Was geschah im September 1919

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Wetterstationen September 1919

1.9.1919, Montag

In Dresden beginnt der erste Deutsche Evangelische Kirchentag.

In Köln-Deutz treffen die ersten aus britischer Kriegsgefangenschaft entlassenen deutschen Kriegsgefangenen ein.

Das bayerische Ministerium für soziale Fürsorge in München weist in einer Bekanntmachung darauf hin, dass “Fremdenzuzugsverbote” in absehbarer Zeit nicht mehr erlassen werden. Die bisher bestehenden Verbote waren am 28. August aufgehoben worden. Sollte “in einzelnen Gemeinden ein ungewöhnlich hoher Fremdenzuzug” erfolgen, könnten jedoch wieder Einschränkungen beantragt werden.

Rund 4000 Menschen wohnen in Königsberg in Preußen den Feiern anlässlich des fünften Jahrestages der Schlacht bei Tannenberg (August 1914) bei. An den nicht anwesenden Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg werden “Danktelegramme” gesandt.

In Leipzig findet die erste ‘Friedensmesse’ statt.

In der Schweiz wird die Brotrationierung aufgehoben.

In Chicago findet der Gründungskongress der Kommunistischen Partei der USA statt.

Das Sekretariat des Internationalen Sozialistischen Büros siedelt nach dem Ende des Ersten Weltkriegs aus Den Haag wieder nach Brüssel über.

2.9.1919, Dienstag

Der französische Ministerpräsident Georges Benjamin Clemenceau fordert im Namen der Alliierten das Deutsche Reich ultimativ dazu auf, den Artikel 61 der Reichsverfassung zu streichen; der Artikel beinhaltet die Zulassung Deutschösterreichs zum Reichsrat und die Gleichstellung der Republik Deutschösterreich mit den das Deutsche Reich bildenden deutschen Ländern.

Sowjetrussland macht nach dem siegreichen Vordringen der Roten Armee Estland ein Friedensangebot. Weitere Friedensangebote werden Finnland (am 11. September), Lettland (12.), Litauen (12.) und der Ukraine gemacht.

In einem Brief an den bayerischen Landtag legt der im Exil in den Niederlanden lebende bayerische Ex-Kronprinz Rupprecht die Gründe für seine Abwesenheit aus Bayern dar. Er schreibt u.a.: “dass ich selbst kraft der unbestreitbaren Tatsache einer 800-Jährigen glücklichen und segensreichen Schicksalsgemeinschaft zwischen Bayern und Wittelsbach die monarchische Staatsform für lebensfähig halte, wird jeder billig denkende Deutsche mir glauben und mir die Freiheit geben, es offen auszusprechen. Da ich aber in der Monarchie keinen Personenkult, sondern ein geistiges Prinzip sehe, steht für mich über jeder Dynastie das Land. Darum verlange ich von mir wie von jedem deutschen Fürsten, dass er sich vorbehaltlos der staatlichen Entwicklung seiner Heimat fügt und alle Versuche weit von sich weist, … sich in den inneren Gestaltungsprozess einzumengen.”

Die Berliner unabhängigen Arbeiterräte beschließen einstimmig, sich an den vom Zentralrat der Deutschen Republik ausgeschriebenen Arbeiterratswahlen nicht zu beteiligen. Sie wollen auch weiterhin an ihrem eigenen Organisationsaufbau des Rätesystems festhalten.

An Berliner Schulen finden am sog. Sedanstag – Jahrestag der Schlacht bei Sedan während des Deutsch-Französischen Kriegs am 1./2. September 1871 – nach Meldung der “Berliner Zeitung” prokaiserliche Schülerstreiks statt. Anstatt sich in die Klassenzimmer zu begeben, ziehen die Schüler mit Eichenkränzen und der preußischen Flagge zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal.

3.9.1919, Mittwoch

Die italienische Abgeordnetenkammer in Rom billigt die Vorlage über die Einführung des Frauenwahlrechts. Mit Ausnahme von Prostituierten erhalten alle Frauen das aktive und passive Wahlrecht.

US-Präsident Woodrow Wilson tritt eine mehrwöchige Propagandareise durch die Vereinigten Staaten an. Bei 37 Veranstaltungen in 29 Städten wirbt er für den Beitritt der USA zum Völkerbund.

Die Delegierten des britischen Bergarbeiterverbandes beschließen in einer Vollversammlung, von der Regierung David Lloyd George die Verstaatlichung der Bergwerke zu fordern.

