Im Dienst der Mobilität

Wissenschaft und Technik 1901:

Die technischen Errungenschaften des Jahres liegen schwerpunktmäßig im Bereich Verkehr. Der wachsende Automobilverkehr bringt zugleich einen ersten Boom auf dem Erdölmarkt mit sich. Die Erfolge im drahtlosen Funk haben vorläufig mehr wissenschaftliche als praktische Bedeutung. Mit der Elektrifizierung hält die Technik verstärkt Einzug in den Haushalt. Angesichts steigender Produktivität der Industrienationen nimmt der Gütertransport zu. Für den Transport über Land wird das Schienennetz der Eisenbahnen ausgebaut, auf den Wasserstraßen verkehren immer größere und schnellere Schiffe. Diese Entwicklung fordert großzügigere und funktionellere Hafenanlagen. Einen Meilenstein im modernen Hafenausbau setzt die britische Stadt Cardiff (Wales), die neben den schon bestehenden Bute- und Penarth-Docks die mit modernsten Einrichtungen ausgestatteten Barry-Docks baut. Hier können Schiffe mit 2000 t Ladung innerhalb von 24 Stunden anlegen, gelöscht, neu befrachtet werden und wieder auslaufen. Hauptfrachtgut ist Kohle, für die der neue Hafen in Cardiff mit hydraulisch betriebenen Fördereinrichtungen ausgerüstet wurde.

Ein Novum im spurgebundenen Verkehr ist das 4,5 km lange erste Teilstück einer Schwebebahn für Personenbeförderung in Elberfeld (heute Wuppertal). Weitaus schneller als die Schwebebahn sind die neuen Automobile. Seit am 29. April 1899 der Franzose Camille Jenatzy 100 km/h überschritt, sind Autorennen in Mode. Die Öffentlichkeit verliert – besonders in Frankreich – mehr und mehr ihre Skepsis gegenüber dem pferdelosen Wagen. Die französischen und deutschen Automobilhersteller erleben einen ersten Aufschwung. Im Deutschen Reich bietet Carl Benz 1901 zehn verschiedene Modelle mit Maschinen von 5 bis 20 PS an. Die Daimler-Motoren-Gesellschaft bringt das erste Modell unter der Marke »Mercedes« auf den Markt. Der Unternehmer Ferdinand Porsche bietet mit dem »Lohner-Wagen« eine Autokonstruktion mit Elektroantrieb an. Noch in den Kinderschuhen steckt die Luftfahrt. Für großes Aufsehen sorgt am 31. Juli die wissenschaftliche Ballonfahrt der deutschen Meteorologen Arthur Berson und Reinhard Süring, die mit einem Freiballon die Rekordhöhe von 10 500 m erreichen. Weniger bestaunt wird in Bridgeport (Connecticut/USA) die Leistung des Deutschamerikaners Gustave Whitehead. Ihm gelingt mit dem selbstkonstruierten Gleitflugzeug »Nr. 21« der erste motorisierte – wenngleich noch ungesteuerte – Flug.

Der durch die sprunghafte Entwicklung des Automobils ebenso rasch wachsende Bedarf an Benzin und damit an Rohöl führt zur fieberhaften Suche und Erschließung neuer Erdölfelder. In großem Rahmen setzt die Ölförderung in Mexiko ein. Auch in den arktischen Gebieten Kanadas und der USA werden Erdöl- und Erdgaslagerstätten ausgebeutet. In Texas bewährt sich auf dem Spindletop-Ölfeld erstmals das 1884 von dem Briten Robert Beart erfundene Rotary-Bohrverfahren mit hohlem Bohrgestänge, durch das ein Spül- und Kühlmittel gepumpt wird. Auch im Nahen Osten etablieren sich erste Erdölfördergesellschaften, die von westlichen Unternehmen gegründet wurden. Einen Versuch, den städtischen und industriellen Energiebedarf zu decken, unternimmt der Brite Vivian B. Lewes. Er entwickelt ein Verfahren zur Gewinnung von Wassergas aus Steinkohle.

Zu den technischen Neuheiten im Haushalt gehören Rührflügel-Waschmaschinen, die mit der Hand betrieben werden müssen, sowie elektrische Bügeleisen. Der Brite Cecil Booth bietet im Jahr 1901 erstmals einen elektrischen Filterbeutel-Staubsauger (Vakuumstaubsauger) an. Für Furore sorgt der erste Nassrasierer mit auswechselbaren Klingen des US-amerikanischen Erfinders und Industriellen King Camp Gillette.