Alle Schlagzeilen und Ereignisse zu Nikolaus II. (197)

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13.1.1900

Der russische Finanz- und Verkehrsminister Sergei J. Witte legt Zar Nikolaus II. in Petersburg (Leningrad) den Haushaltsentwurf für das Jahr 1900 vor und berichtet über die Entwicklung der russischen Landwirtschaft und die Auswirkungen der Missernte von 1899.

27.1.1900

In Helsingfors (Helsinki) wird der Landtag des russischen Großfürstentums Finnland eröffnet. In der Thronrede des russischen Zaren Nikolaus II. werden Gesetzentwürfe zur "Forderung des Wohles des Landes" angekündigt.

14.2.1900

Der russische Zar Nikolaus II. weist den Gouverneur des Großfürstentums Finnland an, dem Landtag in Helsingfors (Helsinki) zu erläutern, dass die bevorstehende Reorganisation des Militärwesens im Einklang mit den Traditionen Finnlands stehe.

5.5.1900

Der russische Zar Nikolaus II. ordnet die Bildung eines russisch-finnländischen Komitees an, das die Zolltarife im russischen Großfürstentum Finnland denen Russlands angleichen soll.

6.6.1900

Während der Schlusssitzung der finnischen Volksvertretung in Helsingfors (Helsinki) fordert der Vorsitzende des Bürgerstands den russischen Zaren Nikolaus II. als den Souverän des Großfürstentums Finnland auf, die bestehende Gesellschaftsordnung des Großfürstentums zu wahren und den Petitionen der Stände Gehör zu schenken. - Die Rede erregt Missfallen in Petersburg (Leningrad).

10.6.1900

Der russische Zar Nikolaus II. befiehlt die Einrichtung eines Armeekorps für Sibirien.

20.6.1900

Ein Manifest des russischen Zaren Nikolaus II. bestätigt die Beschlüsse über die Einführung der russischen Sprache im Großfürstentum Finnland vom 7. Juni. Ab 1. Oktober 1900 sollen sich das finnische Staatssekretariat, die finnische Polarexpedition in Petersburg (Leningrad) und die Kanzlei des russischen Generalgouverneurs von Finnland ausschließlich der russischen Sprache bedienen.

3.7.1900

Der finnländische Senat in Helsingfors (Helsinki) erklärt, dass er die vom russischen Zaren Nikolaus II. am 20. Juni bestätigten Beschlüsse über die Einführung des Russischen als Amtssprache im Großfürstentum Finnland nicht veröffentlichen werde.

3.7.1900

Der russische Zar Nikolaus II. hebt die Deportationen nach Sibirien teilweise auf. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts leben in Sibirien 287 000 Verbannte, die Zwangsarbeiter nicht mitgerechnet.

17.7.1900

Der Schah von Persien, Muzaffar Ad Din, trifft zu einem offiziellen Besuch des russischen Zaren Nikolaus II. in Petersburg (Leningrad) ein.

27.8.1900

Der russische Zar Nikolaus II. weist eine Beschwerdepetition des finnländischen Landtags über die Amtsführung Nikolai I. Bobrikows, des russischen Generalgouverneurs im Großfürstentum Finnland, als verfassungswidrig zurück. Der Zar lobt das korrekte Verhalten des Generalgouverneurs und beauftragt den finnländischen Senat, eine Revision der Landtagsordnung im Sinne einer Einschränkung der ständischen Befugnisse vorzunehmen.

3.9.1900

Der russische Botschafter in Paris, Fürst Leo P. Urussow, überreicht in Schloss Rambouillet dem französischen Staatspräsidenten Emile Loubet den Andreasorden mit einem Handschreiben des Zaren Nikolaus II., der tief bedauert, die Weltausstellung nicht besucht haben zu können.

3.10.1900

Prinz Georg von Griechenland, der Hochkommissar der seit 1898 autonomen osmanischen Provinz Kreta, trifft in dem Schwarzmeerkurort Liwadija auf der Krim mit dem russischen Zaren Nikolaus II. zusammen. Zentraler Punkt der Unterredungen ist die Kretafrage. Im Gespräch ist die Proklamation Kretas zu einem unabhängigen Fürstentum. Die Griechen sind zugleich an einer Vereinigung Kretas mit Griechenland interessiert.

9.10.1900

Der russische Generalgouverneur des Amurgebiets, General Sergei K. Grodekow, veröffentlicht eine Mitteilung des Kriegsministeriums, wonach Zar Nikolaus II. Befehl erlassen hat, Russland keine chinesischen Gebiete einzuverleiben, um so die Basis zur Wiederherstellung freundschaftlicher Beziehungen zwischen China und Russland zu schaffen.

13.11.1900

Der russische Zar Nikolaus II. erkrankt in dem Schwarzmeerkurort Liwadija an Typhus.

4.3.1901

In Petersburg (heute Leningrad) überreicht der neuernannte deutsche Botschafter Friedrich Johann Graf von Alvensleben dem russischen Zar Nikolaus II. sein Beglaubigungsschreiben.

30.7.1901

Zar Nikolaus II. verfügt die Erschließung der ostsibirischen Küste für die Erdölindustrie.

19.8.1901

Nach Meldungen aus Paris wird der russische Zar Nikolaus II. im September französischen Manövern an der Ostgrenze sowie einer Militärparade in Reims am 19. September beiwohnen. Russland und Frankreich sind miteinander verbündet; allerdings kühlte sich das Verhältnis in der letzten Zeit ab.

31.8.1901

Die russische Regierung verbietet bzw. verwarnt zwölf finnische Zeitungen wegen oppositioneller Tendenzen. Die Autonomie des russischen Großfürstentums Finnland wurde 1899 durch das sog. Februarmanifest von Zar Nikolaus II. beseitigt. Der russische Generalgouverneur Nikolai I. Bobrikow regiert das Land mit einer brutalen Russifizierungspolitik.

8.9.1901

In der Schweiz werden besondere Überwachungsmaßnahmen für Anarchisten angeordnet, die sich im schweizerischen Exil aufhalten. Anlass ist der Besuch des russischen Herrschers Zar Nikolaus II. im benachbarten Frankreich.

11.9.1901

Auf der Ostsee (nahe Danzig [Gdansk]) kommen der deutsche Kaiser Wilhelm II. und der russische Zar Nikolaus II. zu einem Treffen auf einem Schiff zusammen. Die beiden Monarchen wohnen den deutschen Flottenmanövern (bis 15. 9.) bei.

18.9.1901

In Dünkirchen beginnt ein viertägiger Frankreichbesuch des russischen Zaren Nikolaus II. Russland ist Bündnispartner Frankreichs (sog. Zweibund).

21.9.1901

Zum Abschluss seines Besuches in Frankreich betont der russische Zar Nikolaus II. im Lager von Betheny die friedlichen Absichten des sog. Zweibundes. Nach seinen Aussagen wollen Frankreich und Russland lediglich ihre politischen Interessen wahren.

