Was geschah im September 1935

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Wetterstationen September 1935

1.9.1935, Sonntag

Karl Löwenheim, Autor der sozialistischen Widerstandsschrift “Neu-Beginnen” und Mitbegründer der gleichnamigen Widerstandsgruppe, verlässt das Deutsche Reich. In den letzten Wochen hat die Gestapo zahlreiche Mitglieder der Gruppe verhaftet, die 1931 aus der Arbeiterjugend hervorgegangen war.

In allen katholischen Kirchen im Deutschen Reich wird der von der Fuldaer Bischofskonferenz am 20. August beschlossene Hirtenbrief verlesen, der einen Kampfaufruf gegen die Kirchenpolitik des Regimes darstellt.

Hans Stuck gewinnt den Großen Bergpreis von Deutschland am Schauinsland bei Freiburg.

Auf Anweisung von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels werden nichtarische Kunst- und Antiquitätenhändler aus der Reichskulturkammer ausgeschlossen. Prinzipiell sollen Nichtarier vom Handel mit Kulturgütern ausgeschlossen werden. Allein in Berlin sind 80% der Kunsthändler von dieser Verfügung betroffen.

In Prag beginnt das 13. Musikfest der Internationalen Gesellschaft für zeitgenössische Musik, das bis zum 8. September dauert.

2.9.1935, Montag

Der Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, Bernhard Rust, verfügt, dass für untere Schulklassen nur noch solche Hitler-Bilder angeschafft werden sollen, “die den Führer zusammen mit Kindern zeigen”.

Weil er das von ihm befehligte brennende Schiff verließ, “bevor es noch hoffnungslos verloren war”, wird in der sowjetischen Stadt Baku ein Kapitän zum Tode verurteilt. 16 weitere Offiziere und Matrosen erhalten langjährige Haftstrafen.

Der deutsche Film “Pygmalion” nach dem gleichnamigen Bühnenstück von George Bernhard Shaw wird in Berlin uraufgeführt. Unter der Regie von Erich Engel spielen u.a. Jenny Jugo und Gustaf Gründgens.

3.9.1935, Dienstag

Malcolm Campbell stellt auf einem Salzsee bei Bonneville (US-Bundesstaat Utah) mit 484,609 km/h einen Geschwindigkeitsrekord auf.

Ein Hurrikan im US-Bundesstaat Florida fordert 200 Menschenleben und richtet großen Sachschaden an.

Nach zweiwöchiger Dauer geht in Luzern der 19. Zionistenkongress zu Ende. In einer Schlussresolution zur Lage der Juden im Deutschen Reich wendet sich der Kongress gegen die systematische Entrechtung der Juden und die Diffamierung des jüdischen Volkes und seiner geistigen und ethischen Kulturleistung. In der Resolution wird an alle Völker appelliert, dem jüdischen Volk im Kampf um die Wahrung seiner Existenz zu helfen.

Der Leiter der Deutschen Arbeitsfront (DAF), Robert Ley, warnt in einem Rundschreiben vor “Vereinsmeierei” in den Betrieben. Kegelklubs und Gesangvereine würden als Tarnung benutzt, um “Zersetzungsarbeit” zu leisten.

Der Präsident der Reichsrundfunkkammer, Horst Dreßler-Andreß, gibt die Einrichtung der “Reichsfachschaft Rundfunk” bekannt, der alle Mitarbeiter des deutschen Rundfunks beitreten müssen. Die Mitgliedschaft ist Voraussetzung für das Recht der Berufsausübung.

Auf der Tagung der nationalsozialistischen Ortsgruppenleiter des Gaues Groß- Berlin bagatellisiert Propagandaminister Joseph Goebbels die Lebensmittelknappheit im Land und wendet sich gegen den “lächerlichen Kleinmut der wenigen Miesepeter von heute”. “Wenn uns vor zehn Jahren jemand erklärt hätte: 1935 habt Ihr die Macht, aber im Sommer wird für einige Zeit das Schweinefleisch knapp sein, dann wäre uns allen das sehr recht gewesen.”

4.9.1935, Mittwoch

In einer Denkschrift an den Völkerbund in Genf rechtfertigt die italienische Regierung ihre aggressive Haltung gegenüber Abessinien: Der ostafrikanische Staat lasse die innere Organisation vermissen, die für ein Mitglied der Gemeinschaft zivilisierter Nationen unentbehrlich sei.

