Was geschah im September 1913

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Wetterstationen September 1913

1.9.1913, Montag

Die britische Regierung lehnt in London ein Gnadengesuch für die inhaftierte Frauenrechtlerin Emmeline Pankhurst ab. Nach ihrer Ansicht sind nicht die schlechten Haftbedingungen schuld an Emmeline Pankhursts kritischen Gesundheitszustand.

Chinesische Regierungstruppen erobern mit der Stadt Nanking den letzten von den Aufständischen besetzten Stützpunkt. Damit ist die Rebellion der Kuomintang in der chinesischen Provinz Szetschuan gegen den diktatorischen Präsident Yüan Schih-k’ai gescheitert.

In Leipzig wird das Deutsche Schriftmuseum eröffnet. Es dokumentiert die Entwicklung der Schrift in verschiedenen Epochen und Kulturen. So verfügt das Museum über wertvolle indische Palmblattbücher, indianische Briefstäbe und eine Sammlung ägyptischer Hieroglyphen, aber auch über 100 verschiedene Schreibmaschinenmodelle.

Die Münchener Krankenhäuser geben die Einlieferung von 41 Typhusfällen bekannt. Die Infizierung erfolgte über typhusverseuchte Milch. Auch in Kiel werden elf durch verseuchte Milch verursachte Typhus-Fälle festgestellt.

2.9.1913, Dienstag

Auf dem Tempelhofer Feld in Berlin findet die Herbstparade der Berliner Gardekorps in Anwesenheit des deutschen Kaisers Wilhelm II. statt. Wegen der großen Hitze wird der Truppenaufmarsch allerdings abgekürzt.

Bei einem Zusammenstoß von zwei Schnellzügen in der Nähe der britischen Stadt Carlisle werden neun Personen getötet und zehn schwer verletzt.

3.9.1913, Mittwoch

Durch eine Verordnung hebt der württembergische König Wilhelm II. den persönlichen Adel in seinem Land auf. Die bisherigen Verleihungen bleiben allerdings bestehen.

4.9.1913, Donnerstag

In Sigmaringen findet die Hochzeit zwischen dem im britischen Exil lebenden ehemaligen portugiesischen König Manuel II. und der Hohenzollernprinzessin Auguste Viktoria statt.

Das bei den Stettiner Vulcan-Werken gebaute, mit Ölfeuerung betriebene russische Schiff “Novik” erreicht bei einer Probefahrt in Ostseegewässern mit der Durchschnittsgeschwindigkeit von 37 sm/h (entspricht 68,5 km/h) einen Weltrekord.

In Berlin erhält das städtische Areal zwischen Spree und Spandauer Schifffahrtskanal den Namen Siemensstadt. Die Bebauung des Gebietes begann 1899 mit einem elektrotechnischen Werk der Siemens & Halske AG.

5.9.1913, Freitag

Der Berliner Magistrat bewilligt 220 000 Mark für den Ankauf von Radium, nachdem er bereits kürzlich 20 000 Mark für die Beschaffung von Mesothorium zur Verfügung stellte. Beide Mittel dienen in den städtischen Krankenhäusern der Bekämpfung von Krebs.

In New York wird am letzten Tag des viertägigen Internationalen Feuerwehrkongresses mit Vertretern von 1200 Feuerwehren aus aller Welt ein großes Feuerwehrdenkmal enthüllt. Damit verbunden ist eine Parade, an der 4500 Feuerwehrleute teilnehmen.

In Degerloch bei Stuttgart und Mühlhausen an der Enz tötet ein 37-Jähriger Lehrer 15 Menschen. Die nach seinen Angaben lange geplante Tat beruht offensichtlich auf von ihm als Verfehlungen betrachteten sexuellen Handlungen, die später publik wurden.

6.9.1913, Samstag

In Breslau versammeln sich Delegierte des Alldeutschen Verbandes zu einer zweitägigen Konferenz. Der politisch einflussreiche nationalistische Verband fordert weitere Rüstungsmaßnahmen und eine aggressive deutsche Großmachtpolitik.

Bei dem nach zweitägigen Sitzungen zu Ende gehenden 17. Verbandstag des Verbandes deutscher Feuerbestattungsvereine in Straßburg fordern die Delegierten eine stärkere Beteiligung an der Krematoriumsaufsicht in Orten mit einer kommunal verwalteten Leichenverbrennungsanlage. Der Verband zählt 1913 138 Vereine mit 70 764 Mitgliedern und verzeichnete im Vorjahr 8858 Einäscherungen (1911: 7555).

