Was geschah im Oktober 1932

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Wetterstationen Oktober 1932

1.10.1932, Samstag

Das Reichsgericht verfügt in Leipzig ein 14-tägiges Erscheinungsverbot für die KPD-Parteizeitung “Rote Fahne” wegen “Verächtlichmachung” der Reichsregierung.

In Potsdam veranstalten die Nationalsozialisten ihren ersten “Reichsjugendtag”, an dem rund 110 000 Menschen teilnehmen.

Die Dresdner Staatsoper bringt in der Inszenierung von Leo Blech die Oper “Mister Wu” des am 3. März 1932 verstorbenen deutschen Komponisten Eugen d’Albert zur Uraufführung.

In Berlin öffnet die Deutsche Luftsport-Ausstellung ihre Pforten; die zwei Wochen dauernde Ausstellung, auf der Flugzeuge für den Hobbybereich gezeigt werden, ist die weltweit umfangreichste ihrer Art.

In Jugoslawien tritt eine Verordnung in Kraft, nach der ab sofort nur noch Benzin verkauft werden darf, das mit mindestens 20% Spiritus versetzt ist. Durch diese Maßnahme sollen Devisen gespart werden.

In mehreren Städten des Deutschen Reiches kommt es wegen geplanter Lohnkürzungen im Rahmen des von der Regierung im September verabschiedeten Wirtschaftsprogramms zu Arbeitsniederlegungen und Auseinandersetzungen mit der Polizei.

In Österreich sind nach Angaben der Regierung zur Zeit rund 334 000 Menschen arbeitslos gemeldet. Vor einem Jahr waren noch rund 250 000 Menschen ohne Arbeit.

Der österreichische Bundeskanzler Engelbert Dollfuß nutzt erstmals das “Kriegswirtschaftliche Ermächtigungsgesetz”. Dadurch können Verordnungen ohne Zustimmung des Nationalrates in Kraft gesetzt werden.

Aufständische mandschurische Truppen erobern im Verbund mit chinesischen Einheiten im Westen der Republik Mandschukuo mehrere Städte.

2.10.1932, Sonntag

In Wien endet nach dreitägiger Dauer der “Gauparteitag” der österreichischen Nationalsozialisten mit einer Ansprache des Propagandachefs der NSDAP, Joseph Goebbels.

Der 85. Geburtstag von Reichspräsident Paul von Hindenburg wird in mehreren Städten des Reiches mit Feiern und Kundgebungen begangen.

In der chilenischen Hauptstadt Santiago de Chile tritt Präsident Batolomé Blanche Espejo zurück, nachdem ihm die Militärs das Vertrauen entzogen hatten. Zu seinem Nachfolger wird Abraham Oyanedel Urrutia ernannt.

Das 20. Gordon-Bennett-Wettfliegen für Freiballone, an dem 30 Ballonfahrer aus acht Nationen teilnehmen, gewinnt in der Schweiz das Team der US-Marine. Es ist bereits der sechste Titelgewinn für die USA in Folge.

In Budapest schlägt die österreichische Fußball-Nationalmannschaft die Vertretung Ungarns 3:2.

3.10.1932, Montag

Papst Pius XI. erlässt eine Enzyklika, die sich gegen die Einmischung der mexikanischen Regierung in Belange der Landeskirche wendet. Die mexikanische Regierung bezeichnet die Enzyklika als ein Mittel zur Aufwiegelung der Massen und droht mit der Ausweisung aller Priester und der Schließung der Kirchen des Landes.

Die Delegierten der Vollversammlung des Völkerbundes in Genf beschließen die Aufnahme des Irak in die Weltorganisation.

4.10.1932, Dienstag

Der Aufstand der brasilianischen Truppen im Bundesstaat São Paulo ist zusammengebrochen. Im Auftrag der brasilianischen Regierung hat Oberst Domingo Carvalho die Staatsgewalt in São Paulo übernommen.

Ein Großbrand in den Hafenanlagen der britischen Stadt Liverpool fordert acht Todesopfer und richtet Sachschäden in Millionenhöhe an.

5.10.1932, Mittwoch

Die britische Regierung übermittelt der deutschen Reichsregierung die Einladung zu einer Konferenz, um den Konflikt zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich in Abrüstungsfragen zu schlichten.