5.9.1935, Donnerstag

Bei den Herbstmanövern der französischen Streitkräfte in der Provinz Champagne sterben zehn Soldaten bei einem Flugzeugabsturz. Der Absturz ereignet sich, nachdem im dichten Nebel zwei Militärmaschinen zusammengestoßen waren.

6.9.1935, Freitag

Die Genossenschaft der deutschen Bühnenangehörigen”, der “Deutsche Bühnenverein” und der deutsche “Chorsängerverband und Tänzerbund” werden aufgelöst. An ihre Stelle tritt die Fachschaft “Bühne in der Reichstheaterkammer”.

Adolf Hitler beruft den Gauleiter in Franken und Herausgeber des antisemitischen Kampfblattes “Der Stürmer”, Julius Streicher, zum Mitglied der Akademie für Deutsches Recht. Ziel der Akademie ist die Erarbeitung von Grundlagen für eine nationalsozialistische Gesetzgebung.

Der Präsident der Reichspressekammer Max Amann, verbietet den öffentlichen Verkauf von Zeitungen und Zeitschriften, die sich an die jüdische Bevölkerung im Reich richten.

Die “Deutsche Burschenschaft” und der “Kösener S. C.” werden aus der Gemeinschaft der studentischen Verbände ausgeschlossen, da sie eigene politische Ziele nicht aufgeben und den Arierparagraphen nicht anerkennen wollen.

Die deutsche Film-Komödie “Ein idealer Gatte” nach dem gleichnamigen Drama von Oskar Wilde wird in Berlin uraufgeführt. Unter der Regie von Herbert Selpin spielen u.a. Karl Ludwig Diehl, Brigitte Helm und Paul Henckels.

7.9.1935, Samstag

Peter Raabe, Präsident der Reichsmusikkammer, veröffentlicht im Bosse Verlag das nationalsozialistische Standardwerk “Die Musik im 3. Reich”.

Der Schweizer M. Schreiber überquert als erster Drachenflieger die Alpen. Vom Berner Oberland aus fliegt Schreiber über die Jungfraugruppe und den Simplonpassund landet nach sechs Stunden im italienischen Bellinzona.

Zum Ende der Herbstmanöver in Österreich erklärt der Staatssekretär für die Landesverteidigung, General Wilhelm Zehner, die österreichische Armee sei vorbereitet, schlagfertig und auch imstande, Österreich gegen jeden Feind zu verteidigen. Sie werde beweisen, dass Österreich in Zukunft unabhängig bleiben will und kann.

8.9.1935, Sonntag

In Polen beginnen die bis zum 15. September dauernden Wahlen zum Sejm, dem polnischen Parlament. Die bisherige Regierung geht als Sieger aus der Wahl hervor, die Minderheiten (Weißrussen, Tschechen, Deutsche und Litauer) erhalten keine Vertretung.

Otto Wels, nach der Emigration 1933 Leiter des Exilvorstandes der SPD in Prag und Paris, wendet sich im “Neuen Vorwärts” gegen die nationalsozialistische Rassenhetze. Mit dem üblen Treiben der Judenhetze habe das deutsche Volk nichts zu tun.

In Tokio läuft der Japaner Yasuo Ikenaka die Marathonstrecke in der inoffiziellen Weltrekordzeit von 2:26:44 h.

Der Deutsche Hans Stuck gewinnt den Großen Preis von Italien für Rennwagen auf Auto-Union vor dem Italiener Tazio Nuvolari (Alfa Romeo) und dem Deutschen Bernd Rosenmeyer (Auto-Union).

Huey P. Long, Senator des US-Bundesstaates Louisiana, wird in Baton Rouge von Carl Weiss, einem Gegner seiner Politik, erschossen.

9.9.1935, Montag

Nach den Beschlüssen der amtlichen deutschen Strafrechtkommission soll die “Ächtung” die schwerste Strafe im künftigen Strafrecht des Deutschen Reichs sein. Bei besonders schweren Vergehen ist die “Ächtung” gegen einen Verbrecher zu verhängen. Sie ist mit dem Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit und der Geschäftsfähigkeit, sowie der Todesstrafe verbunden.

Der tschechoslowakische Außenminister Eduard Bene wird zum Präsidenten des Völkerbundes gewählt.

