Was geschah im September 1901

  • < 1900
  • 9.1901
  • 1902 >

Wetterstationen September 1901

1.9.1901, Sonntag

Mit einer Demonstration in Kopenhagen bekunden rund 8000 Menschen aus allen Teilen des Landes ihre Unterstützung für die neue Regierung, in der erstmals Venstre-Mitglieder vertreten sind.

In Russland werden Maßnahmen der Regierung gegen die Missernten in weiten Teilen des Landes bekannt. Es wird in den besonders hart betroffenen Gouvernements ein Mindestverbrauch für Bauernfamilien festgelegt, unterhalb dessen die Regierung mit finanziellen Unterstützungen eingreift. Im Rahmen dieses Hilfsprogramms werden bis Mitte November rund 14 Mio. Rubel (30,24 Mio. Mark) aufgewendet.

In Frankfurt am Main werden zwei Deutsche Rekorde aufgestellt: Wilhelm Dörr wirft den Diskus 29,95 m, Oskar Müller schleudert den Hammer 22,44 m weit.

Der serbische König Alexander I. Obrenovic plant, den Bruder seiner Frau Draga Ma zum Thronfolger zu ernennen. Erst auf eine Rücktrittsdrohung von Ministerpräsident Michael Vujic hin tritt Alexander von dieser Absicht zurück. Draga Ma spielt am serbischen Hof in Belgrad eine umstrittene Rolle.

Das australische Bundesparlament nimmt in Melbourne einen Gesetzentwurf zur Beschränkung der Einwanderung an. Danach soll jeder Einwanderungswillige auf seinen Bildungsstand hin genau überprüft werden sowie Kenntnisse in mindestens einer europäischen Sprache nachweisen können.

2.9.1901, Montag

Die französische Regierung ordnet in Paris die Auflösung einer osmanischen Geheimpolizei an, die der osmanischen Führung zur Überwachung der oppositionellen Jungtürken diente.

3.9.1901, Dienstag

Am Rande von britischen Flottenmanövern vor der Küste Portugals nimmt der portugiesische König Karl an einem Empfang britischer Admiräle teil.

In Breslau (heute Wroclaw; zu Polen) wird der neue städtische Hafen eröffnet (Oderhafen).

4.9.1901, Mittwoch

Kaiser Wilhelm II. empfängt in Berlin die sog. chinesische Sühnegesandtschaft unter Leitung von Prinz Tschun. Sie gibt – entsprechend den deutschen Forderungen – mit drei Verbeugungen dem Bedauern der chinesischen Führung über die Ermordung des deutschen Gesandten Klemens Freiherr von Ketteler am 20. Juni 1900 Ausdruck.

Sie gibt – entsprechend den deutschen Forderungen – mit drei Verbeugungen dem Bedauern der chinesischen Führung über die Ermordung des deutschen Gesandten Klemens Freiherr von Ketteler am 20. Juni 1900 Ausdruck.

5.9.1901, Donnerstag

Auf der Panamerikanischen Ausstellung in Buffalo (US-Bundesstaat New York) äußert sich der US-amerikanische Präsident William McKinley zur Wirtschaftspolitik seiner Regierung: “Die Periode der wirtschaftlichen Abgeschlossenheit gehört für uns der Vergangenheit an; die Ausdehnung unseres Handels ist ein dringendes Problem geworden”.

Die Führer der großen Parteien in der Berliner Stadtverordnetenversammlung sprechen sich für die Wiederwahl von Stadtrat Gustav Kauffmann zum Bürgermeister aus. Kaiser Wilhelm II. hatte zuvor die Wahl Kauffmanns nicht bestätigt. Am 12. September wird Kauffmann mit 109 von 124 Stimmen erneut in das Amt gewählt.

6.9.1901, Freitag

Der US-amerikanische Präsident William McKinley wird bei einem anarchistischen Attentat in Buffalo schwer verletzt; am 14. September erliegt er seinen Verwundungen. Neues US-amerikanisches Staatsoberhaupt wird der bisherige Vizepräsident Theodore Roosevelt.

7.9.1901, Samstag

In Peking wird das internationale Boxerprotokoll zwischen den Besatzungsmächten und China unterzeichnet. Es sieht hohe Reparationsforderungen an China vor und beendet offiziell die Auseinandersetzungen im Rahmen des Boxeraufstandes.