29.9.1901

Das russische Kriegsministerium veröffentlicht eine Anordnung von Zar Nikolaus II. über die Aufnahme von Ausländern in russische Militäreinrichtungen. Danach sollen Bewerber aus Serbien, Bulgarien und Montenegro bei der Einstellung bevorzugt behandelt werden.

1.1.1902

Nikolaus II., Zar von Russland, und Emile Loubet, Präsident der Französischen Republik, beglückwünschen einander in Depeschen aufs herzlichste zum neuen Jahr. Der Depeschenwechsel stößt international auf großes Interesse, da künftig allgemein eine engere Zusammenarbeit beider Staaten angenommen wird.

5.2.1902

Der österreichische Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdinand, tritt in Wien eine Reise nach Petersburg (heute: Leningrad) an, wo er mit Nikolaus II., Zar von Russland, zu Gesprächen zusammentrifft.

4.3.1902

Zar Nikolaus II. von Russland lässt dem französischen Präsident Emile Loubet eine Einladung zu einem Besuch in Petersburg (heute: Leningrad) überreichen. Der genaue Reisetermin soll noch festgelegt werden.

17.4.1902

In Petersburg (heute: Leningrad) findet die Beisetzung des ermordeten Innenministers Dmitri S. Sipjagin in Anwesenheit von Zar Nikolaus II. von Russland statt.

20.5.1902

In Kronstadt empfängt Zar Nikolaus II. von Russland den französischen Staatspräsidenten Emile Loubet zu einem dreitägigen Staatsbesuch.

7.6.1902

Fürst Ferdinand von Bulgarien beginnt eine Reise nach Petersburg (heute: Leningrad) zu einem Treffen mit Nikolaus II. von Russland.

27.6.1902

Zar Nikolaus II. von Russland verfügt in einem Erlass die Entschädigung der Grundbesitzer in den Gouvernements Charkow und Poltawa. Für die durch Bauernunruhen verursachten Schäden erhalten die Gutsherren hohe finanzielle Zuwendungen.

17.7.1902

Viktor Emanuel III., König von Italien, beendet seinen fünftägigen Besuch bei Zar Nikolaus II. von Russland in Petersburg (heute: Leningrad).

24.7.1902

Vor dem Oberhaus in London referiert der britische Außenminister Henry Charles Keith Petty-Fitzmaurice, 5. Marquess of Lansdowne, über die gegenwärtige politische Situation im Mittelmeerraum und geht dabei insbesondere auf die Rolle Italiens ein. Anlass dafür sind die zwischen Viktor Emanuel III. von Italien und Zar Nikolaus II. von Russland geführten Gespräche.

6.8.1902

Wilhelm II., deutscher Kaiser, kommt zu einem zweitägigen Treffen mit Nikolaus II., Zar von Russland, nach Reval (Tallinn).

18.1.1903

Zar Nikolaus II. von Russland kündigt disziplinarische Maßnahmen gegen Finnen an, die den Antritt zum Wehrdienst in der russischen Armee verweigern. Die Zahl der Verweigerer betrug im Vorjahr 14 798.

12.3.1903

Wie das serbische Blatt "Narodni Listi" meldet, schenkt Zar Nikolaus II. von Russland anlässlich der 21. Wiederkehr der Proklamation Serbiens zum Königreich am 7. März dem Land 10 Mio. Patronen. Sie sind für die Gewehre gedacht, die Zar Alexander III. im Jahr 1893 Serbien geschenkt hatte.

20.4.1903

Zar Nikolaus II. von Russland befürwortet eine Reform des höheren Schulwesens, bei der besonderes Augenmerk auf die technische Ausbildung zu legen sei.

4.6.1903

Zar Nikolaus II. genehmigt einen Beschluss der russischen Regierung über die Rechte der Juden. Bis zu einer erfolgten Revision der bestehenden Gesetze wird es den Juden in Russland verboten, Land oder Immobilien außerhalb ihres Gouvernements zu erwerben oder zu nutzen. Dagegen wird ihnen gestattet, innerhalb ihres Ansässigkeitsgebietes ihren Wohnort zu wechseln, z. B. in die wachsenden Industriestädte zu ziehen.

7.6.1903

Das Ministerium für Volksaufklärung der russischen Regierung wird von Zar Nikolaus II. angewiesen, mit Beginn des neuen Schuljahres an allen polnischen Mittelschulen den Unterricht in römisch-katholischer Religion in polnischer Sprache zuzulassen.

17.7.1903

In einem von Zar Nikolaus II. unterzeichneten Befehl wird die Aufhebung schwerer Körperstrafen für Sträflinge in Bergwerken und Zuchthäusern befohlen. Offiziell abgeschafft werden die Knute, das Anschmieden an Schiebekarren und das Abrasieren der rechten Hälfte des Kopfhaares.

4.8.1903

Zar Nikolaus II. von Russland und seine aus Deutschland stammende Frau Alix von Hessen-Darmstadt kehren von einer Wallfahrt nach Sarow an den Peterhof (Petrodworez) bei Petersburg zurück. Die Tatsache, dass Nikolaus II. sich in einer Zeit außen- und innenpolitischer Spannungen vorübergehend völlig aus der Politik zurückzieht, stößt in russischen Regierungskreisen auf Kritik.

12.8.1903

Zar Nikolaus II. von Russland befiehlt die Einführung einer Statthalterschaft in Ostasien, in den Gebieten am Amur und Kwantungs. Dem Statthalter werden sämtliche Rechte der Verwaltung im zivilen und militärischen Bereich übertragen.

29.8.1903

Der russische Finanzminister Sergei Witte wird von Zar Nikolaus II. gebeten, von seinem Amt zurückzutreten. Statt dessen überträgt der Monarch dem Vertreter einer liberalen Wirtschafts- und Finanzpolitik die Präsidentschaft des Ministerkomitees. Aufgrund der Struktur der Regierung des Zaren ist Wittes Einflussbereich damit wesentlich eingeschränkt.

30.9.1903

Zar Nikolaus II. von Russland trifft zu einem Besuch bei Kaiser Franz Joseph I. in Wien ein.

3.10.1903

Während eines Jagdaufenthaltes in Mürzsteg in der Steiermark verabschieden Kaiser Franz Joseph I. von Österreich und Zar Nikolaus II. von Russland ein gemeinsames Abkommen über ihre Haltung in der Makedonien-Angelegenheit. Sie wollen das Territorium des Osmanischen Reiches so lange wie möglich erhalten und Sultan Abd Al Hamid II. zu durchgreifenden Reformen zwingen.

4.11.1903

Zar Nikolaus II. von Russland und der Deutsche Kaiser, Wilhelm II., treffen in Wiesbaden und Wolfsgarten bei Darmstadt zu zweitägigen Gesprächen zusammen.

7.11.1903

Zar Nikolaus II. von Russland und seine Frau, die einstige Prinzessin Alix von Hessen-Darmstadt, beenden ihren Besuch in Deutschland und kehren zurück nach Petersburg.

