Was geschah im September 1966

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1.9.1966, Donnerstag

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Sithu U Thant, erklärt seinen Verzicht auf eine zweite fünfjährige Amtszeit. Er begründet seine Entscheidung mit der Unfähigkeit der Vereinten Nationen, im Vietnamkonflikt eine Lösung zu finden.

Während einer Skandinavienreise, die ihn nach Norwegen und Schweden führt, gibt Bundeskanzler Ludwig Erhard in Oslo eine Pressekonferenz. Zur Überraschung politischer Beobachter erteilt er bei dieser Gelegenheit einer politischen Integration der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) eine Absage.

Kurz nach Mitternacht kommen beim schwersten zivilen Flugzeugunglück, das sich bislang in Jugoslawien ereignet hat, 95 Menschen ums Leben. Aus dem Wrack der britischen Verkehrsmaschine, die in der Nähe von Ljubljana abstürzt, können 22 Menschen lebend geborgen werden.

2.9.1966, Freitag

Zum Nationalfeiertag Nordvietnams sichern die Sowjetunion und China Hanoi verstärkte Hilfe zu. Ein gemeinsames Vorgehen lehnt die chinesische Seite allerdings ab.

Am dritten Tag der Leichtathletik-Europameisterschaften in Budapest feiern deutsche Zehnkämpfer einen großen Sieg. Graf Werner von Moltke (Mainz), Jörg Mattheis (Mainz), Horst Beyer (Wolfsburg) und Max Klauss (Chemnitz) belegen die ersten vier Plätze.

Aus der Hand von Verteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel (CDU) erhält Generalleutnant Johannes Steinhoff seine Ernennungsurkunde als neuer Generalinspekteur der Luftwaffe. Die vordringlichste Aufgabe des neuen Inspekteurs ist die Lösung des “Starfighter-Problems”.

3.9.1966, Samstag

Die sowjetische Regierung übermittelt dem türkischen Ministerpräsidenten Suleyman Demirel eine Note, in der sie gegen das geplante Einlaufen eines US-Kriegsschiffes ins Schwarze Meer protestiert. Moskau bezeichnet diesen Vorgang wegen der zu hohen Feuerkraft der “William V. Pratt” als einen Verstoß gegen die “Konvention über das Regime der Schwarzmeerengen”.

Eine Gruppe von 100 schwarzen Aktivisten der Bürgerrechtsbewegung trifft sich in Washington, um eine Reihe von Resolutionen zu verabschieden. So wollen sie u.a. eine eigene politische Partei gründen und bei Wahlen nur Schwarzen ihr Vertrauen schenken. Sechs weiße Bürgerrechtler werden aus dem Saal verwiesen.

Landwirtschaftsminister Hermann Höcherl (CSU) beendet den ersten offiziellen Besuch eines Bundesministers in Island. Bei der fünftägigen Visite kamen Fragen der Fischereiwirtschaft und des Luftverkehrs zur Sprache.

4.9.1966, Sonntag

Nach dreitägiger Dauer beendet “Amnesty International” in Kopenhagen seine Jahreskonferenz, an der 2500 Delegierte aus 17 Ländern teilnahmen. Ein Gutachten der Menschenrechtsorganisation stellt fest, dass in der DDR zwischen 6000 und 8000 politische Gefangene inhaftiert sind.

Auf der Leipziger Buchmesse wird die Volksrepublik China vom Leipziger Börsenverein aufgefordert, ihre Bücher zurückzuziehen. Der Messestand wird von den Chinesen daraufhin geräumt. Hintergrund ist die ablehnende Haltung des Zentralkomitees der SED gegenüber der chinesischen “Kulturrevolution”.

5.9.1966, Montag

Als erstes Mitglied einer Bundesregierung stattet Bundeswirtschaftsminister Kurt Schmücker (CDU) Rumänien einen dreitägigen Besuch ab.

