Was geschah im September 1924

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Wetterstationen September 1924

1.9.1924, Montag

Das deutsch-französische Amnestieabkommen sieht die Freilassung der rund 500 Deutschen in französischer und belgischer Strafhaft vor. Sie waren während des Ruhrkampfes 1923 wegen aktiven oder passiven Widerstands inhaftiert worden. Die Strafverfolgungen in den besetzten Gebieten wird eingestellt.

Nach Verabschiedung der Durchführungsgesetze zum Dawesplan durch den Reichstag tritt diese von der Londoner Konferenz beschlossene Neuregelung der deutschen Reparationszahlungen in Kraft. Das Deutsche Reich zahlt die erste Rate von 20 Millionen Reichsmark an die Alliierten.

In Genf beginnt die fünfte Völkerbundsversammlung. Hauptthema der Beratungen, die bis zum 2. Oktober dauern, ist das Genfer Abrüstungsprotokoll.

Vor Bergleuten eines südtoskanischen Werks äußert sich der italienische Ministerpräsident und Duce, Benito Mussolini, über die Oppositionsparteien, die er als “ohnmächtig” bezeichnet. Wörtlich sagt Mussolini: “Sobald die Opposition vom Geschrei zu den konkreten Dingen übergehen wollte, würden wir sie zur Streu für das Faschistenlager machen.”

2.9.1924, Dienstag

Zur fünften Völkerbundsversammlung, die am Vortag eröffnet wurde, trifft der französische Ministerpräsident Edouard Marie Herriot, mit dem Auto von Lyon kommend, in Genf ein. Am folgenden Tag wird auch sein britischer Amtskollege James Ramsey MacDonald erwartet.

3.9.1924, Mittwoch

In Ausführung des Londoner Abkommens, das am 16. August verabschiedet worden ist, erlässt die Interalliierte Rheinlandkommission erste Verordnungen zur Wiederherstellung der wirtschaftlichen und fiskalischen Einheit des Deutschen Reichs. Die 1923 um die besetzten Gebiete an Rhein und Ruhr errichtete Zoll- und Verwaltungsgrenze wird aufgehoben.

Das Deutsche Reich und die Sowjetunion unterzeichnen einen Vertrag über die Lieferung sowjetischen Erdöls.

Erstmals erscheint “Das Dreieck”, eine Monatszeitschrift für Wissenschaft, Kunst und Kritik. Herausgeber sind Walter Gutkelch und Boris Wassermann.

Bei Dreharbeiten einer US-Filmgesellschaft für den schweizerischen Propagandafilm “Die Entstehung der Eidgenossenschaft” am Aegerisee in der Schweiz kommt einer der Statisten ums Leben. Für diesen Darsteller eines österreichischen Ritters ist die Filmschlacht zur tödlichen Realität geworden. Er ist unter ein Pferd geraten.

Zum Generalagenten für deutsche Reparationszahlungen an die Alliierten wird US-Finanzpolitiker Seymour Parker Gilbert bestellt.

4.9.1924, Donnerstag

In seiner Rede vor der fünften Völkerbundsversammlung in Genf tritt der britische Premierminister James Ramsey MacDonald für die Aufnahme des Deutschen Reichs in den Völkerbund ein.

Zur Feier des 100. Geburtstages von Anton Bruckner eröffnet das Landestheater Darmstadt die Wintersaison mit der 7., 8. und 9. Sinfonie, der d-Moll-Messe und dem Te deum des Komponisten.

5.9.1924, Freitag

Der Wiener Fußballverband führt den Profi-Fußball ein. Österreich ist das erste Land auf dem Kontinent mit professionellen Fußballspielern.

In Lemberg kommt es zu einem Attentatsversuch auf den polnischen Staatspräsidenten Stanislaw Wojciechowski. Die gegen das Auto des Präsidenten geschleuderte Bombe detoniert nicht richtig. Weder der Präsident noch seine Begleiter werden verletzt. Einer der Attentäter, ein Student aus Lemberg, wird festgenommen.

Der französische Ministerpräsident Edouard Marie Herriot macht in seiner Rede vor der Völkerbundsversammlung in Genf die Aufnahme des Deutschen Reichs in den Völkerbund von der Erfüllung der deutschen Abrüstungsverpflichtungen gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrags (1919) abhängig.

