Was geschah im Oktober 1933

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Wetterstationen Oktober 1933

1.10.1933, Sonntag

Für das Konzentrationslager Dachau wird eine Strafordnung erlassen, die u.a. jeden Versuch des Aufruhrs mit dem Tode bedroht.

Im Deutschen Reich findet der erste Eintopfsonntag im Rahmen des Winterhilfswerks statt.

Vor über 55 000 Zuschauern endet im Wiener Praterstadion ein Fußball-Länderspiel zwischen Österreich und Ungarn 2:2 (2:0).

Der Jüdische Kulturbund in Berlin eröffnet mit einer Aufführung von Gotthold Ephraim Lessings Schauspiel “Nathan der Weise” seine Tätigkeit.

In Zürich tritt als erstes deutsches Exilkabarett die von Erika Mann gegründete “Pfeffermühle” auf.

Der Turnlehrer Konrad Henlein ruft in Eger (Tschechoslowakei) zum Eintritt in die Sudetendeutsche Heimatfront auf.

Auf dem Bückeberg bei Hameln findet das erste staatlich organisierte Erntedankfest statt.

In Belgien gründet Staf de Clercq den Flämischen Nationalen Verband als Sammlungsbewegung der flämischen Nationalisten. Ziel ist die Schaffung eines am italienischen Vorbild orientierten faschistischen Staates.

2.10.1933, Montag

Reichsinnenminister Wilhelm Frick ruft alle Reichsstatthalter sowie die Reichs- und Landesbehörden dazu auf, das bisher übliche Amtsdeutsch wo immer möglich zu vereinfachen.

Im Guild Theatre in New York wird die Komödie “O Wildnis” (“Ah, Wilderness!”) des US-amerikanischen Dramatikers Eugene O’Neill uraufgeführt.

Der mit drei Wissenschaftlern bemannte sowjetische Stratosphärenballon “Stratostat SSSR” steigt bei Moskau auf eine Höhe von 18 400 m und übertrifft damit den Höhenrekord des Schweizer Physikers Auguste Piccard vom 18. August 1932 von 16 201 m.

3.10.1933, Dienstag

In Leipzig endet die am 30. September eröffnete 4. Reichstagung des Bundes Nationalsozialistischer Deutscher Juristen.

Unter Führung von Vizekanzler Franz von Papen (parteilos) wird die Arbeitsgemeinschaft katholischer Deutscher gegründet. Sie soll auf Weisung des Stellvertreters des Führers der NSDAP, Rudolf Heß, die Katholiken für eine “rückhaltlose Mitarbeit” im neuen Staat gewinnen.

Der österreichische Bundeskanzler Engelbert Dollfuß (christlichsozial) wird bei dem Attentat eines österreichischen Nationalsozialisten leicht verletzt.

König Alexander I. von Jugoslawien besucht König Boris III. von Bulgarien auf Schloss Euxinograd bei Varna. Thema der Gespräche ist der mögliche Beitritt Bulgariens zum Staatenbund der Kleinen Entente.

4.10.1933, Mittwoch

Der preußische Ministerpräsident Hermann Göring erneuert seinen Schiess-Erlass vom 17. Februar mit der Maßgabe an die Polizeibeamten, auf Verteiler illegaler Flugblätter, die auf Anruf nicht stehenbleiben, sofort zu schießen.

Erich Kleiber dirigiert erstmals das Berliner Philharmonische Orchester. Auf dem Programm steht u.a. das Klavierkonzert in C-Dur (Köchelverzeichnis 467) von Wolfgang Amadeus Mozart. Die Solistin ist Lubka Kolessa.

Die Regierung der Tschechoslowakei löst die sudetendeutsche Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei und die rechtsstehende Deutsche Nationalpartei auf.

Die deutsche Reichsregierung erlässt das Schriftleitergesetz zur Gleichschaltung der Presse.

5.10.1933, Donnerstag

Reichskanzler Adolf Hitler informiert sich über die Planungen für die Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin und befiehlt den Bau großzügiger Wettkampfstätten. Das Olympiastadion soll 100 000 Zuschauer fassen.

6.10.1933, Freitag

Das Buch “Mit Hitler an die Macht” des NSDAP-Reichspressechefs Otto Dietrich erscheint im Handel. Die erste Auflage von 20 000 Exemplaren ist bereits aufgrund von Vorbestellungen vergriffen.

