Neue Materialien machen die Glasmalerei wieder interessant

Wohnen und Design 1901:

In Karlsruhe eröffnet 1901 eine große Glasmalereiausstellung des Badischen Kunstgewerbevereins. Sie bietet einen Überblick über die Glasmalerei und deren verschiedene Techniken. Neben historischen Glasarbeiten werden auch die Werke moderner Künstler präsentiert. Vertreten sind u. a. Hans Drinneberg, Carl Geck, Josef Goller und Karl Ule. Die Motive reichen von Landschafts- und Tierdarstellungen bis hin zu Märchenszenen.

Die Glasbilder sind zumeist aus Opaleszentglas. Dieses Material wurde um 1880 von den US-Amerikanern Louis C. Tiffany und John La Farge entwickelt. Das Opaleszentglas eröffnete durch seine starke Farbigkeit große künstlerische Möglichkeiten und schuf so eine Voraussetzung für die Wiederentdeckung und Weiterentwicklung der Glasmalerei um die Jahrhundertwende. Der Hamburger Glasmaler Karl Engelbrecht und der Kunsthandwerker Hans Christiansen sahen das neue Glasmaterial 1893 auf der Weltausstellung in Chicago und machten es im Deutschen Reich bekannt.

Eine Reihe von Künstlern bemühen sich um eine moderne Gestaltung der Glasmalerei. Die Anhänger der modernen »Sachlichkeit« verwenden zumeist Darstellungen mit geometrischen Formen aus Kreisen und Linien, die mitunter mit floralen Motiven verbunden werden. Zu diesen Künstlern gehören z. B. Peter Behrens, Bruno Paul und Henry van de Velde.