24.1.1904

Der russische Zar Nikolaus II. kündigt die Reform der Gesetzgebung über die bäuerlichen Verhältnisse an. Es sollen die Bestimmungen über die Gemeindeverwaltung, die Gerichte und das bäuerliche Eigentum geändert werden.

27.1.1904

Vor dem Hintergrund der wachsenden Spannungen zwischen Russland und Japan bleibt die russische Politik abwartend. In einem Befehl an den Statthalter im Fernen Osten, General Michail W. Alexejew, erklärt Zar Nikolaus II., eine Landung der Japaner im Süden Koreas sei für Russland kein Anlass für einen Krieg.

18.2.1904

Kaiser Wilhelm II. setzt den russischen Zar Nikolaus II. und den japanischen Kaiser Mutsuhito davon in Kenntnis, dass die deutschen Lazarette in Jokohama und in Tsingtau für russische und japanische Verwundete zur Verfügung stehen. Das deutsche Marinelazarett in Jokohama besteht bereits seit 1878. In Tsingtau in der deutschen Kolonie Kiautschou wurde vor kurzem ein modernes Krankenhaus mit 208 Betten gebaut.

9.3.1904

Laut einer veröffentlichten Erklärung verzichtet der russische Zar Nikolaus II. auf die ihm zustehende Erbfolge im Großherzogtum Oldenburg. Er tritt alle Rechte an Herzog Friedrich Ferdinand von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg ab. Der Verzicht des russischen Zaren ist die Voraussetzung für die Neufassung des Erbfolgegesetzes durch den oldenburgischen Landtag.

5.7.1904

Zar Nikolaus II. ernennt den Fürsten Iwan M. Obolenski zum Nachfolger des ermordeten Generalgouverneurs von Finnland, Nikolai I. Bobrikow.

24.8.1904

Anlässlich der Taufe des russischen Thronfolgers Alexei erlässt Zar Nikolaus II. ein Gnadenmanifest. Damit werden u.a. die Körperstrafen für die bäuerliche Bevölkerung und die Soldaten aufgehoben sowie eine Reihe von Steuerzahlungen, Ablösungen und Rückzahlungen erlassen. Für einige kleinere Vergehen wird eine Amnestie ausgesprochen.

4.9.1904

Durch einen Erlass des russischen Zaren Nikolaus II. werden die Niederlassungsrechte der Juden in Russland ausgedehnt. Die "privilegierten" Juden, dazu gehören Großkaufleute und Hochschulabsolventen, dürfen sich künftig auch auf dem Lande niederlassen. Bisher war ihr Wohnrecht auf bestimmte Städte beschränkt.

8.9.1904

Zar Nikolaus II. ernennt den bisherigen Generalgouverneur von Wilna, Fürst Pjotr D. Swjatopolk-Mirski, zum Nachfolger für den am 28. Juli ermordeten Innenminister Wjatscheslaw K. Plewe.

22.10.1904

Ein Erlass Nikolaus II., der die Einberufung von Reservisten in die Armee vorsieht, löst in zahlreichen Orten Russlands blutige Tumulte aus. Viele Reservisten versuchen zu fliehen, um nicht eingezogen zu werden. Zu besonders schweren Unruhen kommt es in Russisch-Polen.

23.10.1904

Zar Nikolaus II. ernennt Alexei N. Kuropatkin zum Oberbefehlshaber der gesamten Landstreitkräfte in Ostasien. Michail W. Alexejew bleibt in seinem Amt als Statthalter.

9.12.1904

Der finnische Landtag wird in Helsinki eröffnet. In einer verlesenen Thronrede betont Zar Nikolaus II., dass eine Reihe von Ausnahmegesetzen wieder aufgehoben werden könnten, wenn die Finnen ihren Widerstand gegen die russische Politik aufgeben würden.

9.12.1904

In einem Schreiben an Reichskanzler Bernhard Graf von Bülow beschwert sich die Direktion der Stettiner Vulcanwerft, die zum Krupp-Konzern gehörende Kieler Germania-Werft werde bei der Vergabe von russischen Rüstungsaufträgen bevorzugt. Ursache dafür sei eine Empfehlung Kaiser Wilhelms II. an Zar Nikolaus II. In einer Antwort wird klargestellt, der Kaiser habe alle Werften empfohlen.

25.12.1904

In einem Erlass kündigt Zar Nikolaus II. Reformen an. So sollen die Lokalverwaltungen mehr Selbständigkeit erhalten, die Pressezensur soll liberalisiert werden. Auch die Einführung einer staatlichen Arbeiterversicherung ist geplant.

2.1.1905

Kaiser Wilhelm II. teilt Zar Nikolaus II. und dem japanischen Tenno Mutsuhito mit, dass er dem Verteidiger von Port Arthur, General Anatoli M. Stössel, und dem Eroberer, General Maresuke Graf Nogi, den Orden Pour le mérite verleihen werde.

24.1.1905

Zar Nikolaus II. errichtet in Petersburg eine Militärdiktatur. Zum Generalgouverneur beruft er den bisherigen Oberpolizeimeister von Moskau, General Dmitri F. Trepow.

1.2.1905

Der russische Zar Nikolaus II. empfängt in Zarskoje Selo (Puschkin) eine Arbeiterdelegation aus Petersburg. Er sichert ihnen zu, "alles Mögliche" zu unternehmen, um die Lage der Arbeiterschaft zu verbessern.

2.2.1905

Zar Nikolaus II. ernennt Alexandr G. Bulygin zum neuen Innenminister als Nachfolger von Fürst Pjotr D. Swjatopol-Mirski, der am 30. Januar entlassen worden war.

6.2.1905

Die Adelsversammlung von Petersburg fordert Zar Nikolaus II. auf, "erwählte Vertreter des Volkes" an der Gesetzgebung und an Beratungen über Maßnahmen der Regierung zu beteiligen.

11.2.1905

Zar Nikolaus II. ordnet in einem Ukas die Bildung einer Kommission an, die die Gründe der Arbeiterunruhen untersuchen soll. Den Vorsitz der Kommission übernimmt das Reichsratsmitglied Nikolai W. Schidlowski.

12.2.1905

Die Adelsversammlung des russischen Gouvernements Samara bittet Zar Nikolaus II., das System der autokratischen Selbstherrschaft beizubehalten, den Adel jedoch an Reformen zu beteiligen.

17.2.1905

Großfürst Sergei Aleksandrowitsch, seit 1891 Generalgouverneur von Moskau und enger Berater von Zar Nikolaus II., wird im Moskauer Kreml durch ein Bombenattentat des Sozialrevolutionärs Iwan P. Kaljaew getötet.

24.2.1905

Der russische Landwirtschaftsminister Alexei S. Jermolow überreicht Zar Nikolaus II. eine Denkschrift, in der er die Einführung einer Verfassung und die Berufung von Volksvertretern empfiehlt.

3.3.1905

Der russische Zar Nikolaus II. stellt in einem Erlass an das Innenministerium Reformen unter Mitarbeit nichtadliger Kreise in Aussicht.

