Was geschah im Oktober 1924

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Wetterstationen Oktober 1924

1.10.1924, Mittwoch

Der Duisburg-Ruhrorter Hafen wird von der französischen Besatzung freigegeben. Ebenso werden beschlagnahmte Privatanlagen in Ruhrort ihren Eigentümern zurückgegeben, so dass hier der Zustand vom 10. Januar 1923, vor dem Einmarsch der Franzosen und Belgier, wiederhergestellt ist.

In Paris beginnen elftägige deutsch-französische Wirtschaftsverhandlungen, die während der Londoner Konferenz (16. 7.- 16. 8.) vereinbart worden waren. Bei dieser und bei einer zweiten Verhandlungsrunde im November wird jedoch keine Einigung erzielt.

In London wird eine Ausstellung des offiziellen Kriegsmalers der britischen Armee, William Rothenstein, die vor allem Porträts zeigt, eröffnet.

Das Kunstgewerbemuseum Frankfurt am Main zeigt die Deutsche Werkbundausstellung “Die Form”.

Beim Ullstein Verlag in Berlin erscheint die erste Nummer des Monats-Magazins “Uhu”. Durch eine intensive Werbekampagne ist der “Uhu” schon vor Erscheinen in aller Munde. Er wird den Verkäufern buchstäblich aus den Händen gerissen. Schon nach wenigen Tagen ist die Auflage verkauft.

Die österreichische Radio Verkehrs AG (RAVAG) strahlt ihre erste Sendung in Wien aus. In Österreich sind bereits 11 000 Empfangslizenzen erteilt worden.

2.10.1924, Donnerstag

In einer Unterredung mit den Führern der Regierungsparteien Zentrum, Deutsche Demokratische Partei und Deutsche Volkspartei wird der Vorschlag von Reichskanzler Wilhelm Marx (Zentrum) angenommen, zur Erweiterung der Minderheitsregierung in Koalitionsverhandlungen mit der Deutschnationalen Volkspartei und den Sozialdemokraten einzutreten.

Nach langer Beratung über Abrüstung und Sicherheitspolitik verabschiedet die fünfte Völkerbundsversammlung, die seit dem 1. September in Genf tagt, das Protokoll über die friedliche Regelung internationaler Streitigkeiten. Da Großbritannien, das nach den Wahlen am 29. Oktober konservativ regiert wird, das Genfer Protokoll nicht unterzeichnet, bleibt die Vereinbarung wirkungslos.

3.10.1924, Freitag

In London scheitern Verhandlungen zwischen Ägyptens Ministerpräsident Sad Saghlul und dem britischen Premierminister James Ramsay MacDonald. Wafd-Führer Saghlul, der bei seiner Rückkehr in Kairo begeistert empfangen wird, hatte u.a. den Abzug der britischen Streitkräfte aus Ägypten gefordert.

Ibn Ali Hussein, König des Hedschas und Scherif von Mekka, muss abdanken, nachdem ihm Sultan Abd Al Assis Ibn Saud den Heiligen Krieg erklärt hat. Hussein hatte zuvor die Unterstützung der Briten verloren.

4.10.1924, Samstag

Die Interalliierte Rheinlandkommission hebt das im Besatzungsgebiet geltende Verbot der satirischen Zeitschrift “Simplicissimus” auf.

Das neue Reichsbankgesetz, das diese Einrichtung internationaler Kontrolle unterstellt, wird von einer außerordentlichen Generalversammlung der Reichsbank angenommen.

5.10.1924, Sonntag

Im Plenarsaal des Reichstags in Berlin wird der 23. Weltfriedenskongress feierlich eröffnet. Der Kongress, der bis zum 8. Oktober dauert, wird vom Vorsitzenden der Deutschen Friedensgesellschaft, Ludwig Quidde, geleitet.

Die Münchner Telefon-Oper nimmt ihren Betrieb auf. Zunächst nehmen etwa 2500 Hörer an den Aufführungen des Nationaltheaters per Telefon teil. Vorgesehen ist die Einrichtung öffentlicher Hörstuben.

6.10.1924, Montag

Für Verhandlungen zur Erweiterung der bestehenden Koalition aus Zentrum, Deutscher Demokratischer Partei (DDP) und Deutscher Volkspartei (DVP) verabschiedet die Reichsregierung Richtlinien. Als Grundlage der deutschen Außenpolitik werden die bei der Londoner Konferenz am 16. August getroffenen Vereinbarungen (Dawesplan) festgelegt.