Ein Großbrand zerstört 30 Straßenzüge im Prominentenviertel der US-amerikanischen Stadt Hot Springs (Arkansas), darunter größere Hotels. Das Feuer macht 2000 Menschen obdachlos und richtet einen Schaden von 10 Millionen US-Dollar (42 Millionen Mark) an. Als das Gebiet nachts ohne Licht bleibt, weil das Feuer auch das Elektrizitätswerk zerstört, kommt es zu Plünderungen.

7.9.1913, Sonntag

Bei einem Treffen im niederschlesischen Bad Salzbrunn (heute Szczawno Zdrój) anlässlich des deutschen Kaisermanövers bekräftigen der deutsche Kaiser Wilhelm II., der österreichische Generalstabschef Franz Graf Conrad von Hötzendorf und der italienische General Alberto Pollio den zwischen ihren Staaten am 20. Mai 1882 geschlossenen Dreibund.

In einem Bericht weist die “Frankfurter Zeitung” aufgrund von Untersuchungen des Hygienischen Institutes der Universität Berlin auf die Gefährdung der menschlichen Gesundheit durch die Auspuffgase von Autos hin. Das Institut wies in Tierexperimenten die Gefahren insbesondere des in den Emissionen enthaltenen Kohlenoxyds nach.

Der Münchener Leichtathlet Karl Halt erzielt bei den deutschen Zehnkampfmeisterschaften in Braunschweig mit 612 Punkten einen deutschen Rekord.

8.9.1913, Montag

Mit dem Durchstich des Kanalbettes am Pazifischen und Atlantischen Ozean wird ein weiterer wichtiger Schritt zur Fertigstellung des Panamakanals vollzogen.

In Schlesien beginnt mit dem Kaisermanöver eine dreitägige militärische Übung der deutschen Armee. Dabei erhält der griechische König Konstantin I. zum Abschluss seines am 6. September begonnenen Besuches im Deutschen Reich vom deutschen Kaiser Wilhelm II. den Feldmarschallstab überreicht.

In Konstantinopel (heute Istanbul) beginnen Verhandlungen zwischen dem Osmanischen Reich und Bulgarien über die beiderseitigen Gebietsansprüche. Sie enden mit der Unterzeichnung eines Friedensvertrages am 29. September.

9.9.1913, Dienstag

Der am 14. Juli begonnene Werftarbeiterstreik in Hamburg, Bremen und Stettin (heute Szczecin) endet erfolglos. Die Streikenden – bis zu 35 000 Arbeiter – forderten Lohnerhöhungen und Arbeitszeitverkürzungen.

Während eines Flottenmanövers stürzt das 162 m lange deutsche Marineluftschiff “L 1” 33 km vor Helgoland in die Nordsee und sinkt innerhalb einer Stunde. Bei dem Unglück kommen 14 Menschen ums Leben.

New Yorker Zeitungen kritisieren den US-amerikanischen Außenminister William Jennings Bryan aufgrund seiner bezahlten Auftritte als politischer Redner bei Varietéveranstaltungen.

10.9.1913, Mittwoch

Die Unterstützung staatlicher Ankäufe des Anti-Krebs-Mittels Radium durch private Finanzmittel setzt sich ein in Berlin gebildetes Komitee zum Ziel. Ihm gehören Vertreter deutscher Ministerien, der Kommunen und von Handel und Finanzen an.

11.9.1913, Donnerstag

Im Verlauf einer in den Ländern des Balkangebietes ausbrechenden Epidemie sterben in Rumänien 661 und in Serbien 277 Menschen an asiatischer Cbolera.

12.9.1913, Freitag

Der Internationale Kongress für Rettungswesen beschließt in Wien, eine ständige internationale Kommission für das Rettungswesen mit Sitz in der österreichischen Hauptstadt zu schaffen.

13.9.1913, Samstag

Die Gattin des am 11. Februar ermordeten österreichischen Sozialdemokraten Franz Schuhmeier bittet in einer Petition an das österreichische Justizministerium um die Umwandlung der über den Täter Paul Kunschak verhängten Todesstrafe in eine Freiheitsstrafe. Zur Begründung führt sie an, dass ihr Mann ein Gegner der Todesstrafe gewesen sei.

