Was geschah im September 1917

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Wetterstationen September 1917

1.9.1917, Samstag

Im Baltikum beginnt die Schlacht zwischen deutschen und russischen Truppenverbänden in der Bucht von Riga.

Die deutsche Reichsregierung betont, dass zum modernen Krieg auch große Mengen Papier gehören. Die zivile Bevölkerung solle daher möglichst viel davon sparen.

2.9.1917, Sonntag

Die westdeutsche Polizei beschließt eine stärkere Kontrolle des Gemüsehandels, nachdem Verstöße gegen die Höchstpreisverordnung bekannt geworden sind.

Von den sieben Pfund Kartoffeln, die als Pro-Kopf-Ration für die kommende Woche festgelegt sind, soll die Bevölkerung der westfälischen Großstädte möglichst viel sparen, um auf die Knappheit im Winter vorbereitet zu sein.

In der Schweiz kommt es zu großen Kundgebungen für Frieden und Brot. Mehrere Demonstranten in Genf werden bei Auseinandersetzungen mit der Polizei verletzt.

In Königsberg wird die Deutsche Vaterlandspartei gegründet. 1. Vorsitzender wird Admiral Alfred von Tirpitz, 2. Vorsitzender der ostpreußische Generallandschaftsdirektor Wolfgang Kapp. Die neue Partei wird von der Obersten Heeresleitung und der Industrie unterstützt.

Papst Benedikt XV. ruft zum wiederholten Mal die kriegführenden Nationen zu Friedensverhandlungen auf.

Das Reichsgesundheitsamt in Berlin ermahnt die Bevölkerung zu sorgfältigen Hygienemaßnahmen, da in letzter Zeit zahlreiche Fälle von Ruhrerkrankungen aufgetreten sind.

Der “Deutsche Verein gegen den Missbrauch geistiger Getränke” in Berlin ruft zu Geldsammlungen für die Versorgung der Frontsoldaten mit Mineralwasser auf.

4.9.1917, Dienstag

Nach Explosionen und Brandkatastrophen in der russischen Industriestadt Kasan sind seit Ende August mehr als 4000 Menschen ums Leben gekommen. In der chaotischen Situation kommt es zu Aufständen der Überlebenden. Offizielle Stellen vermuten Anschläge der Anarchisten.

In Moskau plündert eine Menschenmenge einen Laden mit Methylalkohol. Nach dessen Genuss sterben 100 Menschen an Alkoholvergiftung.

Die japanische Regierung gibt bekannt, dass mit dem Auftreten japanischer Truppen auf europäischen Kriegsschauplätzen auch im weiteren Kriegsverlauf nicht zu rechnen sei.

5.9.1917, Mittwoch

Auf der dritten Zimmerwalder Konferenz in Stockholm, deren offizieller Beginn sich mehrmals verzögert hatte, fordern die anwesenden Sozialisten in einem gemeinsamen Manifest internationale Arbeiteraktionen gegen den Krieg.

Polizeiagenten der US-Regierung besetzen gleichzeitig in 24 Städten der USA die Büros der Gewerkschaft I. W. W. (International Workers of the World). Die Agenten beschlagnahmen Dokumente und verhaften zehn Gewerkschaftsführer.

In Italien wird die katholische Zeitung “Corriere del Friaul” verboten, weil sie zur Verbrüderung mit den gegnerischen Soldaten aufgerufen hatte.

In den westdeutschen Großstädten werden wegen der Versorgungsschwierigkeiten Kinder zwischen dem siebten und achten Lebensjahr vorerst von den Milchzuteilungen ausgeschlossen.

6.9.1917, Donnerstag

Die deutsche Reichsregierung ruft die Hauswirtschaftslehrerinnen und Lehramtskandidatinnen dazu auf, sich für den Kriegshilfsdienst zu melden, da der Unterricht weitgehend reduziert werden soll.

In Kanton wird unter der Führung von Sun Yat-sen eine neue Provisorische Regierung für China gegründet.

7.9.1917, Freitag

Der Oberkommandierende der russischen Truppen, General Lawr G. Kornilow, putscht gegen die 3. Provisorische Regierung von Alexandr F. Kerenski.

Nach dem Erlass der russischen Regierung zur Entfernung aller “überflüssigen Elemente” aus Petrograd werden mehr als 100 000 Menschen angewiesen, die Stadt innerhalb von zwei Wochen zu verlassen.

Die sozialistischen Mitglieder der französischen Regierung im Kabinett Alexandre Ribot scheiden aus der Regierung aus, nachdem ihnen die Teilnahme an der Stockholmer Konferenz der Sozialisten verboten worden war.

Die deutsche Reichsregierung sieht von der Beschlagnahme von Bronzestandbildern ab, weil die zu erwartende Metallmenge zu gering wäre.