Der britische Premierminister Harold Wilson setzt sich am Eröffnungstag der Gewerkschaftskonferenz in Blackpool für die Annahme eines sechsmonatigen Lohnstopps ein. In seinem Bemühen um die Beseitigung des Zahlungsbilanzdefizits hoffe er auf die Mitarbeit der Gewerkschaften.

Im südenglischen Farnsborough findet die 25. britische Luftfahrtschau statt. Erstmals dürfen auch ausländische Flugzeuge ausgestellt werden, sofern sie von britischen Motoren angetrieben werden.

170 Wissenschaftler aus 27 Ländern nehmen am sechsten Internationalen Hegel-Kongress in Prag teil, der bis zum 11. September dauert. Das Thema des Kongresses, der zum ersten Mal in ein osteuropäisches Land verlegt wurde, ist die Rechtsphilosophie Hegels.

6.9.1966, Dienstag

Im Parlament in Kapstadt fällt der südafrikanische Premier Hendrik Frensch Verwoerd einem Attentat zum Opfer. Der Apartheid-Vertreter Verwoerd wird mit mehreren Messerstichen getötet.

Die Bundesregierung will sich bei den Verbündeten in der NATO dafür einsetzen, das “Röhrenembargo” gegen die Sowjetunion zu lockern. Der NATO-Rat hatte im November 1962 beschlossen, keine Großrohre über 19 Zoll in die UdSSR zu liefern, um den Bau von Öl-Pipelines zu behindern.

7.9.1966, Mittwoch

Um die Fehlbeträge im Haushalt 1966, die derzeit auf annähernd 7 Mrd. DM veranschlagt werden, zu decken, beschließt das Bundeskabinett, bei fast allen Einzelplänen des laufenden Haushalts insgesamt 1,1 Mrd. DM einzusparen.

Die französische Regierung fasst den Beschluss, ihre Zahlungen für fast alle militärischen Tätigkeiten der NATO mit Beginn des nächsten Jahres einzustellen.

Zum 15-Jährigen Bestehen des Bundesverfassungsgerichts (BVG) würdigt die Bundesregierung das Gericht als “Eckpfeiler der freiheitlichen Verfassungsordnung”. 16 500 Verfahren waren beim BVG bisher anhängig, davon 90% Verfassungsbeschwerden.

8.9.1966, Donnerstag

In der parteiamtlichen “Pekinger Volkszeitung” kommt es zu scharfen Ausfällen gegen die Sowjetunion und die USA. Die sowjetischen Führer, die “Termiten der Arbeiterklasse”, seien Hauptkomplizen der “US-Raubmörder in Vietnam”.

Das Düsseldorfer Wirtschaftsministerium gibt bekannt, dass seit Beginn der Kohlekrise im Jahr 1958 in Nordrhein-Westfalen 36 Steinkohlezechen stillgelegt wurden. Dadurch gingen insgesamt 71 633 Arbeitsplätze verloren.

9.9.1966, Freitag

Aus Protest gegen die Wahlen zur Verfassunggebenden Nationalversammlung in Südvietnam und gegen die amerikafreundliche Regierung Nguyên Cao Ky treten die Buddhisten des Landes in einen dreitägigen Hungerstreik.

Die Alliierte Stadtkommandantur unterrichtet den Regierenden Bürgermeister Berlins Heinrich Albertz (SPD) von einer geplanten Verstärkung des Streifendienstes entlang der Mauer. Die zunehmende Zahl von Zwischenfällen, bei denen Schüsse auf Flüchtlinge abgegeben wurden, machten diese Maßnahme notwendig.

10.9.1966, Samstag

In Moskau wird anlässlich der Internationalen Ausstellung “Interorgtechnika-66” ein “Tag der Bundesrepublik Deutschland” veranstaltet. Ziel ist eine Verbesserung des Warenaustausches. Mit einem Handelsvolumen von 1,7 Mrd. DM (1965) ist die Sowjetunion der größte Handelspartner der Bundesrepublik in Osteuropa.