In Anwesenheit des sächsischen Königs Friedrich August III. wird in Dresden das Neue Königliche Schauspiel eröffnet.

Die medizinischen Fakultäten an den Universitäten des Deutschen Reiches sprechen sich in Berlin für eine stärkere Einbeziehung von Sozialmedizin und Gesundheitsfürsorge in das Medizinstudium aus.

Aufgrund des gespannten politischen Verhältnisses zur mexikanischen Regierung Victoriano Huertas bewilligt das US-amerikanische Repräsentantenhaus 100 000 US-Dollar (420 000 Mark), um US-Bürgern die Ausreise aus Mexiko zu ermöglichen.

14.9.1913, Sonntag

Die deutsche Wehrvorlage und der Massenstreik als politisches Kampfmittel bilden die thematischen Schwerpunkte auf dem in Jena beginnenden siebentägigen Parteitag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.

Am letzten Tag seiner am 11. September begonnenen Generalversammlung in Leipzig beschließt der Bund der Industriellen die Gründung eines deutsch-österreichischen Wirtschaftsverbandes.

15.9.1913, Montag

Die Bremer Reederei Norddeutscher Lloyd erteilt der Danziger Schichau-Werft den Auftrag zum Bau eines 35 000 BRT großen Fracht- und Passagierdampfers. Es handelt sich um ein Schwesterschiff des in der gleichen Werft gegenwärtig im Bau befindlichen Dampfers “Columbus”.

Durch die Zustimmung des argentinischen Senats in Buenos Aires kann mit einem von Argentinien, Brasilien und Uruguay vereinbarten Projekt zur teilweisen Schiffbarmachung des Uruguay sowie Maßnahmen zur künstlichen Bewässerung begonnen werden.

In der Berliner Carl-Schurz-Straße wird das von Heinrich Reinhardt und Georg Süßenguth erbaute neue Spandauer Rathaus eingeweiht. Besonderes Merkmal des Gebäudes ist sein 81 m hoher Turm.

16.9.1913, Dienstag

Im Deutschen Reich herrschen schwere Unwetter. Sie vernichten die gesamte Obsternte sowie das noch auf den Feldern befindliche Getreide.

17.9.1913, Mittwoch

In der südfranzösischen Hafenstadt Marseille kommen zwölf Menschen ums Leben, als drei Wagen eines Straßenbahnzuges in eine Bergschlucht stürzen.

18.9.1913, Donnerstag

Auf seiner nach viertägiger Dauer endenden Jahresversammlung in Leipzig unterstützt der Zentralverband der deutschen Industriellen die am 30. Juni im deutschen Reichstag verabschiedete Wehrvorlage. Gleichzeitig warnt er vor einer Überbetonung der von der Essener Rüstungsfirma Friedrich Krupp AG im deutschen Militär betriebenen Bestechungsversuche.

Eine vom Katholischen Aktionskomitee in München veranstaltete Versammlung verurteilt die Einführung eines freireligiösen Moralunterrichtes an den Schulen, wie er mehreren deutschen freireligiösen Vereinen als Alternative zum Religionsunterricht gestattet wurde.

Die Dresdener Stadtverordnetenkammer bewilligt 200 000 Mark für den Ankauf des Anti-Krebs-Mittels Radium durch die städtischen Krankenhäuser.

Einen deutschen Rekord im Diskuswerfen erzielt der Berliner Heinrich Buchgeister in München mit 42,28 m.

19.9.1913, Freitag

In Aachen hält der Deutsche Verein für öffentliche Gesundheitspflege seine diesjährige Hauptversammlung ab. Die Problematik von Desinfektionsmaßnahmen und die kommunale Abwässerbeseitigung bilden die wichtigsten Themen.

20.9.1913, Samstag

Am letzten Tag des am 14. September begonnenen Parteitags der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands werden Friedrich Ebert und Hugo Haase als Nachfolger des am 13. August verstorbenen August Bebel zu Parteivorsitzenden gewählt.

Die deutsche Marineverwaltung erwirbt bei Pelzerhaken in der Lübecker Bucht (Ostsee) ein 15 ha großes Strandgelände für eine neue Torpedoversuchsstation.