4.9.1919, Donnerstag

In Paris konstituiert sich auf Initiative des französischen Schriftstellers Henri Barbusse die Gruppe “Clarté”, die sich für die Erhaltung des Weltfriedens einsetzt.

Eine Staffel britischer Luftwaffenhelferinnen stellt in London einen Weltrekord über 4×110 yards auf.

5.9.1919, Freitag

Der Landtag der Republik Braunschweig stimmt einem Antrag zu, die Mitgliederzahl des Rats der Volksbeauftragten von fünf auf sechs zu erhöhen. Nach der Wahl eines Abgeordneten der Vereinigten Bürgerlichen besteht die Regierung aus drei Mehrheits-Sozialdemokraten und drei Bürgerlichen.

6.9.1919, Samstag

Frankreich und Polen schließen ein Abkommen über die Entsendung von 100 000 polnischen Arbeitern. Frankreich hat einen hohen Bedarf an Arbeitskräften zum Wiederaufbau der im Krieg zerstörten Regionen.

Auf einer deutsch-britischen Gefangenenkonferenz in Köln wird vereinbart, dass Großbritannien mit eigenen Verkehrsmitteln täglich bis zu 3000 Gefangene in Köln übergeben und wöchentlich mit eigenen Schiffen weitere 3000 Mann nach Rotterdam transportieren wird.

Die deutschösterreichische Konstituierende Nationalversammlung in Wien nimmt den Friedensvertrag von Saint-Germain-en-Laye an.

7.9.1919, Sonntag

Die deutsche Reichsregierung unter Gustav Bauer (MSPD) protestiert in einer Note an die Alliierten in Versailles gegen die antideutsche “Hetze” Polens wegen der Unruhen in Oberschlesien.

Das Schwurgericht der belgischen Provinz Brabant in Brüssel verurteilt den flämischen Aktivisten August Borms wegen “Begünstigung der Pläne des Feindes” zum Tode. Borms war während der Besetzung des Landes durch das Deutsche Reich im Ersten Weltkrieg Delegierter des Rats von Flandern für nationale Verteidigung.

8.9.1919, Montag

In Glasgow beginnt der britische Gewerkschaftskongress, der bis zum 11. September dauert. Die zentralen Themen sind die sog. direkte Aktion (Streik) und die Verstaatlichung der Bergwerke.

Ab heute wird München in den Zeppelin-Flugverkehr Friedrichshafen- Berlin einbezogen. Das Luftschiff “Bodensee” macht von nun an eine Zwischenlandung in München.

Die Berliner Nachrichtenagentur Wolffs Telegraphen-Bureau (WTB) meldet, dass Polen gemäß Artikel 228 des Versailler Friedensvertrags eine Liste deutscher Militär- und Zivilbeamten, Offiziere und Soldaten zusammengestellt hat, die wegen “Verbrechen an polnischen Bürgern und polnischem Boden” während des Weltkriegs zur Verantwortung gezogen werden sollen. Die polnische Regierung beabsichtigt, vom Deutschen Reich die Auslieferung dieser Personen zu verlangen.

10.9.1919, Mittwoch

In Riga beginnt die erste Randstaatenkonferenz. Vertreter Estlands, Litauens und Lettlands beraten über die Grundlinien einer gemeinsamen Politik der baltischen Staaten gegenüber Sowjetrussland und der Entente.

Der am 23. April über das Stadt- und Landgebiet von Bremen verhängte Belagerungszustand wird aufgehoben.

Die Friedensabteilung des deutschen Auswärtigen Amts in Berlin veröffentlicht eine Bekanntmachung über die Rückgabe von Gegenständen, die aus Gebieten stammen, die während des Ersten Weltkriegs vom Deutschen Reich besetzt waren. Die Rückgabe muss bis zum 15. Dezember an die Deutsche Restitutionsstelle in Frankfurt am Main erfolgen.

Das gesamte diplomatische Korps der Alliierten verlässt Archangelsk, den Hauptstützpunkt der alliierten Interventionstruppen in Sowjetrussland, nachdem Großbritannien den Rückzug seiner Truppen angekündigt hat.

Vertreter der Tschechoslowakei und der Alliierten unterzeichnen in Paris ein Abkommen über den Schutz der nationalen Minderheiten in der Tschechoslowakei.

In Saint-Germain-en-Laye wird der Friedensvertrag zwischen den Alliierten und Österreich unterzeichnet.