Der von 3200 Delegierten besuchte 6. Allgemeine Deutsche Sparkassen- und Kommunalbankentag in Leipzig fordert die Anerkennung der Sparkassen als Hauptträger der planmäßigen Sparförderung und spricht sich für ein Ende der im Jahr 1931 verordneten Kreditbeschränkungen aus.

7.10.1933, Samstag

Die Landesstelle Sachsen des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda untersagt das Tanzen nach Marschliedern der NSDAP und nach dem Badenweiler Marsch, dem Lieblingsmarsch von Adolf Hitler.

Der 1865 gegründete Deutsche Staatsbürgerinnenverband und der Deutsche und Preußische Philologinnen-Verband geben ihre Selbstauflösung bekannt.

8.10.1933, Sonntag

Auf seiner ersten Pressekonferenz erklärt in Prag der Gründer der Sudetendeutschen Heimatfront, Konrad Henlein, er und seine Bewegung stünden fest auf dem Boden des Staates. Man wolle auch in der Regierung mitarbeiten. Jeder Jude, der sich zum Deutschtum bekenne, sei willkommen.

9.10.1933, Montag

Auf Anweisung von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels verbietet die Filmprüfstelle eine Aufführung des Horst-Wessel-Films.

Wegen neuerlichen Spannungen mit Japan über den Betrieb der Ostchinesischen Eisenbahn veröffentlicht die Regierung der UdSSR japanische Dokumente, die angeblich beweisen sollen, dass Japan in Geheimverhandlungen mit China versucht, die Eisenbahn vollständig zu kontrollieren.

Die “Tägliche Rundschau”, eine dem früheren Reichskanzler Kurt von Schleicher nahestehende Tageszeitung, die bereits vom 3. bis 9. Mai und ab 8. Juli für drei Monate verboten worden war, stellt ihr Erscheinen ein.

Der bayerische Staatsminister für Wirtschaft, Hermann Esser, spricht sich gegen die in einigen Zeitungen Bayerns veröffentlichten “Pranger-Tafeln” mit den Namen missliebiger Personen aus.

10.10.1933, Dienstag

Der Erzbischof von Freiburg, Conrad Gröber, stellt sich in einer Rede in Karlsruhe “restlos hinter die neue Regierung und das neue Reich”.

Der Raketenkonstrukteur Reinhold Tiling und seine Assistentin sterben bei einer Explosion in Tilings Labor in Arenshorst (Kreis Wittlage).

11.10.1933, Mittwoch

In Genf endet die am 25. September eröffnete 14. Versammlung des Völkerbundes. Am deutschen Einspruch scheitert der Versuch, in einer Resolution zur Minderheitenfrage auch Religionsgemeinschaften wie die Juden als nationale Minderheit anzuerkennen.

Der US-amerikanische Tennisspieler Ellsworth Vines, Wimbledonsieger von 1932, wird für eine Garantiesumme von umgerechnet 137 000 Reichsmark Profi und tritt – wie der Franzose Henri Cochet – bei den von William T. Tilden organisierten Tennisturnieren auf.

12.10.1933, Donnerstag

Im KZ Esterwegen wird der SPD-Politiker und Polizeipräsident von Altona (1929-1933), Otto Eggerstedt, ermordet.

In Rom hält die frühere österreichische Kaiserin Zita, Gattin des 1922 im Exil auf Madeira verstorbenen Kaisers Karl I. einen zweistündigen Empfang ab, zu dem 75 Angehörige des früheren österreichischen Adels angereist sind.

13.10.1933, Freitag

Die Landtage von Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz beschließen in Rostock die Vereinigung ihrer beiden Länder (in Kraft 1. 1. 1934).

In Großbritannien erscheint eine auf 200 Seiten gekürzte englische Übersetzung von Adolf Hitlers Programmschrift “Mein Kampf”.

Die Schweizer Bundesversammlung billigt ein außerordentliches Finanzprogramm. Eine Erhöhung von Verbrauchssteuern soll 100 Mio. Franken (rund 80,9 Mio. Reichsmark) einbringen.

Das Reichsgesetz zur Gewährleistung des Rechtsfriedens bedroht jeden Mordversuch an einem mit der Strafverfolgung betrauten Beamten oder einem Angehörigen der NSDAP und ihrer Gliederungen mit dem Tode.

