Was geschah im September 1907

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Wetterstationen September 1907

1.9.1907, Sonntag

Während der revolutionären Unruhen in Persien wird Großwesir Ali Usghar Khan vor dem Parlamentsgebäude in Teheran ermordet.

Unter der Leitung von Kaiserin Ts’i-hi treten die kaiserlichen Berater in Peking zu einer Konferenz über die Reform des Reichs der Mitte zusammen. Zentrales Thema ist die Verschmelzung von Mandschus – sie stellen das Kaiserhaus – und Chinesen. Obwohl die Kaiserin infolge zweier Schlaganfälle leidend ist, fasst sie weitgehende Änderungen in der Zentralregierung ins Auge, darunter die Umwandlung der Großen Sekretariate in ein modernes Ministerium.

Die 27-Jährige Näherin Adèle Cantrel sticht im Louvre in Paris auf einem Gemälde von Jean-Auguste-Dominique Ingres dem Papst und den ihn umgebenden Kardinälen die Augen aus.

Aus der marokkanischen Hafenstadt Tanger wird wegen aufständischer christenfeindlicher Moslems anhaltende “Panik” unter der europäischen Bevölkerung gemeldet. Viele Europäer flüchten auf Charterschiffen.

Der russische Zar Nikolaus II. zeigt sich zum ersten Mal seit Eröffnung der ersten Reichsduma im Jahr 1906 wieder in der Öffentlichkeit. Der Monarch, der sich aus Angst vor einem Attentat nach Zarskoje Selo zurückgezogen hat, nimmt an der Einweihung der Auferstehungskirche in Petersburg teil. Trotz der polizeilichen Absperrungen sind Tausende erschienen, um den Kaiser zu begrüßen.

2.9.1907, Montag

Die französische Regierung unter Georges Clemenceau lässt durch ihre Botschaft in Berlin der deutschen Regierung mitteilen, dass Frankreich und Spanien eine gemeinsame Polizeitruppe aufstellen werden, um in Marokko wieder geordnete Verhältnisse herzustellen.

In Bath beginnt die 40. Jahresversammlung der britischen Trade-Unions (bis 7. September). Verlangt wird insbesondere die Einführung des Achtstundentags, ein Gesetz zur Regelung der Arbeitslosenunterstützung sowie eine Änderung der Armengesetzgebung.

Die Behörden von Großlichterfelde bei Berlin weisen in einer Bekanntmachung darauf hin, dass russische und österreichisch-polnische Gastarbeiter nur in der Landwirtschaft, nicht aber in der Industrie beschäftigt werden dürfen. An alle Betriebe ergeht die Aufforderung, die Fremdarbeiter bis zum 1. Oktober zu entlassen. Die Arbeiter selbst werden angewiesen, “bei Vermeidung des Zwangstransports den Ort spätestens bis 15. Oktober des Jahres zu verlassen”.

Nach Presseberichten werden die “schwarzen Listen”, die Arbeitgeber über streikwillige Arbeiter führen, nun auch im königlichen Bergbau in Oberschlesien verwendet. Nach Beendigung eines Bergarbeiterstreiks macht sich dort die Tatsache bemerkbar, dass fast 400 am Streik beteiligte Arbeiter nicht nur in den Gruben keine Anstellung mehr finden, sondern im gesamten Industrierevier dieser Gegend bei der Arbeitssuche abgewiesen werden.

Kaiser Wilhelm II. nimmt auf dem Tempelhofer Feld in Berlin die große Herbstparade ab.

Nach den schönen Altweibersommertagen der letzten Zeit mehren sich in der Presse Zuschriften empörter Bürger, die sich über die Sitten im neueröffneten Freibad Wannsee entrüsten. Einige berichten, dass sie wiederholt gesehen hätten, wie bei Herren die Badehosen verrutscht seien und Entsetzliches zu sehen gewesen sei. “Sollen wir unsere Frauen, unsere Kinder solchem Anblick aussetzen?” wird gefragt und ein Eingreifen der Polizei gefordert.

3.9.1907, Dienstag

Mehrere Zöglinge des Greifswalder Mädchenheims werden wegen Meuterei gegen die geistliche Heimleitung zu Gefängnisstrafen verurteilt. dass der Richter – Zusammenrottung von Gefangenen – heranzieht, zeigt, dass in Preußen Erziehungsheime mit Gefängnissen gleichgesetzt werden.

