Was geschah im Oktober 1980

  • < 1979
  • 10.1980
  • 1981 >

1.10.1980, Mittwoch

In kalbfleischhaltiger Babynahrung sind Spuren des Hormons Östrogen gefunden worden. Dies berichtet Hans Otto Bäumer Landwirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen.

Die französische Regierung verabschiedet einen Fünf-Jahres-Plan zur Förderung der Hochtechnologie. Insgesamt sollen bis 1985 rund 45 Mrd. DM zur Unterstützung der Technologieentwicklung ausgegeben werden.

Nach mehr als zwei Monaten werden drei in der Toskana entführte deutsche Kinder gegen ein Lösegeld in Millionenhöhe freigelassen.

2.10.1980, Donnerstag

Die chinesische Regierung gibt zu, dass in weiten Teilen des Landes Menschenrechte missachtet würden. Es habe illegale Festnahmen und Durchsuchungen, Wahlfälschungen und Verletzungen des Postgeheimnisses gegeben. Außerdem seien Geständnisse durch Folter erpreßt worden. Die Führung in Peking will nun Schritte einleiten, um die Menschenrechtsverletzungen zu stoppen.

Die Behörden der Provinz Südaustralien und Vertreter der Ureinwohner schließen einen Vertrag, der Bergbaugesellschaften dazu verpflichtet, sich vor jeder Prospektion (Erkundung von Bodenschätzen) mit den in dem Gebiet ansässigen Aborigines zu einigen. Außerdem sollen künftig die Abgaben der Gesellschaften zwischen Ureinwohnern und Provinzbehörden geteilt werden.

Rund 30 Mio. Bundesbürger verfolgen eine von ARD und ZDF gemeinsam ausgestrahlte Sendung zur Bundestagswahl. Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD), der Unions-Kanzlerkandidat Franz Josef Strauß (CSU), der CDU-Vorsitzende Helmut Kohl und FDP-Chef Hans-Dietrich Genscher liefern sich ein dreieinhalbstündiges Rededuell.

In Las Vegas scheitert der Comeback-Versuch des ehemaligen Boxweltmeisters im Schwergewicht, Muhammad Ali (USA). Er unterliegt Titelverteidiger Larry Holmes durch Abbruch vor der 11. Runde.

3.10.1980, Freitag

Ein Sprengstoffanschlag auf eine Pariser Synagoge fordert vier Todesopfer und 16 Verletzte. Zu dem Attentat bekennt sich eine neonazistische Organisation. Am 7. Oktober demonstrieren Hunderttausende in ganz Frankreich gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus.

Die argentinische Regierungsjunta bestimmt den früheren Oberkommandierenden der Armee, Roberto Eduardo Viola, zum Nachfolger des amtierenden Präsidenten Jorge Rafael Videla, der im März 1981 von seinem Amt zurücktreten will. Das Militär hat 1976 die Macht in Argentinien übernommen. Seither wurde mehrfach die Rückkehr zu Demokratie und ziviler Regierung angekündigt, ohne dass ein Zeitpunkt genannt worden wäre.

Erstmals seit 1972 einigen sich die 67 Vertragsstaaten des Kaffeeabkommens in London auf Exportquoten und Preisrichtlinien. Der Ankaufspreis für Kaffee am Weltmarkt liegt derzeit bei 1,20 US-Dollar (ca. 2,35 DM) je Pfund. Im April 1977 war er noch dreimal so hoch.

4.10.1980, Samstag

Ein Feuer an Bord des niederländischen Kreuzfahrtschiffs “Prinsendam” zwingt die 320 Passagiere, überwiegend ältere US-Amerikaner, und die 150 Besatzungsmitglieder, den Luxusliner zu verlassen. Sie werden im Golf von Alaska in Rettungsbooten in die stürmische See herabgelassen, dann aber innerhalb von drei Stunden durch andere Schiffe und Hubschrauber geborgen. Es gibt weder Tote noch Verletzte.

In Tallinn, der Hauptstadt der sowjetischen Republik Estland, finden sich rund 2000 Schüler und Studenten zu antirussischen Demonstrationen zusammen. Sie fordern u.a. Freiheit für Estland und den Abzug von Einwanderern aus anderen Teilen der Sowjetunion. Die Kundgebung wird von der Polizei aufgelöst.