Unter scharfer Konkurrenz von US-amerikanischen und europäischen Firmen sichert sich die britische Firma Pearson & Son in einem Vertrag mit 40-Jähriger Laufzeit die Rechte zur wirtschaftlichen Erschließung des südamerikanischen Staates Kolumbien. Der Vertrag beinhaltet Konzessionen zum Bau von Eisenbahnen, Hafenanlagen, Kanälen, Telegrafen- und Telefonleitungen und zur Erforschung und Ausbeutung von Erdölvorkommen.

In Paris erreicht der französische Radrennfahrer Marcel Berthet einen Weltrekord im Stundenfahren mit 43,775 km. Er verbessert damit die alte Bestmarke um 250 m.

21.9.1913, Sonntag

Die Konservative Partei Badens spricht sich auf ihrem Landesparteitag gegen einen Großblock der bürgerlichen Parteien mit der SPD bei den Landtagswahlen am 21. Oktober 1913 aus. Sie stimmt für eine Koalition der bürgerlichen Parteien untereinander.

In der irischen Stadt Dublin kommt es zu neuen Auseinandersetzungen zwischen streikenden Straßenbahnarbeitern und der britischen Polizei, als die Streikenden ihre Straßenbahnwagen besetzen wollen.

22.9.1913, Montag

Die Regierung des Deutschen Reiches bewilligt dem Reichsausschuss für die Olympischen Spiele 1916 in Berlin eine finanzielle Unterstützung von 300 000 Mark, um die Trainingsvorbereitungen der einzelnen Sportverbände zu unterstützen und die Teilnahme an internationalen Wettkämpfen zu ermöglichen.

23.9.1913, Dienstag

Unter antiklerikalen Kreisen in Paris löst ein Erlass des französischen Marineministers Pierre Baudin Empörung aus, der die Heiligung des Karfreitags auf Kriegsschiffen anordnet.

Mit der erfolgreichen Landung des französischen Piloten Roland Garros im nordafrikanischen, 15 km vor Tunis gelegenen Ort Protoille endet die erste Mittelmeerüberquerung mit einem Flugzeug. Garros benötigt für seinen in St. Raphael (nahe der südfranzösischen Küstenstadt Toulon) gestarteten, 800 km langen Flug (davon 400 km über dem offenen Meer) 7:55 h bei einer Flughöhe von 2500 m.

24.9.1913, Mittwoch

In Belfast in der britischen Provinz Ulster ernennen 500 Vertreter der Ulster-Unionisten eine provisorische Regierung. Sie demonstrieren damit ihre Ablehnung von Plänen der britischen Regierung, Irland eine begrenzte Selbstverwaltung mit einem Parlament in Dublin zu gewähren. Die Versammlung beschließt die Gründung einer Stiftung mit einem Vermögen von 1 Million Pfund (20,4 Millionen Mark) für den Aufbau von Ulsterfreiwilligen-Korps.

In der finnischen Hafenstadt Wiborg (Finnischer Meerbusen) werden der Bürgermeister und ein Ratsherr wegen Missachtung der “Russifizierungsgesetze” zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Finnland – autonomer Landesteil Russlands – sieht sich einer zunehmenden “Russifizierung” ausgesetzt.

Der preußische Kultusminister August von Trott zu Solz weist eine Beschwerde von Einwohnern des schleswigschen Dorfes Barsmark gegen die Aufhebung des dänischen Religionsunterrichtes in den Schulen zurück.

25.9.1913, Donnerstag

In der kroatischen Stadt Agram (heute Zagreb) wird der Student Stefan Dojocsics wegen Majestätsbeleidigung und versuchten Mordes zu 16 Jahren schweren Kerker verurteilt. Er hat am 18. August in Agram ein Attentat auf den Vertreter des königlichen Kommissariats von Österreich-Ungarn verübt.

In Wien geht die am 22. September begonnene 85. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte zu Ende. In den mit Spannung erwarteten Referaten über die Heilwirkung von Radium bei Krebs wird berichtet, dass die in die Substanz gesetzten Hoffnungen bisher nicht erfüllt werden konnten.

Mit einem Verbandsvermögen von 50 Millionen Pfund (1,02 Millionen Mark) wird in Großbritannien unter der Bezeichnung Arbeitgeber-Schutzverband für das Vereinigte Königreich ein Unternehmerverband gegründet.

