außenwelt abgeschnitten.

10.10.1917, Mittwoch

Die USA drohen ihre Rohstofflieferungen an neutrale Länder ganz einzustellen, falls weiterhin Handelsverträge zwischen Neutralen und dem Deutschen Reich abgeschlossen werden.

11.10.1917, Donnerstag

Die revolutionäre irische Armee, die unter der Führung der Partei Sinn Fein für die Republik kämpft, besteht derzeit nach eigenen Mitteilungen aus 20 000 gut bewaffneten Kämpfern.

Die US-amerikanische Regierung in Washington beschließt, keine Bunkerkohle mehr an Schiffe neutraler Länder zu liefern. Die Handelsschiffe der Niederlande, die sich in Süd- und Nordamerika befinden, können ihre Heimathäfen nicht mehr erreichen.

12.10.1917, Freitag

Deutsche Marine- und Landstreitkräfte erobern die Inseln Ösel, Dagö und Moon in der Rigaer Bucht, die wegen ihrer Lage von strategischer Bedeutung sind.

Nach zehn Großoffensiven an der Flandern-Front ist die deutsche Grabenlinie um bis zu 6 km zurückgedrängt worden.

13.10.1917, Samstag

Die britische Schiffsversicherung Lloyd’s bemüht sich um das Auffinden verschwundener Schiffe. Täglich werden bis zu sechs Schiffsverluste gemeldet, deren Ladungen bis zu einer Million US-Dollar (rund 5,5 Millionen Mark) wert sind.

Die Reichsbekleidungsstelle in Berlin erklärt Strümpfe, Hemden und Säuglingsbekleidung für bezugsscheinpflichtig.

In Montevideo belegt die heimische Fußballmannschaft aus Uruguay mit 4:0 Punkten (6:0 Tore) Platz Eins der Südamerika-Meisterschaften.

15.10.1917, Montag

Wegen angeblicher Spionage für das Deutsche Reich wird die Tänzerin Mata Hari in Vincennes bei Paris erschossen.

Der Deutsche Kaiser Wilhelm II. trifft zu einem Staatsbesuch in Konstantinopel (heute Istanbul), der Hauptstadt des Osmanischen Reiches ein. Hauptgesprächspartner der Verbündeten ist Generalissimus Enver Pascha.

In Stockholm findet eine internationale Konferenz für Kriegsgefangenenfürsorge der Rot-Kreuz-Vereinigungen statt.

Der Zentralausschuss der russischen Ostseeflotte verlangt von der Regierung Alexandr F. Kerenski die sofortige Einleitung von Friedensverhandlungen. Der Ausschuss erkennt nur noch den Petrograder Arbeiter- und Soldatenrat an.

16.10.1917, Dienstag

Ein Feriensonderzug mit 600 Kindern aus dem Westen des Deutschen Reiches verunglückt auf der Strecke Berlin-Stendhal. 26 Menschen kommen ums Leben.

Eine offene Barkasse des am 8. August gestrandeten deutschen Schiffes “Seeadler” wird von australischen Seestreitkräften bei den Fidschi-Inseln gestellt. Unter den Gefangenen ist auch der Kommandant, Felix Graf Luckner.

Die US-amerikanische Regierung beschließt die Beschlagnahme von allen Handelsschiffen über 2500 BRT, um sie als Truppentransporter einzusetzen.

17.10.1917, Mittwoch

Im Deutschen Theater von Berlin wird Gerhart Hauptmanns Trauerspiel “Winterballade” uraufgeführt.

Das Buch- und Filmamt, BUSA, Propagandastelle der deutschen Reichsregierung, bringt den Film “U 35 bei der Arbeit” heraus.

Die Einwohner der Stadt Reval werden wegen der deutschen Besetzung der Inseln der Rigaer Bucht evakuiert.

19.10.1917, Freitag

An der Flandern-Front nehmen die Artilleriegefechte zu. Deutsche Torpedoboote beschießen Dünkirchen.

