Was geschah im September 1904

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Wetterstationen September 1904

1.9.1904, Donnerstag

Die 24-Jährige US-Schriftstellerin und spätere Sozialreformerin Helen Keller, die seit ihrem zweiten Lebensjahr blind und taub ist, macht ihr Examen am Radcliff College. Sie liest die Bücher in Blindenschrift und benutzt eine spezielle Schreibmaschine.

In Danzig behandelt ein deutsch-österreichisch-ungarischer Eisenbahnkongress Fragen des grenzübergreifenden Güterverkehrs und der gegenseitigen Wagenbenutzung.

Bei Scuoll-Schuls wird der letzte Bär der Schweiz erlegt.

2.9.1904, Freitag

Der russische Vizeadmiral Prinz Pawel P. Ukhtomski soll auf Beschluss des Admiralitätsrats vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Er hatte während des Seegefechts am 10. August vor Port Arthur nach dem Tod des Kommandanten Witthöft die Führung des Geschwaders übernommen und sich nach Meinung des Admiralitätsrats vor den japanischen Angriffen zu schnell zurückgezogen. Am 7. September wird Ukhtomski als Befehlshaber der Flotte in Port Arthur abgesetzt.

3.9.1904, Samstag

In Bozen tagt die IV. Generalversammlung des “Vereins zum Schutze und zur Pflege der Alpenpflanzen”.

Der US-Amerikaner L. L. Whitman legt mit dem Auto die Strecke quer durch die USA in einer neuen Rekordzeit von 33 Tagen zurück.

4.9.1904, Sonntag

Durch einen Erlass des russischen Zaren Nikolaus II. werden die Niederlassungsrechte der Juden in Russland ausgedehnt. Die “privilegierten” Juden, dazu gehören Großkaufleute und Hochschulabsolventen, dürfen sich künftig auch auf dem Lande niederlassen. Bisher war ihr Wohnrecht auf bestimmte Städte beschränkt.

In einer Rede in Auxerre erklärt der französische Ministerpräsident Emile Combes, dass er das Konkordat mit dem Vatikan nicht erneuern werde.

Im Mittelpunkt des Delegiertentags der nationalliberalen Jugendvereine in Leipzig steht die Schulpolitik. In einer Resolution spricht sich die Versammlung für die Simultanschule aus. Die Jugendvereine wenden sich damit gegen die nationalliberale Reichstagsfraktion, die am 13. Mai dem sog. Schulkompromiss zugestimmt hat, der die konfessionelle Trennung der Volksschulen vorsieht.

In Genf beginnt der II. Internationale Kongress für Philosophie.

Der deutsche Kronprinz Wilhelm verlobt sich mit Herzogin Cecilie zu Mecklenburg-Schwerin.

5.9.1904, Montag

Auf Anweisung des sächsischen Königs Georg werden die diesjährigen Manöver des XII. Armeekorps mit Rücksicht auf die Schäden abgesagt, die der große Wassermangel in der Lausitz verursacht hat.

Auf dem internationalen Straßenbahn- und Kleinbahn-Kongress, der bis zum 9. September in Wien stattfindet, wird die Frage erörtert, wie beim Betrieb von elektrischen Straßenbahnen der Stromverbrauch gesenkt werden kann.

In Leeds beginnt ein Kongress der britischen Gewerkschaften.

Bei Hamburg finden in Anwesenheit von Kaiser Wilhelm II. die diesjährigen Herbstmanöver statt. An der “Kaiserparade” nehmen das IX. Armeekorps und das Marine-Landungskorps teil.

6.9.1904, Dienstag

In Anwesenheit des ungarischen Ministerpräsidenten István Graf Tisza tagt in Budapest der sechste internationale Genossenschaftskongress mit 250 Teilnehmern aus mehreren europäischen Staaten. Neben Berichten über den Stand der Genossenschaftsbewegung kommt auch die Spaltung der deutschen Konsumgenossenschaften zur Sprache.

7.9.1904, Mittwoch

Der deutsche Handels- und Gewerbekammertag in Lübeck spricht sich für die Förderung des Handwerks durch Genossenschaften aus.

In Kopenhagen wird eine Aktiengesellschaft gegründet, die nach einer Übereinkunft mit der Post probeweise Automobile zur Beförderung von Personen und von Briefen einsetzen soll.