6.9.1924, Samstag

US-Präsident Calvin Coolidge betont in einer außenpolitischen Rede in Baltimore das Interesse der USA daran, dass Europa seine Schwierigkeiten selbst überwinde. Dennoch seien die USA zur Hilfe bereit. Unter Anspielung auf die Dawes-Anleihe sagt Coolidge: “Ich hoffe, dass diese Hilfe beitragen wird, sowohl Deutschland wiederherzustellen wie die Reparationszahlungen an Frankreich durchzuführen.”

Bei der ersten Tagung der deutschen Gerichtssachverständigen in Leipzig wird der Deutsche Bund der gerichtlichen Sachverständigen und der Berufsgraphologen gegründet.

Das in Friedrichshafen am Bodensee für die US-amerikanische Marine gebaute Reparationsluftschiff LZ 126 (US-Bezeichnung ZR III) fliegt während einer Probefahrt über München hinweg, wo es von zahlreichen Schaulustigen begrüßt wird.

Bei den US-Leichtathletikmeisterschaften in West Orange im Bundesstaat New Jersey läuft Charles William Paddock mit 20,8 sec über 200 Yards auf gerader Bahn Weltrekord.

7.9.1924, Sonntag

Nach der Neuregelung der Reparationsfrage mit dem Londoner Abkommen, das am 16. August verabschiedet wurde, erteilen die französischen und belgischen Besatzungsbehörden eine allgemeine Rückkehrerlaubnis für die 1923 aus dem besetzten Ruhrgebiet Ausgewiesenen.

Bei einem Treffen des rechtsgerichteten Kampfbundes Stahlhelm in Braunschweig kommt es zu schweren Zusammenstößen der rund 15 000 Teilnehmer mit Kommunisten, die eine Gegendemonstration veranstalten. Auf einen Lkw mit Stahlhelm-Leuten wird ein Sprengstoff-Attentat verübt.

8.9.1924, Montag

Der 9. Internationale Buchdruckerkongress wird in Hamburg eröffnet.

Hans Fuchs, Oberpräsident der Rheinprovinz, nimmt seinen Dienst in Koblenz wieder auf. Fuchs war während des Ruhrkampfes 1923 mit zahlreichen anderen Beamten wegen passiven Widerstands in das unbesetzte Deutsche Reich ausgewiesen worden.

Im Rahmen der friedensvertraglich geregelten alliierten Militärkontrolle beginnt eine Generalinspektion der deutschen Rüstungsverhältnisse. Die Alliierten drohen bei Nichterfüllung der Entwaffnungsbestimmungen mit einer Verweigerung der am 10. Januar 1925 fälligen Räumung der besetzten Kölner Zone.

Erfolgreich verläuft bisher der Probebetrieb des Nachtflugpostverkehrs auf der Strecke Berlin- Warnemünde- Karlskrona- Stockholm. Trotz ungünstiger Wetterlage konnten 85% der Flüge fahrplanmäßig durchgeführt werden.

9.9.1924, Dienstag

Nach der Einigung über eine neue Reparationsregelung auf der Londoner Konferenz (16. 7.- 16. 8.) kommt es zur sog. wirtschaftlichen Räumung der besetzten Gebiete an Rhein und Ruhr. In der vergangenen Nacht wurde die östliche Zollgrenze aufgehoben. Bis zum 20. September sollen auch die übrigen Zollämter an der Zollgrenze zwischen besetztem und unbesetztem Gebiet aufgelöst werden.

General Miguel Primo de Rivera y Orbaneja, der seit dem Militärputsch im September 1923 in Spanien regiert, hält sich z. Z. in Tetuan/Marokko auf. Wie verlautet, will Primo de Rivera in Spanisch-Marokko bleiben, bis sich die kritische militärische Lage in der spanischen Kolonie entspannt hat. Seit Jahren führen in Spanisch-Marokko die einheimischen Rifkabylen einen zähen Unabhängigkeitskampf gegen die Kolonialtruppen.

Eine Konferenz der Arbeitsminister Großbritanniens, Frankreichs, Belgiens und des Deutschen Reichs in Bern erklärt die internationale Einführung des achtstündigen Arbeitstags für wünschenswert.