Der Vorsitzende des Petrograder Sowjet, Leo D. Trotzki, kündigt an, die Massenbewegung der Bolschewisten werde eine neue Phase der Revolution einleiten. In allen russischen Städten kommt es zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Arbeitern und Militärabteilungen.

20.10.1917, Samstag

Die deutsche Reichsregierung beschließt die Beschlagnahme von inländischem und importiertem Zigarettenpapier.

In Petrograd wird das neue Vorparlament unter dem Vorsitz von Alexandr F. Kerenski eröffnet. Die Bolschewisten unter Leo D. Trotzki verlassen die Sitzung, die sie als konterrevolutionär ansehen.

Die russische Provisorische Regierung beschließt die Räumung der Stadt Petrograd (heute Leningrad). Neue Hauptstadt soll Moskau sein. Hier ist der politische Einfluss der Bolschewiki schwächer als in Petrograd.

Räuberbanden mit bis zu 100 Personen verunsichern das südrussische Gebiet um Kiew und die Krim. Bei Eisenbahnüberfällen kommen mehrere hundert Menschen ums Leben.

Vier deutsche Luftschiffe vom Parseval-Typ kehren von einem Einsatz über Großbritannien nicht mehr zurück. Sie werden abgetrieben und müssen über französischem Gebiet notlanden.

22.10.1917, Montag

Der deutsche Kaiser Wilhelm II. richtet ein Danktelegramm an die deutschen Marineeinheiten, die in der Rigaer Bucht die Insel Ösel erobert haben.

In Wien endet der Parteitag der Deutsch-Sozialdemokratischen Partei mit der Ablehnung, in die österreichische Regierung einzutreten.

Die republikanische Partei Südafrikas verlangt die Unabhängigkeit des Landes von Großbritannien.

23.10.1917, Dienstag

Innerhalb der deutschen Reichsregierung wird ein zentrales Reichswirtschaftsamt gegründet. Zudem entlässt Kaiser Wilhelm II. den Staatssekretär des Innern, Karl Helfferich, der jedoch Stellvertreter des Reichskanzlers bleibt. Neuer Staatssekretär wird Max Wallraf.

Die russischen Bolschewisten planen den gewaltsamen Umsturz am Tag des Zusammentritts des Zweiten Allrussischen Kongresses. Der am 21. Oktober aus dem finnischen Exil zurückgekehrte Revolutionär Wladimir I. Lenin setzt sich während einer Geheimsitzung des Zentralkomitees der Bolschewisten in Petrograd (heute Leningrad) gegen die Stimmen von Lew B. Kamenew und Grigori J. Sinowjew durch.

Im US-amerikanischen Ausbildungslager Camp Mills werden zwei Deserteure zu zehn Jahren Zwangsarbeit im Bundesgefängnis Atlanta/Georgia verurteilt.

Britische Generale fordern von der Londoner Regierung die regelmäßige Bombardierung der deutschen Industriezentren.

24.10.1917, Mittwoch

Der Marineausschuss der russischen Ostsee-Flotte in Kronstadt hat die strategische Leitung der Schiffe übernommen. Der bisherige Kommandant der Division wird zum Rücktritt gezwungen.

Der deutsche Reichskanzler Georg Michaelis reicht seinen Rücktritt ein.

An der italienischen Front beginnt die 12. Isonzo-Schlacht. Nach anfänglichen Erfolgen erleiden die Italiener schwere Niederlagen, die vor allem durch die Unterstützung der österreichischen durch deutsche Truppen verursacht sind.

25.10.1917, Donnerstag

Deutsche und österreichisch-ungarische Truppen unternehmen einen erfolgreichen Vorstoß an der Isonzo-Front.

Ein zwischen dem Deutschen Reich und den Niederlanden geschlossenes Handelsabkommen tritt in Kraft. Die Niederlande erhalten Kohle und Stahl, das Deutsche Reich dagegen Käse und Butter.

Der Bundesbeauftragte für Ernährung in New York empfiehlt den Hausfrauen zwei fleisch- und weizenlose Tage in der Woche.