8.9.1917, Samstag

Der französische Staatspräsident Raymond Poincaré erteilt dem bisher amtierenden Ministerpräsidenten Frankreichs, Alexandre Ribot, den Auftrag zur Bildung einer neuen Regierung.

Durch ein Regierungsdekret wird in den USA die Produktion von Whisky verboten. Das Verbot ergeht, wie Regierungssprecher betonen, wegen der Teilnahme der USA am Krieg, nicht jedoch wegen der Prohibitionsbestrebungen einzelner US-Staaten.

9.9.1917, Sonntag

Wegen der bedrohlichen Machtbestrebungen des russischen Generals Lawr G. Kornilow verhängt der Ministerpräsident der Provisorischen Regierung Alexandr F. Kerenski den Kriegszustand über Stadt und Bezirk Petrograd.

Die Kabinettsbildung des französischen Ministerpräsidenten Alexandre Ribot scheitert vorerst an der Frage der Mitarbeit von Sozialisten in der Regierung.

In der Bochumer Zeche “Mansfeld” werden durch eine Schlagwetterexplosion 13 Bergleute verletzt.

Im Frankfurter Schauspielhaus wird das Drama “Perleberg” von Carl Sternheim uraufgeführt.

10.9.1917, Montag

Die Leipziger Herbstmesse endet mit dem Rekordergebnis von 40 000 Besuchern.

Im Deutschen Reich sprechen sich verschiedene Unternehmerverbände gegen die beabsichtigte durchgehende Arbeitszeit aus. Arbeiten ohne Pausen würde mehr Schaden anrichten, als Ersparnisse bei Kohle und Gas einbringen.

Mit der Eroberung des Dorfes Selo durch italienische Truppen endet die elfte Isonzoschlacht.

11.9.1917, Dienstag

Die Truppen des russischen Generals Lawr G. Kornilow sind im Anmarsch auf Petrograd. In der Stadt herrscht Panik, da mit dem Ausbruch des Bürgerkrieges gerechnet werden muss.

An der Spitze des nach der Regierungskrise neu gebildeten französischen Kabinetts steht als Ministerpräsident Paul Painlevé.

12.9.1917, Mittwoch

Aus einem vom “Vorwärts” veröffentlichten Bericht über die Entwicklung der SPD seit Kriegsausbruch geht hervor, dass die Mitgliederzahl allein bis zum 31. März 1917 von fast einer Million auf 243 061 gesunken sei. Als besonders problematisch wird der Verlust an weiblichen Mitgliedern gewertet: Die Zahl sank von 174 754 vor dem Krieg auf 66 608 bis zum 31. März 1917.

Der Vorstand der neuen Vaterlandspartei im Deutschen Reich nennt als Hauptziel der Vereinigung den Zusammenschluss aller vaterländischen Kräfte ohne Ansehen der Partei.

In Breslau wird eine Frau festgenommen, die mit Betrügereien etwa eine Million Mark erschwindelt hat. Sie machte sich die chaotische Kriegssituation zunutze, um sich bei Banken und Privatleuten betrügerische Kredite zu verschaffen.

Im Deutschen Reich erhalten Luxuspferde, die nur dem Vergnügen dienen, keine Haferrationen mehr.

Um der im Kriegsverlauf zunehmenden Unhöflichkeit der Verkäufer zu begegnen, drohen zahlreiche Gemeinden im Deutschen Reich damit, dass Geschäfte, über die wiederholt in diesem Sinne Klagen geführt wurden, in Zukunft von der Warenlieferung ausgeschlossen würden.

14.9.1917, Freitag

Nach dem Ausbruch eines Generalstreiks in Portugal verhängt die Regierung in Lissabon den Ausnahmezustand für die Dauer des Streiks.

Nach dem Zusammenbruch des Putschversuches durch Truppen des Generals Lawr G. Kornilow gibt der russische Ministerpräsident Alexandr F. Kerenski bekannt, Kornilow sei einem Militärgericht übergeben worden.

In Moskau finden heftige Kämpfe zwischen Anhängern der Arbeiter- und Soldatenräte und gegenrevolutionären Truppen statt.

Der Ministerpräsident der russischen Provisorischen Regierung, Alexandr F. Kerenski, proklamiert die Republik.

15.9.1917, Samstag

Obwohl die deutsche Reichsregierung betont, es gäbe keinen Salzmangel im Reich, hamstert die Bevölkerung Salz in großen Mengen.

In den deutschen Städten des Westens wird angeordnet, wegen der erhöhten Fliegergefahr nachts sämtliche Lichtquellen abzudecken und die Fenster mit Pappen zu vernageln, um den Fliegern keine unnötigen Hinweise auf Ansiedlungen zu geben.