14.10.1933, Samstag

Das Deutsche Reich erklärt seine Absicht, den Völkerbund zu verlassen und verzichtet auf eine weitere Teilnahme an der Genfer Abrüstungskonferenz. Am selben Tag wird der am 5. März gewählte achte Reichstag der Republik aufgelöst. Er hatte insgesamt nur dreimal (am 21. und 23. 3. sowie am 17. 5.) getagt. Für den 12. November werden Neuwahlen anberaumt.

Durch eine Änderung des Gesetzes vom 7. April erfolgt die Ablösung der Reichsstatthalter nur durch den Reichspräsidenten. Nach der bisherigen Regelung orientierte sich ihre Amtszeit an der Legislaturperiode der Länderparlamente. Diese werden mit der Auflösung des Reichstages ebenfalls aufgelöst, ohne dass neu gewählt wird.

Durch einen dringlichen Bundesbeschluss verbietet die Schweizer Bundesversammlung mit Wirkung vom 5. September 1933 für die Dauer von zunächst zwei Jahren die Eröffnung neuer Warenhäuser und Filialgeschäfte.

Am Zürcher Opernhaus wird die Oper “Der Kreidekreis” von Alexander von Zemlinsky und dem Text von Klabund (eigtl. Alfred Henschke) uraufgeführt. Die ursprünglich im April 1933 gleichzeitig in Köln, Nürnberg, Frankfurt am Main und Berlin geplante Uraufführung war aus politischen Gründen abgesagt worden. Der von 1927 bis 1932 an der Krolloper beschäftigte Zemlinsky musste nach Wien emigrieren.

Der S. Fischer Verlag Berlin veranlasst den in der Schweiz lebenden Thomas Mann, seinen Namen von der Mitarbeiterliste von Klaus Manns erstmals im September in Amsterdam herausgekommenen Zeitschrift “Die Sammlung” zu streichen, um den Verkauf des am 5. Oktober erschienenen ersten Bandes des Joseph-Romans “Die Geschichten Jaakobs” nicht zu gefährden.

15.10.1933, Sonntag

In München legt Reichskanzler Adolf Hitler den Grundstein für das Haus der Deutschen Kunst.

In Leningrad wird das Konzert für Klavier, Trompete und Streicher opus 35 von Dmitri D. Schostakowitsch uraufgeführt, der auch als Klaviersolist auftritt.

16.10.1933, Montag

Mit der Drohung, die Filialkette zu schließen, erzwingt die Berliner Polizei den Verkauf der jüdischen Herrenmodefirma “Hemdenmatz” an arische Inhaber.

In seiner Antwort auf den deutschen Austritt aus der Genfer Abrüstungskonferenz weist deren Vorsitzender Arthur Henderson die angeführten Gründe zurück und erklärt, das der Konferenz zur baldigen Annahme vorgeschlagene Programm hätte den Wünschen der Reichsregierung durchaus entsprochen.

In Wien endet der am 14. Oktober eröffnete Parteitag der österreichischen Sozialdemokraten. Die Partei streicht den Artikel über den Anschluss an das Deutsche Reich aus ihrem Programm und bekräftigt ihren Willen, eine Auflösung der Partei, die Aufhebung der Verfassung, die Entmachtung der Gewerkschaften oder der Selbstverwaltung Wiens mit einem Generalstreik zu beantworten.

Die Bevölkerung Estlands billigt mit großer Mehrheit eine Präsidialverfassung autoritärer Prägung, die am 1. Januar 1934 in Kraft tritt.

17.10.1933, Dienstag

Reichsarbeitsminister Franz Seldte ordnet die strikte Beachtung aller geltenden Tarifverträge an. Die Treuhänder der Arbeit werden aufgerufen, keine Senkung des Lohnniveaus zuzulassen.

Wegen einer falschen Bildzeile – ein Artikel über ein Schulfest war mit dem Bild einer Fahnenweihe der SA illustriert worden, die als “lustiges Komödienspiel” bezeichnet wurde – darf die “Essener Allgemeine Zeitung” vier Tage lang nicht erscheinen. Der Verleger und alle Beteiligten werden wegen Beleidigung der SA in Haft genommen.

Die Türkei und Rumänien unterzeichnen einen Freundschafts-, Schiedsgerichts- und Nichtangriffsvertrag. Er gilt für die Dauer von zehn Jahren.