11.9.1919, Donnerstag

Die türkische Unabhängigkeitsbewegung unter Führung von General Mustafa Kemal Pascha (Kemal Atatürk) verabschiedet im anatolischen Sivas den sog. Nationalpakt.

Philipp Scheidemann (MSPD), der erste Reichsministerpräsident nach der Novemberrevolution 1918, fordert in Kassel während einer Rede über den Sozialismus und den Frieden zur Geschlossenheit der Arbeiterklasse auf.

Das sowjetrussische Volkskommissariat für das Bildungswesen verordnet die Errichtung von Arbeiterfakultären an den Universitäten.

12.9.1919, Freitag

Der italienische Dichter Gabriele D’Annunzio besetzt mit einer Schar von Freiwilligen verschiedener Waffengattungen im Handstreich die Stadt Fiume (Rijeka) an der Adriaküste.

Der antibolschewistische russische General Anton I. Denikin beginnt in Südrussland eine zunächst erfolgreiche Offensive in Richtung Moskau.

Der Österreicher Adolf Hitler besucht in München eine Veranstaltung der rechtsradikalen Deutschen Arbeiterpartei, in die er wenig später eintritt und deren Führung er übernimmt.

13.9.1919, Samstag

Der preußische Kriegsminister Walther Reinhardt reicht sein Abschiedsgesuch ein, da sein Amt nach dem Übergang der Kommandogewalt der deutschen Länder auf das Reich überflüssig geworden ist. Reinhardt bleibt aber Chef der Reichswehrbefehlsstelle Preußen.

Der spanische König Alfons XIII. unterzeichnet einen Amnestie-Erlass für politische Vorgehen gegen die Neutralität Spaniens im Ersten Weltkrieg. Unter die Amnestie fallen auch Inhaftierte, die wegen Auflehnung und Desertion während des Ersten Weltkriegs verurteilt wurden.

Nach aufsehenerregenden Presseveröffentlichungen über dänisch-deutsche Geheimverhandlungen vor dem Ersten Weltkrieg veröffentlicht der Ausschuss, der von der dänischen Regierung mit der Untersuchung der Vorgänge beauftragt wurde, das gesamte Aktenmaterial. Danach führte der frühere dänische Ministerpräsident Jens Christian Christensen in den Jahren 1902 und 1906 ohne Wissen des Parlaments Verhandlungen mit dem deutschen Generalstab über den Abschluss einer dänisch-deutschen Militärkonvention; als Gegenleistung forderte Christensen ein deutsches Entgegenkommen in der Schleswigfrage.

Der Rücktransport der deutschen Kriegsgefangenen aus Lagern der US-amerikanischen Streitkräfte in Frankreich beginnt.

Im US-Senat in Washington fordern mehrere Senatoren, einen Separatfrieden zwischen den USA und dem Deutschen Reich.

14.9.1919, Sonntag

Der Dampfer “Weimar” trifft als erstes Schiff nach Beendigung des Ersten Weltkriegs mit Stückgut aus London in Hamburg ein.

15.9.1919, Montag

Eine alliierte Offizierskommission trifft in Berlin ein; sie soll kontrollieren, ob die militärischen Bestimmungen des Versailler Friedensvertrags eingehalten werden.

Frankreich und Großbritannien schließen das Syrienabkommen. Danach werden die britischen Truppen bis zum 1. November nach einem Zonenplan die syrischen Gebiete räumen.

In Lyon beginnt der 14. Nationalkongress des französischen Gewerkschaftsverbands Confédération Générale du Travail (C.G.T.), an dem Delegierte von 1807 Gewerkschaften teilnehmen.

Durch Erlass des deutschen Reichspräsidenten Friedrich Ebert (MSPD) werden das Reichswirtschaftsministerium und das Reichsernährungsministerium zu einem Ministerium unter der Bezeichnung Reichswirtschaftsministerium vereinigt. Die beiden Ministerien stehen bereits seit dem 12. Juli unter der Leitung des Mehrheitssozialdemokraten Robert Schmidt.

Wegen der katastrophalen Ernährungslage dürfen ab heute in Bayern nur noch 30% der verfügbaren Betten in Hotels, Pensionen und ähnlichen Betrieben belegt werden, ab 1. Oktober nur mehr 10%. Damit kommt der Fremdenverkehr in Bayern vorübergehend fast völlig zum Erliegen.