Auf dem Müggelsee und auf der Havel unterhalb Spandaus beginnen die Segelwettfahrten der sog. Berliner Woche (bis 15. 9.).

8.9.1901, Sonntag

In Frankfurt am Main stirbt der preußische Politiker Johannes von Miquel. Der frühere Finanzminister musste im Rahmen einer Kabinettskrise Anfang Mai zurücktreten; er zählte zu den schärfsten Widersachern von Reichskanzler Bernhard von Bülow.

Auf der Radrennbahn am Berliner Kurfürstendamm wird der Große Preis von Deutschland für Bahnfahrer ausgetragen. Sieger wird Willy Arend, der 1897 in Glasgow als erster Deutscher Sprintweltmeister geworden war.

In der Grotte Les Combarelles (Dordogne, Frankreich) entdecken Forscher vorgeschichtliche Höhlenmalereien. Am 15. September werden in der Höhle von Font-de-Gaume unweit der Grotte Les Combarelles weitere altsteinzeitliche Felsbilder aufgefunden.

In den evangelischen Kirchen von Osnabrück wird ein Protest gegen den im August abgehaltenen Katholikentag verlesen. Nach Ansicht des evangelischen Klerus haben die Delegierten ihre Kirche “verunglimpft” und damit gegen “den Geist des Friedens und die Achtung Andersgläubiger” verstoßen.

In der Schweiz werden besondere Überwachungsmaßnahmen für Anarchisten angeordnet, die sich im schweizerischen Exil aufhalten. Anlass ist der Besuch des russischen Herrschers Zar Nikolaus II. im benachbarten Frankreich.

Venezuela lehnt eine Vermittlung der USA im Konflikt mit Kolumbien ab und ordnet einen Angriff seiner Flotte auf kolumbianisches Gebiet an. Venezolanische Kriegsschiffe beschießen Riohacha an der Nordküste von Kolumbien. Im Juli hatte ein Einmarsch kolumbianischer Einheiten in das Nachbarland stattgefunden.

Antonin Dvoráks fünf “Slawische Tänze” (aus op. 46) werden in Prag uraufgeführt.

9.9.1901, Montag

Zwischen Österreich-Ungarn und Mexiko werden die diplomatischen Beziehungen wieder aufgenommen. Sie waren seit der Ermordung des mexikanischen Kaisers Maximilian – Bruder des österreichisch-ungarischen Monarchen Franz Joseph I. – im Jahr 1867 unterbrochen.

Die aus konfessionspolitischen Gründen vollzogene Berufung des katholischen Historikers Martin Spahn nach Straßburg durch den deutschen Kaiser Wilhelm II. führt zu heftigen Diskussionen.

In Thorn (heute Torun) beginnt ein Prozess gegen 61 polnische Gymnasiasten. Ihnen wird von den deutschen Behörden “Geheimbündelei” vorgeworfen. Am 12. September werden 46 der Angeklagten mit Gefängnisstrafen bis zu zwei Monaten bzw. Verweisen bestraft; die übrigen werden freigesprochen.

Im Alter von 36 Jahren stirbt der französische Maler und Grafiker Henri de Toulouse-Lautrec.

10.9.1901, Dienstag

Der zehnte Weltfriedenskongress findet in Glasgow statt. An ihm nehmen u.a. der Deutsche Ludwig Quidde sowie die österreichische Pazifistin Bertha von Suttner teil.

In Konstantinopel (heute Istanbul) trifft der Khedive (Vizekönig von Ägypten) Abbas II. Hilmi zu einem Besuch ein. Ägypten ist formell Teil des Osmanischen Reiches, wird faktisch aber von Großbritannien beherrscht.

Im Zusammenhang mit dem Attentat auf US-Präsident William McKinley am 6. September werden in Chicago mehrere Anarchisten verhaftet, darunter auch Emma Goldmann. Am 12. September wird in New York die polizeiliche Überwachung sämtlicher Anarchisten angeordnet.