Der russische Arbeiter- und Soldatenrat ruft in einer programmatischen Schrift zur Schaffung einer Regierung des Proletariats und der Bauern auf.

Das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn übertragen Gesetzgebung und Verwaltung im besetzten Polen einer noch zu gründenden polnischen Regierung.

16.9.1917, Sonntag

Der Petrograder Senat weigert sich, die Regierungserklärung Alexandr F. Kerenskis zu veröffentlichen, in der dieser das Land zur Republik erklärt hatte.

Bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen Arbeitern und Soldaten wegen der schlechten Ernährungslage führen zur Ausrufung des Kriegsrechts in Parma.

17.9.1917, Montag

In der Nacht vom 16. auf den 17. Dezember tritt im Deutschen Reich die Winterzeit in Kraft. Die Uhren werden um 3 Uhr nachts auf 2 Uhr zurückgestellt.

Der russische Revolutionär Leo D. Trotzki wird gegen eine Bürgschaft freigelassen.

Die italienische Regierung schließt die Landesgrenzen vorübergehend auch für diplomatische Kuriere. Post- und Zugverkehr sind seit Tagen unterbunden. Die Maßnahme erfolgt aufgrund der heftigen Hungerunruhen, die vor allem den Norden des Landes seit Wochen erschüttern.

Die französische Hafenstadt Bordeaux wird zum Hauptausgangspunkt militärischer Aktionen des US-amerikanischen Heeres. Die Armeeführung der USA mietet für die Dauer von drei Jahren Gebäude an.

18.9.1917, Dienstag

Beim ersten Zusammentreten des neuen französischen Kabinetts unter Paul Painlevé in Paris wird die Forderung nach Rückerstattung von Elsass-Lothringen und umfangreichen Reparationen an das Deutsche Reich erhoben.

Wegen der ständigen Gefahr von Luftangriffen wird die völlige Verdunklung aller deutschen Städte angeordnet.

19.9.1917, Mittwoch

Die russische Provisorische Regierung in Petrograd bewilligt, vorbehaltlich der Zustimmung durch die gesetzgebende Versammlung, den Ländern Estland, Livland und Kurland die Autonomie.

Im Deutschen Reich beginnt die Zeichnung der 7. Kriegsanleihe, die bis zum 18. Oktober dauern wird.

Die deutsche Regierung unter Reichskanzler Georg Michaelis lehnt den Friedensvorschlag von Papst Benedikt XV. ab. Der Papst hatte einen Frieden auf Grundlage der Freigabe von Belgien vorgeschlagen.

20.9.1917, Donnerstag

Zwischen deutschen und alliierten Truppen an der Westfront beginnen die Kämpfe der dritten Flandern-Schlacht.

Die nationalliberale Fraktion des Deutschen Reichstags wählt den Abgeordneten Gustav Stresemann zum Vorsitzenden.

In der Berliner Akademie der Künste werden Teile der großen Düsseldorfer Kunstausstellung gezeigt, die in den vergangenen Jahren immer in der Reichshauptstadt stattgefunden hatte.

21.9.1917, Freitag

An den deutschen Hochschulen sind im Sommersemester 34,8% weibliche Studierende eingetragen. Im letzten Vorkriegsjahr waren es nur 6,7%.

Die neutralen Regierungen der Niederlande und Spaniens erklären ihr grundsätzliches Einverständnis mit dem Friedensvorschlag von Papst Benedikt XV.

Die bolschewistische Fraktion erringt bei den Wahlen zur Arbeitersektion des Petrograder Sowjet die absolute Mehrheit. Vorsitzender des neuen Präsidiums wird Leo D. Trotzki. Der Revolutionär Wladimir I. Lenin, der ins finnische Exil flüchten musste, ruft zum Aufstand gegen die Provisorische Regierung auf.

Reichskanzler Georg Michaelis antwortet im Namen der Reichsregierung auf den Friedensappell von Papst Benedikt XV.

22.9.1917, Samstag

Aus Kreisen der deutschen Reichsregierung wird bekannt, dass im nächsten Winter nur noch Säuglinge, Schwangere und stillende Mütter Milchrationen erhalten werden.

Die Reichspostverwaltung in Berlin teilt mit, dass durch den seit Kriegsbeginn ständig zunehmenden Postverkehr in absehbarer Zeit nicht mit einer Verbesserung des mangelhaften Zustellungswesens gerechnet werden kann.

23.9.1917, Sonntag

In den niederländischen Großstädten brechen erneut Hungerunruhen aus. Es kommt zu zahlreichen Plünderungen.

In dem vor kurzem zur autonomen Republik innerhalb Russlands erklärten Litauen wird der Landrat gebildet.

24.9.1917, Montag

Die am 2. September neu gegründete deutsche Vaterlandspartei, die für einen unbedingten Siegfrieden eintritt, hält ihre erste öffentliche Großkundgebung in Berlin ab.