In einer Grußadresse an die 100 Mitglieder der New Yorker Partei für Frauenwahlrecht (Suffragetten) begrüßt US-Präsident Thomas Woodrow Wilson die Bestrebungen für das gleiche Wahlrecht.

26.10.1917, Freitag

Die 2. italienische Armee am Isonzo wird vernichtend geschlagen. Die Mittelmächte machen über 250 000 Gefangene.

Zwischen Truppen aus dem US-amerikanischen Südstaat Alabama und den farbigen Soldaten des 15. Infanterieregiments aus New York kommt es in einem gemeinsamen Ausbildungslager zu schweren Auseinandersetzungen. – Das Armee-Ausbildungslager Camp Mills, Long Island, wird von anderen Armee-Einheiten umstellt.

Die irische Partei Sinn Fein beschließt in Dublin, die internationale Anerkennung Irlands als eine unabhängige Republik anzustreben und eine Volksabstimmung durchzuführen.

Anlässlich der Feiern zum 225-Jährigen Bestehen der Wiener Akademie der bildenden Künste werden die deutschen Künstler Max Klinger und Franz von Stuck zu Ehrenmitgliedern ernannt.

In Petrograd (heute Leningrad) findet die erste vollständige Aufführung der Oper “Der Jahrmarkt von Sorotschinzy” von Modest P. Mussorgski statt. In unvollständiger Fassung war das Werk 1911 ebenfalls in Petrograd uraufgeführt worden.

27.10.1917, Samstag

Die deutschen Frontsoldaten erhalten ein Urlaubsverbot, das auch Sonntage und die Weihnachtstage einschließt. Als Grund werden Transportschwierigkeiten der Eisenbahn genannt.

In Polen wird der Regentschaftsrat, der von den deutschen und österreichisch-ungarischen Besatzungstruppen die politische Macht übernehmen soll, eingesetzt. Ministerpräsident wird Professor Jan Kucharzewski, ein gemäßigt rechtsgerichteter Politiker.

Wegen der katastrophalen Versorgungslage kommt es in den italienischen Städten Venedig und Mailand zu Hungerdemonstrationen.

Als Folge der siegreichen Isonzo-Offensive unterbreitet die österreichische Regierung in Wien einen Friedensvorschlag.

Im Berliner Lehrervereinshaus treffen sich die christlichen Gewerkschaften im Deutschen Reich. Die Versammlung fordert dazu auf, den Krieg mit größter Rücksichtslosigkeit fortzuführen.

Bei den Schweizer Nationalratswahlen kommt es zu keiner Veränderung der Zusammensetzung. Die Radikaldemokraten behalten ihre große Mehrheit.

29.10.1917, Montag

Der Deutsche Kaiser Wilhelm II. und Österreichs Kaiser Karl I. tauschen Telegramme über die erfolgreiche Offensive am Isonzo aus. Österreichische Truppen stehen kurz vor der Stadt Udine.

In Paris wird die Redaktion der Zeitung “Action Française” durchsucht und mehrere Personen verhaftet. Zahlreiche Waffenlager der royalistisch-reaktionären Vereinigung, die hinter der Zeitungsredaktion steht, werden aufgedeckt. Die Regierung spricht von einem Umsturzversuch.

30.10.1917, Dienstag

Die österreichisch-ungarische 14. Armee erobert die italienische Stadt Udine. Die italienische Militärverwaltung ordnet daraufhin die Räumung der Städte Treviso, Vicenza und Venedig an.

31.10.1917, Mittwoch

Die deutschen Truppen in Ostafrika unter General Pauf von Lettow-Vorbeck marschieren auf der Flucht vor britischen Verbänden in Portugiesisch-Ostafrika ein.

Irische Studenten stören die Promotionsfeiern der Universität Dublin und demonstrieren für die Unabhängigkeit des Landes und die Ziele der Sinn Féin.

Bertolt Brecht immatrikuliert sich in der Philosophischen Fakultät der Universität München.

In Norwegen erscheint der Roman “Segen der Erde” des Dichters Knut Hamsun.

Chroniknet