Was geschah im September 1906

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Wetterstationen September 1906

1.9.1906, Samstag

Auf dem Tempelhofer Feld in Berlin findet die Grose Herbstparade statt. Zu den Zuschauern zählt auf Einladung von Kaiser Wilhelm II. auch der britische Kriegsminister Richard Burdon Haldane. Seine Anwesenheit soll verbesserte Beziehungen zwischen dem Deutschen Reich und Großbritannien nach dem Ende der Marokkokrise demonstrieren.

In einem Hotel in Interlaken erschießt eine russische Emigrantin einen französischen Kurgast in dem Glauben, es sei der frühere russische Innenminister Pjotr N. Durnowo.

Die japanische Regierung unter Ministerpräsident Kimmotschi Fürst Saiondschi proklamiert Dalny (Dairen) zum Freihafen, der allen Nationen zum Handel offensteht. Die am Gelben Meer gelegene Stadt wurde 1899 von den Russen gegründet und ist seit dem Ende des Russisch-Japanischen Kriegs (1905) japanisches Pachtgebiet.

Über die chilenische Erdbebenprovinz Valparaiso wird nach Plünderungen der Belagerungszustand verhängt.

2.9.1906, Sonntag

In Frankreich tritt das Gesetz zur Einführung der Sonntagsruhe in Kraft. Bäckereien, Restaurants Trinkhallen und Metzgereien haben fast alle – wie auch an früheren Sonntagen geöffnet. Nur die großen Modegeschäfte haben geschlossen.

Das 24-Stunden-Schwimmen in Paris um die “Schwimmeisterschaft der Welt” gewinnt der Brite Anthony W. Burgess vor Holbein und Mev. 16 Schwimmer waren am Start, drei kommen ins Ziel.

Der Deutsch-Südafrikaner Vincenz Duncker wird in Hannover am selben Tag Deutscher Meister über 100 m in 11,2 sec, 400 m in 56,6 sec und 110 m Hürden in 19,8 sec.

Die Fleischermeister und Wurstfabrikanten aus Sachsen, Anhalt und den thüringischen Staaten verabschieden in Halle an der Saale eine Protestresolution gegen “die fortgesetzte Untätigkeit der Regierung gegenüber der nun schon seit zwei Jahren und neuerdings wieder in verstärktem Maße brennend gewordenen Frage der Viehteuerung”.

Der osmanische Sultan Abd Al Hamid II. feiert sein 30-Jähriges Regierungsjubiläum. Abd Al Hamid hatte kurz nach seinem Regierungsantritt 1876 eine Verfassung erlassen, diese jedoch wenig später wieder aufgehoben. Die Jungtürken, die stärkste Oppositionspartei im Osmanischen Reich, fordern die Wiederherstellung der Verfassung.

In Liverpool beginnt der britische Gewerkschaftskongress, der 1,5 Mio. Arbeiter vertritt. Auf der bis zum 7. September tagenden Veranstaltung werden die Verstaatlichung der Eisenbahnen, Kanäle und Bergwerke sowie die Einführung einer Zwangsversicherung für die Arbeiter gefordert.

3.9.1906, Montag

In Peking verheißt ein kaiserliches Edikt die Einführung einer Verfassung, sobald das Volk dazu reif sein werde.

Die erste Nummer der illegalen Zeitung “Der Proletarier”, des von Wladimir I. Lenin herausgegebenen Zentralorgans der Bolschewiki, erscheint.

Die Zeitung “Popolo Romano” weist Berichte verschiedener italienischer Zeitungen zurück, in denen Österreich-Ungarn eine “maritime Bedrohung Italiens” und die Misshandlung von Italienern in Zara und Fiume (Rijeka) vorgeworfen worden waren. Italien, Österreich-Ungarn und das Deutsche Reich gehören zwar dem Dreibund an, die Spannungen zwischen Wien und Rom höhlen dieses Bündnis jedoch zunehmend aus.

Im Englischen Garten in Berlin treffen sich die Straßenhändler Berlins zu einer Protestkundgebung gegen die Behauptung von Behörden, sie würden minderwertige Waren in den Handel bringen.