Die deutsche Reichsregierung ruft dazu auf, alle entbehrlichen Metallgegenstände an den Sammelstellen abzugeben, da man sonst zur Enteignung von Kupfer- und Messingmaterial gezwungen sei.

25.9.1917, Dienstag

Der belgische Kriegsminister Emile Vandervelde beziffert die notwendige Kriegsentschädigung für sein Land auf etwa 15 Milliarden belgische Franken (umgerechnet rund 20 Milliarden Mark).

Die katholische Frauenliga in Paris bereitet eine internationale Frauenkonferenz vor, um die Friedensbemühungen des Papstes Benedikt XV. zu unterstützen.

26.9.1917, Mittwoch

Die argentinische Kammer in Buenos Aires spricht sich mehrheitlich für den Abbruch der Beziehungen zum Deutschen Reich aus.

In Russland wird der zaristische ehemalige Kriegsminister Wladimir A. Suchomlinow wegen Hochverrats, Vertrauensmissbrauchs und Betruges zu lebenslänglich Zuchthaus verurteilt. Suchomlinow erklärt, der Zustand der russischen Armee sei bei seinem Amtsantritt 1909 so entsetzlich gewesen, dass er sie innerhalb von vier Jahren unter keinen Umständen habe reorganisieren können.

In Kanada wird die allgemeine Wehrpflicht ausgerufen.

27.9.1917, Donnerstag

Die 8. und 9. russische Armee unter dem Befehl des aufständischen Generals Lawr G. Kornilow stellt sich unter den Oberbefehl des Ministerpräsidenten Alexandr F. Kerenski, der den Soldaten Straffreiheit zugesichert hat.

Der britische Politiker Lord Herbert Henry Asquith verlangt auf einer Konferenz in Leeds die Rückgabe aller durch deutsche und österreichisch-ungarische Truppen besetzten Gebiete.

28.9.1917, Freitag

Die Arbeiter der französischen Flugzeugfabriken streiken, um höhere Löhne durchzusetzen.

In der Stadtverordnetenversammlung von Köln wird der neue Bürgermeister Konrad Adenauer feierlich begrüßt.

Die Wahlen zum schwedischen Reichstag ergeben einen starken Zuwachs der Sozialdemokraten in der zweiten Kammer, während die Konservativen in der ersten Kammer ihre Mehrheit behalten.

In der Schlacht bei Ramadiji auf dem nahöstlichen Kriegsschauplatz siegen britische Truppen über osmanische Verbände. Damit setzt sich der Vormarsch britischer Truppenverbände gegen die Verbündeten der Mittelmächte fort.

Der deutsche Industrielle und Politiker Walther Rathenau beschreibt in einem Brief die geistige Situation im Deutschen Reich.

Der Parteivorstand der deutschen Sozialdemokraten kündigt Karl Kautsky als leitendem Redakteur der Zeitung “Die Neue Zeit”. Kautsky hatte sich den Unabhängigen Sozialdemokraten (USPD) angeschlossen.

29.9.1917, Samstag

Paraguay bricht die diplomatischen Beziehungen zum Deutschen Reich ab und stellt sich damit indirekt auf die Seite der USA.

Zur Eröffnung der neuen Spielzeit im königlichen Schauspielhaus Dresden werden “Die Troerinnen” von Euripides in einer Neudichtung von Franz Werfel aufgeführt.

30.9.1917, Sonntag

Die Verfilmung des ersten Drehbuchs des deutschen Regisseurs Fritz Lang hat in Wien Premiere. In der Detektivfilmserie “Joe Deebs” wird die Folge “Die Hochzeit im Exzentrikerklub” gezeigt.

Der elsässische Arzt Albert Schweitzer beendet seinen ersten Afrika-Aufenthalt. Seit dem 16. April 1913 befand sich der Arzt in Lambarene. Schweitzer wird von französischen Truppen nach Frankreich befördert und im Süden des Landes interniert.

Der Verband der anarchistischen Gewerkschaften in Argentinien ruft den Generalstreik aus. Es kommt zu Zusammenstößen mit der Armee.

Eine britische Industriellenversammlung unter dem Vorsitz von Lord Charles Beresford beschließt, keine Handelsbeziehungen zum Deutschen Reich für die Dauer von zwei Jahren nach Beendigung des Krieges aufzunehmen.

Die deutsche “Arbeitsgemeinschaft für das einheitliche Angestelltenrecht” bildet eine feste Organisation und nennt sich Arbeitsgemeinschaft für Angestelltenverbände (AfA).

Auf Stuttgart wird ein alliierter Luftangriff geflogen.

Im Deutschen Reich beginnt die große Herbst-Pferde-Rennsaison in Düsseldorf und Berlin.