8.9.1904, Donnerstag

Zar Nikolaus II. ernennt den bisherigen Generalgouverneur von Wilna, Fürst Pjotr D. Swjatopolk-Mirski, zum Nachfolger für den am 28. Juli ermordeten Innenminister Wjatscheslaw K. Plewe.

Auf der zweitägigen Sitzung des “Vereins gegen den Missbrauch geistiger Getränke” in Erfurt wird eine gesetzliche Regelung der Trinkerfürsorge und die verstärkte Einrichtung von Trinkerheilstätten gefordert. Eine Gefahr der weiteren “Alkoholisierung des deutschen Volks” sieht man in der großen Ausbreitung des Flaschenbierhandels. Ein Viertel bis ein Drittel des gesamten Bierumsatzes erfolge heute in Flaschen, heißt es.

Beim Einsturz einer Wand in der Kathedrale von Orleans wird der Hochaltar zerstört.

9.9.1904, Freitag

In einer Rede vor höheren Staatsbeamten betont der badische Großherzog Friedrich I., dass die Einführung der direkten Wahl für die Zweite Kammer des Parlaments im Vertrauen auf die “festbegründete Gesetzestreue und anhängliche Gesinnung” der badischen Bevölkerung erfolgt sei. Es gelte jetzt, gegen “umstürzlerische Tendenzen” zusammenzustehen.

10.9.1904, Samstag

In Düsseldorf findet der erste Verbandstag der katholischen Arbeitervereine Westdeutschlands statt. Der neue Dachverband vereinigt 325 katholische Arbeitervereine der Diözesen Köln, Münster, Paderborn, Limburg, Hildesheim und Fulda mit insgesamt 69 000 Mitgliedern. Die Delegierten sprechen sich für die Mitarbeit in den christlichen Gewerkschaften aus.

Anlässlich der Feier des 100. Geburtstags des ersten deutschen Admirals Karl Rudolf Bromme sind alle höheren deutschen Marineoffiziere zu einem Festmahl mit Kaiser Wilhelm II. auf dem Artillerieschulschiff “Mars” geladen, das vor Brunsbüttelkoog liegt.

Auf seiner Versammlung in Heidelberg beschließt der Verband deutscher Touristenvereine die Errichtung von Studentenherbergen. Es ist geplant, ein Verzeichnis billiger “Sommerfrischen” herauszugeben. Der Verband besteht aus 54 Vereinen mit insgesamt mehr als 100 000 Mitgliedern.

Der 27. deutsche Juristentag in Innsbruck beschäftigt sich u.a. mit der rechtlichen Behandlung von Unternehmenskartellen. In einer Entschließung wird ein staatliches Eingreifen bei ungerechtfertigten Preiserhöhungen für geboten und zulässig erachtet. Ebenso wie den Unternehmern müsse jedoch auch den Arbeitern die volle Koalitionsfreiheit zugebilligt werden.

11.9.1904, Sonntag

Der Freiburger Erzbischof Thomas Nörber erklärt in einer Predigt, ein echter Katholik dürfe keine liberale Zeitung halten.

In einer “oberhirtlichen Unterweisung” erklärt der Metzer Bischof Willibrord Benzler, die kirchlichen Segnungen seien all denen vorzuenthalten, die “glaubens- oder sittenlose Schriften lesen oder behalten oder auf derartige Zeitungen abonnieren”. Benzler ermahnt die Gläubigen, keine Schriften zu kaufen, welche von Händlern angeboten werden, die keine Empfehlung des Pfarrers vorweisen können.

12.9.1904, Montag

Bei den Knappschaftswahlen im Ruhrgebiet erhalten die Kandidaten des sog. alten (sozialdemokratischen) Bergarbeiterverbands mit 177 von 310 Vertretern die Mehrheit. Die restlichen Sitze entfallen auf Vertreter der christlichen Gewerkschaften, der Polen und auf Unorganisierte.

Das Zentralkomitee der deutschen Kriegerverbände kritisiert auf seiner Tagung auf dem Kyffhäuser in einer Resolution die “vaterlandslose Gesinnung” des SPD-Vorsitzenden August Bebel. Er hatte sich auf der internationalen Sozialistentagung in Amsterdam kritisch über das deutsche Militär geäußert.

