Was geschah im Oktober 1959

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1.10.1959, Donnerstag

Am zehnten Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China finden in Peking eine Truppenparade und eine Demonstration von über 70 000 Arbeitern statt. Ehrengast der Feierlichkeiten ist der sowjetische Partei- und Regierungschef Nikita S. Chruschtschow.

In der Bundesrepublik tritt zum ersten Mal ein bundeseinheitliches Standesrecht für alle Rechtsanwälte in Kraft. Die neue Ordnung sieht eine völlige Niederlassungsfreiheit der Anwälte vor.

In Paris wird das Drama von Jean Anouilh “Becket oder die Ehre Gottes” uraufgeführt.

Nach einer Verfügung des Berliner Senators für Volksbildung wird den Lehrern “Die Behandlung geschlechtlicher Fragen im Rahmen der schulischen Erziehung” zur Pflicht gemacht.

2.10.1959, Freitag

Der amtierende israelische Ministerpräsident David Ben Gurion spricht sich erneut für freundschaftliche Beziehungen zur Bundesrepublik aus und vertritt die Ansicht, dass die junge deutsche Generation nicht für die Verbrechen des Nationalsozialismus verantwortlich gemacht werden könne.

Der US-amerikanische Politikwissenschaftler Henry A. Kissinger fordert in Bonn eine größere Opferbereitschaft der westlichen Völker für eine kombinierte konventionelle und atomare Rüstung.

Das Auswärtige Amt gibt in Bonn bekannt, dass die Bundesrepublik seit 1956 rund 192 Millionen DM an Entwicklungsländer gezahlt hat.

Der französische Spielfilm “Babette zieht in den Krieg” mit Brigitte Bardot in der Hauptrolle wird erstmals in den bundesdeutschen Kinos gezeigt.

Über der Bundesrepublik und Mitteleuropa ist eine partielle Sonnenfinsternis zu beobachten.

3.10.1959, Samstag

Der Parteivorstand der SPD fordert die Bundesregierung auf, die Bundeswehr nicht mit Atomwaffen auszurüsten und diplomatische Beziehungen zu den osteuropäischen Ländern aufzunehmen. Bisher bestehen nur mit der Sowjetunion diplomatische Beziehungen.

4.10.1959, Sonntag

Die bundesdeutsche Fußball-Nationalmannschaft schlägt in Bern die Mannschaft der Schweiz 4:0 (1:0).

Bei der deutschen szenischen Erstaufführung der Zwölf-Ton-Oper “Moses und Aaron” von Arnold Schönberg (konzertante Uraufführung: 12.3. 1954, Hamburg, szenische Uraufführung: 6.6. 1957, Zürich) als Beitrag der Städtischen Oper zu den Festwochen in Berlin (West) kommt es zu tumultartigen Szenen, da die Aufführung vom Publikum zwiespältig aufgenommen wird.

Die Museumsinsel in Berlin (Ost), das alte Zentrum des ehemals preußischen Kunstbesitzes, wird in einer Feierstunde vor dem Pergamonaltar wieder eröffnet. Die Kunstschätze waren während des Zweiten Weltkriegs ausgelagert worden.

Von der Sowjetunion wird die Sonde “Lunik III” in den Weltraum geschossen, die in eine Bahn um den Mond ein schwenken und Bilder von der bisher unbekannten Rückseite des Mondes zur Erde funken soll.

5.10.1959, Montag

Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) spricht sich in einem Interview mit der israelischen Zeitung “Maariv” gegen eine Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Israel aus, da ein solcher Schritt in den arabischen Ländern Verstimmung auslösen würde.

In Berlin (Ost) beginnen großangelegte Feiern zum zehnten Jahrestag der Gründung der DDR.

Die Westdeutsche Rektoren-Konferenz empfiehlt in Bonn allen bundesdeutschen Hochschulen keine offiziellen Vertreter zur 550-Jahr-Feier der Universität Leipzig zu entsenden. Begründet wird diese Empfehlung mit der eingeschränkten Freiheit der Wissenschaften an DDR-Hochschulen.

In den USA wird die Rakete “Little Joe”, mit der ein Mensch in einer Weltraumkapsel abgeschossen werden soll, zum ersten Mal erfolgreich erprobt.