11.3.1905

Zar Nikolaus II. löst eine im Februar gebildete Kommission, welche die Ursachen der Arbeiterunruhen untersuchen sollte, wieder auf. Die Arbeiter hatten sich geweigert, Vertreter in diese Kommission zu entsenden.

29.3.1905

Zar Nikolaus II. beauftragt den Generalgouverneur von Russisch-Polen, die revolutionären Unruhen "gesetzmäßig" und "fest" zu unterdrücken und gleichzeitig Reformen auszuarbeiten.

1.4.1905

Zar Nikolaus II. hebt das finnische Wehrgesetz von 1901 auf. Damals war das Heer des autonomen Großfürstentums Finnland aufgelöst und die Wehrdienstpflicht der finnischen Untertanen im ganzen Russischen Reich eingeführt worden. Nun soll die Rekrutierung finnischer Soldaten eingestellt werden; dafür muss die finnische Landeskasse künftig umgerechnet 10 Mio. Mark jährlich zu Kriegszwecken an die Reichskasse abführen.

12.4.1905

Zar Nikolaus II. Löst die "Besondere Beratung für die Bedürfnisse der landwirtschaftlichen Industrie" unter Ministerpräsident Sergei Graf Witte auf und ersetzt sie durch eine "Besondere Beratung zur Frage von Maßnahmen zur Stärkung des bäuerlichen Landbesitzes". Eine Korrektur seiner Politik ist damit jedoch nicht verbunden.

30.4.1905

Ein Ukas von Zar Nikolaus II. erlässt den Bauern in mehreren Gouvernements Steuerrückstände seit 1867 in der Höhe von 75 Mio. Rubel.

22.5.1905

Der russische Zar Nikolaus II. bildet unter dem Eindruck der Niederlagen im Krieg gegen Japan einen "Staatsverteidigungsrat" unter Vorsitz des Großfürsten Nikolaus Nikolajewitsch. Seine Aufgabe ist die Erarbeitung von Gesetzen zur Verbesserung des Militärwesens.

5.6.1905

Zar Nikolaus II. ernennt den Generalgouverneur von Petersburg, Dmitri F. Trepow, unter Beibehaltung seines Amts zum Gehilfen des Ministers des Innern und erteilt ihm umfassende Vollmachten bezüglich der Einsetzung der Polizei.

19.6.1905

Beim Empfang einer Delegation des Moskauer Semstwo-Kongresses und der Stadt Petersburg teilt Zar Nikolaus II. in Peterhof mit, er wolle gewählte Volksvertreter an der Regierung beteiligen.

21.6.1905

Die russische Oberpressebehörde untersagt den Zeitungen, weiter die Erklärung des Zaren Nikolaus II. über gewählte Volksvertreter zu zitieren. Viele Blätter hatten aus der Ansprache des Zaren die Einführung einer Verfassung nach westeuropäischem Muster abgeleitet.

3.7.1905

Auf der "Peterhofer Beratung" behandeln führende konservative Politiker unter dem Vorsitz von Zar Nikolaus II. das Thema der Einberufung einer beratenden Duma aus gewählten Volksvertretern. Die meisten Teilnehmer befürworten das Festhalten an "altrussischen Grundsätzen".

4.7.1905

Alexandr F. Rediger wird von Zar Nikolaus II. als Nachfolger von Viktor V. Sacharow zum russischen Kriegsminister ernannt.

25.7.1905

Kaiser Wilhelm II. und Zar Nikolaus II. unterzeichnen während der Nordlandreise des deutschen Kaisers den Vertrag von Björkö.

6.8.1905

Um während der revolutionären Unruhen und Streiks den kriegswichtigen Betrieb der transkaukasischen Eisenbahnen aufrechtzuerhalten, ordnet ein Erlass von Zar Nikolaus II. die Einberufung von Reservisten zum aktiven Dienst auf diesen Strecken an.

13.8.1905

Der russische Zar Nikolaus II. erlässt einen Ukas (Erlaß) über die Rückgabe des enteigneten Besitzes der armenischen Kirche.

19.8.1905

Zar Nikolaus II. erlässt das Manifest über die Einführung einer Verfassung.

27.8.1905

Der russische Zar Nikolaus II. verfügt unter dem Eindruck der revolutionären Unruhen durch einen Ukas liberalere Bestimmungen für die Hochschulen. Danach wird in Zukunft der Rektor von den Dekanen und der Fakultätssekretär von den Fakultäten gewählt.

1.9.1905

Zar Nikolaus II. legt in einem Telegramm an seine Generäle dar, warum er sich für den Frieden von Portsmouth ausgesprochen habe.

2.9.1905

Der persische Schah Mosaffar Od Din trifft zu einem Besuch von Zar Nikolaus II. in Petersburg ein. Der Schah erhofft sich Unterstützung beim Kampf gegen die Unruhen, die unter dem Eindruck der Revolution in Russland auch in Persien ausgebrochen sind.

12.9.1905

In Peterhof verüben antizaristische Revolutionäre ein Bombenattentat auf Innenminister Alexandr G. Bulygin und den am 5. Juli abgelösten Kriegsminister Viktor V. Sacharow, als die beiden von einer Audienz bei Zar Nikolaus II. zurückkehren. Sacharow wird dabei schwer verletzt.

18.9.1905

Die Petersburger Telegraphenagentur meldet, dass Zar Nikolaus II. eine zweite internationale Friedenskonferenz nach Den Haag einberufen wolle. Russland war bereits Initiator der ersten Haager Friedenskonferenz.

15.10.1905

Großfürst Kyrill von Russland, der bisherige Flügeladjutant von Zar Nikolaus II., wird wegen seiner Heirat mit Prinzessin Viktoria Melitta von Sachsen-Coburg und Gotha, der geschiedenen Großherzogin Melitta von Hessen, aus der russischen Armee ausgeschlossen.

20.10.1905

Ein Ukas von Zar Nikolaus II. erklärt den Gebrauch des Polnischen und Litauischen als Unterrichtssprache in den Privatschulen von Russisch-Polen als vorläufig für zulässig. In den Fächern Geschichte und Geographie bleibt das Russische jedoch obligatorisch.

22.10.1905

In einem Memorandum an Zar Nikolaus II. über die politische Situation im Russischen Reich fordert Ministerpräsident Sergei J. Graf Witte die Einführung einer Verfassung.

30.10.1905

Zar Nikolaus II. erlässt das Oktobermanifest.

3.11.1905

Zar Nikolaus II. unterzeichnet einen Amnestie-Erlass für politische Vergehen. Viele politische Gefangene werden freigelassen und zahlreiche Prozesse eingestellt.

4.11.1905

Zar Nikolaus II. stellt die Verfassung des autonomen Großfürstentums Finnland wieder her.

1.12.1905

Zar Nikolaus II. hebt mit einem Erlass den Kriegszustand in Russisch-Polen auf. Die Regierung kündigt ferner die Aufhebung der Beschränkungen für Juden an.

1.12.1905

In der Leibgarde des russischen Zaren Nikolaus II. werden rund 200 Soldaten wegen mutmaßlicher revolutionärer Tätigkeit verhaftet.