6.10.1932, Donnerstag

Die deutsche Reichsregierung fordert vor dem politischen Ausschuss des Völkerbundes in Genf die Einsetzung eines ständigen Ausschusses für ethnische und religiöse Minderheiten.

Nach Angaben der evangelischen Kirche in Berlin treten immer mehr Menschen aus der Kirche aus. In den letzten zwölf Monaten haben allein in Berlin mehr als 71 000 Menschen die Glaubensgemeinschaft verlassen. Grund für die Austrittswelle ist nach Ansicht der Kirchenleitung die Wirtschaftskrise: Viele Gläubige wollen keine Kirchensteuer mehr zahlen.

7.10.1932, Freitag

In Paris beginnen Verhandlungen der Regierungen Frankreichs und Spaniens über die Abtretung der spanischen Kolonie Rio de Oro (Nordafrika). Frankreich bietet Spanien an, im Falle einer Abtretung seine Ansprüche auf die Stadt Tanger (Marokko) fallenzulassen.

Der Abenteuerfilm “Sturm auf Marrakesch” unter der Regie von Josef Severac wird in Berlin uraufgeführt.

8.10.1932, Samstag

In Moskau nimmt die Kommunistische Internationale eine Entschließung an, in der die Zerschlagung der freien Gewerkschaften in Deutschland, sowie ein Generalstreik als Maßnahmen im Kampf. gegen den Faschismus gefordert werden. Die freien Gewerkschaften würden den Gefahren des Faschismus nicht wirksam entgegentreten und somit den Interessen der Arbeiterklasse zuwiderhandeln.

9.10.1932, Sonntag

Am Alten Theater in Leipzig wird das Schauspiel “Robinson darf nicht sterben!” des deutschen Dramatikers Friedrich Forster uraufgeführt.

Nach Angaben des Deutschen Fußball-Bundes ist die Zahl seiner Mitglieder auf über eine Million gestiegen.

Auf Anordnung des sowjetischen Staatschefs Josef W. Stalin wird eine angeblich konterrevolutionäre Gruppe von 20 Parteimitgliedern aus ihren Ämtern entlassen und aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen.

10.10.1932, Montag

Vor dem Staatsgerichtshof in Leipzig beginnt die Verhandlung über die Rechtmäßigkeit des am 20. Juni erfolgten “Staatsstreiches” in Preußen.

Die Länderregierungen einigen sich in Berlin mit der Reichsregierung über die künftigen Aufgaben des neugegründeten Reichskuratoriums für Jugendertüchtigung. Danach sollen u.a. Leibesübungen, Geländespiele und Kleinkaliberschießen den deutschen Jugendlichen nähergebracht werden.

Nach Angaben des tschechoslowakischen Ministers für soziale Fürsorge, Ludwig Czech, hat sich die Zahl der Arbeitslosen in der Tschechoslowakei gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Zur Zeit sind rund 500 000 Tschechoslowaken ohne Arbeit.

In einer Kohlengrube in der englischen Grafschaft Lancashire kommen 19 Bergleute ums Leben, als ein vollbesetzter Förderkorb in einen rund 500 m tiefen Schacht stürzt.

11.10.1932, Dienstag

Reichsernährungsminister Magnus Freiherr von Braun erklärt in einer Rede in Breslau, die Reichsregierung habe in den ersten neun Monaten des Jahres rund 65 000 ha Land in Schlesien, Pommern und Ostpreußen erworben und im Rahmen des Siedlungsprogrammes rund 6500 Kleinbauern zur Verfügung gestellt.

In Warschau bezeichnet die polnische Regierung die Reform des Schulwesens als abgeschlossen. Durch die Neuanstellung von Lehrkräften soll der Analphabetenanteil, der zur Zeit bei rund 25% der Bevölkerung liegt, in den kommenden Jahren drastisch gesenkt werden.

Die japanische Regierung in Tokio beschließt ein umfangreiches Programm zum Ausbau und zur Modernisierung der Flotte. Innerhalb der nächsten drei Jahre sollen Schiffe in einer Größenordnung von insgesamt rund 200 000 BRT vom Stapel laufen.