Vom Obersten Landesgericht München wird die vorzeitige Haftentlassung Adolf Hitlers abgelehnt. Hitler war am 1. April wegen des Putschversuchs in München im November 1923 zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt worden.

7.10.1924, Dienstag

Der Liberale Andreas Michalakopulos steht an der Spitze des neuen griechischen Kabinetts, das von allen Parteien unterstützt wird, abgesehen von der republikanischen Partei. Wenige Tage vorher war das Kabinett Themistokles Sofulis zurückgetreten, um die Bildung dieses Koalitionskabinetts zu ermöglichen.

In Lakehurst im US-Bundesstaat New York startet das Luftschiff “Shenandoah” (ZR 1) zu einem Transkontinentalflug nach Kalifornien.

8.10.1924, Mittwoch

Nahe Genua entgleist infolge zu schnellen Überfahrens einer Weiche der Expresszug Paris- Rom. Bei dem Zugunglück kommen fünf Personen ums Leben, 40 Fahrgäste erleiden teilweise schwere Verletzungen.

Premierminister James Ramsey MacDonald, der seit dem 23. Januar an der Spitze einer Labour-Minderheitsregierung steht, stellt im Zusammenhang mit dem “Campbell Case” die Vertrauensfrage. Da MacDonald scheitert, kommt es einen Tag später zur Auflösung des Parlaments und zu Neuwahlen in Großbritannien.

Dänemarks Verteidigungsminister Gustav Rasmussen legt dem Parlament seinen weitgehenden Abrüstungsvorschlag vor. Der Gesetzentwurf sieht die Abschaffung der Wehrpflicht und die Aufhebung der gesamten militärischen Organisation vor. Dieser Plan findet jedoch nicht die Mehrheit im dänischen Parlament.

9.10.1924, Donnerstag

Reichskanzler Wilhelm Marx (Zentrum) scheitert mit den Bemühungen, seine Minderheitsregierung der bürgerlichen Mitte, an der Zentrum, Deutsche Demokratische Partei und Deutsche Volkspartei beteiligt sind, durch Aufnahme der Deutschnationalen Volkspartei und der Sozialdemokraten in das Kabinett, eine “ganz große Koalition” zu schaffen.

10.10.1924, Freitag

In London unterzeichnen die Banken der an der Londoner Konferenz beteiligten Länder und Reichsfinanzminister Hans Luther ein Abkommen über die Reparationsanleihe, die der Dawesplan als Starthilfe für das Deutsche Reich vorsieht. Mit der Unterzeichnung dieses Abkommens treten die Dawes-Gesetze in Kraft.

Regisseur Leopold Jessner überzeugt Publikum und Kritiker gleichermaßen mit seiner Inszenierung von Friedrich Schillers “Wallenstein” am Schauspielhaus Berlin.

In Münster nimmt die Westdeutsche Funkstunde AG (Wefag) ihren Programmbetrieb auf. Gründer der Wefag sind die Industrie- und Handelskammern Bielefeld, Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen, Münster und Osnabrück sowie die Stadt Münster.

11.10.1924, Samstag

In Köln feiern die christlichen Gewerkschaften ihr 25-Jähriges Jubiläum. Konrad Adenauer, Oberbürgermeister von Köln, und Reichsarbeitsminister Heinrich Brauns richten Grußworte an den Jubiläumskongress.

Im Rahmen des zweiten Musik- und Theaterfestes der Stadt Wien, das am 14. September begonnen hat, wird im Burgtheater Arthur Schnitzlers “Komödie der Verführung” mit Erfolg uraufgeführt.

Als Nachfolger von General Jean Marie Degoutte wird General Louis Guillaumat zum Oberbefehlshaber der französischen Besatzungstruppen im Deutschen Reich ernannt.

Reichsverkehrsminister Rudolf Oeser (DDP) scheidet aus dem Kabinett aus und übernimmt die Leitung der neuen Reichsbahngesellschaft. Das Verkehrsministerium wird vertretungsweise von Staatssekretär Rudolf Krohne geleitet.

12.10.1924, Sonntag

Hugo Eckener startet in Friedrichshafen am Bodensee mit dem Zeppelin LZ 126 zur Atlantiküberquerung nach Lakehurst/New York. Mit diesem riskanten Flug wird das Luftschiff als Teil der deutschen Reparationsleistungen in die Vereinigten Staaten von Amerika überführt.