7.12.1905

Der Generaladjutant von Zar Nikolaus II., der frühere Kriegsminister Viktor V. Sacharow, wird in Saratow von einem revolutionären Schlossergesellen erschossen.

8.12.1905

Ein Ukas von Zar Nikolaus II. hebt die Präventivzensur bei periodisch erscheinenden Presseerzeugnissen zugunsten der Nachzensur auf.

26.12.1905

Ein Ukas von Zar Nikolaus II. ergänzt unter dem Eindruck der revolutionären Unruhen das Duma-Wahlgesetz. Danach besitzen auch Arbeiter und Handwerker sowie Kleinbürger in den Städten eingeschränkte Wahlrechte.

29.1.1906

Während der Kämpfe zwischen Aufständischen und Regierungstruppen im russischen Teil Asiens reißt die Verbindung zur Regierung in Petersburg (Leningrad) ab. Nach Berichten europäischer Zeitungen ist der Oberbefehlshaber Lunewitsch der Meinung, dass Zar Nikolaus II. gestürzt sei, und vermeidet deshalb energisches Vorgehen gegen Meuterer.

5.3.1906

Der russische Zar Nikolaus II. erlässt das Statutenmanifest über die Errichtung der Reichsduma.

5.5.1906

Der seit 1903 amtierende russische Ministerpräsident Sergei J. Graf Witte tritt zurück. Als Nachfolger beruft Zar Nikolaus II. am 8. Mai Iwan L. Goremykin, der als Experte in Agrarfragen gilt.

6.5.1906

Der russische Zar Nikolaus II. oktroyiert eine Verfassung.

10.5.1906

Zar Nikolaus II. eröffnet in Petersburg (Leningrad) die Reichs-Duma, das erste gewählte Parlament in Russland.

21.5.1906

Der russische Dumapräsident Sergei A. Muromzew erhält den Bescheid, dass Zar Nikolaus II. es ablehnt, ihm eine Audienz zur Überreichung der von der Duma verabschiedeten Adresse zu gewähren. In der Adresse werden eine Amnestie für politische Straftaten und die Abschaffung der Todesstrafe gefordert.

26.5.1906

Die russische Duma, das Parlament in Petersburg (Leningrad), spricht dem Kabinett unter Ministerpräsident Iwan L. Goremykin das Misstrauen aus und fordert eine vom Vertrauen der Duma getragene Regierung. Das bisherige Kabinett war von Zar Nikolaus II. ernannt worden.

21.7.1906

Zar Nikolaus II. löst das erste russische Parlament, die Duma, auf.

23.7.1906

Der russische Zar Nikolaus II. ernennt den bisherigen Innenminister Pjotr A. Stolypin als Nachfolger von Iwan L. Goremykin zum Ministerpräsidenten. Stolypin behält zugleich das Innenressort.

25.8.1906

Ein Ukas des russischen Zaren Nikolaus II. beauftragt die Bauernagrarbank, zum Zweck der Vergrößerung des bäuerlichen Grundbesitzes den Verkauf von Ländereien an Bauern zu vermitteln. Dafür vorgesehen sind landwirtschaftlich genutzte Apanageländereien, die nicht an Waldreviere grenzen. Damit will der Zar den Bauernunruhen begegnen.

30.8.1906

Durch einen Ukas des russischen Zaren Nikolaus II. werden die Gesetze betreffend den Schutz der öffentlichen Sicherheit und den verstärkten außerordentlichen Schutz in Russland um ein Jahr verlängert.

6.9.1906

Ein Ukas des russischen Zaren Nikolaus II. verfügt die Einsetzung von Feldkriegsgerichten.

13.9.1906

Der russische Zar Nikolaus II. und seine Familie treten eine mehrwöchige Ausfahrt in die finnischen Gewässer an.

4.10.1906

Der russische Zar Nikolaus II. trifft mit seiner Familie wieder aus Finnland in Peterhof (Petrodworez) ein. Zu der Reise war die Zarenfamilie am 13. September aus Furcht vor einem Attentat aufgebrochen.

20.10.1906

Ein Ukas des russischen Zaren Nikolaus II. gewährt allen Bauern Rechtsgleichheit. Der Prozess der russischen Bauernbefreiung erreicht damit seinen Abschluss.

30.10.1906

Ein Ukas des russischen Zaren Nikolaus II. über die Sektierer gestattet den Altgläubigen u.a. Sekten der orthodoxen Kirche den Bau von Kirchen und die Wahl von Geistlichen, sofern ihre Lehren nicht gegen das Strafgesetzbuch verstoßen. Der Zar erhofft sich durch diese Maßnahme Unterstützung beim Kampf gegen die revolutionären Unruhen.

11.11.1906

Der russische Zar Nikolaus II. verbietet "Militärpersonen", politischen Parteien beizutreten oder Versammlungen beizuwohnen, in denen politische Fragen erörtert werden. Alle Offiziere und Zivilbeamte, die gegen diese Bestimmung verstoßen, können auf dem Disziplinarweg aus dem Dienst entlassen werden.

21.1.1907

In Russland beginnen die Wahlen zur zweiten Duma. Das erste gewählte Parlament in der Geschichte Russlands war 1906 eröffnet und wenig später wegen seiner oppositionellen Haltung von Zar Nikolaus II. wieder aufgelöst worden.

14.5.1907

In Zarskoje Selo wird eine Soldatenverschwörung gegen Zar Nikolaus II. und den Thronfolger-Großfürsten Aleksei Nikolajewitsch aufgedeckt. 28 Soldaten werden unter dem Vorwurf der Beteiligung verhaftet.

16.6.1907

Zar Nikolaus II. löst staatsstreichartig die zweite Duma, das gewählte russische Parlament, auf.

3.8.1907

Der russische Zar Nikolaus II. trifft an Bord der Jacht "Standart" in Swinemünde zu dreitägigen Unterredungen mit dem deutschen Kaiser Wilhelm II. ein.

1.9.1907

Der russische Zar Nikolaus II. zeigt sich zum ersten Mal seit Eröffnung der ersten Reichsduma im Jahr 1906 wieder in der Öffentlichkeit. Der Monarch, der sich aus Angst vor einem Attentat nach Zarskoje Selo zurückgezogen hat, nimmt an der Einweihung der Auferstehungskirche in Petersburg teil. Trotz der polizeilichen Absperrungen sind Tausende erschienen, um den Kaiser zu begrüßen.

4.9.1907

Die revolutionären Unruhen in der russischen Schwarzmeerstadt Odessa verstärken sich, als bekannt wird, dass sich durch das von Zar Nikolaus II. oktroyierte Wahlgesetz die Zahl der Wahlberechtigten um die Hälfte verringert. Auch in anderen Städten des Zarenreiches flammen infolgedessen wieder antizaristische Unruhen auf.