Bei einem internationalen Schwimm-Wettkampf in Kopenhagen verbessert die Niederländerin Willie den Ouden ihren Weltrekord über 200 m Freistil von 2:28,6 min auf 2:25,3 min. Drei Tage später stellt sie in Aarhuis einen Weltrekord über 300 m Freistil in 3:50,4 min auf.

10.9.1935, Dienstag

In Nürnberg beginnt der 7. Reichsparteitag der NSDAP, der “Parteitag der Freiheit”.

Reichsfinanzminister Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk beziffert die langfristigen Reichsschulden mit 23,8 Mrd. RM. Kurzfristig seien 4,7 Mrd. RM an Verbindlichkeiten abzutragen.

11.9.1935, Mittwoch

In Nürnberg legt Hitler den Grundstein zum Bau der Kongresshalle auf dem Parteitagsgelände. Die neue Halle soll 60 000 Menschen Platz bieten.

Die NSDAP stiftet auf dem Reichsparteitag einen Preis für Kunst und Wissenschaft. Die ersten Preisträger sind der NS-Dichter Hanns Johst und der Rasseforscher Hans F. K. Günther.

12.9.1935, Donnerstag

Auf dem Nürnberger Parteitag der NSDAP hält der NS-Chefideologe Alfred Rosenberg eine Rede, in der er den Nationalsozialismus zum “Bollwerk gegen den Kommunismus” stilisiert.

Der in London tagende Weltkongress der Ostjuden ruft in einer Resolution zum weltweiten Boykott von deutschen Waren auf.

13.9.1935, Freitag

Um dem Mangel an Butter, Schmalz und Margarine im Deutschen Reich entgegenzuwirken, wird die Verarbeitung von Walfischtran gesteigert. Das Pfund Walfett kostet 78 Rpf.

Bei einem Leichtathletikwettkampf in New York läuft der US-Amerikaner Jesse Owens mit 22,6 sec einen Weltrekord über 200-m-Hürden.

14.9.1935, Samstag

Vor 54 000 Hitlerjungen formuliert Hitler im Nürnberger Stadion das Ideal der deutschen Jugend: “Flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl.”

15.9.1935, Sonntag

Auf dem Reichsparteitag der NSDAP in Nürnberg werden das “Reichsflaggengesetz”, das “Reichsbürgergesetz” und das “Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre” vor dem Reichstag verkündet.

In Breslau schlägt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft Polen 1:0.

16.9.1935, Montag

Eine desillusionierende Bestandsaufnahme der internationalen politischen Situation macht der irische Präsident Eamon de Valera in einer Rede vor dem Völkerbund in Genf. Zynismus und Brutalität – so Valera – beherrschten die Beziehungen zwischen den Staaten, und nur Dummköpfe hielten sich an die Werte, die zur Gründung des Völkerbundes geführt hätten.

Die Londoner Versicherungsunternehmen geben bekannt, dass sie aufgrund der internationalen Lage Kriegsrisiken nur noch bei eigens abgeschlossenen Zusatzversicherungen abdecken würden.

Zum Abschluss des Nürnberger Reichsparteitages nimmt Hitler eine Parade aller Waffengattungen der Wehrmacht ab und stilisiert in seiner Schlussrede NSDAP und Wehrmacht zu “krönenden Erscheinungen” der deutschen Geschichte.

Der Transport italienischer Truppen nach Ostafrika geht weiter: 14 000 Soldaten werden per Schiff nach Eritrea an die Grenze zu Abessinien gebracht. Die britische Regierung verstärkt daraufhin ihre Flotte im Mittelmeer und im Roten Meer.

Neun belgische Offiziere treffen als Militärberater für die Armee Abessiniens in der Hauptstadt Addis Abeba ein. Schwedische und französische Offiziere folgen in der nächsten Woche. Das Verteidigungsministerium in Brüssel versichert klar, dass die belgischen Soldaten ohne offizielle Erlaubnis handeln.

Im Regierungsbezirk Münster löst die Gestapo die katholischen Arbeitervereine wegen “staatsfeindlicher Betätigung” auf.

17.9.1935, Dienstag

Manuel Luis Quezón y Molina wird zum ersten Präsidenten der Philippinen gewählt, nachdem das Land den Status eines Commenwealth erhalten hat. Bislang waren die Philippinen eine Kolonie der USA.