10.9.1924, Mittwoch

Nach Ausbruch eines antibolschewistischen Aufstands in Georgien, der auch auf Aserbaidschan übergegriffen hat, versucht Noah Jordanija, Präsident der ehemaligen Georgischen Volksrepublik, Verhandlungen mit der Regierung der UdSSR einzuleiten. Ziel des Aufstands, der wenig später von der Roten Armee niedergeworfen wird, ist die Selbständigkeit Georgiens.

Überraschend endet einer der spektakulärsten Kriminalprozesse der US-Geschichte gegen die beiden Millionärssöhne Nathan Leopold und Richard Loeb, die einen Jungen entführt und ermordet hatten, nicht mit einem doppelten Todesurteil.

11.9.1924, Donnerstag

In Budapest werden drei deutsche Nationalsozialisten verhaftet. Aus beschlagnahmten Dokumenten geht hervor, dass sie mit Gründung und Aufbau einer ungarisch-deutschen NS-Kampforganisation beauftragt waren. Die Nationalsozialisten agitieren vielfach Deutsche im Ausland.

In Heidelberg wird der 33. Deutsche Juristentag eröffnet, an dem etwa 700 Juristen aus dem gesamten Reichsgebiet teilnehmen.

Gegenüber der “Vossischen Zeitung” (Berlin) befürwortet US-General Henry Tureman Allen, früherer Oberbefehlshaber der US-Truppen im Rheinland, den Eintritt des Deutschen Reichs in den Völkerbund. Nach seinem Besuch in Berlin will sich Allen nach Genf begeben, wo z. Z. die fünfte Völkerbundsversammlung tagt.

Der preußische Landtag berät über die Entschädigungsstreitigkeiten mit dem früheren Herrscherhaus der Hohenzollern.

Aufgrund des bei der Londoner Konferenz (16. 7.- 16. 8.) ausgehandelten deutsch-französischen Amnestieabkommens, das am 1. September in Kraft getreten ist, werden in Dortmund und Essen die ersten während des Ruhrkampfes 1923 inhaftierten Deutschen freigelassen.

12.9.1924, Freitag

Im Rahmen des allmählichen Rückzugs der französischen Besatzungstruppen aus den “neubesetzten” Gebieten, der bei der Londoner Reparationskonferenz (16. 7.- 16. 8.) vereinbart worden ist, wird der seit Februar 1923 gesperrte Karlsruher Hafen freigegeben.

In Rom wird ein Attentat auf den faschistischen Abgeordneten Casalini verübt, der wenig später seinen Verletzungen erliegt. Der von einem psychisch Kranken verübte Anschlag wird von der faschistischen Presse umgedeutet und für eine Kampagne gegen die Oppositionsparteien eingesetzt.

General John J. Pershing tritt von seinem Posten als Generalstabschef der US-amerikanischen Armee zurück, nachdem er die Altersgrenze erreicht hat. Aus diesem Anlass findet in den USA ein “defendence day” statt, eine Art Probemobilmachung der Armee.

Zur Ankurbelung der Wirtschaft beschließt die Reichsregierung deutliche Preis- und Steuersenkungen.

Ein deutsch-japanisches Abkommen regelt die ungeklärten Fragen aus dem Versailler Vertrag (1919). Danach sollen die deutschen Privatbeteiligten an im Weltkrieg liquidiertem deutschen Eigentum in Japan über zwei Drittel des Wertes ihres Privateigentums zurückerstattet bekommen.

In Lissabon scheitert ein Militärputsch, bei dem u.a. das Kriegsministerium angegriffen wurde.

13.9.1924, Samstag

In der “Frankfurter Zeitung” macht sich Gustav Friedrich Hartlaub, führender Kunstkritiker und Direktor der Kunsthalle Mannheim, unter dem Titel “Der Zynismus als Kunstrichtung” Gedanken über die Entwicklung der deutschen Gegenwartskunst.

14.9.1924, Sonntag

Mit 47,61 m stellt der US-amerikanische Diskuswerfer Thomas Lieb in Chicago einen Weltrekord auf.

Mit dem zweiten Musik- und Theaterfest der Stadt Wien beginnt ein internationales Kulturereignis.

15.9.1924, Montag

Das Schiff “Mauretania” stellt einen transatlantischen Rekord auf. Für die Strecke New York- Plymouth hat die “Mauretania” vier Tage, 21 Stunden und 57 Minuten benötigt.

