Arbeiterbildung: Alternative Kultur

Bildung 1901:

Innerhalb der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung entwickelt sich seit Jahrzehnten eine eigenständige »Zweite Kultur«, die in starkem Maß der Befriedigung von Bildungsbedürfnissen dient. Aus ökonomischen Gründen sind Arbeiter von herkömmlichen Bildungswegen weitgehend ausgeschlossen. Aufgrund dieser Benachteiligung streben sie ihre kulturelle Emanzipation über besondere Organisationen im eigenen politischen Umfeld an. Auf diese Weise entstehen vielfältige Alternativen zu den herrschenden bürgerlichen Einrichtungen. Allgemeines Ziel ist die Annäherung von Arbeitern an die »großen Kulturleistungen der Menschheitsgeschichte«. Neben den traditionellen, teilweise auch konfessionell orientierten Arbeiterbildungsvereinen bieten die Volksbühnen-Bewegung (seit 1890), die Arbeiter-Sänger-Vereinigungen (etwa ab 1892) und die Naturfreunde-Bewegung (seit 1893) Beispiele für diese Bestrebungen. Die Arbeitersängerbewegung etwa zählt 1901 bereits knapp 40 000 Anhänger.