Der deutsche Box-Europameister Karl Mildenberger unterliegt dem Weltmeister im Schwergewicht Cassius Clay vor 30 000 Zuschauern im Frankfurter Waldstadion. In der 12. Runde nimmt der Ringrichter den Deutschen wegen Verteidigungsunfähigkeit aus dem Kampf.

11.9.1966, Sonntag

An den von den USA gewünschten Wahlen zur Verfassunggebenden Nationalversammlung in Südvietnam nehmen 75% der eingetragenen Wahlberechtigten teil. Die Höhe der Wahlbeteiligung gilt als Gradmesser für die Akzeptanz der Regierung Nguyên Cao Ky.

Zwei Ehepaaren und einem dreijährigen Kind gelingt in einer gepanzerten Planierraupe im Berliner Ortsteil Staaken die Flucht in den Westteil der Stadt.

Maria Weber, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes, übt in Regensburg scharfe Kritik an der Praxis vieler Arbeitgeber, bei der Einstellung weiblicher Arbeitnehmer Fragen zu stellen, die in die Intimsphäre eindringen.

12.9.1966, Montag

Aus Protest gegen das Hissen der Berliner Flagge auf der Internationalen Messe im tschechischen Brünn schließt das Bundeswirtschaftsministerium seinen offiziellen Informationsstand. Der Flaggenstreit steht im Zusammenhang mit der “Dreistaatentheorie”.

Das Bonner Gesundheitsministerium dementiert Gerüchte, denen zufolge in der Bundesrepublik die Droge LSD zunehmend missbraucht wird. Das Ministerium hat inzwischen ein Verfahren eingeleitet, um LSD dem Betäubungsmittelgesetz zu unterwerfen.

Die UdSSR gewährt dem US-Amerikaner Harold M. Koch politisches Asyl. Der frühere Pfarrer stellt seine Auswanderung als Aktion “gegen die verbrecherischen Aggressionen der USA in Vietnam” dar.

Der SPD-Vorsitzende Willy Brandt äußert sich in Bonn zum künftigen Kurs seiner Partei. Die Sozialdemokraten wollen sich einer Zusammenarbeit mit der Regierung nicht verschließen, sofern dies im Interesse des Volkes sei. “Lückenbüßer” möchte die Sozialdemokratie jedoch nicht sein.

13.9.1966, Dienstag

Zum Nachfolger des ermordeten südafrikanischen Ministerpräsidenten Hendrik Frensch Verwoerd wird in Kapstadt der bisherige Justizminister Balthazar Johannes Vorster gewählt.

Der neue Inspekteur der Bundesluftwaffe, Generalleutnant Johannes Steinhoff, gibt die volle Wiederaufnahme der im Juli unter dem Eindruck der gehäuften Starfighter-Abstürze eingeschränkten Tief- und Nachtflüge bekannt.

14.9.1966, Mittwoch

Der Deutsche Bundestag in Bonn debattiert das geplante sog. Stabilitätsgesetz, mit dem Wirtschaft und Währung vor einer Krise bewahrt werden sollen. Bundeskanzler Ludwig Erhard (CDU) und Wirtschaftsminister Kurt Schmücker (CDU) richten an die SPD einen dringenden Appell zur Mitarbeit.

Beim 15. bemannten Raumflug der USA erreicht die Raumkapsel Gemini 11 einen Höhenrekord. Die “Apogäumshöhe” (erdfernster Punkt der Umlaufbahn) beträgt 1372 km.

In der Nordsee verunglückt das Schul-U-Boot “Hai” der Bundesmarine. 19 Besatzungsmitglieder kommen ums Leben, lediglich ein Matrose überlebt.

15.9.1966, Donnerstag

Im nordenglischen Hafen Barrow-in-Furness läuft das erste britische Polaris-U-Boot vom Stapel. Die “Resolution” ist atomgetrieben und verfügt über Nuklearsprengköpfe.

