Was geschah im September 1929

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Wetterstationen September 1929

1.9.1929, Sonntag

Der Deutsche Katholikentag, der unter dem Motto “Rettung der christlichen Familie” stand, geht nach dreitägiger Dauer in Freiburg im Breisgau zu Ende.

Bei einem Bombenanschlag auf das Reichstagsgebäude in Berlin entsteht nur geringer Sachschaden, Menschen werden nicht verletzt.

Erstmals setzt der ADAC in seinem Straßenhilfsdienst einen Wagen ein, der den Transport Schwerverletzter auf einer Trage ermöglicht.

Am Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald veranstaltet der Reichsausschuss für das Volksbegehren gegen den Youngplan eine Großkundgebung.

Der erste Jahrestag der Ausrufung der Monarchie in Albanien und der Thronbesteigung von Achmed Bey Zogu, der zuvor Staats- und Ministerpräsident war, wird im Land allerorts feierlich begangen.

2.9.1929, Montag

In Genf wird die zehnte Bundesversammlung des Völkerbunds eröffnet. Die Generaldebatte über allgemein interessierende Fragen sowie zum Thema Friedenssicherung und Abrüstung dauert bis zum 11. September. Die Versammlung endet am 25. September mit der Annahme des Budgets für 1930.

3.9.1929, Dienstag

Reichskanzler Hermann Müller lässt der deutschen Delegation bei der Haager Konferenz auf einer Kabinettssitzung in Berlin seinen Dank für ihre Arbeit aussprechen.

Der Film “Ich lebe für Dich” wird im Ufa-Pavillon am Nollendorfplatz in Berlin uraufgeführt. Regisseur Wilhelm Dieterle spielt die männliche Hauptrolle.

4.9.1929, Mittwoch

Hugo Eckener kehrt mit dem Luftschiff LZ 127 von einem Weltflug nach Friedrichshafen zurück.

5.9.1929, Donnerstag

Der deutsche Bühnenbildner und Filmregisseur Paul Leni stirbt im Alter von 44 Jahren in Hollywood. Er ist vor allem durch “Das Wachsfigurenkabinett” (1924) bekanntgeworden.

Die Bauhauskünstler Wassily Kandinsky und Oscar Schlemmer werden bei einer Ausstellung des Künstlerbundes in Köln mit Staatsmedaillen ausgezeichnet.

Die Operette “Marietta” von Oscar Straus wird im Berliner Metropoltheater uraufgeführt.

Hans Albers brilliert in der Rolle als Kellner in der Revue “Zwei Krawatten” (Text: Georg Kaiser, Musik: Michael Spoliansky), die am Berliner Theater uraufgeführt wird.

Reichswirtschaftsminister Julius Curtius (DVP) würdigt in einer Rundfunkansprache das Ergebnis der Haager Konferenz.

Der französische Ministerpräsident Aristide Briand spricht sich in einer Rede vor der Völkerbundversammlung in Genf für ein einiges Europa nach einem föderativen Modell aus.

6.9.1929, Freitag

Auf das Regierungsgebäude in Lüneburg wird ein Bombenattentat verübt, bei dem Sachschaden entsteht. Die Täter werden in den Reihen des “Landvolks” vermutet.

Der moslemische Vollzugsausschuss in Jerusalem, der die in Palästina lebenden Araber vertritt, protestiert scharf gegen das Verhalten der britischen Mandatsverwaltung. Sie bevorzuge bei den Auseinandersetzungen zwischen Juden und Arabern eindeutig die jüdische Bevölkerung.

Die Gruppe Junger Schauspieler bringt am Lessing-Theater in Berlin das Stück “Cyankali” von Friedrich Wolf zur Uraufführung, das sich gegen den Abtreibungsparagraphen 218 des Strafgesetzbuches richtet.

Der kommunistische Regisseur Erwin Piscator, der 1928 mit seiner Bühne am Nollendorfplatz Pleite gegangen ist, startet am gleichen Ort einen neuen Versuch. Gezeigt wird als Uraufführung das Drama “Der Kaufmann von Berlin” von Walter Mehring.