12.10.1932, Mittwoch

In einer Rede in München betont Reichskanzler Franz von Papen, es bestehe zwischen “konservativer Politik aus dem Glauben” und “nationalsozialistischem Glauben aus Politik” ein unüberbrückbarer Unterschied.

Nach zweiwöchiger Konferenzdauer beschließt die “Paneuropäische Tagung” in Basel die Gründung einer “Europäischen Partei” mit Sektionen in elf europäischen Staaten. Die Partei tritt für einen europäischen Zollverein und einen Staatenbund ein.

In Berlin beziffert die Reichsregierung die Kosten für die im freiwilligen Arbeitsdienst Beschäftigten mit 1000 RM im Jahr. Wegen dieser hohen Kosten könne man über den derzeitigen Stand von rund 100 000 Beschäftigten nicht hinausgehen.

13.10.1932, Donnerstag

Die litauische Regierung setzt einen “Beirat für memelländische Angelegenheiten” ein, der die Durchführung der Autonomie des ehemals zum Deutschen Reich gehörenden Memelgebietes beaufsichtigen soll.

In Berlin stellt die Reichswehr im Rahmen einer Wehrübung neuartige Gasmasken für Tiere vor.

14.10.1932, Freitag

In einem Aufruf zu den bevorstehenden Reichstagswahlen beschuldigt die SPD Reichskanzler Papen, an Stelle des Parlaments ein “persönliches Regime” setzen zu wollen.

In Wattenscheid plündern rund 150 Menschen einen Wochenmarkt, nachdem die Stadtverwaltung wegen finanzieller Schwierigkeiten die Wohlfahrtssätze für Arbeitslose nicht mehr ausbezahlen konnte.

In Preußen werden bei zahlreichen kommunistischen Verbänden und Zeitungen Hausdurchsuchungen durchgeführt. Das Innenministerium begründet die Aktion mit angeblich staatsfeindlichen Aktivitäten der Kommunisten.

15.10.1932, Samstag

In Genf ernennt der Völkerbund den Dänen Helmer Rosting zum Hohen Kommissar des Völkerbundes in Danzig.

In einem Freundschaftsspiel in München trennen sich die Hockey-Nationalmannschaften des Deutschen Reichs und Österreichs 3:3 unentschieden.

16.10.1932, Sonntag

In Wien fordern schwere Zusammenstöße zwischen österreichischen Nationalsozialisten und Sozialdemokraten drei Todesopfer und 48 Schwerverletzte.

Eine anhaltende Dürreperiode im Westen Indiens führt in weiten Teilen des Landes zu einer Hungersnot. Allein in Bombay verhungern täglich mehr als 100 Menschen.

Bei den französischen Parlamentswahlen können die liberalen Radikalsozialisten unter Ministerpräsident Edouard Herriot als einzige Partei Gewinne erzielen, alle anderen Parteien des Landes erleiden Verluste.

Nach Angaben des “Lloyd’s Register of Shipping” in London befinden sich zur Zeit weltweit Schiffe mit einem Gesamtvolumen von rund 900 000 BRT im Bau. Dies ist der niedrigste Stand seit der Jahrhundertwende.

17.10.1932, Montag

In der Berliner Voßstraße wird das “Adolf-Hitler-Haus”, das neue NSDAP-Hauptquartier des “Gau Berlin”, eingeweiht.

In Genf wählt das Generalsekretariat des Völkerbundes den Franzosen Joseph Avenol zum Generalsekretär der Weltorganisation. Er soll am 1. Januar 1933 den bisherigen Amtsinhaber Eric Drummond (Großbritannien) ablösen.

18.10.1932, Dienstag

Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund, der Allgemeine freie Angestelltenbund und das Präsidium der katholischen Arbeiterverbände fordern in einem offenen Brief an Reichskanzler Franz von Papen die Rücknahme der Notverordnung zur Gesundung der Wirtschaft. Lohnkürzungen seien für die deutschen Arbeitnehmer unzumutbar.

In der spanischen Stadt Bilbao kommen bei Straßenkämpfen zwischen der Polizei und baskischen Nationalisten drei Menschen ums Leben.

19.10.1932, Mittwoch

Die Reichsregierung erlässt eine Notverordnung, die die monatliche Arbeitslosenunterstützung für die Zeit vom 31. Oktober 1932 bis zum 1. April 1933 um 2 RM erhöht. Väter kinderreicher Familien sollen bis zu 4 RM mehr erhalten.