Ludger Westrick, Chef des Bundeskanzleramtes, erklärt nach heftigen Angriffen aus der CDU/CSU-Bundestagsfraktion seinen Rücktritt. Er will damit den in Bedrängnis geratenen Bundeskanzler Ludwig Erhard entlasten.

16.9.1966, Freitag

In Frankfurt am Main verkündet das Schwurgericht die Urteile im zweiten “Auschwitz-Prozess”. Es verhängt in zwei Fällen Freiheitsstrafen und einmal lebenslänglich.

Das Bundesverteidigungsministerium gibt den erneuten Absturz eines Kampfflugzeugs vom Typ “Starfighter” bekannt. Seit der Einführung dieser Maschine im Jahr 1961 hat die Bundesluftwaffe bereits 63 “Starfighter” verloren. Dabei kamen 35 Piloten ums Leben.

Mit der Welturaufführung von Samuel Barbers “Antonius und Cleopatra” in der Inszenierung von Franco Zeffirelli wird in New York die “neue Met” eröffnet.

17.9.1966, Samstag

Der Fraktionsvorsitzende der CDU im Bundestag, Rainer Barzel, erklärt, durch den Rücktritt von Kanzleramtschef Ludger Westrick seien personelle Fragen in den Vordergrund gerückt. Der Ruf nach einer Kabinettsumbildung verstärkt sich.

Zwischen griechischen und türkischen Bewohnern der Insel Zypern kommt es zu Feuergefechten. Der Zwischenfall ereignet sich im Dorf Arsos, südöstlich der Hauptstadt Nikosia.

18.9.1966, Sonntag

In seinem Jahresbericht für die 21. Vollversammlung der Vereinten Nationen bezeichnet UNO-Generalsekretär Sithu U Thant den Vietnam-Krieg als das Haupthindernis für die internationale Zusammenarbeit. Ein Konzept des “Heiligen Krieges zwischen Kommunismus und Demokratie” berge nur Gefahren für den Weltfrieden.

Bei den Gemeinde- und Landtagswahlen in Schweden erleiden die Sozialdemokraten schwere Verluste. Sie verlieren 8,2% und fallen mit 42,8% auf den Stand von 1934 zurück.

Der CSU-Vorsitzende Franz Josef Strauß spricht sich in München für eine engere Zusammenarbeit der Bundesrepublik mit Frankreich aus. Andernfalls könne man nur “als Anhängsel der amerikanischen Industriegesellschaft ein gewisses Wohlstandsleben fristen”, dabei aber in den Zustand zivilisatorisch minderentwickelter Völker geraten.

19.9.1966, Montag

Die Partei- und Staatsführung der Volksrepublik China verfügt einen zeitweiligen Stopp der “Großen Proletarischen Kulturrevolution” und schickt die “Roten Garden” zum Ernteeinsatz aufs Land. Die fanatisierten Hilfstruppen Maos hatten das Land an den Rand des Zusammenbruchs geführt.

Nach einer Meinungsumfrage des Godesberger Instituts für Sozialwissenschaften sprechen sich 54% der befragten Bundesbürger für einen Rücktritt des umstrittenen Verteidigungsministers Kai Uwe von Hassel (CDU) aus. Lediglich 19% möchten ihn weiter im Amt sehen. Am 21. September wird ein Antrag der SPD-Opposition im Bundestag, dem Bundeskanzler die Entlassung von Hassels nahezulegen, mit 236 gegen 199 Stimmen bei einer Enthaltung abgelehnt.

Ronald Edwards, der als “Kopf” der legendären Posträuberbande gilt, stellt sich in London der Polizei. Damit sind nur noch zwei Posträuber auf freiem Fuß. Zusammen mit 14 Komplizen hatte Edwards am 8. August 1963 den Postzug Glasgow- London überfallen und fast 30 Mio. DM erbeutet.