7.9.1929, Samstag

Der Reichsausschuss der Wirtschaftspartei erklärt, er nehme so lange eine ablehnende Haltung zum Youngplan ein, bis eine Wiederbesetzung des Rheinlands nach Art. 429 und 430 des Versailler Vertrags ausgeschlossen und die Rückgabe des Saargebiets an das Deutsche Reich erreicht sei.

Die sowjetischen Gewerkschaften nehmen in einer Resolution positiv zur beschleunigten Industrialisierung des Landes Stellung und sprechen sich für scharfe Kontrollen von nichtkommunistischen Ingenieuren aus.

Der Generalsekretär des Völkerbundes, Sir Eric Drummond, legt den Grundstein für den Völkerbundpalast, der auf einen Entwurf der Architekten Henri Paul Nenot (Frankreich) und Julien Flegenheimer (Schweiz) zurückgeht.

8.9.1929, Sonntag

Box-Europameister im Schwergewicht bleibt Pierre Charles (Belgien). Er schlägt Herausforderer Franz Diener (Deutschland) im Titelkampf in Berlin durch K. o. in der zehnten Runde.

9.9.1929, Montag

Die Zuschauer können bei der Premiere des Alfred-Hitchcock-Films “Erpressung” (Blackmail) darüber entscheiden, ob er künftig in “stummer” oder “tönender” Fassung gezeigt wird. Die Mehrheit des Publikums entscheidet sich für die Stummfilmversion.

Der deutsche Außenminister Gustav Stresemann bekennt sich in einer Rede vor der Völkerbundversammlung in Genf zur Idee eines einigen Europa. Er hält es vor allem aus wirtschaftlichen Gründen für wünschenswert, dass die europäischen Staaten enger zusammenarbeiten.

10.9.1929, Dienstag

In verschiedenen schleswig-holsteinischen Städten und in Berlin werden Angehörige und Sympathisanten der Bauernbewegung “Landvolk” festgenommen, die dringend verdächtig sind, die Bombenanschläge auf kommunale Behörden und auf das Reichstagsgebäude in Berlin verübt zu haben.

11.9.1929, Mittwoch

Der deutsche Außenminister Gustav Stresemann erklärt zum Ergebnis der Haager Konferenz in einem Presseinterview: “Deutschlands Belastung ist durch den Youngplan vermindert worden … Wir sind wieder Herr im eigenen Haus.”

Der Deutsche Genossenschaftstag geht in Stuttgart zu Ende. Der Kongress hat vier Tage gedauert.

12.9.1929, Donnerstag

Im Rahmen einer Kabinettsumbildung verzichtet der italienische Ministerpräsident und Duce Benito Mussolini auf sechs der sieben Ministerämter, die er bisher neben seinem Amt als Regierungschef innegehabt hat. Mussolini bleibt Innenminister.

Der australische Ministerpräsident Stanley Melbourne Bruce teilt dem Parlament die Auflösungsorder des britischen Generalgouverneurs John Lawrence Baird Baron Stonehaven mit. Neuwahlen werden für den 12. Oktober angesetzt.

Die DKW-Motorenwerke in Zschopau geben bekannt, dass sie eine Viertelmillion Motoren produziert haben. Zur Feier des Jubiläums wird ein “Volksrad” (Motorrad) für 485 Reichsmark angeboten.

Der lettische Dichter Janis Rainis, einer der bedeutendsten Schriftsteller seines Sprachkreises, stirbt einen Tag nach seinem 64. Geburtstag in Riga.

13.9.1929, Freitag

Der spanische Diktator Miguel Primo de Rivera y Orbaneja bekundet in einem Aufruf an das Volk anlässlich des spanischen Nationalfeiertags vage Rücktrittsabsichten.

Luis Trenker spielt die Hauptrolle in dem Film “Ruf des Nordens”, der im Berliner Universum-Filmtheater uraufgeführt wird.

Der sowjetische stellvertretende Volkskommissar für Auswärtiges, Maxim M. Litwinow, erklärt sich zur Fortsetzung der unterbrochenen Verhandlungen mit der britischen Regierung bereit, in denen es um die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen geht.

Der US-amerikanische Botschafter in London, Charles G. Dawes, übermittelt der britischen Regierung die Antwort aus Washington auf die Einladung zu einer internationalen Seeabrüstungskonferenz. Der britische und der US-amerikanische Standpunkt sollen sich nach Pressemeldungen in dieser Frage angeglichen haben.