Auf dem fünften internationalen Elektrikerkongress in St. Louis wird keine Einigung über international gültige elektrische Einheiten erzielt.

Mit einer Festsitzung beginnt in Wien der neunte internationale Pressekongress. In den Debatten wird vor allem das Thema “Die Würde der Presse” behandelt. Ein internationales Gericht soll geschaffen werden, vor dem Streitigkeiten über Inhalt und Form der Presseberichterstattung verhandelt werden können. Die Journalisten klagen besonders über den geringen Schutz ihres “geistigen Eigentums”. In seiner Rede schließt sich auch der Schriftsteller Hermann Bahr der Forderung nach Pressegerichten an.

13.9.1904, Dienstag

Eine Regierungsvorlage, die dem Oldenburger Landtag zugeht, sieht vor, die finanzielle Selbständigkeit des Fürstentums Lübeck aufzuheben und dessen Finanzwesen mit dem des Großherzogtums Oldenburg zu vereinigen. Die Maßnahme soll der Vereinfachung der Verwaltung dienen. Das 541 km große Fürstentum Lübeck mit dem Hauptort Eutin liegt weit vom Großherzogtum Oldenburg entfernt in Holstein.

14.9.1904, Mittwoch

Der Deutsche Verein für öffentliche Gesundheitspflege erörtert auf einer Versammlung in Danzig eine Reihe von Problemen der hygienischen und gesundheitspolizeilichen Krankheitsvorbeugung. Dazu gehören die Versorgung der Städte mit einwandfreiem Fleisch und die Verbesserung der städtischen Abwasserentsorgung.

Im Deutschen Buchgewerbehaus in Leipzig wird eine Ausstellung von Fotografien gezeigt.

15.9.1904, Donnerstag

Die italienische Königin Helena wird von einem Sohn entbunden. Der Thronfolger erhält den Namen Umberto und den Titel Prinz von Piemont. Anlässlich der Geburt erlässt König Viktor Emanuel III. eine Amnestie für eine Reihe kleinerer Delikte.

In Zürich findet eine internationale Konferenz zum Thema Mädchenhandel statt. Dabei werden die Ursachen und Möglichkeiten der Bekämpfung dieses Übels diskutiert. Unter dem Vorwand, ihnen eine gute Anstellung zu verschaffen, werden Frauen von Händlern und Agenturen an Bordelle vermittelt. Am 18. Mai 1904 wurde bereits ein internationales Abkommen von vierzehn europäischen Staaten unterzeichnet, das solche Praktiken unterbinden soll.

16.9.1904, Freitag

In einer Botschaft an den Kongress betont der wiedergewählte mexikanische Präsident Porfirio Díaz die guten Fortschritte in der Entwicklung Mexikos. Die Beziehungen zum Ausland seien zufriedenstellend. Dies gelte besonders für das Verhältnis zum Deutschen Reich.

Der Aufruf der italienischen Sozialisten zum Generalstreik wird nur in einigen Großstädten wie Mailand, Turin und Rom befolgt. In den meisten Orten bricht der Streik nach zwei Tagen zusammen: nur in Mailand dauert er fünf Tage. Anlass für den Streikaufruf waren blutige Zusammenstöße zwischen streikenden Bergarbeitern und der Polizei auf Sardinien, bei denen zwei Arbeiter getötet worden waren.

17.9.1904, Samstag

Der kleine württembergische Ort Binsdorf wird durch einen Brand fast völlig zerstört.

An der Universität von Helsinki kommt es während der Immatrikulation der neuen Studenten zu Protesten gegen die russische Herrschaft. In einer Rede erklärt der Universitätsrektor, dass er durch die kürzlich erfolgte Festnahme mehrerer Dozenten die Stellung der Universität als angegriffen betrachte.

Das neue Dortmunder Stadttheater wird eröffnet. Es wurde nach Plänen des Münchener Architekten Martin Dülfer errichtet. Gleichzeitig bilden die Städte Dortmund und Essen eine Theatergemeinschaft.

In Bremen beginnt unter dem Vorsitz von Clara Zetkin und Luise Zietz die dritte Konferenz der sozialdemokratischen Frauen. Es werden u.a. Fragen der Kinderarbeit und der Schulpolitik behandelt.

In einer Rede erklärt der Universitätsrektor, dass er durch die kürzlich erfolgte Festnahme mehrerer Dozenten die Stellung der Universität als angegriffen betrachte.