20.9.1966, Dienstag

Erich Mende (FDP), Minister für Gesamtdeutsche Fragen und Vizekanzler, legt in Bonn eine Dokumentation über die Verletzung der Menschenrechte durch die DDR vor, die er am Tage zuvor der UN-Menschenrechtskommission in New York präsentiert hat. Danach sind seit 1949 bei Fluchtversuchen 142 Menschen ums Leben gekommen.

Der südvietnamesische Ministerpräsident Nguyên Cao Ky besucht das im Saigoner Hafen vor Anker liegende Hospitalschiff “Helgoland” und erklärt: “Die Anwesenheit dieses Hospitalschiffes beweist, dass sich Westdeutschland mit Südvietnam verbunden fühlt.”

Im Pariser Théâtre Sarah Bernhardt wird das als “Skandalstück” bezeichnete Schauspiel “Die Verfolgung und Ermordung des Jean Paul Marat” von Peter Weiss zu einem Publikumserfolg.

Der Schriftsteller Wolfgang Hildesheimer bekommt den mit 10 000 DM dotierten Georg-Büchner-Preis 1966 zugesprochen. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht den Preis gemeinsam mit dem Land Hessen und der Stadt Darmstadt.

21.9.1966, Mittwoch

In Frankfurt am Main wird die 18. Internationale Buchmesse eröffnet, die bis zum 27. September dauert. 2499 Aussteller, 106 mehr als im vergangenen Jahr, zeigen ihre Bücher.

22.9.1966, Donnerstag

Auf dem Flug von Mount Isa nach Brisbane (Australien) zerschellt in der Nähe der Stadt Winton eine viermotorige “Viscount”-Verkehrsmaschine. Alle 24 Insassen kommen ums Leben.

Auf dem Bundesvertretertag des Deutschen Beamtenbundes in Bad Godesberg kommt es zu einem Eklat. Als der Vorsitzende der Beamtenvereinigung, Alfred Krause, der Regierung eine erfolglose Beamtenpolitik vorwirft und von “Vertrauenskrise” spricht, verlässt Bundeskanzler Ludwig Erhard (CDU) brüskiert den Saal.

Die Vereinigten Staaten bieten die Einstellung der Bombenangriffe auf Nordvietnam und den Abzug ihrer Truppen an, falls die nordvietnamesischen Soldaten ihrerseits aus Südvietnam abziehen.

23.9.1966, Freitag

Der sowjetische Parteichef Leonid I. Breschnew nimmt in Belgrad politische Gespräche mit dem jugoslawischen Präsidenten Josip Broz Tito auf. Im Mittelpunkt der Unterredung stehen der ideologische Streit mit der Volksrepublik China und die Lage der internationalen kommunistischen Bewegungen.

Der dänische Wirtschaftsminister Ivar Noergard erklärt in New York, dass sein Land bereit ist, der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) beizutreten, falls Schweden und Norwegen denselben Schritt tun.

24.9.1966, Samstag

Bei den schon Wochen andauernden Studentenunruhen in Brasilien, die sich gegen die Militärregierung unter Marschall Castelo Branco richten, werden zwei Demonstranten getötet und über 1000 verletzt.

Bei der Eröffnung des Wuppertaler Schauspielhauses hält der Schriftsteller Heinrich Böll eine provokative Rede zum Verhältnis zwischen Kunst und Staat.

25.9.1966, Sonntag

In der Frankfurter Paulskirche erhalten der Kurienkardinal Augustin Bea und der niederländische Theologe Willem Visser’t Hooft den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

In Dortmund enden die 16. Turnweltmeisterschaften. Japan mit 17 Medaillen und die Sowjetunion (14 Medaillen) stellen die erfolgreichsten Riegen. In der Gesamtwertung des Mannschaftskampfes belegt der Deutsche Turnerbund den zehnten Rang unter insgesamt 22 Teams.