Der Budapester Militärgerichtshof spricht das Urteil in einem Spionageprozess. Der tschechische Staatsbürger Vinzenz Pecha und der Ungar Johann Toth werden der Spionage für schuldig befunden und zu fünf bzw. drei Jahren schweren Kerkers verurteilt. Die Verhaftung der beiden Spione im tschechisch-ungarischen gemeinsamen Grenzbahnhof Hidasnemeti am 28. Juni hatte in Prag Verstimmung ausgelöst.

14.9.1929, Samstag

Die britischen Besatzungstruppen beginnen mit der Räumung der Koblenzer Rheinlandzone.

In einer Rede vor dem Rat der faschistischen Partei kündigt der italienische Ministerpräsident und Duce Benito Mussolini an, er habe die Absicht, die Parteiorganisationen zugunsten der staatlichen Institutionen zurückzudrängen.

Das britische Kolonialministerium setzt im Zusammenhang mit den blutigen Auseinandersetzungen zwischen Juden und Arabern im Mandatsgebiet Palästina eine Kommission zur Untersuchung der Vorfälle ein.

Die Vollversammlung des Völkerbunds in Genf billigt einstimmig die Aufnahme der Vereinigten Staaten in den Internationalen Gerichtshof.

15.9.1929, Sonntag

Den Großen Preis von Italien, ein Automobilrennen über eine Distanz von 99 km in Monza, gewinnt der Italiener Achille Varzi auf Alfa Romeo mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 187,736 km/h vor seinem Landsmann Tazio Nuvolari auf Talbot. Der Deutsche August Momberger auf Mercedes wird Dritter.

In einem programmatischen Aufsatz, den die “Vossische Zeitung” veröffentlicht, beschreibt der sowjetische Stummfilmregisseur Sergei M. Eisenstein die Aufgabe des zukünftigen Films als Vermittlung zwischen der “Sprache der Logik” und der “Sprache der Bilder”.

Die “Vossische Zeitung” veröffentlicht einen Aufsatz des US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlers Richard Weidenhammer, in dem neuartige Formen des Handels in den USA – Kettenläden, Selbstbedienungsgeschäfte – vorgestellt werden.

Die südafrikanische Regierung beschließt, einen akkreditierten Vertreter zum Völkerbund nach Genf zu entsenden, der die südafrikanischen Interessen wahren soll.

Auf einer Tagung in Dortmund spricht sich die christlich-nationale Landvolkpartei gegen eine Beteiligung am Volksbegehren gegen den Youngplan aus.

Der Monarch des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen (später: Jugoslawien), Alexander I. Karadordevi c, unterzeichnet in Belgrad ein Gesetz, das es dem Staat erlaubt, das Vermögen von Personen einzuziehen, die wegen Hochverrats verurteilt sind.

16.9.1929, Montag

In einer Kampfabstimmung billigt der Reichstag, die Vertretung der Länder, mit nur einer Stimme Mehrheit den von der Reichsregierung und der preußischen Staatsregierung ausgehandelten Kompromiss zur Reform der Arbeitslosenversicherung.

Die katholische Bauernschaft Oberbayerns erteilt auf ihrer traditionellen Herbstparade in Tuntenhausen dem Youngplan-Volksbegehren der Rechten eine Absage.

17.9.1929, Dienstag

In Hamburg findet die Jahrestagung der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels statt.

In Berlin wird der sozialkritische Film “Blutschande” von James Bauer uraufgeführt.

18.9.1929, Mittwoch

Die sozialistische britische Regierung in London erklärt ihre Bereitschaft, bis zum Jahr 1932 ihr Völkerbundmandat über den Irak niederzulegen.

19.9.1929, Donnerstag

Das Kabinett des litauischen Ministerpräsidenten Augustin Voldemaras muss auf Wunsch des diktatorisch regierenden Staatspräsidenten Antanas Smetona zurücktreten. Voldemaras’ Nachfolger wird am 23. September Josef Tubelis. Voldemaras lehnt es ab, in der neuen Regierung den Posten des Außenministers zu übernehmen.

20.9.1929, Freitag

Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion nimmt in einer Resolution zur Reform der Arbeitslosenversicherung Stellung. Die SPD-Fraktion befürwortet eine befristete Anhebung der Beiträge und die Beseitigung nachweisbarer Missstände.