Der französische Erzähler, Essayist und Literaturkritiker Anatole France (eigentl. François Anatole Thibault) stirbt 80jährig auf Gut La Béchellerie bei Saint-Cyr-sur-Loire im Departement Indre-et-Loire. France, geboren am 16. April 1844 in Paris, wurde 1921 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet.

13.10.1924, Montag

Die Heilige Stadt Mekka im Königreich Hedschas wird von saudischen Beduinentruppen besetzt. Schon am 3. Oktober hatte Ibn Ali Hussein, König der Hedschas und Scherif von Mekka, abgedankt, nachdem er die britische Unterstützung verloren hatte und Sultan Abd Al Asis Ibn ihm den Heiligen Krieg erklärt hatte.

Aus dem niederländischen Amsterdam wird die Verhaftung eines deutschen Staatsbürgers gemeldet, der nach Angaben der Polizei versucht haben soll, in Frauenkleidung in das Schloss Doorn einzudringen, um auf den dort im Exil lebenden deutschen Ex-Kaiser Wilhelm II. ein Attentat zu verüben.

Im Dramatischen Theater in Berlin, das erst am 29. August von Schauspieler Wilhelm Dieterle eröffnet worden war, findet die letzte Premiere statt. Gezeigt wird Yvan Golls “Methusalem oder Der ewige Bürger”. Die kleine Bühne mit hohem künstlerischem Anspruch ist bereits bankrott.

14.10.1924, Dienstag

Busters Keatons “The Navigator” (Der Seefahrer) wird in den Vereinigten Staaten uraufgeführt. Keaton spielt die Hauptrolle, einen Millionärssohn, der auf eine einsame Insel verschlagen wird.

Theaterregisseur und – Intendant Max Reinhardt inszeniert am Deutschen Theater in Berlin “Die heilige Johanna” von George Bernard Shaw. Die Johanna-Darstellerin Elisabeth Bergner begeistert Kritik und Publikum. Sie wechselt vom Lessing-Theater nun fest in das Ensemble des Deutschen Theaters.

Schon zwölf Minuten nach Eröffnung wird die Zeichnung von Beteiligungen an der 110-Millionen-US-Dollar-Anleihe des US-Bankhauses Morgan & Co. bei starker Überzeichnung geschlossen. Das Bankhaus Morgan hat die Hälfte der internationalen Dawes-Anleihe für das Deutsche Reich in einer Gesamthöhe von 800 Millionen Goldmark übernommen.

In der Volksoper in der österreichischen Hauptstadt Wien wird “Die glückliche Hand” von Arnold Schönberg uraufgeführt. Das “Drama mit Musik” ist weder der Oper noch dem Theater eindeutig zuzuordnen. Die Uraufführung findet im Rahmen des zweiten Musik- und Theaterfestes der Stadt Wien statt.

15.10.1924, Mittwoch

Bei der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP) stößt eine Erweiterung der Koalition (Zentrum, DVP, DDP) durch Aufnahme der rechten Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) auf Ablehnung. Die derzeitige Minderheitsregierung unter Wilhelm Marx ist bestrebt, ihre Regierungsbasis durch Koalitionen zu verbreitern.

In Moskau wird die erste deutsche Kunstausstellung eröffnet.

Das deutsche Luftschiff LZ 126 landet nach einer sensationellen Atlantiküberquerung auf dem US-Marineflugplatz Lakehurst/New York, wo US-Präsident Calvin Coolidge eine Begrüßungsansprache hält. LZ 126, Teil deutscher Reparationen, erhält wenig später den Namen “Los Angeles”.

16.10.1924, Donnerstag

General Miguel Primo de Rivera y Orbaneja, seit dem Putsch vom September 1923 Regierungschef in Spanien, wird zum Oberkommissar und Oberkommandanten in Spanisch-Marokko ernannt. Dort führen die Spanier seit 1919 einen Kolonialkrieg gegen die einheimischen Rifkabylen.

Mit einer Niederlage für die Arbeitnehmer endet nach mehr als sieben Wochen der Bergarbeiterstreik in Belgien. Von 10% Lohnkürzung haben die Arbeitgeber nur 2% nachgelassen.

17.10.1924, Freitag

Nach Meldung der “Times” betragen die Zeichnungen für den britischen Anteil der deutschen Dawes-Anleihe 150 bis 160 Millionen Pfund, womit die Anleihe 13mal überzeichnet ist. Die Überzeichnung zeigt ein neues Vertrauen in die deutsche Wirtschaft.