Ein “Museum auf Rädern” beginnt in Paris seine Tour durch Frankreich. In Eisenbahnwaggons arrangiert, soll die Ausstellung zeitgenössischer französischer Kunst die materiellen Schwierigkeiten der Maler überwinden helfen.

In München wird der deutsch-französische Film “Varieté” uraufgeführt. Unter der Regie von R. Nicolaus Farkas spielen u.a. Hans Albers und Attila Hörbiger.

18.9.1935, Mittwoch

Die Schlichtungskommission des Völkerbundes zum abessinisch-italienischen Konflikt, das sog. Fünferkomitee, gibt seine Vorschläge bekannt. Sie sehen eine internationale Kontrolle strategisch wichtiger Orte in Abessinien vor. Die italienische Regierung lehnt die Vorschläge am 21. September ab.

Auf die energische Intervention der schweizerischen Regierung hin lassen die deutschen Behörden den von der Gestapo ins Deutsche Reich verschleppten Journalisten Berthold Jacob wieder in die Schweiz zurückkehren.

Zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit beschließt die französische Regierung in Paris, 900 Mio. Franc (148 Mio. RM) für öffentliche Arbeiten, vor allem im Straßenbau, zur Verfügung zu stellen.

Ein Erlass von Reichserziehungsminister Bernard Rust bestimmt den Samstag im Deutschen Reich zum “Staatsjugendtag”. An diesem unterrichtsfreien Tag sollen alle Schüler eine “Staatspolitische Erziehung” erhalten.

19.9.1935, Donnerstag

Der französische Postminister Georges Mandel gibt in Paris bekannt, dass mit der Einrichtung eines 10-kW-Senders auf der Spitze des Eiffelturmes ein regelmäßiges Fernsehprogramm für die Pariser Region begonnen wird.

Der Zusammenhang zwischen der weltweiten Landwirtschaftskrise und dem schlechten Gesundheitszustand groser Teile der Bevölkerung auch wohlhabender Länder ist Gegenstand von Beratungen eines Völkerbundausschusses in Genf. Sein Vorschlag: Statt hohe Subventionen für die Landwirtschaft zu zahlen, sollten die Regierungen besser den Konsum gesunder Lebensmittel fördern.

20.9.1935, Freitag

Ein Erlass des Propagandaministeriums in Berlin schreibt vor, dass am 13. Oktober, am 10. November und am 8. Dezember im Deutschen Reich “Eintopfsonntage” stattfinden.

In Berlin wird der deutsche Film “Das Einmaleins der Liebe” mit Luise Ullrich und Paul Hörbiger in den Hauptrollen uraufgeführt. Carl Hoffmann führt Regie.

21.9.1935, Samstag

Das britische Außenministerium in London erklärt die Flottenkonzentration Großbritanniens im Mittelmeer mit der wochenlangen italienischen Pressekampagne gegen das britische Königreich.

22.9.1935, Sonntag

In der sowjetischen Roten Armee werden die Dienstgrade, die nach der Oktoberrevolution 1917 abgeschafft worden waren, wieder eingeführt. Die Abschaffung sollte seinerzeit den Sturz zaristischer Hierarchien sinnfällig machen.

Der “Volksbund für das Deutschtum im Auslande” führt einen reichsweiten “Tag des deutschen Volkstums” durch. Die Reden auf der Hauptveranstaltung in Berlin befassen sich vor allem mit den “Leiden der Memeldeutschen” in Litauen.

Um Zelluloseimporte einzuschränken, verfügt die italienische Regierung in Rom, den Umfang der Tageszeitungen zu verringern. Pro Ausgabe sind höchstens sechs, bei Sonntagszeitungen acht Seiten zugelassen.

Der Deutsche Rudolf Caracciola gewinnt auf Mercedes den großen Preis von Spanien und sichert sich den Europameister-Titel.

23.9.1935, Montag

In 22 Bundesstaaten der USA treten 400 000 Braunkohlenarbeiter in einen Lohnstreik. Nach der teilweisen Erfüllung ihrer Forderungen wird der Ausstand am 26. September beendet.

In Berlin beginnt die dritte Bekenntnissynode der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union. Sie wendet sich gegen die von den Nationalsozialisten verordnete Reichskirchenregierung.

Für das Winterhilfswerk werden gesetzlich Mindestspendensätze festgelegt. Deutsche Lohn- und Gehaltsempfänger müssen 10% der Lohnsteuer als Spende abführen.