Carl Duisburg, der Direktor der I.G. Farbenindustrie, spricht sich auf der Tagung des Reichsverbands der Deutschen Industrie in Düsseldorf (bis 21.9.) für eine stärkere Eigenkapitalbildung im Deutschen Reich aus.

21.9.1929, Samstag

Das geschäftsführende Präsidialmitglied des Reichsverbands der Deutschen Industrie, Ludwig Kastl, unterstützt in einer Rede vor der Mitgliederversammlung der Organisation in Düsseldorf (seit 20.9.) die Vorstellung von Reichsaußenminister Gustav Stresemann, dass eine europäische Einigung aus wirtschaftlichen Gründen dringend geboten sei.

In der chinesischen Provinz Hupeh greift General Tschang Fat-kwei Truppen der Zentralregierung in Nanking an.

Die österreichische Regierung in Wien erörtert Pläne für eine Änderung der Verfassung, um die Rechte des Bundespräsidenten gegenüber dem Nationalrat, dem österreichischen Parlament in Wien, zu stärken.

22.9.1929, Sonntag

An einem Manöver des rechtsgerichteten paramilitärischen Verbandes Stahlhelm im rheinischen Langenberg nimmt auch Prinz August Wilhelm von Preußen teil. Es kommt wiederholt zu Schmähungen der Reichsflagge und zu Haßgesängen auf die Weimarer Demokratie.

Die Komposition “Marianische Antiplonen” von Wolfgang Fortner wird im Rahmen des Niederrheinischen Musikfests in Düsseldorf uraufgeführt.

23.9.1929, Montag

In Berlin wird die Interparlamentarische Handelskonferenz eröffnet. Bis zum 26. September beraten die Delegierten u.a. über die negativen Auswirkungen der Rationalisierung.

In Berlin werden die Vereinigten Kugellager Fabriken AG gegründet.

Der Film “Die stärkere Nacht” mit Fritz Kortner wird in Berlin uraufgeführt.

Die Zeitschrift “Neue Rundschau” beginnt mit dem Abdruck des Romans “Narziß und Goldmund” von Hermann Hesse.

24.9.1929, Dienstag

In Spanien werden die polizeilichen Bestimmungen verschärft, die Frauen vor Zudringlichkeiten auf der Straße schützen sollen. Künftig kann eine Frau, die sich auf der Straße von einem Mann belästigt fühlt, die sofortige Festnahme des Zudringlings verlangen.

Der Österreichisch-deutsche Volksbund in Wien fordert in einem Schreiben an die vier im Nationalrat, dem österreichischen Parlament, vertretenen Parteien, in Österreich lebenden Frauen und Männern deutscher Staatsangehörigkeit das Recht zur Teilnahme an österreichischen Wahlen zu erteilen.

Der 21-Jährige Italo-Amerikaner Christopher Battalino wird durch einen Punktsieg über den bisherigen Titelträger André Routis in New York Weltmeister der Profiboxer im Federgewicht.

25.9.1929, Mittwoch

Das erste größere Kontingent aus dem Rheinland abgezogener britischer Truppen, etwa 500 Mann mit Offizieren, landet in Dover.

Die “Vossische Zeitung” beginnt mit dem Vorabdruck des Romans “Bruder und Schwester” von Leonhard Frank.

Der österreichische Bundeskanzler Ernst Streer Ritter von Streeruwitz gibt nach kaum halbjähriger Amtszeit auf. Sein Nachfolger wird der Wiener Polizeipräsident Johannes Schober.

Der tschechische Präsident Tomá Garrigue Masaryk löst nach einer Regierungskrise das Parlament auf und setzt Neuwahlen für den 27. Oktober an.

26.9.1929, Donnerstag

Die drei Brüder Max, Leo und Willy Sklarek werden in Berlin wegen des Verdachts auf betrügerische Kreditgeschäfte festgenommen. Ihnen wird ferner Bestechung von Berliner Beamten und Politikern vorgeworfen.