In Wien erlässt die österreichische Regierung unter Bundeskanzler Engelbert Dollfuß (Christlichsoziale Partei) ein Aufmarschverbot für Nationalsozialisten und den sozialdemokratischen Schutzbund, um weiteren Ausschreitungen entgegenzuwirken.

Der rumänische König Karl II. ernennt in Bukarest Iuliu Maniu zum Ministerpräsident des Landes. Der bisherige Amtsinhaber Alexandru Vaida-Voievod war am Vortag wegen gescheiterter Koalitionsverhandlungen zurückgetreten.

In Coburg heiratet Prinz Gustav Adolf von Schweden Prinzessin Sibylle von Sachsen-Coburg und Gotha.

20.10.1932, Donnerstag

Das deutsche Luftschiff LZ 127 “Graf Zeppelin” legt auf einer Südamerikareise den 500 000. Kilometer seit seiner Indienststellung im Jahre 1927 zurück.

Auf Anordnung der thüringischen Regierung in Weimar müssen alle Schulkinder den Artikel 231 des Versailler Vertrages (Kriegsschuldbekenntnis des Deutschen Reiches) auswendig lernen.

In einer Rede in Berlin erläutert Gregor Strasser die Grundzüge des nationalsozialistischen Wirtschaftsprogramms; Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen sowie drastische Zins- und Steuersenkungen sollen für eine Gesundung der deutschen Wirtschaft sorgen.

21.10.1932, Freitag

Die KPD fordert ihre Mitglieder im Vorfeld der Wahlen zum Deutschen Reichstag in den in Berlin veröffentlichten “Technischen Anweisungen für den Wahlkampf” zu wilden Streiks auf.

In Paris erklärt die französische Regierung, der Atlantikhafen Cherbourg solle in den kommenden Monaten zum größten Flottenstützpunkt Frankreichs ausgebaut werden.

In einer Fachzeitschrift berichtet der österreichische Mediziner Wilhelm Porges von der ersten erfolgreichen Erprobung einer Magensonde, in die eine Kamera eingebaut ist.

22.10.1932, Samstag

In der rumänischen Hauptstadt Bukarest beginnt eine fünftägige “Balkankonferenz”, auf der die teilnehmenden Delegationen aus Albanien, Bulgarien, Griechenland, Jugoslawien, Rumänien und Ungarn für intensivere Wirtschaftskontakte zwischen ihren Staaten eintreten.

In Belgien einigen sich die konservativen und liberalen Parteien des Landes auf ein Koalitionskabinett unter Charles Graf Broqueville. Der bisherige Amtsinhaber Jules Renkin, war am 18. Oktober zurückgetreten.

23.10.1932, Sonntag

In einer Strafanstalt in Kingston/Ontario (Kanada) revoltieren die Gefangenen, um eine Verbesserung der Haftbedingungen zu erzwingen. Soldaten der kanadischen Streitkräfte schlagen den Aufstand nieder, wobei 14 Menschen ums Leben kommen.

In Wien schlägt die Fußball-Nationalmannschaft Österreichs die schweizerische Auswahl 3:1.

Der deutsche Spielfilm “Das erste Recht des Kindes” von Fritz Wendhausen wird in Berlin uraufgeführt. In den Hauptrollen des im Ärztemilieu spielenden Films sind Hertha Thiele und Eduard Wesener zu sehen.

24.10.1932, Montag

In Berlin erklärt Reichskanzler Papen vor Vertretern des Handwerks, dass seine Regierung in den kommenden Monaten öffentliche Aufträge in Höhe von rund 750 Millionen RM vergeben will.

Heinz Rühmann spielt die Hauptrolle in dem in Berlin uraufgeführten Spielfilm “Strich durch die Rechnung”. Die Regie führt Alfred Zeisler.

25.10.1932, Dienstag

Das Staatsgericht in Leipzig erklärt die am 20. Juli erfolgte Einsetzung Papens zum Reichskommissar in Preußen für rechtmäßig.

In Berlin schließen sich die Maler Paul Klee, Lyonel Feininger, Oscar Schlemmer, Wassily Kandinsky und Oskar Moll zu der Gruppe “Selektion” zusammen.