Mit großem Erfolg wird erstmals im Deutschen Fernsehen eine Krimiserie von Francis Durbridge, “Der Andere”, gezeigt. Während der Ausstrahlung der sechs Folgen sind fast alle Straßen wie leergefegt.

6.10.1959, Dienstag

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß (CSU) äußert in New York die Ansicht, dass ein internationales Abkommen über Kernwaffen und eine Begrenzung der konventionellen Rüstung möglich, eine totale Abrüstung dagegen utopisch sei.

In einer stürmischen Parlamentssitzung lehnt die italienische Regierung die Entfernung faschistischer Inschriften einschließlich des Namens Benito Mussolinis aus dem Olympiastadion von Rom ab.

7.10.1959, Mittwoch

In Frankfurt am Main wird die elfte Internationale Buchmesse eröffnet. An der Bücherschau, die bis zum 12. Oktober dauert, nehmen mehr als 1600 Verlage teil, davon 700 aus dem Ausland.

Auf den irakischen Ministerpräsidenten Abd Al Karim Kasim wird in Bagdad ein Attentat verübt, bei dem dieser nur leicht verletzt wird. Die Urheber des Anschlags werden in nationalistischen Kreisen vermutet.

Auf einer Kundgebung zur Feier des zehnten Jahrestags der Gründung der DDR in Berlin (Ost) schlägt der Erste Sekretär des Zentralkomitees der SED, Walter Ulbricht, einen vatikanähnlichen Status für Berlin (West) vor.

In Berlin (West) kommt es zu blutigen Zusammenstößen zwischen Arbeitern der DDR-Reichsbahn und Westberliner Polizeikommandos, als die Ostberliner Behörden die neue Staatsflagge auf dem Gelände der S-Bahn, die von der DDR betrieben wird, aufziehen lassen. Westberliner Polizeikommandos holen die Fahnen ein und werden dabei tätlich angegriffen.

8.10.1959, Donnerstag

Bei den Unterhauswahlen in Großbritannien kann die Konservative Partei von Premierminister Harold Macmillan ihren Vorsprung vor der oppositionellen Labour Party verdoppeln.

9.10.1959, Freitag

Bundesinnenminister Gerhard Schröder (CDU) gibt in Bonn Pläne zu gesetzlichen Regelungen für den Verteidigungsfall bekannt, wonach Bundesbürger für den Schutz der Zivilbevölkerung dienstverpflichtet werden können.

Der durch die Dürreperiode in der Bundesrepublik verursachte Rückgang bei der Milcherzeugung führt zu einem starken Anstieg der Butterpreise, die jetzt bei 7,60 DM je Kilo liegen.

10.10.1959, Samstag

Die mittelamerikanische Republik Guatemala erklärt den Kriegszustand mit Deutschland offiziell für beendet. Gleichzeitig werden diplomatische Beziehungen zur Bundesrepublik aufgenommen.

Im Deutschen Fernsehen hat das Ratespiel “Quiz ohne Titel” mit Hans-Joachim Kulenkampff Premiere. Kulenkampffs Begrüßung “Meine lieben Zuschauer in der Bundesrepublik und in der DDR” führt zu Protesten zahlreicher Zuschauer und Politiker.

11.10.1959, Sonntag

Den Leichtathletik-Länderkampf gegen die CSR in Prag verliert die Mannschaft des DLV mit 95:117 Punkten.

In der Bundesrepublik wird die zweiteilige Verfilmung von Thomas Manns Roman “Die Buddenbrooks” uraufgeführt. Hauptdarsteller sind Lilo Pulver, Hansjörg Felmy und Nadja Tiller.

Altbundespräsident Theodor Heuss wird in der Paulskirche in Frankfurt am Main mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.

Aus Protest gegen die Entscheidung des Frankfurter Landgerichts, die Schilder “Bücher aus der Deutschen Demokratischen Republik” durch die Bezeichnung “Bücher aus dem innerdeutschen Handel” zu ersetzen, verlassen die Vertreter der DDR die Buchmesse in Frankfurt.

Bei den Bürgerschaftswahlen in Bremen erringt die SPD ein weiteres Mal die absolute Mehrheit. Wilhelm Kaisen (SPD), der seit 1945 regiert, bleibt somit Bürgermeister des kleinsten Bundeslandes.