Von Hedwig Courths-Mahler erscheint der Roman “Die schöne Melusine”.

16.9.1924, Dienstag

Wie von der französischen Regierung angekündigt, räumen die französischen Besatzungstruppen Oberhausen und mehrere kleine Ruhrgebietsortschaften.

Ungarn nimmt diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen zur Sowjetunion auf.

Der Forschungsreisende Knud Rasmussen kehrt von einer dreijährigen Expedition nach Nordkanada und Alaska in die dänische Hauptstadt Kopenhagen zurück.

17.9.1924, Mittwoch

Ein als parteiamtlich gekennzeichneter Artikel der “Deutschnationalen Korrespondenz” fordert die Aufnahme der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) in die Reichsregierung.

Der norwegische Völkerbundsdelegierte Fritjof Nansen erklärt in einem Presseinterview: “Der Völkerbund wartet auf Deutschlands Eintritt. Ein deutscher Antrag würde mit allen Ehren aufgenommen werden.”

Mit dem Nachgeben der Arbeitgeber endet der einwöchige österreichische Metallarbeiterstreik. Eine allgemeine Lohnerhöhung um 10% und die Heraufsetzung der Mindestlöhne um 20% werden vereinbart.

Unter Beteiligung von etwa 1000 Delegierten wird der Deutsche Kolonialkongress 1924 in Berlin eröffnet (bis 19. 9.). In den Redebeiträgen wird die Notwendigkeit der Wiedererlangung des deutschen Kolonialbesitzes betont. Nach dem Weltkrieg mussten die deutschen Kolonien abgetreten werden.

18.9.1924, Donnerstag

Nach Abzug der US-amerikanischen Besatzungstruppen erhält die Dominikanische Republik eine freiheitliche Verfassung. Das Land hat seit 1916 unter US-amerikanischer Besatzung gestanden.

Der schwedische Film “Gösta Berlin” nach dem gleichnamigen Roman von Selma Lagerlöf (Regie: Mauritz Stiller) kommt in die deutschen Kinos. Greta Garbo ist als Gräfin Dohna in ihrer Debütrolle zu sehen.

Von der Transeuropa Union (Junkers) wird der Flugdienst Zürich- Berlin mit Zwischenlandungen in München, Fürth und Dresden eingerichtet. Da nicht die direkte Fluglinie gewählt wurde, beträgt die reine Flugzeit knapp sieben Stunden.

19.9.1924, Freitag

In einem Brief an Italiens Ministerpräsidenten und Duce, Benito Mussolini, der auch der Presse übergeben wird, protestiert der Großmeister der italienischen Freimaurer gegen die Zerstörung von Logenhäusern durch Faschisten.

Nach Meldungen der “Times” aus Tokio hat in der japanischen Hauptstadt ein Taifun etwa 3500 Häuser zerstört. 300 Vermisste gelten als tot.

20.9.1924, Samstag

Im Rahmen der sog. wirtschaftlichen Räumung wird im besetzten Ruhrgebiet die Kohlensteuer rückwirkend vom 1. September aufgehoben. Ferner wird der Kohlen- und Kokstransport im Ruhrrevier wieder freigegeben.

Italien und die Schweiz unterzeichnen in Rom einen Schiedsgerichtsvertrag. Danach sollen Streitigkeiten zwischen den beiden Staaten vor den Internationalen Schiedsgerichtshof (Den Haag) gebracht werden, soweit sie nicht in unmittelbaren Verhandlungen der beiden Länder beigelegt werden können.

China und die Sowjetunion unterzeichnen in Mukden ein Abkommen über die sog. Ost-China-Bahn (Tschangtschun-Eisenbahn) und das Nichteinmischungsgebot. Vorausgegangen war ein Generalabkommen, durch das die Beziehungen zwischen beiden Staaten normalisiert worden waren.

Durch Regierungsbeschluss wird die Deutsche Einheitskurzschrift im Deutschen Reich eingeführt.

21.9.1924, Sonntag

Bei Reichstagsnachwahlen in Oberschlesien erhalten das Zentrum drei Mandate, die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) und die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) je ein Reichstagsmandat.

Das Fußball-Länderspiel zwischen der ungarischen und der deutschen Nationalmannschaft in Budapest endet 4:1.

Im Vorfeld der Reichstagswahlen, die am 7. Dezember stattfinden werden, inszeniert Regisseur Erwin Piscator die “Revue Roter Rummel” als Agitationsstück für die KPD.