18.9.1907

Großes Aufsehen erregt in der deutschen Presse der Fall Kit Purkins. Kit Purkins, die Geliebte des russischen Anarchisten Sinjawski, der nach einem Mordanschlag auf Zar Nikolaus II. verhaftet und zum Tod verurteilt worden war, hatte sich an den Metropoliten gewandt mit der Bitte, um ihres Kindes willen Sinjawski vor der Hinrichtung angetraut werden zu dürfen. Der Metropolit hatte dies mit der Begründung abgelehnt, dass es nach den kanonischen Regeln solchen Personen verboten ist, in die Ehe zu treten, die zur Todesstrafe verurteilt sind. Kit Purkins hatte daraufhin dem Kind den Namen seines hingerichteten Vaters gegeben.

2.12.1907

Zar Nikolaus II. gehört neuerdings selbst zu den von der Zensur verbotenen Schriftstellern im Zarenreich. Die Opposition hatte ein Buch mit 170 Ansprachen des Zaren zusammengestellt, die dieser seit seiner Thronbesteigung im Jahr 1894 gehalten hat. Die Gegner des Zaren wollen damit auf die Widersprüche seiner Äußerungen hinweisen. Die Zensur hatte das Buch unmittelbar nach Erscheinen beschlagnahmen lassen.

4.4.1908

Der finnische Landtag in Helsinki wird wegen staatsfeindlicher Gesinnung vom russischen Zaren Nikolaus II. aufgelöst.

1.5.1908

König Gustav V. von Schweden trifft in der russischen Stadt Zarskoje Sselo ein. Dort findet am 3. Mai die Hochzeit seines zweiten Sohnes, Prinz Wilhelm mit der Großfürstin Maria Pawlowna statt. Anlässlich der Hochzeitsfeier betonen der schwedische König und Zar Nikolaus II. in Trinksprüchen die gute Beziehung zwischen Russland und Schweden.

21.5.1908

25 Mitglieder der Duma, des russischen Parlaments in Petersburg (1924- 1991 Leningrad), treten eine dreimonatige Gefängnisstrafe an, zu der sie wegen des sog. Wyborger Aufrufs verurteilt worden sind. Nach der Auflösung der ersten Duma durch Zar Nikolaus II. im Jahr 1906 hatten 120 Duma-Mitglieder einen Appell an die russische Bevölkerung veröffentlicht, die Steuern zu verweigern und sich der Einberufung zum Militärdienst zu entziehen, bis die Rechte der Duma wieder hergestellt seien.

4.6.1908

Im britischen Unterhaus in London kommt es zu einer lebhaften Debatte über den bevorstehenden Besuch von König Eduard VII. beim russischen Zaren Nikolaus II.

9.6.1908

Der britische König Eduard VII. und der russische Zar Nikolaus II. treffen auf der Reede von Reval (Tallinn) in Estland zusammen. Der Besuch Eduards dauert drei Tage.

27.7.1908

Auf der Reede von Reval treffen sich der französische Staatspräsident Armand Fallières und der russische Zar Nikolaus II. zu zweitägigen Gesprächen. Fallières bezeichnet den Bund zwischen Russland und Frankreich als "eine Bürgschaft des Gleichgewichts in Europa".

22.1.1909

Der russische Zar Nikolaus II. lehnt in St. Petersburg eine Petition der finnischen Regierung zur Erlangung des Selbstbestimmungsrechtes Finnlands ab. Finnland ist seit 1808 russische Provinz.

22.2.1909

Der bulgarische Zar Ferdinand, der anlässlich der Beerdigung des Großfürsten Wladimir Alexandrowitsch in Petersburg weilt, wird im Winterpalais vom russischen Zaren Nikolaus II. empfangen. Das Zusammentreffen der beiden Monarchen wird im Ausland als eine faktische Anerkennung der 1908 von Ferdinand gegen den Willen Russlands durchgesetzten Unabhängigkeit Bulgariens gewertet.

16.4.1909

Aus Anlass des Osterfestes überreicht Zar Nikolaus II. der Gesellschaft Rußkoje Sobranje, einer Vereinigung von Politikern der äußersten Rechten, einen Scheck über 100 000 Rubel. Diese Geste des Zaren wird in der russischen Öffentlichkeit scharf kritisiert.

26.4.1909

Zar Nikolaus II. verleiht in St. Petersburg dem 54. Infanterieregiment im Rahmen einer anlässlich der Unabhängigkeit Bulgariens abgehaltenen Truppenparade den Ehrentitel "Regiment Seiner Majestät des Zaren von Bulgarien". Durch diese Geste sollen nach Angaben des Hofes die freundschaftlichen Beziehungen zu dem neuen Staat unterstrichen werden.

13.6.1909

Eine in London tagende Konferenz der englischen Arbeiterpartei verurteilt den bevorstehenden Besuch des russischen Zaren Nikolaus II. bei König Eduard VII. und fordert ihre Mitglieder zu Protestdemonstrationen auf.

15.6.1909

Ein Geschwader der deutschen Marine nimmt von Kiel aus Kurs auf die unter russischer Hoheit stehenden finnischen Schären. Der Flottenverband ist der Begleitschutz für den deutschen Kaiser Wilhelm II., der auf See mit dem russischen Zaren Nikolaus II. zusammentreffen wird.

17.6.1909

In den finnischen Schären treffen Kaiser Wilhelm II. und der russische Zar Nikolaus II. zu einem Meinungsaustausch zusammen.

26.6.1909

Der russische Zar Nikolaus II. wird in Stockholm vom schwedischen König Gustav V. zu einem offiziellen Besuch empfangen. Bei dem Treffen kommt es zu einem Terroranschlag eines linksgerichteten Extremisten, bei dem ein hoher schwedischer Offizier getötet wird.

25.7.1909

Mehrere tausend Arbeiter protestieren auf dem Londoner Trafalgar Square gegen den geplanten Besuch des russischen Zaren Nikolaus II. in Großbritannien.

1.8.1909

Eine von Zar Nikolaus II. eingesetzte Untersuchungskommission deckt in Russland zahlreiche Bestechungsfälle im Zusammenhang mit Rüstungsaufträgen für die russische Armee auf. In die Affäre sind mehrere höhere Offiziere verwickelt.

2.8.1909

Der russische Zar Nikolaus II. trifft zu einem mehrtägigen Staatsbesuch in Großbritannien ein.

24.10.1909

Zar Nikolaus II. von Russland trifft bei Turin zu einem Italienbesuch ein, in dessen Verlauf ein gegen Österreich-Ungarn gerichteter Geheimvertrag unterzeichnet wird. Der Vertrag von Racconigi soll u.a. Machtverschiebungen auf dem Balkan verhindern.

18.11.1909

Durch ein Dekret des russischen Zaren Nikolaus II. wird der finnische Landtag aufgelöst. Zuvor hatte das Gremium einen finnischen Beitrag zum russischen Militäretat in Höhe von umgerechnet 20 Mio. Mark abgelehnt.

24.11.1909

Der russische Zar Nikolaus II. ernennt General Franz Albert Seyn zum neuen Generalgouverneur von Finnland. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger gilt General Seyn als ein strikter Gegner der finnischen Autonomiebestrebungen.