In Belgien bricht die Sechs-Parteien-Koalition von Ministerpräsident Wilfried Martens auseinander. Am 22. Oktober bildet Martens eine neue Regierung aus christlich-sozialen und sozialistischen Politikern.

5.10.1980, Sonntag

Bei den Parlamentswahlen in Portugal gewinnt die von Ministerpräsident Francisco Sá Carneiro geführte Demokratische Allianz, ein Bündnis aus Sozialdemokratischer Partei, Demokratisch-Sozialem Zentrum, Monarchistischer Volkspartei und Reformisten, die absolute Mehrheit.

Aus der Wahl zum Deutschen Bundestag geht die sozialliberale Regierung in Bonn gestärkt hervor. Insbesondere die FDP kann deutliche Zugewinne verzeichnen.

Das Stück “Mord in der Mohrengasse” des österreichischen Schriftstellers Ödön von Horváth (1901- 1938) wird am Wiener Akademietheater uraufgeführt.

6.10.1980, Montag

Nach dreitägiger Debatte setzen sich im Zentralkomitee der Vereinigten Polnischen Arbeiterpartei (PAP) die Reformer durch. Acht prominente Politiker darunter der frühere Premierminister Edward Babiuch, werden aus dem ZK ausgeschlossen.

Die 32. Frankfurter Buchmesse, die in diesem Jahr unter dem Schwerpunktthema “Schwarzafrika” steht, wird eröffnet (bis 13. 10.).

7.10.1980, Dienstag

Mit einer Militärparade in Berlin (Ost) feiert die DDR den 31. Jahrestag ihrer Staatsgründung. Die Westalliierten erheben gegen die Veranstaltung Protest, weil sie den Vier-Mächte-Status der Stadt verletzt sehen.

In Brighton eröffnen die britischen Konservativen ihren viertägigen Parteitag. Premierministerin Margaret Thatcher bekräftigt, sie wolle ungeachtet der hohen Inflationsrate und der wachsenden Arbeitslosigkeit an ihrer Wirtschaftspolitik festhalten. Sie betont außerdem, dass Großbritannien die Europäische Gemeinschaft nicht verlassen werde. Die oppositionelle Labour-Partei hatte wenige Tage zuvor dafür plädiert, die EG-Mitgliedschaft aufzugeben.

8.10.1980, Mittwoch

Bei einem Besuch des syrischen Staatspräsidenten Hafis Asad in Moskau unterzeichnen Syrien und die Sowjetunion einen Freundschaftsvertrag, der beide Seiten im Krisenfall zur unverzüglichen Kontaktaufnahme verpflichtet.

10.10.1980, Freitag

Ein bundesdeutsches Bankenkonsortium gewährt der Volksrepublik Polen einen Kredit in Höhe von 1,2 Mrd. DM.

Bei einem schweren Erdbeben in der Region um die nordalgerische Stadt El Asnam werden mindestens 22 000 Menschen getötet und 44 000 verletzt. 380 000 sind obdachlos.

Vertreter aus 76 Staaten vereinbaren im Rahmen einer Konferenz der Vereinten Nationen in Genf Einsatzverbote und Anwendungsbeschränkungen für besonders grausame konventionelle Waffen.

11.10.1980, Samstag

Die sowjetischen Kosmonauten Leonid Popow und Waleri Rjumin kehren nach 185 Tagen an Bord der Raumstation “Saljut 6” wohlbehalten zur Erde zurück. Sie beenden damit den bisher längsten Aufenthalt im All in der Geschichte der Raumfahrt.

Mit seinem Sieg in San Remo sichert sich der Regensburger Walter Röhrl vorzeitig die Rallye-Weltmeisterschaft.

In einem Qualifikationsspiel zur Fußball-Weltmeisterschaft 1982 trennen sich die Niederlande und die Bundesrepublik Deutschland in Eindhoven 1:1.

12.10.1980, Sonntag

Auf ihrem Gewerkschaftstag in Augsburg fordert die IG Druck und Papier die Einführung der 35-Stunden-Woche, um die Probleme der anhaltenden Rationalisierung im Druckgewerbe zu bewältigen.