12.10.1959, Montag

In Washington veröffentlicht der Senatsausschuss zur Untersuchung unamerikanischer Umtriebe einen Bericht über die “Verbrechen des Ministerpräsidenten Chruschtschow”. Darin wird von Hungersnöten, Terrorakten und Säuberungen in der Ukraine zu einer Zeit berichtet, als der derzeitige sowjetische Partei- und Regierungschef Nikita S. Chruschtschow Erster Sekretär der Ukrainischen Kommunistischen Partei war.

13.10.1959, Dienstag

In der Volksrepublik China stimmt der Nationale Volkskongress den Vorschlägen des sowjetischen Partei- und Regierungschefs Nikita S. Chruschtschow zu, der eine totale Abrüstung aller Streitkräfte angeregt hatte.

Von der US-Raketenbasis Kap Canaveral wird der Satellit “Explorer 7” in den Weltraum geschossen, der die Erde mindestens ein Jahr umkreisen soll.

Bei einem Volksentscheid in 18 norwegischen Städten spricht sich eine große Mehrheit für die Eröffnung von Verkaufsstellen des staatlichen Wein- und Alkoholmonopols aus.

14.10.1959, Mittwoch

Das Bundeskabinett verabschiedet das Kriegswaffengesetz, in dem bestimmt wird, in welchem Fall die Bundesregierung die Erzeugung und den Transport von Kriegswaffen genehmigen darf.

In Frankreich treten aus Protest gegen die Absicht von Staatspräsident Charles de Gaulle, Algerien das Selbstbestimmungsrecht zu gewähren, neun gaullistische Abgeordnete aus der Regierungspartei UNR aus.

15.10.1959, Donnerstag

Auf den ehemaligen französischen Innenminister und derzeitigen Senator François Mitterrand (Sozialistische Partei) wird in Paris von Unbekannten ein Attentat verübt, bei dem Mitterrand unverletzt bleibt.

16.10.1959, Freitag

Im Zusammenhang mit der Algerien-Politik von Staatspräsident Charles de Gaulle stellt Ministerpräsident Michel Debré in der Französischen Nationalversammlung die Vertrauensfrage. 441 Abgeordnete stimmen für die Regierungspolitik, 23 dagegen.

17.10.1959, Samstag

Die königliche Schlosswache vor dem Buckingham-Palast in London wird hinter die Umzäunung des Schlosses zurückgezogen.

Wegen fahrlässiger Tötung wird in Stuttgart ein 21-Jähriger Kraftfahrer zu einem Jahr Gefängnis und fünf Jahren Führerscheinentzug verurteilt. Er hatte mit seinem LKW auf der Autobahn gewendet und war mit einem Auto zusammengestoßen, dessen zwei Insassen bei dem Unfall starben.

Das Hissen der neuen DDR-Flagge wird in mehreren westeuropäischen Hauptstädten unterbunden. In Paris weigert sich die Volleyball-Nationalmannschaft der DDR, gegen die französische Mannschaft zu spielen, weil die Pariser Behörden die Nationalhymne und die Flagge der DDR verbieten.

Der kubanische Revolutionsführer und Ministerpräsident Fidel Castro ernennt seinen 28-Jährigen Bruder Raúl zum Minister für die Revolutionsstreitkräfte.

18.10.1959, Sonntag

Der Bundesminister für Gesamtdeutsche Fragen, Ernst Lemmer (CDU), erklärt in Saarbrücken, dass es am Tag der Wiedervereinigung Deutschlands keine “EntSEDfizierung” geben werde.

Der sowjetische Satellit “Lunik 3”, der am 4. Oktober gestartet wurde, sendet die ersten Bilder von der Rückseite des Mondes.

Die US-amerikanische Schauspielerin Elizabeth Taylor unterzeichnet in Hollywood einen Vertrag, mit der sie zur bisher teuersten Darstellerin in der Geschichte des Films wird: Für die Rolle der “Cleopatra” soll sie umgerechnet 4,2 Millionen DM erhalten.

19.10.1959, Montag

US-Präsident Dwight D. Eisenhower weist das Justizministerium an, aufgrund des Taft-Hartley-Gesetzes eine 80-tägige Unterbrechung des seit 97 Tagen andauernden Stahlarbeiterstreiks zu verfügen.