11.9.1901, Mittwoch

Auf der Ostsee (nahe Danzig [Gdansk]) kommen der deutsche Kaiser Wilhelm II. und der russische Zar Nikolaus II. zu einem Treffen auf einem Schiff zusammen. Die beiden Monarchen wohnen den deutschen Flottenmanövern (bis 15. 9.) bei.

12.9.1901, Donnerstag

Im Mittelmeerhafen Neapel treffen die ersten aus China zurückkehrenden italienischen Besatzungstruppen im Boxeraufstand ein.

13.9.1901, Freitag

In Yokohama empfängt der japanische Kaiser Mutsuhito eine chinesische Delegation. Sie spricht das Bedauern der chinesischen Führung über den Tod eines Angehörigen der japanischen Gesandtschaft im Rahmen des Boxeraufstandes aus.

Der italienische Politiker Matteo Renato Imbriani-Poerio stirbt im Alter von 58 Jahren in Rom. Er zählt zu den Mitbegründern der sog. Irredentisten. Innenpolitisch vertrat er antimonarchistisch-demokratische Ansätze; außenpolitisch forderte er im Sinne des Irredentismus die Rückführung italienischer Gebiete, die von anderen Mächten wie z. B. Österreich-Ungarn beherrscht werden.

14.9.1901, Samstag

Nach dem Tod von US-Präsident William McKinley, der an den Folgen des Attentats vom 6. September stirbt, übernimmt Vizepräsident Theodore Roosevelt die Amtsgeschäfte. Mit 42 Jahren ist er der jüngste Präsident der Vereinigten Staaten.

15.9.1901, Sonntag

In zahlreichen deutschen Städten sind Anarchisten und Sozialdemokraten von Hausdurchsuchungen betroffen. Die Maßnahmen stehen im Zusammenhang mit dem Attentat auf US-Präsident William McKinley. Der in New York inhaftierte deutsche Anarchist und Herausgeber der Zeitschrift “Die Freiheit”, Johann Most, wird gegen eine Kaution von 500 US-Dollar (2095 Mark) wieder freigelassen.

In den Vereinigten Staaten endet der seit dem 1. Juli andauernde Stahlarbeiterstreik. Die Streikenden setzen sich mit ihrer Forderung nach einer Lohnerhöhung durch.

Die norwegische Regierung beschließt in Christiania (heute Oslo) die Ausarbeitung eines Berichts zum Aufbau eines eigenen Konsulatswesens. Norwegen wird seit 1814 in Personalunion vom schwedischen König Oskar II. regiert (bis 1905).

16.9.1901, Montag

Nach Unterzeichnung des internationalen Boxerprotokolls am 7. September ziehen wieder chinesische Truppeneinheiten in die Hauptstadt Peking ein.

In Berlin erklärt sich der Bund der Industriellen mit dem von der deutschen Regierung vorgelegten Zolltarifentwurf grundsätzlich einverstanden. Zugleich äußert die Unternehmerorganisation allerdings Bedenken gegen den “Doppeltarif”.

17.9.1901, Dienstag

Königin Wilhelmine der Niederlande eröffnet in Den Haag mit einer Thronrede die sog. Generalstaaten (niederländisches Parlament; seit 1814). Dabei betont die Monarchin, dass künftig christliche Grundsätze stärker als bisher das öffentliche Leben bestimmen sollen. Bei den Parlamentswahlen gab es einen Sieg der christlichen Parteien; neuer Ministerpräsident wurde anschließend der Theologe Abraham Kuyper.

18.9.1901, Mittwoch

Zum 1000. Todestag des um 901 n. Chr. gestorbenen Alfred des Grosen, König der Angelsachsen, finden in Großbritannien Gedächtnisfeierlichkeiten statt. Alfred bewahrte England 878 n. Chr. vor völliger dänischer Unterwerfung. Er hat sich um Wiederaufbau und Neueinteilung des Landes bemüht und zur Förderung von Kultur und Bildung beigetragen. Von ihm stammt auch das erste bedeutende altenglische Prosawerk.

In Dünkirchen beginnt ein viertägiger Frankreichbesuch des russischen Zaren Nikolaus II. Russland ist Bündnispartner Frankreichs (sog. Zweibund).

19.9.1901, Donnerstag

Einem Dekret der portugiesischen Regierung zufolge müssen sich alle religiösen und politischen Vereine binnen sechs Monaten in ein Verwaltungsregister eintragen lassen.