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels des Jahres 1980 geht an den nicaraguanischen Lyriker Ernesto Cardenal.

13.10.1980, Montag

Das Westberliner Kammergericht verurteilt sechs Angehörige der terroristischen Gruppierung “Bewegung 2. Juni” wegen der Entführung des CDU-Politikers Peter Lorenz im Jahr 1975 zu Freiheitsstrafen zwischen fünf und 15 Jahren.

Mitglieder der Umweltschutzorganisation “Greenpeace” hindern in Nordenham das Abfallschiff “Kronos” am Auslaufen, um gegen die Verschmutzung der Nordsee zu protestieren. Es ist die erste Aktion der bundesdeutschen “Greenpeace”-Gruppe.

In einer Grundsatzrede verlangt SED-Chef Erich Honecker in Gera die Anerkennung einer eigenen DDR-Staatsbürgerschaft, die er ausdrücklich als Voraussetzung für die Normalisierung der deutsch-deutschen Beziehungen bezeichnet.

Im Golfkrieg verstärkt die irakische Armee ihren Druck auf die südiranische Hafenstadt Abadan. Die iranische Luftwaffe bombardiert im Gegenzug die irakische Hauptstadt Bagdad.

14.10.1980, Dienstag

Nach Angaben aus Teheran haben iranische Truppen in zweitägigen Kämpfen einen Aufstand von Kurden im Nordwesten des Landes niedergeschlagen. Die Kurden sollen vom Irak unterstützt worden sein.

Kim Jung Il, der älteste Sohn des nordkoreanischen Präsidenten Kim Il Sung, wird zum Nachfolger seines Vaters designiert.

Die Vollversammlung der Vereinten Nationen erkennt das 1979 nach der vietnamesischen Invasion abgesetzte Pol-Pot-Regime der Roten Khmer als Vertreter des kambodschanischen Volkes an.

15.10.1980, Mittwoch

Der afghanische Parteichef und Ministerpräsident Babrak Karmal besucht erstmals nach seiner Machtübernahme im Dezember 1979 die Sowjetunion.

Frankreichs Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing trifft zu einem einwöchigen Besuch in der Volksrepublik China ein. Am 17. Oktober wird mitgeteilt, dass Frankreich China zwei Atomreaktoren mit einer Leistung von je 900 Megawatt liefern wird.

16.10.1980, Donnerstag

Das Parlament von Sri Lanka entzieht der früheren Ministerpräsidentin Sirimawo Bandaranaike wegen Machtmissbrauchs die staatsbürgerlichen Rechte.

Fußball-Nationalspieler Bernd Schuster (1. FC Köln) wechselt nach Querelen mit seinem Verein zum FC Barcelona.

Die DDR-Schriftstellerin Christa Wolf erhält den mit 20 000 DM dotierten Georg-Büchner-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt.

Das Bundesverfassungsgericht stellt in einem Urteil fest, dass Flüchtlingen das Asyl nur dann verweigert werden darf, wenn Verfolgungsmaßnahmen in ihrer Heimat ausgeschlossen werden können.

Aus Protest gegen die geplante Startbahn West des Frankfurter Flughafens treten in der hessischen Gemeinde Mörfelden-Walldorf Politiker unterschiedlicher Parteien in einen dreitägigen Hungerstreik.

17.10.1980, Freitag

Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, Papst Johannes Paul II., empfängt im Vatikan die britische Königin Elisabeth II., das nominelle Oberhaupt der Anglikanischen Kirche. Das Treffen soll die beiden christlichen Religionsgemeinschaften wieder enger zueinanderführen.

18.10.1980, Samstag

Der christdemokratische Politiker Arnaldo Forlani wird als neuer italienischer Ministerpräsident vereidigt.

Bei den Parlamentswahlen in Australien kann die Koalition aus Liberalen und Landpartei trotz Stimmenverlusten ihre absolute Mehrheit behaupten. Ministerpräsident Malcolm Fraser wird am 2. November erneut als Regierungschef vereidigt.

In Berlin (West) liefern sich rivalisierende Jugendgruppen, Popper und Punker, eine sechsstündige Straßenschlacht.