Aus Protest gegen die Festsetzung des Butterpreises durch die französische Regierung errichten Bauern in der Bretagne Straßensperren und legen den Verkehr in der Region lahm.

20.10.1959, Dienstag

DDR-Verteidigungsminister Willi Stoph (SED) kündigt eine Erhöhung der Gefechtsbereitschaft der Nationalen Volksarmee an. Nach seinen Worten soll damit der allgemeinen Abrüstung “zum Durchbruch verholfen” werden.

Der US-amerikanische Raketenforscher Wernher von Braun übt in Washington scharfe Kritik am Weltraumprogramm der USA. Wenn das derzeitige Tempo bei der Forschung beibehalten werde, könne man bei der Landung auf dem Mond Zoll an die Sowjets zu zahlen haben.

Seit dem 15. August fällt zum ersten Mal wieder Regen in Norddeutschland; damit geht ein sehr trockener Sommer zu Ende.

21.10.1959, Mittwoch

Die SPD-Bundestagsfraktion fordert die Erhöhung des gesetzlichen Mindesturlaubs von 12 auf 18 Tage für alle Arbeitnehmer. Jugendliche sollen 24 Tage Urlaub im Jahr bekommen.

Vor 70 000 Zuschauern im Köln-Müngersdorfer Stadion gewinnt die bundesdeutsche Fußballauswahl gegen die Niederlande 7:0 (2:0).

Die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände spricht sich in Bonn gegen größere Fußballveranstaltungen an Wochentagen aus, da diese den Arbeitsablauf erheblich störten.

In New York wird das von dem Architekten Frank Lloyd Wright entworfene Guggenheim-Museum eröffnet.

Im Westberliner Stadtteil Steglitz wird der Grundstein für das Klinikum der Freien Universität gelegt. Der Bau soll 140 Millionen DM kosten.

22.10.1959, Donnerstag

In der kubanischen Hauptstadt Havanna schlägt ein Attentat auf Ministerpräsident Fidel Castro fehl.

Der Rat der Westeuropäischen Union (WEU) erteilt der Bundesrepublik die Genehmigung, Fernlenkwaffen zur Flugabwehr zu bauen. In den Vereinbarungen der WEU ist festgelegt, dass die Bundesrepublik von der Produktion bestimmter Waffentypen ausgeschlossen ist.

Die Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm erkennt den Nobelpreis für Literatur dem 58-Jährigen italienischen Lyriker Salvatore Quasimodo zu.

23.10.1959, Freitag

Der oberste britische Richter, Baron Hubert Parker of Waddington, spricht sich in London für die Wiedereinführung der körperlichen Züchtigung als Teil einer gerichtlichen Strafe aus.

Bundesverkehrsminister Hans-Christoph Seebohm (Deutsche Partei) zeichnet erstmals einen Verkehrsteilnehmer als “Kavalier der Straße” für vorbildliches Verhalten im Straßenverkehr aus.

Der Bundesrat lehnt die vom Bundestag beschlossene Einführung einer Heizölsteuer ab.

Mit Franz-Josef Röder (CDU) wird zum ersten Mal ein Ministerpräsident des Saarlandes Präsident des Bundesrates.

Bundesinnenminister Gerhard Schröder (CDU) beantragt beim Bundesverwaltungsgericht in Berlin (West), die “Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes (VVN)” zur verfassungsfeindlichen Organisation zu erklären.

Truppen der Volksrepublik China dringen in Kaschmir etwa 65 km auf indisches Gebiet vor und töten bei einem Feuerüberfall 17 indische Soldaten.

24.10.1959, Samstag

Die staatliche britische Fluggesellschaft BEA bezeichnet in ihren Flugkarten die ehemaligen deutschen Ostgebiete als polnisches Territorium und ruft damit energische Proteste in Bonn hervor.

Der zu einem Besuch in Bonn erwartete irakische Erziehungsminister Abdel Hamid lässt die zu seinem Empfang bereitstehenden Regierungsbeamten vergeblich am Flughafen warten und teilt telefonisch mit, dass er stattdessen nach Berlin (Ost) gereist sei.

