Bäder, Schweiz und Fjorde

Urlaub und Freizeit 1900:

Briten und Deutsche gelten zu Beginn des 20. Jahrhunderts als die Globetrotter-Völker par excellence. Bis vor drei Jahrzehnten überwogen in Italien, am Rhein, am Mittelmeer und in der Schweiz noch die britischen Touristen. Der Name der berühmten »Promenade des Anglais« in Nizza erinnert an diese Zeit. Das Verhältnis hat sich jedoch inzwischen zugunsten der Deutschen verschoben. Die Russen und Polen in den großen Städten Italiens und in Paris hingegen werden nicht als gewöhnliche Touristen angesehen, sie gelten als »Ansässige«.

Die beliebtesten Ferienziele im Sommer 1900 sind die Schweiz, die klassischen Nord- und Ostseebäder, die Seebäder am Mittelmeer und Skandinavien. Norwegenfahrten wurden durch Kaiser Wilhelm II. populär gemacht, der alljährlich an die Fjorde reist.

Weitere nicht nur der Erholung, sondern vor allem des Sich Zeigens wegen viel besuchte Seebäder sind Venedig, Triest, Ischia bei Neapel, Nizza, Marseille, Cannes und Biarritz in der Bucht von Biscaya. In der Schweiz begegnet man deutschen Familien auf Dampfbooten zwischen Lindau und Rorschach und im Gebiet des Vierwaldstätter Sees am Nordrand der Alpen.

Der neueste Clou sind Ferien mit dem Fahrrad, vor allem in den bergreichen Ländern Österreich und Schweiz. Auch Hochtouren in den Alpen – Dolomiten, Ötztaler Alpen – sowie Bergwanderungen auf den Groß-Venediger, das Breithorn, den Ortler oder den Montblanc erfreuen sich großer Beliebtheit.

Viel Aufmerksamkeit wird den Reisen der internationalen Adels- und Politprominenz entgegengebracht. Im Sommer 1900 erholt sich der Prince of Wales, Albert Eduard, in Baden-Baden, Exkönig Milan von Serbien lässt sich auf dem Rennplatz in Karlsbad sehen, der Schah von Persien, Muzaffar Ad Din, weilt in Ostende, Prinz Max von Baden hält sich mit Gemahlin in Konstanz auf, während sich Großherzog Friedrich I. von Baden wie jedes Jahr nach St. Moritz zurückzieht.

Urlaub 1900 ist ein Vergnügen für die Reichen und Wohlhabenden. Die Arbeiter und ein Großteil der Angestellten kennen dieses Vergnügen nicht, es sei denn, sie erleben es als Dienstboten, Hauslehrer oder Kindermädchen.