Rückblick 1969 – Willy Brandt wird Bundeskanzler

Rückblick 1969 – Willy Brandt wird Bundeskanzler

+++ VOR 50 JAHREN +++

Aufbruchsstimmung herrscht in der Bundesrepublik Deutschland nach der Wahl von Willy Brandt zum ersten sozialdemokratischen Bundeskanzler.

Sozialliberale Koalition:

Nach der Bundestagswahl einigen sich SPD und FDP auf die Bildung einer Koalition. Bundeskanzler wird Willy Brandt (SPD). Mit dem Außen-(Walter Scheel, zugleich Vizekanzler) und dem Innenministerium (Hans-Dietrich Genscher) erhält die FDP zwei Ämter von zentraler Bedeutung. Der dem rechten Flügel der Liberalen zugerechnete Josef Ertl wird Landwirtschaftsminister. Bei der SPD rückt der Chef der Bundestagsfraktion und Wehrexperte Helmut Schmidt zum Verteidigungsminister auf, während Herbert Wehner – bisher Minister für Gesamtdeutsche Fragen – den Fraktionsvorsitz übernimmt. Arbeitsminister wird der bisherige Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau und Energie, Walter Arendt. Der Parteilose Hans Leussink – zuletzt Präsident des Wissenschaftsrates – wird Minister für Bildung und Wissenschaft.

Bundespräsident:

Die Bundesversammlung wählt in West-Berlin am 5. März den SPD-Politiker Gustav Heinemann zum Bundespräsidenten und Nachfolger von Heinrich Lübke (CDU). Damit steht erstmals ein Sozialdemokrat an der Spitze der Bundesrepublik Deutschland.

Berlinkrise: Die Regierung der DDR verhängt am 8. Februar ein Durchreiseverbot für alle Mitglieder der Bundesversammlung nach West-Berlin. Damit erreicht die im Vorfeld der Bundespräsidentenwahl ausgebrochene Berlinkrise einen neuen Höhepunkt.

§ 175:

Mit Inkrafttreten wichtiger Teile des am 9. Mai vom Bundestag in Bonn verabschiedeten Ersten Strafrechtsreformgesetzes wird u.a. die Homosexualität straffrei (§ 175). Der Gesetzgeber geht bei der Aufhebung der Strafbarkeit von Homosexualität davon aus, dass »viele Männer, die sich gleichgeschlechtlich betätigen, eine irreversible Prägung« aufweisen.

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Zeitungen zum 09.02.1969

»Langer Eugen«:

In Bonn wird am 19. Februar das neue Abgeordnetenhaus am Rheinufer bezugsfertig. Das vom Karlsruher Architekten Egon Eiermann konzipierte, 106 m hohe Gebäude wird im Volksmund »Langer Eugen« genannt nach dem Initiator, dem früheren Bundestagspräsidenten Eugen Gerstenmaier.

Fernsehen:

Zu den erfolgreichsten Fernsehsendungen in der Bundesrepublik gehören 1969 vor allem solche, die den Zuschauer teilhaben lassen an den großen Ereignissen des Jahres. Dazu zählen die Übertragung der Mondlandung, die Wahl des Bundespräsidenten und die Bundestagswahl.

Am 16. April lädt Heinz Schenk zum 100. Mal in den »Blauen Bock« ein, und am 25. Oktober gibt es im Norddeutschen Rundfunk die 500. Ausgabe der »Aktuellen Schaubude«. Der populäre »Beat-Club« von Radio Bremen feiert am 31. Dezember die 50. Sendung.