16.9.1919, Dienstag

Bei der Eröffnung der Generalstaaten, des niederländischen Parlaments in Den Haag, kündigt Königin Wilhelmina die Einführung einer Luxus- sowie einer Tabak-, Zigarren- und Zigarettensteuer an. Wie in anderen europäischen Ländern versucht auch die niederländische Regierung, neue Einnahmequellen zu erschließen.

17.9.1919, Mittwoch

In deutschen Städten häufen sich Schülerdemonstrationen gegen die Entfernung von Bildern des früheren Kaisers Wilhelm II. aus den Klassenzimmern. Aus Kassel werden gewaltsame Zusammenstöße zwischen Arbeitern und “ein paar tausend” demonstrierenden Schülern beiderlei Geschlechts gemeldet. Auch in Stettin und dem Ruhrgebiet finden “spontane Kundgebungen” für die Beibehaltung der Kaiserbilder statt.

Das sozialdemokratische Parteiorgan “Vorwärts” berichtet über die Misshandlung eines sozialdemokratischen Leutnants durch nationalistische Kameraden in Potsdam. Übergriffe dieser Art häufen sich seit Abschluss des Versailler Vertrags in der Reichswehr.

18.9.1919, Donnerstag

Die deutsche Reichsregierung unter Gustav Bauer (MSPD) erklärt in einer Note an die Alliierten in Versailles, “dass, soweit die deutsche Verfassung und der Friedensvertrag miteinander in Widerspruch stehen, die Verfassung nicht vorgehen kann”. Artikel 61, Absatz 2 der Weimarer Verfassung, der die Zulassung Deutschösterreichs zum Reichsrat und die Gleichstellung der Republik Deutschösterreich mit den Ländern des Deutschen Reichs umfasst, wird für “kraftlos” erklärt.

In Berlin wird der Ufa-Palast am Zoo mit der Uraufführung des Ernst-Lubitsch-Films “Madame Dubarry” eröffnet.

Das Volksgericht für den Landesgerichtsbezirk München I erlässt nach 18-tägiger Verhandlung das Urteil im sog. Geiselmörderprozess. Sechs Angeklagte werden zum Tod verurteilt, sieben zu 15 Jahren Zuchthaus, zwei werden freigesprochen. Die Todesurteile werden einen Tag später durch Erschießen vollstreckt.

19.9.1919, Freitag

Der Provinzialrat der Juden von Palästina in Jerusalem spricht sich gegen die Bildung einer Jüdischen Gesetzgebenden Versammlung aus.

20.9.1919, Samstag

Der Danziger Oberbürgermeister Heinrich Sahm legt den Verfassungsentwurf für die künftig vom Deutschen Reich unabhängige Freie Stadt Danzig vor.

Das österreichische Staatsamt des Äußern veröffentlicht “Diplomatische Aktenstücke zur Vorgeschichte des Krieges 1914”.

21.9.1919, Sonntag

In der französischen Hauptstadt Paris beginnt der dreitägige Kongress der Radikalen und der Radikalsozialistischen Partei, der erste seit sechs Jahren. Zum Vorsitzenden der Partei wird Edouard Marie Herriot gewählt, der Bürgermeister von Lyon.

23.9.1919, Dienstag

Die “Ostrauer Zeitung” meldet, dass sich die deutschnationalen Parteien in Böhmen, die deutschsoziale Volkspartei für Nordmähren und Schlesien und die Vertrauensmänner der deutschnationalen Parteien aus Mittel- und Südmähren in Olmütz (Olomouc) zur Deutschnationalen Partei zusammengeschlossen haben.

Der Tiroler Landtag in Innsbruck verabschiedet einstimmig eine Stellungnahme gegen die Südtirolbestimmungen des Friedensvertrags von Saint-Germain-en-Laye: “Der Landtag erblickt in dem Friedensvertrag, der mit den Wilsonschen Punkten im krassesten Widerspruch steht, eine unerhörte Vergewaltigung des Landes Tirol, das gegen den klar ausgesprochenen Willen der Gesamtheit der Bevölkerung auseinandergerissen wird”.

Die Regierung der Republik Birkenfeld, die ihre Unabhängigkeit vom deutschen Freistaat Oldenburg erklärt hat, erlässt eine Bekanntmachung, laut der die französischen Besatzungsbehörden u.a. erklären: “Die Republik Birkenfeld wird von ihrer Entstehung ab anerkannt. Sie unterstellt sich dem Oberpräsidenten der Rheinlande als Vermittler für die besetzten Gebiete bis zur endgültigen Lösung der Anschlussfrage”.