23.2.1910

König Ferdinand I. von Bulgarien trifft zu einem Staatsbesuch in Russland ein. In Zarskoje Selo (Puschkin) bei Petersburg (Leningrad) werden er und seine Frau von Zar Nikolaus II. empfangen. Zentrales Gesprächsthema ist die Lage auf dem Balkan.

22.3.1910

König Peter I. von Serbien trifft zu einem Besuch des russischen Zaren Nikolaus II. in Zarskoje Selo (Puschkin) bei Petersburg (Leningrad) ein.

27.3.1910

Der russische Zar Nikolaus II. empfiehlt der Reichsduma (Parlament) in einem Manifest eine Gesetzesvorlage über das Ende der Autonomie des Großfürstentums Finnland.

4.7.1910

Der russische Zar Nikolaus II. sanktioniert das Gesetz, durch das die Autonomie Finnlands innerhalb des Russischen Reichs aufgehoben wird.

16.7.1910

Der russische Zar Nikolaus II. trifft in Riga ein zur Teilnahme an der 200-Jahr-Feier der Einverleibung Livlands in das Russische Reich.

29.8.1910

Das Fürstentum Montenegro wird zum Königreich erhoben. Der russische Zar Nikolaus II. ernennt König Nikolaus I. von Montenegro zum Generalfeldmarschall der russischen Armee.

8.10.1910

Die russischen Behörden verfügen die Auflösung des finnischen Landtags, der sich weigert, Zar Nikolaus II. eine Ergebenheitsadresse zu schicken. Neuwahlen für das russische Großfürstentum Finnland werden für den 2. Januar 1911 anberaumt.

5.11.1910

Der russische Zar Nikolaus II. kehrt von seinem zweitägigen Besuch des deutschen Kaisers Wilhelm II. in Potsdam nach Schloss Wolfsgarten bei Darmstadt zurück. Die sog. Potsdamer Entrevue zwischen dem deutschen und dem russischen Monarchen ist von den deutschen Dreibundpartnern Österreich-Ungarn und Italien sowie von den russischen Tripelentente-Partnern Frankreich und Großbritannien mit großem Interesse beobachtet worden. Gesprächsthema war in Potsdam u.a. die Politik im Mittleren und Nahen Osten (Persien, Bagdadbahn).

10.11.1910

Kaiser Wilhelm II. besucht den russischen Zaren Nikolaus II. in Schloss Wolfsgarten bei Darmstadt. Der Gegenbesuch des deutschen Monarchen nach der sog. Potsdamer Entrevue vom 4./5. November wird in Österreich-Ungarn und Italien sowie in Großbritannien und Frankreich als Zeichen für eine deutsch-russische Annäherung gewertet.

8.12.1910

Der österreichische Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdinand, trifft zum Besuch von Kaiser Wilhelm II. in Potsdam ein. Zentrales Gesprächsthema ist die "Potsdamer Entrevue" von Wilhelm II. und dem russischen Zaren Nikolaus II. am 4./5. November.

11.2.1911

Der russische Zar Nikolaus II. genehmigt den Druck der zensierten Werke Lew N. Tolstois im Rahmen einer Gesamtausgabe.

17.5.1911

Der deutsche Kronprinz Wilhelm trifft zu einem Besuch des russischen Zaren Nikolaus II. in Petersburg (Leningrad) ein.

21.9.1911

Zar Nikolaus II. ernennt Finanzminister Wladimir N. Kokowzew zum Ministerpräsidenten als Nachfolger des ermordeten Pjotr A. Stolypin.

30.1.1912

Der russische Zar Nikolaus II. verleiht der Witwe des Schriftstellers Lew N. Tolstoi eine jährliche Pension in Höhe von 10 000 Rubel (21 600 Mark).

4.7.1912

In der Hafenstadt Baltischport (Paldiski) am Finnischen Meerbusen treffen der deutsche Kaiser Wilhelm II. und Zar Nikolaus II. von Russland zu Gesprächen zusammen.

13.7.1912

In Anwesenheit des russischen Zaren Nikolaus II. wird in der estnischen Stadt Reval (Tallinn) der Grundstein für den Bau eines russischen Kriegshafens gelegt.

2.2.1913

Der österreichische Kaiser Franz Joseph I. übersendet dem russischen Zaren Nikolaus II. ein Handschreiben von Wien nach Petersburg (heute Leningrad). Er will damit Gespräche über die bilateralen Beziehungen initiieren.

25.2.1913

Der russische Zar Nikolaus II. zeichnet den französischen Staatspräsidenten Raymond Poincaré mit dem St.-Andreas-Orden aus.

9.3.1913

Aus Anlass des 300-Jährigen Regierungsjubiläums der Romanow-Dynastie verfügt der russische Zar Nikolaus II. eine Amnestie, von der allerdings politische Vergehen ausgenommen bleiben.

20.5.1913

Die halbamtliche "Norddeutsche Allgemeine Zeitung" würdigt in einem Artikel das Zusammentreffen des britischen Königs Georg V. mit dem russischen Zaren Nikolaus II. und dem deutschen Kaiser Wilhelm II. anlässlich der Hochzeit der einzigen Tochter von Wilhelm II., Viktoria Luise, am 24. Mai in Berlin. Das Treffen in Berlin erweist sich als politisch bedeutsam für die Vorgeschichte des Weltkrieges.

17.6.1913

Die Ministerpräsidenten der Balkanbund-Staaten Bulgarien, Griechenland, Montenegro und Serbien reisen in die russische Hauptstadt Petersburg (heute Leningrad), um in den Gebietsstreitigkeiten nach Ende des Ersten Balkankrieges die Vermittlung des russischen Zaren Nikolaus II. zu suchen.

5.1.1914

In einer Denkschrift spricht sich der russische Außenminister Sergei D. Sasonow bezüglich der sog. Liman-Sanders-Krise gegenüber Zar Nikolaus II. dafür aus, den Einfluss des deutschen Armeekommandos im Osmanischen Reich mit allen Mitteln - notfalls unter Inkaufnahme eines Krieges - zu verhindern.

5.1.1914

Der russische Botschafter in Paris, Alexandr P. Iswolski, informiert in einem offiziellen Telegramm den russischen Zar Nikolaus II. über die volle Loyalität Frankreichs bei einer politischen Lösung der sog. Liman-Sanders-Krise.

9.4.1914

In Petersburg (heute Leningrad) beschließt das russische Parlament (Duma) die Einführung eines Zolls auf Agrarprodukte in Höhe von umgerechnet 3,96 Mark pro Doppelzentner. Der einem Einfuhrverbot gleichkommende, von Zar Nikolaus II. am 12. Juni unterzeichnete Beschluss richtet sich gegen deutsche Agrarimporte und die restriktive Zollpolitik der deutschen Regierung.

11.5.1914

Auf dem Sommersitz des russischen Zaren Nikolaus II. in Liwadia (Krim) beginnt die zweitägige Visite einer Sondergesandtschaft des Osmanischen Reiches. Das Treffen, an dem u.a. der russische Außenminister Sergei D. Sasonow und der osmanische Innenminister Talaat Bey teilnehmen, ist ein vorläufiger Höhepunkt in der sich abzeichnenden, von der deutschen Regierung beargwöhnten Annäherung beider Staaten.

