Konrad Adenauer – Erster Kanzler der Bundesrepublik

Konrad Adenauer – Erster Kanzler der Bundesrepublik

+++ VOR 70 JAHREN +++

Konrad Adenauer hebt die rechte Hand, als Parlamentspräsident Erich Köhler den 73-Jährigen am 15. September 1949 vor dem Plenum des Bundestages als ersten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland vereidigt. Seine eigene Stimme hat ihm die notwendige, denkbar knappe Mehrheit verschafft: Mit 202 von 402 Stimmen votiert das Bonner Parlament für den erfahrenen CDU-Politiker, der in den folgenden Jahren die Geschicke der jungen Republik lenken wird.

Konrad Adenauer wurde am 5. Januar 1876 als Sohn eines Justizbeamten in Köln geboren. 1894 legte er am Humanistischen Apostelgymnasium der Stadt die Reifeprüfung ab und begann eine Banklehre, die jedoch nur 14 Tage dauerte, da Adenauer mit diesem Berufsfeld nichts anzufangen wusste. Sein Vater konnte ihm ein Stipendium für ein Jurastudium verschaffen. Studienorte waren Freiburg, München und Bonn. Nach dem Assessor Examen 1901 trat Adenauer in die Rechtsanwaltskanzlei Hermann Kausen in Köln ein. Kausen war gleichzeitig Vorsitzender der Fraktion der katholischen Zentrumspartei im Kölner Stadtrat. Diese Verbindung verschaffte Adenauer den Zugang zur Politik.

.

Zeitungen zum 15.09.1949

Biografie

5.1.1876: Konrad Adenauer in Köln geboren.

1917-1933: Oberbürgermeister von Köln.

ab 1946: CDU-Vorsitzender in der britischen Zone.

1949-1963: Bundeskanzler.

1950-1966: Bundesvorsitzender der CDU.

1951-1955: Außenminister.

19.4.1967: Adenauer stirbt in Rhöndorf bei Bonn.

Erste Erfahrungen als Politiker

Im März 1906 wurde er zum Beigeordneten der Stadt Köln gewählt, 1909 stieg er zum Ersten Beigeordneten auf. Im Oktober 1917 wurde Adenauer einstimmig zum Oberbürgermeister seiner Heimatstadt gewählt. In den Wirren nach dem Ende des Ersten Weltkriegs sprach sich der überzeugte Rheinländer Adenauer für die Trennung der Rheinprovinz von Preußen und für die Schaffung eines katholisch geprägten Rheinlandes im Verband des Deutschen Reiches aus. Adenauer gehörte bis 1933 dem Reichsvorstand des Zentrums an; von 1920 bis 1933 war er Präsident des Preußischen Staatsrates.

Nach der Machtübernahme Hitlers am 30. Januar 1933 wurde Adenauer am 12. März 1933 seines Amtes als Kölner Stadtoberhaupt enthoben und vorzeitig pensioniert. Von Verstrickungen in das NS-System konnte er sich freihalten. Am 23. August 1944 wurde er wegen des Verdachts, Mitwisser des Attentats vom 20. Juli 1944 gewesen zu sein, von der Gestapo verhaftet, die ihn vier Monate im Gefängnis behielt. Nach der Einnahme Kölns im März 1945 setzten amerikanische Offiziere Konrad Adenauer wieder als Oberbürgermeister von Köln ein.

Der spätere britische Gouverneur für das Rheinland, General John Barraclough, entließ Adenauer am 6. Oktober 1945 >wegen mangelnder Pflichterfüllung«. Von daher rührte die gewisse Distanz, die Adenauer fortan gegenüber England und den Engländern an den Tag legte.

Adenauers Karriere war bisher absolut unspektakulär verlaufen. Nur wenig hob ihn aus seinen Zeitgenossen heraus. Im Alter von knapp 70 Jahren aber begann erst seine eigentliche politische Laufbahn, die ihn zum Staatsmann reifen ließ und ihm einen Platz in den Geschichtsbüchern sichern sollte.

Als alter Zentrumsmann fand Adenauer in der neu gegründeten CDU seine politische Heimat. Er gehörte nicht zu ihren Gründungsmitgliedern, war jedoch maßgeblich am Aufbau der Partei beteiligt. 1946 übernahm er den Vorsitz der CDU in der britischen Besatzungszone. 1948 wurde er Präsident des Parlamentarischen Rates in Bonn; hier war er neben Theodor Heuss (1884-1963) und Carlo Schmid (1896-1979) maßgeblich an der Ausarbeitung des Grundgesetzes beteiligt.

 

Bundesrepublik gegründet

Am 14. September 1949 wurde schließlich der 1. Deutsche Bundestag gewählt, die CDU wurde stärkste Partei. Mit einer Stimme Mehrheit wählte eine Koalition aus CDU/CSU, FDP und DP Adenauer am 15. September 1949 zum Bundeskanzler. Nur mit knapper Mehrheit entschied sich der Bundestag für Bonn als Regierungssitz.