26.9.1913, Freitag

Nachdem bereits am 8. September die japanische Konsulatswache im chinesischen Nanking um 200 Mann verstärkt wurde, treffen weitere 200 japanische Soldaten in der am Jangtsekiang gelegenen Stadt ein. Die chinesisch-japanischen Auseinandersetzungen eskalieren seit der Folterung eines japanischen Staatsangehörigen in Nanking.

In Daressalam wird ein Eisenbahnrat für die deutsche Kolonie Deutsch-Ostafrika gegründet. Er besteht aus einem Eisenbahnreferenten, zwei vom Gouvernementsrat ernannten Vertretern aus Landwirtschaft, Handel und Industrie, einem Vertreter der sog. Schutztruppe und den Betriebsleitern der Usambara- und Tanganjika-Bahn und soll den Ausbau der Infrastruktur fördern.

Im Schacht “Rudolf” der Rheinisch-westfälischen Schachtbaugesellschaft in Bollweiler (Elsass) werden vier Bergarbeiter durch einen herabstürzenden Förderkorb getötet.

27.9.1913, Samstag

Innerhalb der von Ministerpräsident Georg Freiherr von Hertling geführten bayerischen Landesregierung kommt es zu einem Konflikt über die Energiepolitik. Einerseits werden Zusagen an die Nürnberger Siemens-Schuckert-Werke GmbH wegen der Errichtung eines Überland-Elektrizitätswerkes in Unterfranken gegeben, andererseits eine regionale Energieversorgung durch Nutzung der unterfränkischen Kohlevorkommen propagiert.

Die militärische Kommission des Norddeutschen Automobilklubs in Hamburg veranstaltet eine Verfolgung von Ballonfliegern durch Automobile, um die Kriegstauglichkeit ihrer Mitglieder unter Beweis zu stellen.

28.9.1913, Sonntag

In Berlin wird der 17 Millionen Mark teure Osthafen nach sechsjähriger Bauzeit eingeweiht. Er erweitert als Ergänzung zum Humboldthafen die Möglichkeiten zum Güterumschlag in Berlin.

Ein in München der Öffentlichkeit übergebenes Reiterstandbild würdigt den am 12. Dezember 1912 verstorbenen bayerischen Prinzregenten Luitpold. Gleichzeitig bildet es ein Beispiel für die im Deutschen Reich herrschende Denkmalleidenschaft.

Der Berliner Walter Hagen-Sandvoß erreicht mit 7,06 m in Duisburg einen deutschen Rekord im Weitsprung.

29.9.1913, Montag

In Konstantinopel (heute Istanbul) unterzeichnen das Osmanische Reich und Bulgarien einen Friedensvertrag, der detailliert die territorialen Veränderungen und die Übergangsbestimmungen für die Staatsbürgerschaft regelt. Zusammen mit dem Bukarester Vertrag vom 10. August beendet er endgültig den Zweiten Balkankrieg.

Der serbische Ministerrat unter Nikola Pašic beschließt in Belgrad, in das von Serbien gewaltsam besetzte albanische Gebiet zusätzliche Truppen zu entsenden.

Der preußische Kultusminister August von Trott zu Solz legt in Berlin Quoten für die Zulassung ausländischer Studenten an den Universitäten fest. Dabei wird für russische Studenten ein Zulassungsstopp ausgesprochen.

Bei der siebten Hauptversammlung des Verbandes fortschrittlicher Frauenvereine steht das Thema Beruf und Ehe im Mittelpunkt. Zur Versammlungsleiterin wird die Berliner Frauenrechtlerin Minna Cauer gewählt, die zum linken Flügel der bürgerlichen deutschen Frauenbewegung zählt.

Rudolf Diesel – der Erfinder des nach ihm benannten Motors – ertrinkt unter ungeklärt bleibenden Umständen während einer Schiffsreise zwischen Antwerpen und Harwich mit dem Dampfer “Dresden”. Diesels Leiche wird erst am 18. Oktober in Roompat an der Scheldemündung angespült.

In der marokkanischen Stadt Casablanca beginnt eine siebentägige Marokkorundfahrt. Von den elf Autorennwagen erreichen lediglich sechs das Ziel.

30.9.1913, Dienstag

In Stuttgart stellt die “Deutsche Reichspost” – das Organ der Konservativen Süddeutschlands – ihr Erscheinen ein.