Nach einer Explosion an Bord sinkt der britische Torpedozerstörer “Cobra” in der Nordsee bei Yarmouth. Alle 67 Besatzungsmitglieder kommen bei dem Unglück ums Leben.

20.9.1901, Freitag

32 Personen werden bei einem schweren Eisenbahnunglück in Rumänien in der Nacht vom 20. zum 21. September getötet.

21.9.1901, Samstag

Eine deutsche Fußball-Auswahl verliert in Tottenham (London) gegen eine englische Amateurmannschaft 0:12 und vier Tage später 0:10.

In Belgrad werden die Sitzungen der Skupschtina (serbisches Parlament) eröffnet. In der Thronrede hebt König Alexander I. Obrenovic seine Bemühungen um ein gutes Verhältnis zu Russland hervor.

Zum Abschluss seines Besuches in Frankreich betont der russische Zar Nikolaus II. im Lager von Betheny die friedlichen Absichten des sog. Zweibundes. Nach seinen Aussagen wollen Frankreich und Russland lediglich ihre politischen Interessen wahren.

Der Bericht einer Revisionskommission legt offen, dass die Pommersche Hypothekenbank einen Fehlbetrag von 16 Mio. Mark aufweist. Damit gilt das Aktienkapital der Bank als verloren.

22.9.1901, Sonntag

Im Mittelpunkt des SPD-Parteitags in Lübeck (bis 27. 9.) stehen das Zolltarifproblem, Fragen des Wohnungswesen sowie ein Konflikt um die Position des sozialdemokratischen Theoretikers Eduard Bernstein.

Auf einem Sozialistenkongress in Solothurn kommt es zur Neuorganisation der Schweizer Sozialdemokratie. Die sog. Grütlianer vereinigen sich mit den Sozialdemokraten.

Auf einer Versammlung des Bayerisch-patriotischen Bauernvereins wird die Erhaltung der Selbständigkeit des Bundesstaats Bayerns gefordert. Gleichzeitig verlangt der Verein von der Reichsregierung eine Erhöhung der Getreidezölle sowie eine allgemeine Sparpolitik.

In Hamburg kommt die 73. Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte zusammen (bis 26. 9.). Auf dem Treffen wird die Deutsche Gesellschaft für Geschichte der Medizin und Naturwissenschaft gegründet.

Der in den USA lebende deutsche Anarchist Johann Most wird auf Long Island (US-Bundesstaat New York) erneut verhaftet. Im Hintergrund der Verhaftungswelle unter Anarchisten steht das Attentat auf US-Präsident William McKinley.

Mercedes-Fahrer Richard von Stern siegt beim 3. Semmering-Bergrennen.

Der Berliner Max Wartenberg wird in Hamburg in 11,0 sec Deutscher Meister im 100m-Lauf.

23.9.1901, Montag

Die Reichsbank in Berlin setzt den Diskontsatz um 0,5% auf 4% herauf. Die damit verbundene Verknappung des Geldes ist allerdings angesichts mangelnder Liquidität vieler Unternehmen umstritten.

Der gebürtige Schweizer Frank Erne, Box-Weltmeister im Leichtgewicht, scheitert bei dem Versuch, auch den Titel in der nächsthöheren Gewichtsklasse zu holen. Titelverteidiger Jim “Rube” Ferns gewinnt in Fort Erie die Weltergewichts-WM durch K. o. in der neunten Runde.

24.9.1901, Dienstag

Im süditalienischen Neapel werden mehrere Personen mit Verdacht auf Pesterkrankung in Krankenhäuser gebracht. Zugleich trifft die Stadt Quarantänemaßnahmen. Im weiteren Verlauf des Monats sterben sechs Personen an Pest.

Nach Meldungen aus Schanghai ist es zu schweren Überschwemmungen im Jangtse-Gebiet gekommen. Dadurch werden in China über zehn Millionen Menschen obdachlos.

25.9.1901, Mittwoch

In München endet eine dreitägige Tagung des Vereins für Sozialpolitik. Die u.a. von dem Nationalökonomen Gustav von Schmoller begründete Vereinigung (“Kathedersozialisten”) engagiert sich für soziale Reformen im Deutschen Reich.