26.10.1932, Mittwoch

Nach anhaltenden Auseinandersetzungen zwischen nationalsozialistischen Studenten und deren politischen Gegnern wird die Wiener Universität für zwei Wochen geschlossen.

Im Londoner Hyde-Park demonstrieren rund 20 000 Menschen in einem “Hungermarsch” gegen die Herabsetzung der Arbeitslosenunterstützung und fordern von der Regierung eine drastische Erhöhung der Sozialhilfesätze.

27.10.1932, Donnerstag

In Anwesenheit des italienischen Ministerpräsidenten Benito Mussolini wird die Autobahnstrecke Turin- Mailand dem Verkehr übergeben.

In Berlin wird der historische Abenteuerfilm “Trenck” uraufgeführt. Regie führt Heinz Paul; die Hauptrollen spielen Hans Stüver, Olga Tschechowa und Paul Hörbiger.

28.10.1932, Freitag

In mehreren Städten Italiens beginnen die Feierlichkeiten zum zehnten Jahrestag des faschistischen “Marsches auf Rom”.

In Berlin erscheint das parodistisch-satirische Buch “Unter falscher Flagge” von Robert Neumann.

29.10.1932, Samstag

In Paris gibt der französische Ministerpräsident Edouard Herriot einen Abrüstungsplan bekannt: In Europa sollen alle Berufsheere aufgelöst werden; die USA sollen Sicherheitsgarantien geben.

Die Oper “Der Schmied von Gent” von Franz Schreker wird in der Berliner Städtischen Oper uraufgeführt. Wegen massiver Störungen durch nationalsozialistische Störtrupps droht mehrmals der Abbruch der Aufführung.

In der französischen Hafenstadt St. Nazaire läuft der größte Passagierdampfer der Welt vom Stapel. Die “Normandie” hat eine Wasserverdrängung von 75 000 BRT und soll die Strecke Le Havre- New York in viereinhalb Tagen zurücklegen können.

Reichsinnenminister Wilhelm Freiherr von Gayl erläutert vor dem Verein der Berliner Presse die Verfassungs- und Verwaltungspläne der Regierung. Es seien keine grundsätzlichen Neuerungen geplant, Vorhandenes müsse jedoch geändert werden.

30.10.1932, Sonntag

Im Kampf um die Boxweltmeisterschaft im Fliegengewicht schlägt in Paris der Herausforderer Jackie Brown (Großbritannien) den bisherigen Titelträger Young Perez (Frankreich) nach Punkten.

In Budapest unterliegt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft der ungarischen Vertretung 1:2.

31.10.1932, Montag

Nach Angaben der deutschen Reichsregierung ist die Zahl der Arbeitslosen wieder leicht angestiegen. Zur Zeit sind im Deutschen Reich rund 5,1 Millionen Menschen ohne Arbeit.

Der bayerische Ministerpräsident Heinrich Held von der Bayerischen Volkspartei (BVP) erklärt in Stuttgart, die Einsetzung eines Reichskommissars für Preußen sei verfassungswidrig und bedeute das Ende des Rechtsstaats. Wenn er seine Amtspflichten erfüllen solle, müsse er deshalb öffentlich gegen Reichskanzler Papen auftreten.

Nach dem Rücktritt der griechischen Regierung unter Ministerpräsident Eleftherios Weniselos von der liberalen Partei betraut Staatspräsident Alexander Zaimis den Führer der monarchistischen Volkspartei, Panajotis Tsaldaris, mit der Regierungsbildung. Die liberale Partei hatte bei den Parlamentswahlen vom 25. September starke Verluste hinnehmen müssen.

In Prag wählt das tschechische Parlament Johann Malypetr zum Ministerpräsidenten des Landes. Er tritt die Nachfolge des am 21. Oktober aus gesundheitlichen Gründen vom Amt zurückgetretenen Franz Udrzal an.

Die polnische Regierung erweitert ihr Hoheitsgebiet in der Ostsee unter Einschluss der Danziger Bucht ohne Absprache mit den Anrainerstaaten von drei auf sechs Seemeilen.

In Berlin wird von den Berliner Philharmonikern unter Wilhelm Furtwängler das 5. Klavierkonzert von Sergei S. Prokowfjew uraufgeführt, Solist ist der Komponist.