4.9.1906, Dienstag

Auf vehemente Proteste von Klerus und Eisenbahnaktionären stößt die Forderung der französischen Regierung nach Schließung der Grotte im Wallfahrtsort Lourdes. Der Quelle in dieser Grotte entströmt nicht nur jenes Wasser, das angeblich Lahme, Blinde und andere Gebrechliche zu heilen vermag, sondern durch sie fließen auch alljährlich 6 Mio. Franc (4,86 Mio. Mark) in die Kasse der französischen Eisenbahngesellschaften. Die meisten Pilger wallfahren in der Eisenbahn nach Lourdes.

In Nürnberg wird der 7. Deutsche Handwerks- und Gewerbekammertag eröffnet. Auf der zweitägigen Veranstaltung wird die gesetzliche Einführung eines Befähigungsnachweises für das Baugewerbe gefordert entsprechend dem Befähigungsnachweis für das Handwerk.

5.9.1906, Mittwoch

Bei antiungarischen Demonstrationen tschechischer und kroatischer Gesangvereine in Fiume (Riieka) an der Adria kommt es zu blutigen Straßenschlachten. Der Nationalitätenkonflikt ist eines der zentralen Probleme der Donaumonarchie.

Drei russische Kriegsschiffe laufen zu einem Besuch in den Kieler Hafen ein.

6.9.1906, Donnerstag

Ein Ukas des russischen Zaren Nikolaus II. verfügt die Einsetzung von Feldkriegsgerichten.

Die russische Regierung unter Ministerpräsident Pjotr A. Stolypin veröffentlicht ihr Programm. Hauptziel ist die Zerschlagung der revolutionären Bewegung.

7.9.1906, Freitag

Die kubanische Regierung unter dem konservativen Präsidenten Tomás Estrada Palma bietet den Aufständischen einen zehntägigen Waffenstillstand und Friedensverhandlungen an. Die Rebellen lehnen das Angebot ab.

8.9.1906, Samstag

Der deutsche Jesuit Franz Xaver Wernz wird in Rom zum General des Jesuitenordens gewählt.

Kaiser Wilhelm II. sagt im Zwinger zu Breslau, er dulde im Deutschen Reich keine “Schwarzseher”.

9.9.1906, Sonntag

Der österreichische Kaiser Franz Joseph I. sagt aus Gesundheitsgründen seine Teilnahme an den Manövern in Dalmatien ab. Die Presse vermutet, dass er sich nicht mit Demonstrationen für eine Vereinigung mit Ungarn in Dalmatien und Bosnien auseinandersetzen will. In Vertretung des Kaisers reist Thronfolger Erzherzog Ferdinand zu den Manövern.

Der Delegiertentag der nationalliberalen Jugendvereine, der 10 119 Mitglieder vertritt, tadelt in Hannover die Zustimmung der Nationalliberalen zum preußischen Volksschulgesetz und zur Reichsfinanzreform. Gefordert wird ein Reichswohnungsgesetz, in dem Zwangsrichtlinien für Einzelstaaten und Gemeinden festgelegt sind.

Großherzog Friedrich von Baden feiert seinen 80. Geburtstag.

Wegen Wassermangels wird die Schifffahrt auf der Elbe eingestellt.

Kurz nach Mitternacht wird das erste deutsch-norwegische Telegrafenkabel in Betrieb genommen durch ein Glückwunschtelegramm des norwegischen Königs Haakon VII. an den deutschen Kaiser.

10.9.1906, Montag

In der russisch-polnischen Gouvernementsstadt Siedlce ermorden Regierungssoldaten mehr als 100 Juden nachdem zwei Soldaten von Attentätern erschossen worden waren. Auch in Warschau kommt es zu einem Judenpogrom.

In Norfolk sticht der US-Kreuzer “Des Moines” mit Truppen in See, die den Aufstand auf Kuba niederschlagen sollen.

Die chinesische Regierung warnt Ausländer vor Reisen in das Landesinnere wegen anhaltender Unruhen der fremdenfeindlichen Boxer. Als Ursache für die Unruhen nennt sie Nahrungsmangel nach einer Überschwemmungskatastrophe im Tal des Jangtsekiang.

Bernhard Dernburg übernimmt die Leitung der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amts als Nachfolger des zurückgetretenen Ernst Prinz zu Hohenlohe-Langenburg. Hohenlohe-Langenburg nennt als Grund für seinen Rücktritt die im Lauf des Sommers gegen die Kolonialverwaltung erhobenen Vorwürfe.