18.10.1933, Mittwoch

Auf einer Führertagung der NSDAP in Berlin fordert Reichskanzler Adolf Hitler strengste Disziplin. Wegen der besorgten ausländischen Reaktionen auf den deutschen Austritt aus dem Völkerbund müsse der Wahlkampf im Gefühl höchster Verantwortung geführt werden und dürfe nur die Hauptthemen – Frieden und Gleichberechtigung – behandeln.

In Düsseldorf wird Vinzenz Hower (Köln) durch einen Punktsieg nach zwölf Runden über Hans Schönrath (Krefeld) Deutscher Meister aller Klassen der Berufsboxer. Hein Müller (Köln) konnte den Titel wegen Verletzung nicht verteidigen.

19.10.1933, Donnerstag

Die deutsche Reichsregierung teilt dem Völkerbund in Genf formell den Austritt aus der Weltorganisation mit.

Auf einer Veranstaltung des NS-Lehrerbundes im Berliner Sportpalast erklärt Reichsinnenminister Wilhelm Frick, Kunst sei der “sinnfällige Ausdruck” der Sehnsucht eines Volkes nach seiner “höchsten rassischen Gestalt”.

20.10.1933, Freitag

Das tschechoslowakische Abgeordnetenhaus billigt das von der Regierung eingebrachte Parteiengesetz. Es ist bis zum 1. Januar 1935 befristet und sieht die Auflösung einer Partei und den Verlust ihrer Mandate vor, wenn sich ihre Bestrebungen gegen die Selbständigkeit, Einheit und demokratische Ordnung der Republik richten.

Nach der Demission von Hans Tonisson (17. 10.) bildet in Estland Konstantin Päts seine vierte Regierung. Sie soll den Übergang zur neuen Verfassung vorbereiten.

Die Reichsregierung veröffentlicht den Text für den Stimmzettel zum Referendum über den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund.

21.10.1933, Samstag

Der britische Außenminister John Simon bezeichnet die Genfer Abrüstungskonferenz nach dem Austritt Deutschlands als praktisch lahmgelegt, betont aber das Interesse seiner Regierung an einem Fortgang der Gespräche. Ein endgültiges Scheitern sei gleichbedeutend mit einer neuerlichen Aufrüstung.

An der Universität Berlin wird nichtarischen Medizinstudenten die Approbation verweigert. Ohne diese Zulassung wird das Doktordiplom nicht verliehen. Den betroffenen Studenten bleibt die Möglichkeit, auf die deutsche Staatsbürgerschaft zu verzichten.

22.10.1933, Sonntag

In Duisburg schlägt eine nur aus Spielern westdeutscher Vereine formierte deutsche Fußball-Nationalelf vor 30 000 Besuchern Belgien 8:1 (2:0).

Vor 50 000 Zuschauern in Rom bleibt der Italiener Primo Camera nach 15 Runden durch einen Punktsieg über den Spanier Paolino Uzcudun Box-Weltmeister aller Klassen.

23.10.1933, Montag

Die Farmervereinigung des US-Bundesstaates Iowa ruft ihre Mitglieder zum Streik gegen die agrarpolitischen Maßnahmen der Regierung auf.

Unter Hinweis auf die zu erwartende Ausnutzung dieser Veranstaltung für nationalsozialistische Propaganda untersagt der demokratische New Yorker Oberbürgermeister John P. O’Brian den für den 29. Oktober geplanten “Deutschen Tag” zur 250-Jahr-Feier der deutschen Einwanderung nach Nordamerika.

24.10.1933, Dienstag

Für Angestellte und Musiker im Berliner Gaststättengewerbe wird ab 1. November 1933 ein Arbeitspasseingeführt, um die Schwarzarbeit zu unterbinden.

Der französische Ministerpräsident Edouard Daladier stürzt nach einem gescheiterten Vertrauensvotum.

Mit einer Großkundgebung im Sportpalast eröffnet Reichskanzler Adolf Hitler die Kampagne für die am 12. November anberaumte Reichstagswahl und Volksabstimmung über den Austritt aus dem Völkerbund.

Bei Evreux in der Nähe von Bonneville entgleist der D-Zug Cherbourg – Paris. Das Unglück fordert 35 Tote.

