Die Welt wird mobil – schneller, preiswerter und sicherer

Verkehr 1900:

Den Verkehrsmitteln kommt zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine bedeutende Funktion innerhalb der Volkswirtschaften zu, seit Dampf und Elektrizität in immer größerem Maß eingesetzt werden.

Der Ausbau von Post-, Eisenbahn-, Schiffs- und Telegrafenwesen ist nicht nur mit riesigen Investitionen verbunden, er fördert die Arbeitsteilung und macht die Länder mehr und mehr abhängig vom Welthandel. Zugleich verstärkt der zunehmende Massenverkehr die Macht des Staates, der preußisch-hessische Staatseisenbahnverband beispielsweise ist 1900 das größte Unternehmen der Welt. Ohne die durch Dampf und Elektrizität fortbewegten Verkehrsmittel wären die Kolonisation, der Kampf um neue Märkte und um die Herrschaft über »niedrige Rassen« unterblieben oder hätten sich in den bescheidenen Grenzen von vor 1870 gehalten.

Der Ausbau der Verkehrswege betrifft vor allem Schiff und Eisenbahn. Es folgen die Post, der Straßen- und Kanalbau sowie die Flussschifffahrt, Motorwagen spielen 1900 nur eine untergeordnete Rolle, werden jedoch im städtischen Personenverkehr (Omnibusse) und beim Transport größerer Lasten über kurze Entfernungen immer häufiger eingesetzt.

In der kurzen Zeitspanne von 1870 bis 1900 sind die Ozeandampfer bis zu 16 200 Registertonnen größer geworden. Die Dampferlinien organisieren regelmäßige Dienste zur Beförderung von Personen, Gütern und Nachrichten über die ganze Erde. Der internationale Welthandel bewegt sich 1900 zu 70 bis 80% auf den Meeren. Mit zunehmender Stärke der Schiffe und Schnelligkeit der Beförderung sinken die Kosten für die Personen- und Warenbeförderung. Das Eisenbahnnetz wird in den dicht bevölkerten Industriestaaten bis auf das Land und in abgelegene Gegenden ausgedehnt. 1761 brauchte die königliche Karosse von Paris nach Straßburg zwölf Tage, im Jahr 1900 fährt ein Handwerker mit dem Zug von Straßburg nach Paris in zwölf Stunden.