18.10.1924, Samstag

In Schweden kommt es nach den Wahlen zur Zweiten Kammer am 19. September zur Bildung einer sozialdemokratischen Regierung unter Hjalmar Branting. Zuvor war der bisherige Ministerpräsident Ernst Trygger mit dem Versuch gescheitert, seine konservative Minderheitsregierung durch Einbeziehung der Freisinnigen zu erweitern.

Der Maler Max Liebermann eröffnet die Herbstausstellung der Berliner Akademie der Künste. Reichspräsident Friedrich Ebert (SPD) gehört zu den prominenten Gästen der Eröffnungsfeier.

19.10.1924, Sonntag

Nach längeren Verhandlungen wird zwischen einer deutschen Abordnung und der Interalliierten Rheinlandkommission ein Abkommen über die Rückgabe der Zoll-, Forst- und Domänenverwaltung erzielt. Danach geht die Verwaltung am 21. Oktober wieder in deutsche Hände über.

20.10.1924, Montag

Reichspräsident Friedrich Ebert (SPD) löst auf Antrag von Reichskanzler Wilhelm Marx (Zentrum) den erst am 4. Mai gewählten Reichstag auf. Zuvor waren Bemühungen des Minderheitskabinetts unter Marx gescheitert, durch Verbreiterung der Koalition die Regierungskrise zu lösen. Als Termin für Neuwahlen wird der 7. Dezember bestimmt.

Bei den Wahlen zum norwegischen Parlament (Storting) erhalten die Rechtsparteien eine knappe Mehrheit. Die Regierungsneubildung wird bis nach dem Zusammentritt des Storting am 11. Januar 1925 vertagt.

21.10.1924, Dienstag

In einem Wahlaufruf zu den Reichstagswahlen am 7. Dezember fordert die Reichsregierung die Wähler auf, die “radikalen Elemente” durch Neuwahlen “auszuschalten”.

Zur wissenschaftlichen und technischen Förderung des Straßenbaus wird in Berlin die Studiengesellschaft für Automobilstraßenbau (StUFA) gegründet.

Ernst Kreneks Oper “Zwingburg” wird in der Berliner Staatsoper uraufgeführt. Das Libretto zu dem Werk schrieb Franz Werfel.

22.10.1924, Mittwoch

Im ehemaligen Großen Schauspielhaus in Berlin startet Eric Charell seine erste große Ausstattungsrevue mit dem Titel “An Alle”. Mittelpunkt der erfolgreichen Mammutshow sind die bekannten “Tiller-Girls” aus London.

Die französischen Besatzungstruppen verlassen die Zone Limburg-Dortmund-Hörde. Nachdem die umstrittene Reparationsfrage mit dem Dawesplan geregelt worden ist, beginnen die Franzosen mit dem Truppenrückzug aus dem seit Januar 1923 besetzten Ruhrgebiet. Bis zum 15. August 1925 soll die Räumung abgeschlossen sein.

General Emilio De Bono, Oberkommandant der faschistischen Miliz in Italien, tritt zurück. De Bono war im Zusammenhang mit der Ermordung des Sozialistenführers Giacomo Matteotti am 10. Juni heftigen Angriffen von seiten der Opposition ausgesetzt.

23.10.1924, Donnerstag

Oskar Hergt tritt vom Parteivorsitz der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) zurück. Der Grund ist die innerparteiliche Ablehnung seiner Entscheidung, bei der Abstimmung über die Dawes-Gesetze am 29. August den Fraktionszwang aufzuheben.

Dem bayerischen Landtag wird ein ausgeglichener Doppeletat für 1924 und 1925 vorgelegt. Gegenüber 1913 sind die Ausgaben um 55% gestiegen, was u.a. auf die Erhöhung der Beamtenzahl um rd. 4000 (gegenüber 1913) zurückzuführen ist. Bayern plant deshalb die Privatisierung sämtlicher Staatsbetriebe.

Am Stadttheater Duisburg wird die Tanz-Pantomime “Der Dämon” uraufgeführt. Die Musik stammt von Paul Hindemith.

