Überhöhte Mieten und Wohnungsnot

Wohnen und Design 1900:

Die Wohnsituation ist zu Beginn des 20. Jahrhunderts in allen größeren Städten durch stark überhöhte Mieten und ein völlig unzulängliches Angebot gekennzeichnet. Dies betrifft nicht nur die Wohnverhältnisse der Lohnarbeiterschaft und aller Schichten des Kleinbürgertums – Kleinkaufleute, Beamte, Lehrer, bessergestellte Arbeiter, kaufmännische Angestellte -, sondern auch den sog. besseren Mittelstand. Ursache ist der rapide Aufschwung der Großindustrie, der die Anwesenheit großer Menschenmassen auf kleinem Raum erfordert, ohne dass rechtzeitig für ausreichende Wohnungen gesorgt worden ist.

Die Miete verschlingt ein Fünftel bis ein Drittel selbst mittlerer Einkommen, und auch dafür sind geeignete Wohnungen meist nicht zu haben. Nicht selten hausen in einer Dreizimmerwohnung zwei bis drei Parteien. Um die Miete bezahlen zu können, halten sich viele Familien sog. Schlafburschen oder Schlafmädchen, Fremde, die gegen ein geringes Entgelt einen Schlafplatz erhalten, den sie sich meist mit anderen teilen müssen. Wo Arbeiter auf billigere Wohngelegenheiten an der Peripherie der Städte zurückgreifen, müssen sie für Fahrgeld und Lebensmittelpreise mehr aufwenden.