In New York beginnt der Prozess gegen die Standard Oil Company of New Jersey zur Einziehung der Konzession wegen Verstoßes gegen die Trustgesetzgebung.

4.9.1907, Mittwoch

Die revolutionären Unruhen in der russischen Schwarzmeerstadt Odessa verstärken sich, als bekannt wird, dass sich durch das von Zar Nikolaus II. oktroyierte Wahlgesetz die Zahl der Wahlberechtigten um die Hälfte verringert. Auch in anderen Städten des Zarenreiches flammen infolgedessen wieder antizaristische Unruhen auf.

Der norwegische Komponist Edvard Grieg stirbt im Alter von 64 Jahren in seiner Heimatstadt Bergen.

5.9.1907, Donnerstag

Das diplomatische Korps in Tanger stimmt der vom marokkanischen Kriegsminister Gebbas vorgeschlagenen Einsetzung eines Gerichtshofs zu, der gegen Unruhestifter nach einem abgekürzten Verfahren verhandeln soll.

Der Gemeinderat von Kandergrund im Berner Oberland erlässt aus Gründen der “Rassenzucht” ein Verbot, dass es Mädchen untersagt, mit italienischen Arbeitern “zu tanzen, zu trinken oder zu spazieren”. Die Gemeindeväter fürchten, dass das Berner Oberland zu einer italienischen Provinz “absinken” könne, wenn weiterhin so viele schwarzäugige und dunkelhaarige Kinder geboren werden.

6.9.1907, Freitag

Die Kolonialverwaltung von Deutsch-Südwestafrika (Namibia) stellt die Kampfhandlungen gegen den Hottentottenführer Jakob Morenga ein, nachdem sich 70 Bondelswarts von Morengas Truppe unterworfen haben.

Der Siebte Skandinavische Arbeiterkongress in Kristiania (Oslo) erklärt seinen vollen Anschluss an das Programm des internationalen Sozialismus.

7.9.1907, Samstag

In Wiesbaden wird der Alldeutsche Verbandstag eröffnet. Auf der zweitägigen Veranstaltung tadeln die Delegierten die “Politik der Schwäche gegen das Dänentum” in Nordschleswig und fordern ein “schleuniges Enteignungsgesetz” gegen “die Polengefahr” in den preußischen Ostgebieten.

In Salzburg tritt der Erste Deutsche Hochschullehrertag zusammen. Auf der zweitägigen Konferenz, an der Vertreter deutscher, österreichischer und schweizerischer Universitäten und Technischer Hochschulen teilnehmen, steht die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation von Hochschullehrern im Vordergrund. In diesem Zusammenhang wird u.a. die Gründung einer Professorengewerkschaft angeregt.

Durch Volksabstimmung wird die neue Stadtverfassung von Zürich angenommen. Durch sie wird für städtische Betriebe der Neunstundentag und der Minimallohn von fünf Franken eingeführt.

9.9.1907, Montag

In München wird der neunte internationale Friedenskongress eröffnet. Zentrales Thema der Veranstaltung ist der Verlauf der Haager Friedenskonferenz.

Das Parlament der britischen Kapkolonie (Südafrika) nimmt einen Gesetzentwurf an, nach dem die Gewinne der Diamant- und Kupfergesellschaften mit 10% besteuert werden.

42 Anhänger des aufständischen Hottentottenführers Jakob Morenga, die sich mit insgesamt 97 Frauen und Kindern in Ukamas den deutschen Kolonialbehörden von Deutsch-Südwestafrika (Namibia) unterworfen haben, werden in Warmbad interniert.

11.9.1907, Mittwoch

In Vancouver in Kanada kommt es zu Ausschreitungen gegen japanische Arbeiter.

Der französische General Benoît Drude unternimmt einen erfolgreichen Vorstoß gegen die aufständischen Marokkaner bei Taddert.

12.9.1907, Donnerstag

In Berlin wird der Parteitag der Freisinnigen Volkspartei eröffnet. Die Delegierten verteidigen die Politik des konservativ-liberalen Bülow-Blocks im Reichstag, empfehlen jedoch grundsätzlich, zu linksliberalen Organisationen Kontakte aufzunehmen und auf eine Verständigung mit anderen liberalen Parteien hinzuarbeiten.