25.10.1959, Sonntag

Bei den Kommunalwahlen in Schleswig-Holstein bleibt die CDU mit 39,9% stärkste Partei, büßt aber 4,4% der Wählerstimmen gegenüber 1955 ein.

26.10.1959, Montag

Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe entscheidet, dass gesüßtes, obergäriges Bier (“Malzbier”) in Bayern zwar erlaubt ist, jedoch nicht unter der Bezeichnung Bier angeboten werden darf. Weiterhin wird der Verkauf dieses Getränks in Bierflaschen untersagt, um Verwechslungen auszuschließen.

Vom österreichischen Verteidigungsministerium wird dem Bundesheer das Singen bestimmter Lieder der deutschen Wehrmacht verboten. Darunter sind “O du schöner Westerwald” und “Auf der Heide blüht ein kleines Blümelein”.

27.10.1959, Dienstag

Ein Orkan über Norddeutschland richtet schwere Verwüstungen an und bringt zahlreiche Schiffe in Seenot.

Bei schweren Unwettern an der Westküste Mexikos kommen mehr als 1000 Menschen ums Leben.

Den bisher höchsten Gewinn im Fußballtoto erzielt ein Londoner Schriftsteller mit 260 104 Pfund Sterling (umgerechnet 3,1 Millionen DM).

Der 35-Jährige Schwiegersohn von Partei- und Regierungschef Nikita S. Chruschtschow, Alexej I. Adschubij, wird einstimmig in den Obersten Sowjet gewählt.

Die weitere Verschärfung der polnischen Wirtschaftskrise führt zu einer Umbildung der Regierung in Warschau. Landwirtschaftsminister Edward Ochab verliert seinen Posten, da er für die Versorgungsengpässe bei Lebensmitteln verantwortlich gemacht wird.

Nach einer Meinungsumfrage des DIVO-Instituts in Frankfurt am Main halten 40% der Befragten die Wiedervereinigung für das wichtigste Problem der Bundesrepublik.

28.10.1959, Mittwoch

Nach einer gemeinsamen Erklärung der Bundesregierung und der Länderregierungen soll künftig das Zeigen der DDR-Flagge mit Hammer und Zirkel im Ährenkranz als Verstoß gegen die Verfassung und die öffentliche Ordnung mit polizeilichen Mitteln verhindert werden.

Das Bundesinnenministerium veröffentlicht eine Studie, nach der wegen der steigenden Studentenzahlen ein Numerus clausus für bestimmte Studienfächer (z. B. Jura) eingeführt werden muss.

29.10.1959, Donnerstag

Der Erste Sekretär der SED, Walter Ulbricht, lädt in Berlin (Ost) Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) zu einem Besuch in die DDR ein. Zur gleichen Zeit solle Ministerpräsident Otto Grotewohl (SED) die Bundesrepublik besuchen. Von der Bundesregierung wird diese Einladung als kommunistisches Propagandamanöver zurückgewiesen.

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß (CSU) bezeichnet in Schongau die Produktion von Atomwaffen durch die Bundesrepublik als “militärisch überflüssig, politisch falsch und ökonomisch nicht durchführbar”.

Die US-amerikanischen Automobilwerke General Motors stellen die Produktion des “Cadillac” ein, da wegen des Stahlarbeiterstreiks kein Stahl mehr verfügbar ist.

In der französischen Zeitschrift “Pilote” erscheint die erste Folge der Comicserie “Asterix der Gallier”, die von Albert Uderzo und René Goscinny gezeichnet und getextet wurde.

30.10.1959, Freitag

Auf ihrem Parteitag in Verden lehnt die Deutsche Partei (DP), die 1957 bei den letzten Bundestagswahlen 17 Mandate errungen hatte, eine Fusion mit der CDU ab.

Der Londoner Grafschaftsrat (County Council) genehmigt die Vorführung des DDR-Films “Ein Tagebuch für Anne”. Die Filmzensurbehörde hatte dies verboten, weil der Film noch lebende Mitschuldige am Tod der Anne Frank zeige.

31.10.1959, Samstag

Im Düsseldorfer Schauspielhaus wird unter der Regie von Karl Heinz Stroux das Drama “Die Nashörner” von Eugène Ionesco uraufgeführt.

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht in Darmstadt den Georg-Büchner-Preis an den Lyriker und Hörspielautor Günter Eich.