Weltausstellung, Burenkrieg und Boxeraufstand: Die Welt zwischen technischem Aufbruch und Kolonialismus

Weltausstellung, Burenkrieg und Boxeraufstand: Die Welt zwischen technischem Aufbruch und Kolonialismus
Weltausstellung Paris 1900, Blick vom Trocadéro, By Brooklyn Museum [No restrictions], via Wikimedia Commons

Politik und Gesellschaft 1900:

Drei Ereignisse prägen das Jahr 1900 und markieren zugleich die Tendenzen zu Beginn des 20. Jahrhunderts:

    • Auf der Weltausstellung in Paris versammeln sich die Vertreter fast aller Nationen, um die Glanzlichter und neuesten Errungenschaften auf sämtlichen technischen, wirtschaftlichen und militärischen, aber auch wissenschaftlichen, sozialen und künstlerischen Gebieten in einer bis dahin beispiellosen Gesamtschau der Welt vor Augen zu führen. Die Weltausstellung ist eine Art Jahrhundertausstellung, die den rasanten Fortschritt vor allem auf dem Gebiet der Technik dokumentiert.
    • In Südafrika unterliegt das Volk der Buren im erbittert geführten Unabhängigkeitskampf gegen die Weltmacht Großbritannien.
    • Im Fernen Osten erheben sich die Chinesen gegen die Unterdrückungspolitik und Ausbeutung durch die Kolonialmächte, werden aber besiegt.

Der Imperialismus beeinflusst zu Beginn des 20. Jahrhunderts Politik und Wirtschaft weltweit. Die Expansionspolitik der europäischen Großmächte, Japans und der USA lässt allerdings nicht nur Rivalitäten entstehen, sondern die Konkurrenten um die Aufteilung der Welt und der Märkte 1900 auch erstmals zu einer gemeinsamen militärischen Aktion antreten: Als China versucht, den Kolonialmächten Widerstand entgegenzusetzen, intervenieren das Deutsche Reich, Großbritannien, Frankreich, Italien, Russland, Japan und die USA zur Niederschlagung des Boxeraufstands. Zu welchen Entgleisungen sich die sog. zivilisierten Nationen dabei hinreißen lassen, zeigt u. a. die »Hunnenrede« des deutschen Kaisers Wilhelm II.

Nicht nur die etablierten Kolonialmächte – allen voran Großbritannien und Frankreich –, sondern auch Staaten, die bisher keine oder nur eine zurückhaltende Kolonialpolitik betrieben – z. B. das Deutsche Reich und Italien –, versuchen zu Beginn des 20. Jahrhunderts verstärkt, ihren politischen und wirtschaftlichen Machtbereich auszudehnen, um dem Handel neue Absatzgebiete zu erschließen. Bernhard Graf von Bülow, 1900 zum Reichskanzler ernannt, formulierte die deutsche Forderung in dem berühmten Satz: »Wir wollen niemand in den Schatten stellen, aber wir verlangen auch unseren Platz an der Sonne.« 1900 wird die deutsche Flagge auf Samoa gehisst. Bemerkenswert sind die auffallend guten Beziehungen zwischen dem Deutschen Reich und Großbritannien trotz Wirtschafts- und Flottenrivalität. Im Burenkrieg wahrt das Deutsche Reich wohlwollende Neutralität, obwohl die öffentliche Meinung burenfreundlich ist. In China treten das Deutsche Reich und Großbritannien gemeinsam dem russischen Vordringen in der Mandschurei entgegen, indem sie im Jangtse-Abkommen die Politik der Offenen Tür zur Richtschnur erheben.