24.10.1924, Freitag

In Großbritannien wird der sog. Sinowjew-Brief bekannt. In dem Schreiben an die britische Kommunistische Partei rät Grigori J. Sinowjew, Vorsitzender des Exekutivkomitees der Komintern und sowjetischer Volkskommissar für Verkehr, zur bewaffneten Revolution. Der Brief, der sich später als Fälschung erweist, trägt zum Sieg der Konservativen bei den Parlamentswahlen am 29. Oktober bei.

Wie aus London gemeldet wird, ist Eamon de Valera, Führer der republikanischen Sinn Fein-Bewegung im Freistaat Irland, in Newry/Ulster verhaftet worden, als er im Begriff war, trotz vorheriger Vorwarnung auf nordirischem Boden eine politische Rede zu halten. Erst am 16. Juli war de Valera freigelassen worden.

25.10.1924, Samstag

Reichspräsident Friedrich Ebert (SPD) hebt den seit dem 28. Februar im Deutschen Reich geltenden zivilen Ausnahmezustand auf, womit Einschränkungen des Presse-, Vereins- und Versammlungsrechts entfallen.

Im Prozess gegen 24 Mitglieder der rechtsradikalen Geheimorganisation “Consul” vor dem Staatsgerichtshof in Leipzig wird das Urteil gesprochen. Die Angeklagten, fast alle frühere Offiziere, werden wegen Geheimbündelei zu Gefängnisstrafen zwischen einem und acht Monaten verurteilt. Sechs Angeklagte werden freigesprochen.

26.10.1924, Sonntag

Bei den Hamburger Bürgerschaftswahlen verlieren die Sozialdemokraten ihre bisher dominierende Stellung, während die Rechtsparteien Gewinne verbuchen können.

27.10.1924, Montag

Eine umfassende territorial-administrative Umgestaltung der mittelasiatischen Sowjetrepubliken wird vom Zentralexekutivkomitee der Sowjetrepubliken gebilligt. Die Republiken Turkestan, Choresmien und Buchara werden u.a. in die Usbekische und Turkmenische SSR umgebildet.

28.10.1924, Dienstag

Für seinen bisherigen politischen Kurs erhält Reichskanzler Wilhelm Marx (Zentrum) die Billigung des Reichsparteitags seiner Partei.

Frankreich erkennt die Sowjetunion de jure an.

Die faschistische Miliz in Italien wird auf König Viktor Emanuel III. vereidigt. Dies ist ein Zugeständnis an den im Zusammenhang mit der Matteotti-Affäre auf normalisierte Verhältnisse drängenden gemäßigten Flügel der Faschisten.

29.10.1924, Mittwoch

Ein Wahlruf der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) zu den Reichstagswahlen am 7. Dezember tritt für eine konstitutionelle Erbmonarchie ein und verlangt die “Beseitigung der Alleinherrschaft des Parlamentarismus” im Deutschen Reich.

Bei den britischen Unterhauswahlen gewinnen die Konservativen mit 419 Sitzen (+ 161) die absolute Mehrheit. Die regierende Labour-Partei verliert 40 von 191 Sitzen. Hauptverlierer sind die Liberalen, die nur noch über 40 (bisher 159) Mandate verfügen. Stanley Baldwin tritt an die Spitze des neuen, konservativen Kabinetts.

Großbritannien und die Türkei einigen sich auf einer Tagung des Völkerbundsrates in Brüssel auf die Beilegung des Mosul-Konflikts.

Mit seiner Inszenierung von Bertolt Brechts Drama “Im Dickicht” (späterer Titel: “Im Dickicht der Städte”) am Deutschen Theater in Berlin gelingt Erich Engel der Durchbruch als Regisseur. Engel hatte auch die Uraufführung des Stücks am 9. Mai 1923 in München inszeniert und war dann in die Reichshauptstadt gewechselt.

30.10.1924, Donnerstag

In Paris unterzeichnen Frankreich und die Schweiz eine Vereinbarung, wonach für die Lösung des seit 1921 schwebenden Streits um die Aufhebung der Zollfreiheit der Genfer Grenzzone der ständige Gerichtshof für Internationale Rechtsprechung in Den Haag herangezogen werden soll.

31.10.1924, Freitag

Die Aufführung von Eugene O’Neills Stück “Der haarige Affe” im Schauspielhaus Köln erregt allgemeines Aufsehen. Zunehmend öffnen sich deutsche Bühnen ausländischen Autoren; neben mehreren Stücken des US-Amerikaners O’Neill werden 1924 auch Werke von Paul Claudel, John Millington Synge und Luigi Pirandello aufgeführt.