24.9.1935, Dienstag

Die Reichsregierung in Berlin erlässt das “Gesetz zur Sicherung der Deutschen Evangelischen Kirche”. Der neuernannte Kirchenminister Hanns Kerrl wird ermächtigt, “zur Wiederherstellung geordneter Zustände in der Deutschen Evangelischen Kirche” rechtsverbindliche Verordnungen zu erlassen.

Die Reichsschrifttumskammer löst einzelne Schriftstellerverbände, z. B. den “Reichsverband deutscher Schriftsteller”, auf und reiht deren Mitglieder direkt in die dem Propagandaministerium unterstellte Kammer ein.

Im New Yorker Yankee-Stadion schlägt der US-Amerikaner Joe Louis den ehemaligen Boxweltmeister aller Klassen, Max Baer, in der vierten Runde k. o.

25.9.1935, Mittwoch

Unter Aufsicht des Wissenschaftsministeriums wird das “Reichsinstitut für die Geschichte des neuen Deutschlands” gegründet. Leiter ist der bisherige Referent des NS-Chefideologen Alfred Rosenberg, Walter Frank.

Im New Yorker Martin Beck Theatre wird Maxwell Andersons Drama “Winterset” uraufgeführt. Es wurde angeregt durch die Justizaffäre um Niccolo Sacco und Bartolomeo Vanzetti. Die Anarchisten waren 1927 nach einem umstrittenen Indizienprozess wegen Mordes in den USA hingerichtet worden.

26.9.1935, Donnerstag

In Weimar wird der deutsche Film “Wenn die Musik nicht wär” uraufgeführt. Unter der Regie von Carmine Gallone spielen u.a. Paul Hörbiger und Hubert von Meyerinck.

Aufgrund einer Verordnung der sowjetischen Regierung in Moskau werden in der UdSSR Lebensmittelkarten für Fleisch, Fisch und andere Grundnahrungsmittel abgeschafft. Dadurch erhöhen sich die Preise der bislang rationierten Lebensmittel.

Die Völkerbundsversammlung in Genf kündigt nicht näher definierte Sanktionen an, falls Italien einen Krieg gegen Abessinien beginnen sollte.

Im Pariser Hotel “Lutetia” beraten Kommunisten, Sozialdemokraten und Vertreter der bürgerlichen Opposition über eine deutsche Volksfront gegen das Hitler-Regime.

27.9.1935, Freitag

In Kiel wird der erste deutsche U-Boot-Verband der neuen Flotte, die “Unterseebootflottille Weddingen”, in Dienst gestellt.

Die 1922 in einen sozialistischen und einen kommunistischen Flügel gespaltene französische Gewerkschaftsbewegung konstituiert in Paris ihre Wiedervereinigung zur Einheitsgewerkschaft Conféderation Générale du Travail (CGT). Der Schritt steht im Zusammenhang mit der Bildung einer Einheitsfront in Frankreich.

Auf der neuen Autobahn bei Frankfurt am Main stellt der Münchner Ernst Henne einen Geschwindigkeitsweltrekord für Motorräder auf.

28.9.1935, Samstag

Das Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda verbietet den deutschen Zeitungen in einer Presseanweisung, weiter über das Einsturzunglück beim Bau einer U-Bahnlinie in Berlin zu berichten.

29.9.1935, Sonntag

Bei den Landtagswahlen im Memelgebiet erhält die deutsche Einheitsliste 81% der Stimmen. Die Wahlen waren Gegenstand heftiger Kontroversen zwischen Litauen und dem Deutschen Reich, das die Rechte der deutschen Minderheit in Litauen gefährdet sieht.

Der deutsche Rennfahrer Bernd Rosemeyer gewinnt vor 200 000 Zuschauern auf Auto-Union den Großen Preis der Tschechoslowakei in Brünn.

30.9.1935, Montag

Reichsinnenminister Wilhelm Frick ordnet in einem Brief an alle Obersten Behörden an, alle Beamten zu entlassen, die von drei oder vier “volljüdischen” Großeltern abstammen.

Nachdem bereits am vorhergehenden Samstag Versorgungsschwierigkeiten auftraten, ist heute im Deutschen Reich praktisch keine Butter, Margarine oder Schweineschmalz zu erhalten.

In Boston wird George Gershwins Oper “Porgy and Bess” uraufgeführt.