25.10.1933, Mittwoch

Reichswehrminister Werner von Blomberg befiehlt der Reichswehr erhöhte Wachsamkeit für den Fall von Sanktionen Frankreichs oder seiner Verbündeten wegen des deutschen Austritts aus dem Völkerbund. Jeder “Besetzung deutschen Landgebietes” soll “ohne Rücksicht auf militärische Erfolgsaussicht örtlich bewaffneter Widerstand” entgegengesetzt werden.

In Berlin wird der frühere Reichsrundfunkkommissar Hans Bredow wegen angeblicher Veruntreuung öffentlicher Gelder verhaftet.

26.10.1933, Donnerstag

Die NSDAP reicht ihren Wahlvorschlag für die Reichstagswahl am 12. November ein. Er umfasst 685 Namen. Auf Platz eins rangiert Reichskanzler Adolf Hitler. Unter den ersten zehn, die in allen Wahlkreisen auf den Stimmzetteln erscheinen, sind auch Vizekanzler Franz von Papen und Alfred Hugenberg (beide parteilos; Rang 9 und 10).

Die “Vossische Zeitung” veröffentlicht ein von 88 deutschen Schriftstellern unterzeichnetes Treuegelöbnis für Adolf Hitler.

Als Nachfolger von Edouard Daladier bildet Senator Albert Sarraut (Radikalsozialisten) eine französische Regierung.

In Genf geht die am 4. Oktober eröffnete 77. Tagung des Völkerbundrates zu Ende. Er beruft den New Yorker Historiker James Grover MacDonald zum Hohen Kommissar für deutsche Flüchtlinge. Der Ire Sean Lester wird für die Dauer von drei Jahren zum Hohen Kommissar in der Freien Stadt Danzig ernannt.

27.10.1933, Freitag

Die Generalversammlung der Deutschen Reichsbank billigt eine Änderung des Reichsbankgesetzes, mit der u.a. die Möglichkeiten zur Kreditgewährung erleichtert werden.

In Jaffa wendet sich die arabische Bevölkerung mit gewaltsamen Protesten gegen die zunehmende jüdische Einwanderung nach Palästina.

Der KPD-Funktionär Walter Ulbricht verlässt das Deutsche Reich. Er geht nach Paris und arbeitet dort im Politbüro des Zentralkomitees der KPD.

28.10.1933, Samstag

Die deutsche Presse bestätigt die Verhaftung des in München akkreditierten britischen Journalisten Noel Panter. Dieser wird verdächtigt, militärische Geheimnisse beschafft zu haben und geheime Kontakte zu einem der Spionage verdächtigen deutschen Staatsbürger zu unterhalten.

In einem Hirtenbrief dankt der Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen.Gott “für seine liebevolle Führung”, welche “die höchsten Führer unseres Vaterlandes erleuchtet und gestärkt hat, dass sie die furchtbare Gefahr, welche unserem geliebten deutschen Volke durch die offene Propaganda für Gottlosigkeit und Unsittlichkeit drohte, erkannt haben und sie auch mit starker Hand auszurotten suchen”.

Die Reichsregierung beschließt die Erweiterung des Dortmund-Ems-Kanals. Etwa 20 000 Arbeitslose sollen dabei rund vier Jahre beschäftigt werden.

Auf Anordnung des preußischen Kultusministers Bernhard Rust gilt an den Hochschulen das Führerprinzip. Der Rektor wird vom zuständigen Minister ernannt, Wahlen finden nicht mehr statt.

Ein Fußball-Länderspiel zwischen der Schweiz und Rumänien endet in Bern vor 15 000 Zuschauern 2:2 (0:1).

30.10.1933, Montag

In Hamburg scheitert ein Anschlag auf Reichsstatthalter Karl Kaufmann. Der Täter entkommt unerkannt.

Auf der Donau bei Bukarest treffen König Karl II. von Rumänien und der bulgarische Monarch Boris III. zusammen. Sie sprechen über einen Beitritt Bulgariens zur Kleinen Entente.

In Berlin konstituiert sich der Werberat der deutschen Wirtschaft unter Leitung von Ministerialdirektor Ernst Reichard.

31.10.1933, Dienstag

Wegen der fortdauernden Unruhen wird in Palästina die Presse- und Postzensur verhängt. Die Polizeibehörden erhalten vom britischen Oberkommissar Arthur Grenfell Wauchope das Recht, Teile der Städte zur Sperrzonen zu erklären.