11.9.1906, Dienstag

Die spanischen Bischöfe veröffentlichen einen Hirtenbrief gegen das von der Regierung erlassene Gesetz über die Einführung der Zivilehe.

Der erste Auslandsbesuch führt den neuen dänischen König Friedrich VIII. nach Stockholm.

12.9.1906, Mittwoch

Der britische Kriegsminister Richard Burdon Haldane bildet durch Armeebefehl einen Generalstab. In einer dem Befehl beigegebenen Denkschrift verweist Haldane auf die erfolgreiche Arbeit des deutschen Generalstabs.

Dem dänischen Erfinder Jakob Ellehammer gelingt auf der Ostseeinsel Lindholm als erstem Europäer ein Motorflug. Ellehammer erreicht während des 42-m-Flugs in einem von ihm selbst konstruierten Vierblattpropeller-Eineinhalbdecker eine Höhe von bis zu 4 m.

13.9.1906, Donnerstag

Prinz Albrecht von Preußen, der Regent des Herzogtums Braunschweig stirbt in Kamenz.

Der russische Zar Nikolaus II. und seine Familie treten eine mehrwöchige Ausfahrt in die finnischen Gewässer an.

14.9.1906, Freitag

US-amerikanische Marinesoldaten landen in Havanna, um den regierungsfeindlichen Aufstand auf Kuba niederzuschlagen.

In München findet eine Massenkundgebung von Liberalen für die Einführung von Simultanschulen statt. An Simultanschulen werden Kinder verschiedener Konfessionen unterrichtet. Die bayerische Regierung unter Klemens von Podewils-Dürniz lehnt Simultanschulen ab.

Der deutsche Volksrat für Böhmen fordert in Flugblättern die Deutschen in Böhmen auf, die tschechische Sprache zu erlernen, um den gesetzlich vorgeschriebenen sprachlichen Erfordernissen für alle Ämter zu genügen und die Anstellung von Nationaltschechen unnötig zu machen.

15.9.1906, Samstag

Die russische Regierung unter Ministerpräsident Pjotr A. Stolypin versagt der Kadettenpartei (Konstitutionelle Demokratische Partei) und dem Verband vom 30. Oktober die nachgesuchte Genehmigung zur Parteibildung. Laut Begründung seien die in den Statuten erwähnten demokratischen Prinzipien so allgemein formuliert, dass sie auch von der gesetzlich verbotenen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei stammen könnten.

Ein Erdbeben zerstört im Norden Siziliens mehrere Ortschaften.

16.9.1906, Sonntag

Fast sämtliche Motorbootbesitzer von Berlin und Umgebung haben mobil gemacht, um trotz scheußlichen Regenwetters aktiv oder als Zuschauer beim ersten Motorbootrennen des Deutschen Motorboot-Clubs auf dem Müggelsee dabei zu sein. “Argus VI”, “Argus V” und “Antoinette” heißen die Rennboote, “Darling”, “Sleipner”, “Else” und “Pams” die Vergnügungsboote, die in den sieben Konkurrenzen siegreich durchs Ziel gehen.

17.9.1906, Montag

Nach einer Pulverexplosion, die durch einen Blitzschlag ausgelöst wird, fliegt das französische Fort Montfaucon bei Besançon in die Luft. Neun Menschen kommen ums Leben.

Der Vierständelandtag des russischen Großfürstentums Finnland in Helsingfors (Helsinki) wird aufgelöst. An seine Stelle tritt ein Einkammerlandtag, der 1907 aus allgemeinen Wahlen – erstmals auf der Welt mit Frauenwahlrecht – hervorgeht.

In Warschau, der Hauptstadt des gleichnamigen russisch-polnischen Gouvernements, werden 800 Arbeiter verhaftet. Mehr als die Hälfte von ihnen wird unter dem Vorwurf revolutionärer Umtriebe in den Staatsgefängnissen interniert.

Der deutsche Vergnügungsdampfer “Meteor”, der während eines Sturms Schutz im britischen Kriegshafen Portsmouth sucht, wird abgewiesen. Die deutsche Presse kritisiert das Verhalten der Hafenbehörde, die britische verteidigt sie lebhaft: Die “Meteor” hätte in Portsmouth kriegswichtige Dinge ausspähen können.