Die 14 Jahre währende Kanzlerschaft Adenauers stand völlig im Zeichen des Kalten Krieges. Adenauer verwirklichte jetzt frühere Pläne zu einer Neuausrichtung der deutschen Politik. Die unbedingte Westbindung der Bundesrepublik Deutschland stand im Mittelpunkt seiner Politik, die dadurch dauerhaft werdende Spaltung Deutschlands nahm er in Kauf. Adenauer leitete den Wiederaufbau des Rechtsstaates nach der Katastrophe der NS-Diktatur ein. Wirtschaftspolitisch verfocht er das Programm der sozialen Marktwirtschaft, das von seinem Wirtschaftsminister Ludwig Erhard (1897 bis 1977) formuliert worden war. Eine große Leistung stellt die Integration von Millionen Flüchtlingen und Vertriebenen in die westdeutsche Gesellschaft in den 1950er Jahren sowie der Lastenausgleich dar. Zur Politik der SPD unter ihren leidenschaftlichen Vorsitzenden Kurt Schumacher (1895 bis 1952) grenzte er sich deutlich ab.

Adenauer errang 1957 bislang als Einziger die absolute Mehrheit für eine Partei im Deutschen Bundestag. Sein Hauptinteresse galt der Außenpolitik, 1951-1955 führte er auch das Außenministerium. Im November 1949 schloss er mit den Hohen Kommissaren der USA, Großbritanniens und Frankreichs das Petersberger Abkommen, das den Ausgangspunkt einer eigenständigeren deutschen Außenpolitik bildete, 1952 folgte der Deutschlandvertrag, mit dem das Besatzungsstatut abgelöst und der Bundesrepublik Deutschland eine (noch) eingeschränkte Souveränität zurückgegeben wurde. Die Frage der deutschen Wiederbewaffnung und der Beitritt zur NATO führten in der ersten Hälfte der 1950er Jahre zu schweren innenpolitischen Belastungen. 1955 wurden schließlich die ersten Einheiten der neuen Bundeswehr aufgestellt und die Bundesrepublik Deutschland wurde NATO-Mitglied.

Weniger umstritten war dagegen die Europäisierung Westdeutschlands. Adenauer gehörte zu den großen Förderern der europäischen Einigung. Die Bundesrepublik war 1957 eines der sechs Gründungsmitglieder der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, der Vorgängerorganisation der Europäischen Union. Adenauer sah als Kernstück der europäischen Einigung die deutsch-französische Aussöhnung an; der französische Staatspräsident Charles de Gaulle (1890-1970) war dabei sein kongenialer Partner. 1963 unterzeichneten beide den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag, der bis heute die Grundlage der Beziehungen zwischen beiden Ländern bildet.

Neben der Aussöhnung mit Frankreich war für Adenauer die Annäherung an Frankreich noch aus einem anderen Grund entscheidend, wie eine Äußerung Adenauers wenige Monate vor der Unterzeichnung des Elysée Vertrags verdeutlicht: „Die Jahre nach 1890 haben gestanden im Zeichen einer engen Verbindung zwischen dem zaristischen Russland und später – seit 1944 – dem kommunistischen Sowjetrussland mit Frankreich. Wenn Sowjetrussland in irgendeine nähere politische Verbindung zu Frankreich käme, wären wir verloren, und umgekehrt, wenn Sowjetrussland in irgendeine nähere Verbindung zu Deutschland käme, wäre Frankreich verloren. Diese Gefahr besteht jetzt nicht, aber Menschen kommen und Menschen gehen, und deswegen ist es so notwendig, dass Frankreich und Deutschland so eng aneinander gebracht werden, dass niemals – sei es eine französische, sei es eine deutsche Regierung – jemand auch nur den Gedanken fassen kann, mit Sowjetrussland in nähere Verbindung zu treten. Das war für mich seit jeher der Leitgedanke der ganzen Arbeit.

Adenauer begegnete der Sowjetunion immer mit großem Misstrauen. Die berühmte Stalin-Note vom März 1952 mit dem Angebot zur Wiederherstellung der deutschen Einheit wurde nicht ernsthaft geprüft. 1955 reiste Adenauer nach Moskau und erreichte gegen die Aufnahme von diplomatischen Beziehungen mit der Sowjetunion die Freilassung der letzten deutschen Kriegsgefangenen. Bei den Bundestagswahlen im Herbst 1961 verlor die CDU die absolute Mehrheit. Am 13. Oktober 1963, nach 14 Jahren als Kanzler, erklärte Adenauer seinen Rücktritt. Gegen seinen Nachfolger Ludwig Erhard hatte er einen jahrelangen Kampf geführt; er hatte seinen Wirtschaftsminister gehänselt, verspottet, sogar gedemütigt. Bis 1966 blieb »der Alte« CDU-Vorsitzender. Am 19. April 1967 starb Konrad Adenauer in Rhöndorf.