24.9.1919, Mittwoch

Die bisherigen Landesregierungen von Deutschböhmen, des Sudetenlandes und Südmährens treten vor ihrer Auflösung im Sitzungssaal der österreichischen Konstituierenden Nationalversammlung in Wien zusammen.

25.9.1919, Donnerstag

US-Präsident Woodrow Wilson erleidet in Wichita in Kansas einen Nervenzusammenbruch, der ihn für Monate arbeitsunfähig macht.

Der alliierte Oberste Rat in Paris spricht Spitzbergen, eine Inselgruppe im Nordpolarmeer, unter Einschränkungen Norwegen zu. Die Inseln sind wegen ihrer reichen Kohlevorkommen mehrfach Streitobjekt verschiedener Länder gewesen.

Der württembergische Landtag in Stuttgart nimmt mit 120 zu neun Stimmen die neue Verfassung des Freistaats an.

Bei einem Bombenanschlag von Konterrevolutionären auf den Sitz der sowjetrussischen Zentralregierung in Moskau werden sechs Menschen getötet und zahlreiche verletzt, darunter der Wirtschaftstheoretiker Nikolai I. Bucharin.

Der US-Transportdampfer “Pocahontas” läuft von New York mit deutschen Kriegsgefangenen an Bord in Richtung Rotterdam aus.

26.9.1919, Freitag

In Berlin werden die am 20. August wegen der Unruhen in Oberschlesien abgebrochenen deutsch-polnischen Verhandlungen über die Übergabe deutscher Gebiete an Polen wieder aufgenommen.

27.9.1919, Samstag

Ein Transport deutscher Kriegsgefangener, der unter US-amerikanischer Bewachung von Marseille ins Deutsche Reich fährt, wird im Bahnhof Pompey bei Nancy von französischen Soldaten beschossen, als die Gefangenen ihren in französischer Kriegsgefangenschaft befindlichen Landsleuten aus dem Zug heraus Lebensmittel zuwerfen. Ein deutscher Unteroffizier wird tödlich getroffen.

28.9.1919, Sonntag

In Großbritannien beginnt ein Streik der Eisenbahner, der das gesamte Bahnnetz lahmlegt.

Die bayerische Landeskonferenz der MSPD in Nürnberg spricht sich für eine Umbildung der bayerischen Staatsregierung unter stärkerer Beteiligung der bürgerlichen Parteien aus; in der bayerischen Staatsregierung haben bisher die MSPD-Vertreter eine Mehrheit.

Bei der Volksabstimmung im Großherzogtum Luxemburg votieren 66 811 Stimmberechtigte für die Beibehaltung der monarchischen Staatsform unter Großherzogin Charlotte, 1286 wünschen eine andere Großherzogin und 889 eine andere Dynastie. 16 885 Menschen sprechen sich für die Proklamation der Republik aus. Bei der Frage “Soll mit Frankreich oder Belgien ein wirtschaftlicher Anschluss eingegangen werden?” fordern 60 135 den Anschluss an Frankreich und 22 242 den an Belgien.

29.9.1919, Montag

Das norwegische Völkerbundskomitee in Kristiania (Oslo) spricht sich für den Eintritt des neutralen Landes in den Völkerbund aus.

Das schwedische Abgeordnetenhaus in Stockholm nimmt den Gesetzentwurf über die Einführung des Achtstundentags an. Das Gesetz tritt am 1. Januar 1920 in Kraft.

30.9.1919, Dienstag

Die Deutsche Nationalversammlung tagt erstmals nach ihrem Umzug aus Weimar im Berliner Reichstagsgebäude.

Die preußische Armee wird aufgelöst und in die deutsche Reichswehr überführt.

Die preußische Gesandtschaft in Oldenburg wird geschlossen.

Die britische Admiralität veröffentlicht eine Übersicht über die Schiffsverluste während des Ersten Weltkriegs. Danach verlor Großbritannien an größeren Schiffen 13 Schlachtschiffe, drei Schlachtkreuzer, 13 Panzerkreuzer und zwölf kleine Kreuzer.

Das Theater “Die Tribüne” des Regisseurs Erwin Piscator in Berlin wird mit der Uraufführung des Dramas “Die Wandlung” von Ernst Toller eröffnet. Toller ist zur Zeit in Bayern inhaftiert wegen führender Teilnahme an der Münchner Räterepublik.