13.9.1907, Freitag

Die konservative Presse Norddeutschlands bezeichnet es als “ganz einfach unfaßbar”, dass ein bayerischer SPD-Abgeordneter auf Kosten der Steuerzahler seine “Umsturzpolitik” betreiben darf.

Der Versuch des US-amerikanischen Journalisten Walter Wellmann, den Nordpol zu überfliegen, scheitert.

In Liverpool sticht das Passagierschiff “Lusitania” zur Jungfernfahrt in See.

Der französische Ingenieur Paul Cornu hebt in einer von ihm gebauten Flugmaschine zum ersten bemannten Hubschrauberflug ab.

14.9.1907, Samstag

In China revoltieren Aufständische unter der Führung des Arztes Sun Yat-sen gegen die Mandschu-Dynastie.

Einer Schneiderin wird vom Reichsgericht Leipzig ein Schadenersatz von 1000 Mark zugesprochen, nachdem ihr Verlobter, ein Kapellmeister, die Verlobung gelöst hatte.

15.9.1907, Sonntag

Die osmanische Regierung in Konstantinopel (Istanbul) übermittelt den Großmächten ein Reformprogramm zur Lösung der makedonischen Frage. Österreich-Ungarn und Russland arbeiten daraufhin eigene Vorschläge aus.

In Merlenbach in Elsass-Lothringen kommen bei einer Grubenkatastrophe die durch eine Schlagwetterexplosion hervorgerufen wird, vier Bergleute ums Leben.

16.9.1907, Montag

In Essen beginnt der Parteitag der deutschen Sozialdemokratie. Zentrales Thema ist die Stellung der SPD zum Krieg. Großes Aufsehen erregt eine Rede Gustav Noskes, der erklärt, im Falle eines Angriffs auf Deutschland werde die SPD nicht weniger “vaterlandsfreundlich” sein als das Bürgertum.

Die Pedanterie der Potsdamer Ober-Rechnungskammer sorgt wieder einmal für Aufsehen. Dort hatte sich ein Beamter daran erinnert, dass auf dem Gelände der Botschaft in Tanger (Marokko) ein Orangenbaum steht und hatte dem Gesandten schriftlich die peinliche Frage gestellt, wie die Früchte verwertet würden. Die militärisch knappe Antwort: “Aufgegessen”.

Ein Schöffengerichtsurteil versetzt dem preußischen Militarismus einen schweren Schlag. Das Urteil besagt, dass königliche Armeebefehle nur für Personen Geltung haben, die zur Armee gehören. Damit gibt es dem Kläger Recht, einem Oberst a. D., der darauf verzichtet hatte, als Pensionierter seine Uniform weiterhin zu tragen, und der deswegen von einem militärischen Ehrengericht aus der Armee ausgestoßen werden sollte.

17.9.1907, Dienstag

Königin Wilhelmina der Niederlande eröffnet die Generalstaaten in Den Haag mit einer Thronrede, in der sie eine Reform des Wahlrechts ankündigt. Danach soll auch den niederländischen Frauen in absehbarer Zeit das passive und aktive Wahlrecht gewährt werden.

18.9.1907, Mittwoch

Großes Aufsehen erregt in der deutschen Presse der Fall Kit Purkins. Kit Purkins, die Geliebte des russischen Anarchisten Sinjawski, der nach einem Mordanschlag auf Zar Nikolaus II. verhaftet und zum Tod verurteilt worden war, hatte sich an den Metropoliten gewandt mit der Bitte, um ihres Kindes willen Sinjawski vor der Hinrichtung angetraut werden zu dürfen. Der Metropolit hatte dies mit der Begründung abgelehnt, dass es nach den kanonischen Regeln solchen Personen verboten ist, in die Ehe zu treten, die zur Todesstrafe verurteilt sind. Kit Purkins hatte daraufhin dem Kind den Namen seines hingerichteten Vaters gegeben.

19.9.1907, Donnerstag

In Wien wird der 6. Internationale Tuberkulosekongress eröffnet. Die Tuberkulose zählt weiterhin zu den Volkskrankheiten Nummer 1.