19.10.1980, Sonntag

Das Zentralkomitee der Kommunisten Jugoslawiens wählt den Mazedonier Lazar Mojsov turnusgemäß als Nachfolger des Serben Stevan Doronjski zum Vorsitzenden des Parteipräsidiums.

Der neue Automobil-Weltmeister Alan Jones (Australien) gewinnt in Watkins Glen (US-Bundesstaat New York) den letzten Lauf der Formel-1-Saison.

20.10.1980, Montag

Der Oberste Gerichtshof der USA lässt ein im Bundesstaat Illinois gefälltes Urteil zum Sorgerecht nicht zur Revision zu. Das Gericht hatte einer geschiedenen Mutter das Sorgerecht für ihre drei Kinder entzogen, weil sie mit einem anderen Mann zusammenlebte.

21.10.1980, Dienstag

Der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel weist Klagen der Anliegergemeinden gegen die geplante dritte Startbahn des Frankfurter Flughafens ab, weil dessen Kapazität ohne die Erweiterung nicht ausreiche.

Das Zentralkomitee der KPdSU ernennt auf einer Plenarsitzung den 49-Jährigen Michail S. Gorbatschow zum Mitglied des Politbüros. In der gleichen Sitzung räumt Parteichef Leonid I. Breschnew ein, dass es im kommenden Winter ernsthafte Versorgungsprobleme geben könnte, weil die diesjährige Getreideernte um etwa 30% niedriger ausgefallen sei als geplant.

22.10.1980, Mittwoch

Der sowjetische Ministerpräsident Alexei Kossygin tritt aus Gesundheitsgründen zurück. Neuer Regierungschef wird Nikolai Tichonow.

Der libanesische Staatspräsident Elias Sarkis ernennt den konservativen moslemischen Politiker Schafik Al Wassan zum neuen Ministerpräsidenten. Der frühere Regierungschef Salim Al Huss war schon am 16. Juli zurückgetreten. Seither sind mehrere Versuche einer Regierungsbildung gescheitert.

In Südkorea stimmen 91,5% der Wähler für die neue Verfassung, die die Position von Staatspräsident Chun Doo Hwan weiter stärkt.

Die Volksrepublik China und die USA schließen ein zunächst auf vier Jahre begrenztes Abkommen über Getreidelieferungen. Von 1981 an werden die USA jährlich 6 Mio. t Weizen und Mais nach China exportieren und den Chinesen eine Option auf weitere 3 Mio. t Getreide einräumen. Ziel der Regierung in Washington ist es, den US-amerikanischen Getreidefarmen einen großen, wachstumsorientierten Markt zu öffnen und zugleich die Beziehungen zu China zu stabilisieren.

23.10.1980, Donnerstag

Der Gouverneur der britischen Kronkolonie Hongkong, Sir Murray MacLehose, verkündet schärfere Einreisebestimmungen. Mit dieser Maßnahme soll der Zustrom von illegalen Einwanderern aus der Volksrepublik China gestoppt werden.

48 Kinder und drei Erwachsene kommen in der nordspanischen Kleinstadt Ortuella bei einer Explosion in einer Grundschule ums Leben. Das Unglück ist vermutlich durch Schweißarbeiten ausgelöst worden.

In Saarbrücken beginnt die erste DDR-Filmwoche in der Bundesrepublik Deutschland.

24.10.1980, Freitag

Das griechische Parlament billigt die Rückkehr des Landes in die militärische Struktur des westlichen Verteidigungsbündnisses NATO.

Die Mitgliedsstaaten des Amazonas-Paktes unterzeichnen in der brasilianischen Stadt Belem eine 17 Punkte umfassende Erklärung, in der die Grundlagen für die wirtschaftliche Entwicklung und den Erhalt des ökologischen Reichtums des Amazonas-Gebietes festgeschrieben werden.

Der unabhängige polnische Gewerkschaftsbund “Solidarität” wird gerichtlich registriert.

25.10.1980, Samstag

In Rom geht nach einmonatiger Dauer eine katholische Bischofskonferenz über Familienfragen zu Ende. Im Laufe des Treffens hatte Papst Johannes Paul II. geäußert, ein Mann mache sich in seinem Herzen bereits dann des Ehebruchs schuldig, wenn er eine Frau mit sinnlicher Begierde betrachte. Diese Erklärung löste in vielen italienischen Zeitungen Empörung aus.

