Rückblick 1989 – »Wir sind das Volk« bringt DDR zu Fall

Rückblick 1989 – »Wir sind das Volk« bringt DDR zu Fall
Friedliche Demonstration in Schwerin am 23. Oktober 1989. - Jennus [CC BY-SA 4.0], from Wikimedia Commons

+++ VOR 30 JAHREN +++

Die mutige Protestbewegung in der DDR bringt die Mauer zum Einsturz (9.11.1989) und schüttelt die SED-Herrschaft ab. Machtwechsel:

Angesichts der Zunahme der öffentlichen Demonstrationen gegen die Partei- und Staatsführung tritt Erich Honecker am 18. Oktober als SED-Generalsekretär zurück. Nachfolger Egon Krenz kann sich nur sechs Wochen im Amt halten. Als der Machtmissbrauch der alten SED-Führung immer mehr offenbar wird, tritt am 3. Dezember das SED-Politbüro mit Krenz an der Spitze zurück. Neuer starker Mann der SED ist der als unbelastet geltende Rechtsanwalt Gregor Gysi. Am 13. November hatte die DDR-Volkskammer den Dresdener SED-Chef Hans Modrow als Nachfolger von Willi Stoph zum Ministerpräsidenten der DDR gewählt.

DDR-Opposition:

In Grünheide bei Ost-Berlin gründen am 11. September 30 DDR-Regimekritiker die Reformbewegung »Neues Forum«. Es ist die erste landesweite Oppositionsgruppe in der DDR und die größte außerhalb der evangelischen Kirche. Zu den Gründern des »Neuen Forum« zählen u.a. Bärbel Bohley und Jens Reich. Am 2. Oktober konstituiert sich die Gruppe »Demokratischer Aufbruch«, die sich vorwiegend aus Vertretern der Kirche zusammensetzt. Zu den Gründungsmitgliedern gehört Pfarrer Rainer Eppelmann. Die erste Gründung einer politischen Partei erfolgt am 8. Oktober mit der Sozialdemokratischen Partei (SDP).

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Zeitungen zum 09.11.1989

Stasi:

In Leipzig und anderen Städten dringen aufgebrachte Bürger am 4. Dezember in die Bezirksverwaltungen des früheren Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) ein, um den Abtransport und die Vernichtung von Akten zu unterbinden. Mit der Aktion soll sichergestellt werden, dass Mitarbeiter der Stasi, des wichtigsten Unterdrückungsinstruments des DDR-Regimes, strafrechtlich verfolgt werden können. Am 7. Dezember einigen sich die Teilnehmer des sog. runden Tisches auf die Auflösung der Stasi.

Runder Tisch:

Auf Einladung der beiden Kirchen der DDR treffen am 7. Dezember in paritätischer Besetzung Repräsentanten der DDR-Führung und der Opposition zusammen. Nach dem Vorbild Ungarns und Polens will der sog. runde Tisch als Kontrollorgan der Regierung bis zu der geplanten Abhaltung von Volkskammerwahlen am 6. Mai 1990 wirken. 10-Punkte-Plan: Am 28. November legt Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) ein Konzept zur Zusammenarbeit beider deutscher Staaten vor, an dessen Ende die Wiedervereinigung steht. Der Plan sieht für eine Übergangsphase u.a. »konföderative Strukturen« vor.

Stichwort: Montagsdemonstration

Die Leipziger Montagsdemonstrationen, deren ständig anschwellende Teilnehmerzahl die DDR-Führung in Zugzwang bringt, geben den Anstoß zur Wende in der DDR. Auch fällt in Leipzig die Entscheidung gegen ein Eingreifen der Nationalen Volksarmee (NVA).

Die Kundgebung fand erstmals im August im Anschluss an den montäglichen Friedensgottesdienst in der Nicolaikirche statt. Einige 100 Menschen gingen auf die Straße, um ihre Forderung nach Reformen zum Ausdruck zu bringen.

Am 25. September nahmen bereits 6000 Menschen teil, am 9. Oktober versammelten sich 70 000 DDR-Bürger unter dem Motto „Wir sind das Volk«. Honecker fordert an diesem Tag zu einem massiven Polizeieinsatz auf, um die Proteste im Keim zu ersticken. Panzer der NVA stehen am Stadtrand von Leipzig zum Einsatz bereit. Regionale Stellen setzen sich jedoch über den »Einsatzbefehl« hinweg.