Auf eine neue Art von Verkehrssündern müssen sich Bevölkerung und Polizei einstellen: die Verkehrssünder in der Luft. So häufen sich in der Presse erbitterte Zuschriften von Bürgern, die darüber klagen, dass Luftballonfahrer rücksichtslos Sand u.a. Ballast auf ihre Grundstücke schütten würden.

20.9.1907, Freitag

In Salzburg endet nach 20-tägiger Dauer der 18. Internationale Bergarbeiterkongress. Er wurde von den Differenzen zwischen den christlichen und den sozialistischen Gewerkschaften überschattet.

Die Stadtverordnetenversammlung von Berlin nimmt einstimmig einen Antrag an, wonach der Grunewald als Volkspark erhalten bleiben soll.

21.9.1907, Samstag

Der aufständische Hottentottenführer Jakob Morenga flieht aus der Kolonie Deutsch-Südwestafrika (Namibia) auf britisches Gebiet. Bei Witpan in der Kalahari wird er von einer Patrouille aufgegriffen und getötet.

Der französische General Drude unternimmt einen erfolgreichen Vorstoß gegen die aufständischen Mahalla bei Sidi-Brahim in Marokko.

Fürst Hirobumi Ito, der erste Generalresident des japanischen Schutzstaats Korea, betont, dass die japanische Vorherrschaft in Korea bestehen bleibt. Sollte sich die Bevölkerung dagegen auflehnen, würde sie die Annexion des Landes provozieren.

In Kairo wird die Ägyptische Volkspartei gegründet. Sie fordert die Autonomie: bzw. Unabhängigkeit des Landes von Großbritannien.

In London beginnt die alternative Heimarbeit-Ausstellung der Clarion Handicraft Guilds. Sie will zeigen, dass genossenschaftliche Heimarbeit nach den Prinzipien von John Ruskin unter “gesunden” Arbeitsbedingungen stattfinden kann und dass das Ergebnis Produkte sind, die technisch und ästhetisch auf der Höhe der Zeit stehen.

22.9.1907, Sonntag

In Anwesenheit von Kaiser Wilhelm II. wird der restaurierte Dom im preußischen Königsberg feierlich wiedereröffnet.

23.9.1907, Montag

Die Amtsanwaltschaft in Danzig stellt ein Verfahren gegen eine Gutsherrin ein, die ein 42-Jähriges Dienstmädchen während eines Streits so misshandelt hatte, dass es sich ein ärztliches Attest hatte geben lassen und vor Gericht gezogen war. In der Begründung des Amtsanwalts heiße es: “Die Ohrfeige haben Sie wegen Unverschämtheit von ihrer Arbeitgeberin empfangen und stellt sich nur als leichte Züchtigung dar, die nicht strafbar ist.”

Der deutsche Kronprinz Wilhelm eröffnet in Berlin den 14. Internationalen Kongress für Hygiene und Demographie.

Kaiser Wilhelm II. betont bei der Enthüllung des Nationaldenkmals in Memel, das Deutsche Reich habe seine hervorragende Stellung in der Welt dem Walten der göttlichen Vorsehung zu verdanken.

In Berlin wird ein neuer Fall sozialer Ausbeutung bekannt. Die Wäschefabrik Jakoby beschäftigt hier zehn taubstumme Mädchen im Alter von 14 bis 16 Jahren mit der Herstellung von Knopflöchern. Die Mädchen, die aus der Taubstummen-Anstalt kommen, erhalten als Lohn für die Akkordarbeit 6 Mark wöchentlich, ab der zehnten Woche 10 Mark wöchentlich. Von diesem Lohn werden die Kosten für verbrauchte Nadeln und Garn abgezogen.

24.9.1907, Dienstag

In Friedrichshafen am Bodensee gelingt der Probeflug des neuen Starrluftschiffs des Grafen Ferdinand von Zeppelin.

25.9.1907, Mittwoch

Der österreichisch-ungarische Außenminister Aloys Freiherr Lexa von Aehrenthal und der russische Außenminister Alexandr P. Iswolski treffen in Wien zu Gesprächen über die makedonische Frage zusammen.