Mit einer militärischen Flottendemonstration im kolumbianischen Hafen Cartagena reagieren die USA auf einen Zwischenfall, bei dem am 4. Juli das Wappen des US-amerikanischen Konsulats beschmutzt wurde.

Verschiedene oppositionelle und revolutionäre Parteien Russlands beraten auf einer Tagung in Paris über ein gemeinsames Vorgehen gegen die zaristische Herrschaft.

18.9.1904, Sonntag

Der Parteitag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) nimmt in Bremen seine siebentägigen Beratungen auf.

In Breslau tagt die 76. Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte. In verschiedenen Gruppen werden zahlreiche Themen der Medizin und Naturwissenschaft behandelt. Die 1822 auf Anregung des Naturforschers und Philosophen Lorenz Oken (eigtl. Ockenfuß) gegründete Gesellschaft gehört zu den traditionsreichsten wissenschaftlichen Vereinen Deutschlands.

19.9.1904, Montag

Der italienische Ministerpräsident und Innenminister Giovanni Giolitti empfängt den Bürgermeister von Mailand, der sich über das brutale Vorgehen der Polizei gegen streikende Arbeiter beschwert. Giolitti verurteilt die Polizeiaktionen, die blutige Ausschreitungen veranlasst hätten.

In Essen gründet sich der Verband der deutschen Brückenbauanstalten. Ihm gehören 45 Firmen an.

20.9.1904, Dienstag

Anlässlich der Eröffnung des Parlaments erklärt die niederländische Königin Wilhelmina, dass die Ergebnisse des niederländischen Handels und der Industrie wegen der Konkurrenz des Auslands nicht den gehegten Erwartungen entsprechen.

Bei einem Flugversuch in der Nähe von Dayton im US-Bundesstaat Ohio gelingt es Wilbur Wright mit seinem Flugapparat erstmals, einen Kreis zu fliegen.

21.9.1904, Mittwoch

In der serbischen Hauptstadt Belgrad wird der neue serbische König Peter I. Karadordevic in einer feierlichen Zeremonie gekrönt.

Die Darmstädter Bank erhöht ihr Aktienkapital um 20 Mio. Mark auf 132 Mio. Mark. Sie gehört neben der Deutschen Bank, der Discontogesellschaft und der Dresdner Bank zu den einflussreichsten Banken im Deutschen Reich.

In Dresden tagt ein internationaler Kongress der “Abolitionistischen Föderation” die sich gegen die staatliche Reglementierung der Prostitution wendet.

22.9.1904, Donnerstag

Der rumänische Ministerpräsident Demetrios Sturdza trifft in Hamburg zu Gesprächen über den deutsch-rumänischen Handelsvertrag mit dem deutschen Reichskanzler Bernhard Graf von Bülow zusammen. Der Vertrag wird am 29. September unterzeichnet.

Nach einer längeren Zeit der Ruhe bricht der Vesuv wieder aus.

In Melrose im US-Bundesstaat Massachusetts wird bei einer Dynamitexplosion ein Straßenbahnwagen zerstört. Dabei werden neun Personen getötet und 19 schwer verletzt.

23.9.1904, Freitag

Auf den Stadthauptmann von Odessa wird ein Revolverattentat verübt. Der Beamte bleibt unverletzt.

24.9.1904, Samstag

Das Hamburger Waisenhaus feiert sein 300-Jähriges Bestehen. Zur Zeit stehen mehr als 7000 Kinder und Heranwachsende unter der Aufsicht dieser Anstalt. Die meisten von ihnen sind bei Familien und in sog. Kolonien untergebracht.

Auf der Tagesordnung des in Mailand beginnenden 10. Internationalen Schifffahrtskongresses stehen u.a. das Verhältnis des gemischten Transportverkehrs mit der Eisenbahn und auf Binnenwasserstraßen, der Betrieb und die Verwaltung von Seehäfen und die Sicherheit im Seeschiffverkehr.

In Scheeßel am Rande der Lüneburger Heide beginnt das erste Niedersächsische Volkstrachtenfest.

25.9.1904, Sonntag

Portugiesische Truppen werden bei einem Feldzug in der Kolonie Angola gegen den Stamm der Cuamato vernichtend geschlagen.