26.9.1901, Donnerstag

In Buffalo (US-Bundesstaat New York) wird der Attentäter des US-amerikanischen Präsidenten William McKinley, Czolgosz, zum Tod durch den elektrischen Stuhl verurteilt. Er wird am 29. Oktober hingerichtet.

In den Industrieregionen des Bundesstaats Sachsen verbieten die Polizeibehörden die Benutzung der polnischen und tschechischen Sprache bei Arbeiterversammlungen. In Sachsen sind zahlreiche fremdsprachige Arbeitskräfte tätig.

27.9.1901, Freitag

Anlässlich des Eintreffens deutscher Besatzungstruppen aus China (Boxeraufstand) in Wien betont der österreichische Kaiser Franz Joseph I. die “treue Waffenbruderschaft” zwischen beiden mitteleuropäischen Staaten.

In Stuttgart findet der erste württembergische Handelskammertag statt. Die Mehrheit der vertretenen Kammern spricht sich für den Anschluss der Staatsbahnen an die preußisch-hessischen Eisenbahnen aus. Zur Begründung werden wirtschaftliche, finanzielle und politische Argumente angeführt. Zwei Handelskammern fordern die Bildung einer Reichseisenbahn.

28.9.1901, Samstag

Der erste deutsche Kunsterziehungstag findet bis zum 29. September in Dresden statt.

In München beginnen die Sitzungen des bayerischen Abgeordnetenhauses. Das von Finanzminister Emil Freiherr von Riedel vorgelegte Budget für 1902-03 sieht Ausgaben in Höhe von 464 Mio. Mark vor.

29.9.1901, Sonntag

Das russische Kriegsministerium veröffentlicht eine Anordnung von Zar Nikolaus II. über die Aufnahme von Ausländern in russische Militäreinrichtungen. Danach sollen Bewerber aus Serbien, Bulgarien und Montenegro bei der Einstellung bevorzugt behandelt werden.

Der von Friedrich Naumann begründete Nationalsoziale Verein beschließt auf seinem Vertretertag in München (bis 2. 10.) Leitsätze zur Entwicklung des Liberalismus.

30.9.1901, Montag

In Berlin kommt der Deutsche Handelstag zusammen. Die Delegierten sprechen sich mit knapper Mehrheit gegen den Zolltarifentwurf der Regierung aus.

Die österreichischen Alldeutschen unter Karl Hermann Wolf (später Deutsch-Radikale) führen im Rahmen des Wahlkampfes in Böhmen polemische Angriffe gegen jeden deutsch-tschechischen Ausgleich. Die Alldeutschen wenden sich auch gegen eine Teilung des Landes. Die böhmischen Landtagswahlen finden am 8. bzw. 17. Oktober statt.

In einer von rund 470 000 Personen unterzeichneten Petition protestiert die finnische Bevölkerung gegen das neue Wehrpflichtgesetz, das von der russischen Regierung im Großfürstentum am 19. Juli angeordnet wurde. Nach Ansicht der Unterzeichner ist das Gesetz verfassungswidrig ohne Mitwirkung des finnischen Landtags zustande gekommen.

Unter Vorsitz von Auguste Schmidt wird in Eisenach der Allgemeine Deutsche Frauentag eröffnet. Die deutsche Pädagogin und Frauenrechtlerin Auguste Schmidt gehört zu den Mitbegründerinnen des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins und wurde 1894 Vorsitzende des Bundes Deutscher Frauenvereine.

Der Konflikt zwischen der Stadt Berlin und dem deutschen Kaiser Wilhelm II. spitzt sich zu. Nach der Bestätigung der Wahl Gustav Kauffmanns zum Bürgermeister am 12. September durch die Stadtverordnetenversammlung lehnt Wilhelm II. ein vom Magistrat vorgeschlagenes Straßenbahn-Projekt ab und verweigert Oberbürgermeister Martin Kirschner eine Audienz. Auch einen von der Stadt geplanten “Märchenbrunnen” im Friedrichshain weist er zurück.

Nach Inkrafttreten des französischer Assoziationsgesetzes haben bisher 45 klerikale Männer- und 370 Frauenorden ihre staatliche Zulassung beantragt.

Chroniknet