Mike Weaver (USA) bleibt durch seinen K.-o.-Sieg gegen den Südafrikaner Gerrie Coetzee Weltmeister der World Boxing Association.

26.10.1980, Sonntag

Als erster Staatspräsident Israels trifft Yitzhak Navon zu einem offiziellen Besuch in Ägypten ein.

27.10.1980, Montag

Sieben Häftlinge im Maze-Gefängnis von Belfast, die alle als Angehörige der illegalen Irisch-Republikanischen Armee (IRA) verurteilt sind, treten in den Hungerstreik. Sie wollen damit den Status von politischen Gefangenen erreichen. Im Laufe weniger Tage schließen sich weitere 33 IRA-Häftlinge der Aktion an. Alle 40 geben schließlich am 18. Dezember auf, ohne ihre Forderungen durchgesetzt zu haben.

Das Herbstgutachten der fünf führenden bundesdeutschen Konjunkturforschungsinstitute prognostiziert, dass es 1981 kein Wirtschaftswachstum in der Bundesrepublik Deutschland geben werde. Die Zahl der Arbeitslosen werde sich auf reichlich 1,1 Mio. belaufen, die Preissteigerungsrate bei 4% liegen.

28.10.1980, Dienstag

Saudi-Arabien bricht seine diplomatischen Beziehungen zu Libyen ab. Anlass ist eine Rede des libyschen Revolutionsführers Muammar al Gaddafi, der zur Befreiung der in Saudi-Arabien gelegenen islamischen Heiligtümer aufgerufen hatte, weil diese sich nach der Stationierung US-amerikanischer Awacs-Flugzeuge “unter dem Joch der US-Okkupation” befänden.

Im US-amerikanischen Fernsehen wird eine anderthalbstündige Diskussion der beiden Anwärter auf das Präsidentenamt, Jimmy Carter und Ronald Reagan, übertragen. Nach Ansicht von Beobachtern kann Herausforderer Reagan dabei an Boden gewinnen.

Ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates in der Türkei teilt mit, dass seit dem Militärputsch am 12. September etwa 11 500 Personen verhaftet worden seien.

29.10.1980, Mittwoch

Das US-amerikanische Finanzministerium teilt mit, dass das Haushaltsdefizit im laufenden Jahr mit knapp 59 Mrd. US-Dollar (rund 115 Mrd. DM) etwa doppelt so hoch sei wie 1979.

30.10.1980, Donnerstag

Der polnische Parteichef Stanislaw Kania und Ministerpräsident Józef Pinkowski halten sich zu einem eintägigen Besuch in Moskau auf. Die sowjetische Führung erklärt anschließend, sie sei überzeugt, dass Polen seine Krise allein meistern könne.

Die jamaikanischen Wähler erteilen dem Weg des demokratischen Sozialismus von Ministerpräsident Michael Manley und seiner Nationalen Volkspartei eine Absage. Bei den Parlamentswahlen auf der Karibikinsel erringt die konservative Labour-Partei mit dem Wirtschaftsfachmann Edward Seaga an der Spitze 50 der 60 Mandate. Während des Wahlkampfes sind etwa 500 Menschen durch politisch motivierte Gewalttaten ums Leben gekommen.

Der Ministerrat der Europäischen Gemeinschaft verabschiedet in Luxemburg einen Krisenplan für die Stahlindustrie, der Produktionseinschränkungen von bis zu 18% bis zum 30. Juni 1981 vorsieht. Für die Bundesrepublik hat Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff eine Ausnahmeregelung für Edelstahlerzeuger durchgesetzt.

In der peruanischen Hauptstadt Lima unterzeichnen El Salvador und Honduras einen Friedensvertrag, der den elf Jahre dauernden Grenzkrieg beendet.

31.10.1980, Freitag

In einer prunkvollen Zeremonie in Kairo erklärt sich Prinz Resa Kyros Pahlawi, der Sohn des gestürzten Schahs Mohammed Resa Pahlawi, zum Herrscher Irans.

Der Vatikan legt neue Richtlinien für die Rückführung katholischer Priester in den Laienstand fest. Papst Johannes Paul II. will die Laisierung künftig nur noch in Ausnahmefällen genehmigen.