In einer Entschließung spricht sich der 5. Verbandstag deutscher Mietervereine für eine stärkere Förderung des Wohnungsbaus durch die staatliche Unterstützung der Baugenossenschaften aus. Da der größte Teil der Bevölkerung Mieter sei, müsse künftig die Bevorzugung der Hausbesitzer bei den Kommunalwahlen aufhören. Bislang ist das Wahlrecht in den meisten deutschen Städten so gestaltet, dass die Hausbesitzer in den Stadtparlamenten immer die Mehrheit stellen.

Die Umgehungsbahn um den Baikalsee wird als letztes Teilstück der Transsibirischen Eisenbahn in Betrieb genommen.

Bei einem Zusammenstoß von zwei Personenzügen in der Nähe von Newmarket im US-Bundesstaat Tennessee kommen 100 Menschen ums Leben.

26.9.1904, Montag

Nach dem Tod des Grafen Ernst von Lippe-Biesterfeld entbrennt ein innenpolitischer Streit um die Thronfolge in Lippe-Detmold wieder neu.

Der japanische Kaiser Mutsuhito empfängt den von Kaiser Wilhelm II. nach Japan entsandten Prinzen Karl Anton von Hohenzollern.

In Basel finden bis zum 28. September die Verhandlungen der Internationalen Vereinigung für gesetzlichen Arbeitsschutz statt. Vertreter aus zehn Staaten beraten dabei über Fragen wie den gewerblichen Umgang mit Giftstoffen, die Frauenarbeit, Arbeitszeitbeschränkung und Versicherungsschutz.

Der fünfte “Tag für Denkmalpflege” wird in Mainz abgehalten. Neben einschlägigen technischen und juristischen Fragen wird u.a. auch über das Verhältnis von städtischen Bauordnungen zu den Zielen der Denkmalpflege gesprochen.

27.9.1904, Dienstag

Der italienische Ministerpräsident Giovanni Giolitti trifft in Homburg v.d.H. ein, wo er mit dem deutschen Reichskanzler Bernhard Graf von Bülow politische Gespräche führt.

Unter der Leitung ihres Reichstagsabgeordneten Adolf Stöcker findet in Frankfurt am Main der Parteitag der Christlich-sozialen Partei statt. Die Delegierten begrüßen die jüngst stattgefundene Formierung einer Mittelstandsbewegung der Kaufleute und Handwerker im Deutschen Reich.

Durch eine Verordnung des österreichischen Unterrichtsministers Wilhelm August Ritter von Hartel wird in Innsbruck, der Landeshauptstadt von Tirol, eine provisorische Fakultät für Rechts- und Staatswissenschaften eingerichtet, an der die Vorlesungen in italienischer Sprache abgehalten werden sollen.

28.9.1904, Mittwoch

Der griechische König Georg I. verfügt die Auflösung des griechischen Parlaments.

29.9.1904, Donnerstag

In der Zweiten Kammer des niederländischen Parlaments kritisieren die Sozialisten scharf die militärischen Aktionen der niederländischen Truppen auf Sumatra, bei denen auch Frauen und Kinder getötet worden seien. In seiner Erwiderung erklärt der niederländische Ministerpräsident Abraham Kuyper, der Feldzug sei notwendig gewesen, da man einem Führer im Sultanat Aceh niederländischen Schutz zugesagt hätte.

In Japan wird durch eine Notstandsverordnung das bestehende Wehrgesetz geändert. Die Dienstzeit der Reservisten zweiter Klasse wird von derzeit fünf auf zehn Jahre verlängert. Auf diese Weise sollen die Kriegsverluste ausgeglichen werden.

Das Nationaltheater am Weinbergsweg in Berlin wird eröffnet.

30.9.1904, Freitag

Ein neuerlicher Angriff der japanischen Truppen auf die russische Festung Port Arthur wird nach mehrtägigen, verlustreichen Kämpfen abgebrochen. Die Erstürmung des strategisch wichtigen sog. 203-m-Hügels gelingt den Japanern nicht.

Die Generalversammlung der Daimler-Motoren-Gesellschaft beschließt die Verlegung der Firma von Cannstatt nach Untertürkheim bei Stuttgart.

Der Rücktritt Robert Kochs von seinem Amt als Direktor des Instituts für Infektionskrankheiten wird amtlich bekanntgegeben.