14.6.1914

Im rumänischen Konstanza trifft der russische Zar Nikolaus II. in Begleitung von Außenminister Sergei D. Sasonow zu einem offiziellen Besuch ein. Die politischen Gespräche zwischen der russischen und rumänischen Regierung gelten als Annäherung Rumäniens an die Staaten der sog. Tripelentente (Russland, Großbritannien, Frankreich).

18.6.1914

Bei einem Treffen mit dem französischen Botschafter in Russland, Maurice Paléologue, spricht sich der französische Ministerpräsident René Viviani in Paris ausdrücklich für eine Beibehaltung der 1913 eingeführten dreijährigen Wehrdienstzeit aus. Mit dieser anschließend dem russischen Zaren Nikolaus II. übermittelten Erklärung entspricht Viviani Forderungen des Bündnispartners.

30.7.1914

Um 15 Uhr billigt der russische Zar Nikolaus II. die Generalmobilmachung in Russland. Am Abend des Vortages hatte er bereits eine Teilmobilmachung angeordnet.

1.9.1914

Auf Anordnung von Zar Nikolaus II. wird die russische Hauptstadt Petersburg in Petrograd umbenannt (heute Leningrad). Mit der Russifizierung des Namens soll die Ablehnung alles Deutschen demonstriert werden.

2.12.1914

In Petrograd (heute Leningrad) untersagt der russische Zar Nikolaus II. jegliche Zahlungen von russischen Schuldnern an Angehörige der Kriegsgegnerstaaten Deutsches Reich, Österreich-Ungarn und Osmanisches Reich. Damit wird der nach Ausbruch des Weltkrieges begonnene Wirtschaftskrieg in Europa mit unverminderter Härte fortgesetzt.

1.8.1915

Der russische Zar Nikolaus II. richtet zum Jahrestag des Kriegsausbruchs einen Tagesbefehl an Heer und Flotte, in dem er zu weiteren Opfern und Anstrengungen aufruft.

30.8.1915

Der russische Zar Nikolaus II. genehmigt die Einrichtung von vier mit Sondervollmachten ausgestatteten Sonderausschüssen für Verteidigung, Brennstoffversorgung, Ernährung und Transport.

4.9.1915

Unter dem Vorsitz von Zar Nikolaus II. findet in Petrograd (heute: Leningrad) eine Konferenz über die Koordinierung der russischen Verteidigungsmaßnahmen statt.

5.9.1915

Zar Nikolaus II. übernimmt an Stelle des bisherigen Oberbefehlshabers Nikolaj Nikolajew das Oberkommando über die russischen Streitkräfte.

16.9.1915

Auf Anordnung von Zar Nikolaus II. wird die Sitzung der russischen Volksvertretung, der Duma, bis zum November vertagt.

22.2.1916

Zur Eröffnung der Duma besucht Zar Nikolaus II. das russische Parlament. In einer kurzen Ansprache äußert der Zar die Hoffnung, dass sich die Arbeit der Volksvertretung positiv auf den weiteren Fortgang des Krieges auswirken möge.

18.3.1916

Ein Erlass des Zaren Nikolaus II. ordnet in Russland die Herausgabe einer neuen Kriegsanleihe in Höhe von zwei Milliarden Rubeln an. Die Verzinsung beträgt 5,5%, die Tilgung soll bis zum Jahr 1926 erfolgen.

1.1.1917

Die Leiche des ermordeten russischen Mönches Grigori J. Rasputin, der zu den einflussreichsten Beratern des Zaren Nikolaus II. gehört hatte, wird aus dem Flussbett der Newa geborgen.

9.1.1917

Fürst Nikolai D. Golizyn wird von Zar Nikolaus II.zum neuen russischen Ministerpräsidenten ernannt. Er ist der Nachfolger von Alexandr F. Trepow.

10.3.1917

Die Streikbewegung im russischen Petrograd (heute Leningrad) weitet sich zu einem Generalstreik aus. Zar Nikolaus II. befiehlt, die Demonstranten mit allen Mitteln zu bekämpfen.

11.3.1917

Die Abgeordneten des russischen Parlaments, der Duma, widersetzen sich der von Zar Nikolaus II. verfügten Auflösung der Kammer.

15.3.1917

Der russische Zar Nikolaus II. dankt ab.

21.3.1917

Der russische Zar Nikolaus II. wird verhaftet und mit seiner Familie in Zarskoje Selo interniert.

6.8.1917

Der Arbeiter- und Soldatenrat in Petrograd beschließt mit 405 gegen 180 Stimmen die Veröffentlichung der geheimen Verträge des Ex-Zaren Nikolaus II. mit auswärtigen Mächten.

14.8.1917

Ex-Zar Nikolaus II. von Russland und seine Familie, die bislang in Zarskoje Selo interniert waren, werden nach Tobolsk gebracht.

21.5.1918

Das sowjetische Volkskommissariat für Justizangelegenheiten beschließt, das Gerichtsverfahren gegen den ehemaligen Zaren Nikolaus II., seine Familie und Angehörige des Hauses Romanow einzustellen.

16.7.1918

Der letzte russische Zar Nikolaus II. wird mit seiner Familie in seinem Verbannungsort Jekaterinburg (Swerdlowslk) von Bolschewisten erschossen.

20.9.1918

Die Leiche des Ex-Zaren Nikolaus II., die an der Erschießungsstelle in der Nähe Jekaterinburgs (Swerdlowsk) verscharrt worden war, wird in Gegenwart zahlreicher geistlicher Würdenträger und konterrevolutionärer Soldaten exhumiert und zur feierlichen Beisetzung nach Omsk überführt.

29.1.1957

Die 83. Zivilkammer des Landgerichts Berlin (West) entscheidet in einer seit 20 Jahren umstrittenen Erbschaftsangelegenheit, dass es sich bei der in Unterlengenhardt bei Bad Liebenzell lebenden Anna Anderson nicht um die Tochter des Zaren Nikolaus II., die Großfürstin Anastasia, handelt.

17.2.1970

Vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe verliert Anna Manahan-Anderson in letzter Instanz ihren Prozess um die Anerkennung als Zarentochter Anastasia, die jüngste Tochter des letzten russischen Zaren Nikolaus II. Anna Manahan-Anderson, die in den USA mit dem Historiker John E. Manahan verheiratet lebt, verliert damit alle Erbansprüche an die Herzogin Barbara von Mecklenburg.

30.1.1998

Eine russische Expertenkommission bestätigt offiziell die Echtheit der Zarengebeine. Die Zarenfamilie war in der Nacht vom 16. auf den 17. Juli 1918 in Jekaterinburg von Bolschewiken ermordet worden. Erst 1991 waren die Gebeine Nikolaus II., seiner Frau Alexandra und drei ihrer fünf Kinder sowie die sterblichen Überreste der Zofe, des Leibarztes, des Kochs und des Leibdieners entdeckt worden.