22.9.1924, Montag

Ablehnend reagiert das bayerische Innenministerium auf einen Antrag der Landespolizei, den Nationalsozialisten Adolf Hitler nach Entlassung aus der Festungshaft nach Österreich auszuweisen. Hitler, der am 1. April wegen Hochverrats verurteilt worden war, besitzt die österreichische Staatsbürgerschaft.

Die Regierung Thüringens beschließt die fristlose Kündigung des Präsidenten der Thüringischen Staatsbank, Walter Loeb, dem sie verschiedene Amtsvergehen vorwirft. Ausschlaggebend sind aber politische Gründe.

23.9.1924, Dienstag

Um die außenpolitische Isolierung des Deutschen Reichs zu überwinden, beschließt die Reichsregierung, sich um die Aufnahme in den Völkerbund zu bemühen. Am 29. September lässt sie den Mitgliedsmächten des Völkerbundsrats ein entsprechendes Memorandum überreichen.

Österreichs Bundeskanzler Ignaz Seipel berichtet im Nationalrat über Verhandlungen mit dem Völkerbundsrat in Genf, unter dessen Kontrolle das österreichische Sanierungsprogramm steht. Zur Beendigung des Sanierungswerks sei eine nochmalige Kraftanstrengung notwendig. Eine dauerhafte finanzielle Stabilisierung erfordere eine Reform der Finanzbeziehungen zwischen Bund und Gemeinden.

24.9.1924, Mittwoch

Nach Agenturmeldungen aus Leningrad ist die Stadt durch eine Sturmflut unter Wasser gesetzt worden. Die Deiche der Newa sind gebrochen. Stellenweise steht das Wasser meterhoch in den Straßen Leningrads.

25.9.1924, Donnerstag

Die Deutsche Volkspartei (DVP) fordert die Aufnahme der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) in die Regierungskoalition. Eine solche Verbreiterung der schmalen Regierungsbasis nach rechts – Reichskanzler Wilhelm Marx regiert mit einem Minderheitskabinett der bürgerlichen Mitte – scheitert an Gegensätzen vor allem in der Außenpolitik.

In Pendine stellt Malcolm Campsbell mit 235,215 km/h auf Sunbeam den Geschwindigkeitsweltrekord auf.

26.9.1924, Freitag

In Dänemark wird der Geburtstag von König Christian X. nicht mehr durch Arbeitsruhe gefeiert.

Wegen Geheimbündelei, Waffenbesitzes und Umsturzbestrebungen wird der rechtsgerichtete Bund Oberland verboten. Zugleich wird das Vermögen des Bundes beschlagnahmt. Die Maßnahme erfolgt aufgrund des Republikschutzgesetzes vom 21. Juli 1922.

27.9.1924, Samstag

In Delhi, in Britisch-Indien, wird ein überparteilicher Kongress zur Wiederherstellung des Friedens zwischen Hindus und Moslems eröffnet.

Am Württembergischen Landestheater Stuttgart wird Ernst Barlachs Drama “Die Sündflut” uraufgeführt.

Die schweizerischen Behörden genehmigen die Neubaupläne des Anthroposophen Rudolf Steiner für das neue Goetheanum in Dornach bei Basel.

28.9.1924, Sonntag

Österreichs “Inflationskönig” Camillo Castiglioni verlässt überstürzt Wien und entzieht sich damit einer drohenden Festnahme.

Zwei US-Flugzeugen ist erstmals ein Weltrundflug gelungen. Nach 42 398 Flugkilometern (in 57 Etappen) landen sie in Seattle, wo sie am 6. April gestartet waren.

29.9.1924, Montag

Den Mitgliedsmächten des Völkerbundrats übermittelt die Reichsregierung ein Memorandum über den Eintritt des Deutschen Reichs in den Völkerbund.

30.9.1924, Dienstag

Die Bank für deutsche Industrieobligationen wird gegründet. Sie dient der Erfüllung eines Teils der deutschen Reparationspflichten, nämlich der Abwicklung der größeren deutschen Industrieunternehmen im Dawesplan auferlegten Lasten.

Jackie Coogan, Kinderstar aus dem Charlie-Chaplin-Film “The Kid” wird von Papst Pius XI. empfangen.