Ex-Kronprinzessin Luise von Sachsen heiratet in London den italienischen Pianisten und Komponisten Enrico Toselli.

26.9.1907, Donnerstag

Die Polizei geht im Kampf gegen ins Zwielicht geratene Nachtcafés mit großer Strenge vor. So wurde für fünf große, zum Teil erst in diesem Jahr eröffnete “Wiener Cafés” in Berlin die Polizeistunde auf 23 bzw. 24 Uhr festgesetzt. Zwei dieser Lokale mussten daraufhin wegen Ausbleibens der Kundschaft die Pforten schließen. Neue Konzessionen sollen nur an Cafés mit Familienverkehr erteilt werden.

Die Mainzer Behörden verbieten Armeeangehörigen, die letzten beiden Verse eines bekannten Soldatenliedes zu singen, in dem es heiß: “Haben wir zwei Jahre gedient, ist die Dienstzeit aus: Dann schickt uns der Kaiser wieder ohne Geld nach Haus.” Statt dessen muss künftig gesungen werden: “… Dann schickt uns der Kaiser Wilhelm als Reservemann nach Haus.”

Die deutschen Postbehörden kündigen eine Telefongebühren-“Reform” an. Der Grund sei, dass viele Geschäftsleute die “Billigkeit” des Telefons so sehr ausnutzten, dass die Post zuzahlen müsse. So würden einige Telefonteilnehmer täglich 150 und mehr Gespräche führen.

Eine Überschwemmungskatastrophe in der südspanischen Provinz Malaga fordert mehrere hundert Menschenleben.

In Antwerpen endet ein mehrwöchiger Streik der Hafenarbeiter. Während des Ausstands kam es wiederholt zu blutigen Zusammenstößen mit der Polizei, die die aus Großbritannien herbeigeschafften Streikbrecher vor Übergriffen der Streikenden schützen wollte.

Die britische Kolonie Neuseeland, die sich dem Commonwealth of Australia nicht angeschlossen hat, erhält den Status eines Dominions – Dominion of New Zealand – und gewinnt damit praktisch die staatliche Unabhängigkeit.

27.9.1907, Freitag

Das Deutsche Reich übernimmt die Luftschiffhalle des Grafen Ferdinand von Zeppelin in Friedrichshafen am Bodensee.

Einen Wandel im bürgerlichen Wohnen signalisiert die Feststellung einer Versammlung der Berliner Stukkateure, dass von 1100 Berufsangehörigen inzwischen mehr als 500 arbeitslos sind. An Neubauten wird in der jüngsten Zeit meist auf die Anbringung gipsernen Zierrats verzichtet.

28.9.1907, Samstag

Großherzog Friedrich I. von Baden stirbt im Alter von 81 Jahren auf Schloss Mainau Nachfolger wird sein Sohn Friedrich II.

Der Hafen von Oran in der französischen Kolonie Algerien wird amtlich für pestverseucht erklärt. Bisher wurden zwei Pesttote festgestellt. Die Zahl der Erkrankten liegt laut widersprüchlichen Angaben zwischen vier und elf. Alle Kriegsschiffe erhalten die Anweisung, Oran zu verlassen.

29.9.1907, Sonntag

Die Dienstknechte und Dienstmädchen Dänemarks setzen sich dagegen zur Wehr, vom Wahlrecht ausgeschlossen zu sein und einem Ausnahmegesetz zu unterstehen, das der preußischen Gesindeordnung ähnlich ist. In einer Eingabe an die Regierung verlangen sie die Aufhebung des Dienstleutegesetzes von 1854 mit der Begründung: “Es schickt sich nicht für ein freies Land, einen Sklavenstand zu haben.”

30.9.1907, Montag

Die Frage der Berufswahl stellt sich in diesen Tagen des Schulschlusses wieder vielen jungen Menschen. Dabei ist der in den Stellenangeboten bezeichnete Lohn oft eine Entscheidungshilfe. So ist am Staatsarchiv in Bremen am 1. Oktober eine Schreiberstelle zu besetzen, die mit 700 Mark jährlich bezahlt wird. Die ebenfalls am 1. Oktober freiwerdende Stelle eines Knechts an der Strafanstalt in Oslebshausen bei Bremen hingegen bringt etwa 1000 Mark im Jahr ein.