Das Komitee für die Vorbereitung der deutsch-französischen Saarverhandlungen trifft in Paris zu seiner ersten Sitzung zusammen, um die Prozedur seines weiteren Vorgehens festzulegen. Das Saargebiet steht unter Verwaltung des Völkerbunds. Das Deutsche Reich strebt eine Vorverlegung des ursprünglich auf 1935 festgesetzten Termins für eine Volksabstimmung über den weiteren Verbleib an.

Der Nationalrat, das österreichische Parlament, wählt mit 84 gegen 69 (sozialdemokratische) Stimmen den bisherigen Wiener Polizeipräsidenten Johannes Schober zum Bundeskanzler und bestätigt die von ihm vorgeschlagene Regierungsmannschaft.

Die Fusion der Deutschen Bank und der Disconto-Gesellschaft ist der bislang größte Bankenzusammenschluss in der deutschen Geschichte.

27.9.1929, Freitag

Der “Gauleiter” der NSDAP für Berlin-Brandenburg, Joseph Goebbels, kündigt in einer Rede im Berliner Sportpalast an, das Volksbegehren gegen den Youngplan sei nur der Anfang einer “Volksrevolution”.

Tadellose Männer aus allen Schichten der Bevölkerung gehören der Heimwehr an in der Erkenntnis, dass viele öffentliche Einrichtungen dringend abänderungsbedürftig sind” – so die Einschätzung des österreichischen Bundeskanzlers Johannes Schober in seiner Regierungserklärung.

Mit drei französischen Kurzopern “Spanische Stunde” von Maurice Ravel, “Der arme Matrose” von Darius Milhaud und “Angélique” von Jacques Ibert, gibt Gustaf Gründgens in Berlin sein Debüt als Opernregisseur. Die Kritik äußert sich anerkennend.

28.9.1929, Samstag

Der griechische Ministerpräsident Eleftherios Wenizelos trifft zu einem Besuch in Berlin ein.

Das Stück “Präsidentenwahl” von Max Halbe wird am Münchner Residenztheater uraufgeführt.

Das sowjetische Volkskommissariat des Äußeren unterrichtet das deutsche Auswärtige Amt, das die chinesische Regierung vertritt, von der Erschießung dreier sowjetischer Eisenbahnbeamter am 23. September in der chinesischen Stadt Tsitsikar.

Der Reichsausschuss für das Volksbegehren gegen den Youngplan, der vom DNVP-Vorsitzenden Alfred Hugenberg geleitet wird, reicht beim Reichsinnenministerium den Zulassungsantrag für das Volksbegehren ein.

Der wegen eines Fememords innerhalb rechtsgerichteter Verbände angeklagte ehemalige Oberleutnant Richard Eckermann wird in Schwerin der fahrlässigen Tötung für schuldig befunden, aufgrund eines Amnestiegesetzes von 1928 jedoch außer Verfolgung gesetzt.

29.9.1929, Sonntag

Der ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Basil III. Georgiades, stirbt im Alter von 93 Jahren. Seine Leiche wird bis zur Beerdigung im vollen Ornat sitzend ausgestellt.

Die Aufmärsche der rechtsgerichteten paramilitärischen Heimwehren in der Umgebung von Wien verlaufen ohne die befürchteten größeren Zwischenfälle.

Der österreichische Wissenschaftler Richard Zsigmondy, Träger des Chemienobelpreises 1925, stirbt im Alter von 64 Jahren in Göttingen.

30.9.1929, Montag

Trotz verfassungsrechtlicher Bedenken lässt Reichsinnenminister Carl Severing (SPD) das von der Rechten beantragte Volksbegehren gegen den Youngplan zu. Die Einschreibefrist wird auf den 16. bis 29. Oktober festgesetzt.

Der Reichstag nimmt die Debatte über die anstehende Reform der Arbeitslosenversicherung auf, die wegen des Defizits der Versicherungsanstalt notwendig geworden ist.

Der Reichsausschuss der rechtsliberalen Deutschen Volkspartei (DVP) spricht sich gegen das Volksbegehren gegen den Youngplan aus.

Die Mitgliederzahl des faschistischen Großrats in Italien wird, wie der italienische Ministerpräsident und Duce Benito Mussolini am 14. September angekündigt hat, von 50 auf 20 herabgesetzt.

In der Nähe von Frankfurt am Main führt Fritz von Opel einen Flugversuch mit einem raketenangetriebenen Flugzeug durch.