19.9.1906, Mittwoch

Bei Dover im US-amerikanischen Bundesstaat Delaware bricht eine Eisenbahnbrücke zusammen, während sie von einem Zug befahren wird. Mehr als 100 Reisende kommen ums Leben.

Auf der 78. Versammlung deutscher Ärzte und Naturforscher in Stuttgart verteidigt Max Planck die spezielle Relativitätstheorie von Albert Einstein.

20.9.1906, Donnerstag

Ein kaiserlicher Erlass verbietet in China – nach einer Übergangszeit von zehn Jahren – das Opiumrauchen.

Großherzog Friedrich von Baden und Großherzogin Luise feiern in Karlsruhe im Beisein von Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Viktoria ihre goldene Hochzeit. Der Großherzog erlässt aus diesem Anlass eine umfassende Amnestie.

21.9.1906, Freitag

In Riga werden 45 Mitglieder des Komitees des revolutionären Lettenbundes und mehrere “Organisatoren von Räuberbanden” festgenommen. Dabei wurden nach Polizeiangaben Waffen, Sprengstoffe und wichtige Dokumente beschlagnahmt.

Bei 27 Nachwahlen zum Landsting, dem dänischen Oberhaus in Kopenhagen, verlieren die Konservativen einen und die Liberalen fünf Mandate an Sozialdemokraten und radikale Linke.

22.9.1906, Samstag

In Mannheim wird die vierte sozialdemokratische Frauenkonferenz eröffnet. Zu den Hauptrednerinnen der zweitägigen Veranstaltung zählen Clara Zetkin und Lily Braun. Letzterer wird das Wort abgeschnitten, als sie in einer mehrstündigen, temperamentvollen Rede für die Einführung des Frauenstimmrechts wirbt und dabei die bürgerliche Frauenbewegung scharf angreift. Braun ist eine Vertreterin der proletarischen Frauenbewegung.

23.9.1906, Sonntag

Braun siegt auf dem 120-PS-Mercedes von Theodor Dreher zum dritten Mal beim Bergrennen auf den Semmering in den Alpen und gewinnt damit endgültig den wertvollen Gurschner-Wanderpreis. Er durchfährt die 10 km lange Strecke nach Start aus dem Stand in 7:47 min und stellt einen Semmering-Rekord auf.

Für erhebliches Aufsehen in Preußen sorgt in Graudenz (Grudziaz) die Verhaftung des praktischen Arztes Dr. von Grumbkow und des Kaufmanns Rudolf Orlovius “wegen Verdachts der Verübung eines Verbrechens gegen das keimende Leben”.

In allen katholischen Kirchen Frankreichs wird ein gemeinsamer Hirtenbrief des Episkopats gegen das Gesetz zur Trennung von Staat und Kirche und gegen die Bildung von Kultusgemeinden verlesen.

In Atlanta im US-Bundesstaat Georgia erschlagen Weiße 30 Schwarze mit Stöcken oder steinigen sie zu Tode, mehr als 100 werden schwer verletzt. Der Grund für diese Lynchaktion waren laut Pressemeldungen “zahlreiche Vergewaltigungen weißer Frauen durch Neger”.

Französische Handlungsgehilfen demonstrieren in Paris vor Modehäusern, die trotz der seit 2. September gesetzlich eingeführten Sonntagsruhe geöffnet haben.

In Mannheim wird der Parteitag der SPD eröffnet. Zentrales Thema ist der politische Massenstreik.

Der Verband christlicher Bergarbeiter lehnt auf einer Tagung in Essen die Verschmelzung mit dem sozialdemokratischen Alten Verband ab, will aber bei wirtschaftlichen Kämpfen mit ihm ein Zusammengehen anstreben.

24.9.1906, Montag

In Warschau, der Hauptstadt des gleichnamigen russisch-polnischen Gouvernements, wird eine ganze Kompanie von Soldaten, die in Lodz gemeutert hatten, zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurteilt.

Die Künstlergemeinschaft “Brücke” veranstaltet in Dresden-Löbtau ihre erste Jahresausstellung.