26.9.1966, Montag

Der Versuch Japans, einen Satelliten in die Erdumlaufbahn zu bringen und damit die erste Weltraumnation Asiens zu werden, scheitert. Der 26 kg schwere Flugkörper verglüht in der Atmosphäre.

Auf einer Konferenz der Ministerpräsidenten der Länder in Berlin warnt der bayerische Ministerpräsident Alfons Goppel (CSU) vor einem Übergewicht der zentralistischen Kräfte. Diese bedrohte “die Länder in lebenswichtigen Bereichen ihrer staatlichen Existenz”.

Bundeskanzler Ludwig Erhard (CDU) trifft zu einem zweitägigen Staatsbesuch in Washington ein. Der Kanzler will bei US-Präsident Lyndon B. Johnson Aufschub der auf dem deutschen Haushalt lastenden Devisenausgleichszahlungen erreichen. Als Ergebnis des Besuchs kündigen Bonn und Washington die Einrichtung einer direkten Telefonverbindung, des sog. heißen Drahts, an.

27.9.1966, Dienstag

In einem Interview fordert US-Präsident Lyndon B. Johnson die Sowjetunion zur Zusammenarbeit auf. Beide Länder hätten “zum ersten Mal in der Geschichte die technischen Voraussetzungen und die Produktionskapazität erreicht, um der ganzen Menschheit dienen zu können”.

Der Vatikan startet eine diplomatische Offensive zur Beilegung des Vietnamkriegs. Eine Gruppe von Geistlichen soll sich vor allem um den Ausgleich zwischen den zerstrittenen Katholiken und Buddhisten Südvietnams kümmern. Die Katholiken dort unterstützen das Saigoner Militärregime.

Zur Eröffnung des 46. Deutschen Juristentages richtet dessen Präsident Ernst Friesenhahn einen Appell an alle mit der Verfolgung und Aburteilung von NS-Gewaltverbrechen befassten Stellen. Es sollten jetzt umfassendere Vorkehrungen getroffen werden, diese Verbrechen ohne Furcht vor harten Urteilen zu bestrafen.

28.9.1966, Mittwoch

Die Beratende Versammlung des Europarates beauftragt die Europäische Transportministerkonferenz (CEMT), über die wirtschaftlichen Auswirkungen eines Tunnels unter dem Ärmelkanal Auskunft zu geben.

29.9.1966, Donnerstag

Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier (CDU) bringt sich in einem Interview mit dem “Rheinischen Merkur” als Nachfolger Ludwig Erhards ins Gespräch. Damit entbrennt in Bonn eine offene Diskussion um die “Kanzler-Thronfolge”.

Die Bundesregierung weist die Vorwürfe gegen Bundespräsident Heinrich Lübke, nach denen dieser während des Nationalsozialismus am Bau von Konzentrationslagern beteiligt gewesen sein soll, als “kommunistische Kampagne” zurück.

Eine Maschine der “Aerolinas Argentinas” mit 43 Passagieren an Bord wird von argentinischen Nationalisten gekapert und zur Landung auf den Falklandinseln gezwungen. Die Entführer wollen damit den Anspruch ihres Landes auf die britisch verwalteten Inseln im Süd-Atlantik untermauern.

30.9.1966, Freitag

Die zweitägige Sitzung des Ministerrats der Westeuropäischen Union (WEU) in Paris endet mit der grundsätzlichen Bereitschaft der sechs EWG-Länder, Großbritannien in die Wirtschaftsgemeinschaft aufzunehmen. Großbritannien führt seit 1963 Beitrittsverhandlungen mit der EWG, die bisher am französischen Veto scheiterten.

Das vormalige britische Protektorat Betschuanaland wird als Republik Botswana unabhängig. Die neue Hauptstadt ist Gabarone.

Die über 100 Jahre alte Essener Zeche “Amalie” des Krupp-Konzerns schließt. Auf der Schachtanlage waren 2000 Kumpel beschäftigt.