25.9.1906, Dienstag

In Breslau werden wegen der Streikausschreitungen vom 19. April 38 Arbeiter zu Freiheitsstrafen von drei Tagen bis sechs Monaten verurteilt.

In Heidelberg wird das Institut für experimentelle Krebsforschung unter der Leitung von Vinzenz Czerny eröffnet.

26.9.1906, Mittwoch

Prinz Heinrich von Preußen übernimmt das Kommando der aktiven Schlachtflotte.

27.9.1906, Donnerstag

Das Reichsversicherungsamt richtet an die deutschen Berufsgenossenschaften Anfragen darüber, welche Schritte sie unternehmen, um dem Missbrauch geistiger Getränke unter den Arbeitern der ihnen unterstellten Betriebe entgegenzutreten.

Bei der zweiten Tourist Trophy auf der Insel Man, einer Verbrauchswettfahrt für Tourenwagen, siegt der Automobil-Fabrikant Charles Stewart Rolls auf einem 20 PS starken Rolls-Royce (267,44 km in 4:06:36,0 h). Beim ersten Rennen 1905 hatte Rolls-Royce den zweiten Platz belegen können.

In der norwegischen Zelluloseindustrie wird der Achtstundentag eingeführt. Die Arbeiter erhalten den gleichen Lohn wie zuvor beim Zwölfstundentag.

Ein Zirkular des russischen Ministerrats unter Pjotr A. Stolypin verbietet Staatsdienern die Zugehörigkeit zu einer politischen Partei.

28.9.1906, Freitag

Im Gebiet des Golfs von Mexiko richtet ein Orkan schwere Verwüstungen an. Zahlreiche Schiffe und Hafenanlagen werden vernichtet. Allein in der Stadt Mobile im US-Bundesstaat Alabama kommen 75 Menschen ums Leben.

Zahlreiche Schiffe und Hafenanlagen werden vernichtet. Allein in der Stadt Mobile im US-Bundesstaat Alabama kommen 75 Menschen ums Leben.

29.9.1906, Samstag

US-Kriegsminister William Howard Taft teilt im Amtsblatt von Havanna mit, dass er vorläufig die Regierung in Kuba als Gouverneur übernimmt.

Der portugiesische König Karl I. eröffnet die Cortes, das Parlament in Lissabon, mit einer Thronrede, in der er die internationalen Beziehungen als ausgezeichnet bezeichnet und neben anderen Gesetzentwürfen eine Verfassungsreform ankündigt.

In der Nacht zum Sonntag treten die rund 60 Berliner Zettelankleber wegen Lohnforderungen in den Ausstand. Nur die noch am Abend geklebten amtlichen Bekanntmachungen und Theaterspielpläne finden sich am Sonntag auf den Litfaßsäulen. An vielen Anschlagsäulen sind Mitglieder des Transportarbeiterverbands postiert, um Streikbrecher abzuhalten.

30.9.1906, Sonntag

Frankreichs Innenminister Georges Clemenceau bezeichnet in Laroch-sur-Yon die katholische Kirche als Maske der Reaktion gegen die Republik. Es sei rätselhaft, warum der Katholizismus und der Islam gerade von der protestantischen Vormacht Preußen alles Heil erwarteten, während Frankreich, das Land der Freiheit angefeindet werde.

In Klagenfurt findet die feierliche Eröffnung der Karawanken-Bahn statt. Sie führt von Villach durch den 8 km langen Karawanken-Tunnel nach Aßling und stellt die Verbindung mit der österreichischen Hafenstadt Triest her.

Zwischen den Eisenbahnstationen Graudenz und Wossarken in Ostpreußen wird auf einem Eisenbahnübergang ein Dienstfuhrwerk des Infanterieregiments Nr. 141 beim Schließen der Zugschranke eingeschlossen und vom Schnellzug 67 überfahren. Zwei Offiziere und ein Fähnrich können sich durch rechtzeitiges Abspringen retten, der Kutscher wird schwer verletzt, das Pferd erleidet keinen Schaden.

In den Tuilerien in Paris fällt der Startschuss zum ersten Gordon-Bennett-Rennen der Lüfte.

Thaddäus Robl gewinnt in Steglitz den Großen Preis von Europa, ein 100-km-Dauerrennen.