Werbe-Erfolgsrezept: Das Jugendstilplakat

Werbung 1902:

Um die Jahrhundertwende steht das Plakat als Werbeträger an erster Stelle. Seine hervorragende künstlerische Gestaltung durch bekannte Maler wie Jules Chéret, Henri de Toulouse-Lautrec, Eugene Grasset und Alphonse Mucha im Paris des ausgehenden 19. Jahrhunderts wurde schnell zum Vorbild im übrigen Europa und in den USA. Auf überaus günstige Weise verschmolzen während dieser Zeit der steigende Bedarf von Industrie und Handel an verkaufsfördernder Reklame mit dem wachsenden Interesse der Künstler an der Alltagskultur. Prägend ist vorrangig der Jugendstil mit seinem Programm einer Ästhetisierung der Umwelt. Im deutschen Sprachraum üben dabei neu gegründete Zeitschriften eine stimulierende Wirkung auf die angewandten Künste aus: Die 1896 in München aus der Taufe gehobene »Jugend« und der »Simplicissimus«, »Ver Sacrum« als Publikationsorgan der Wiener Secessionisten und die seit 1895 in Berlin erscheinende Zeitschrift »Pan«. Bemerkenswert sind deren Plakate und Illustrationen von Thomas Theodor Heine aus München, von Koloman Moser, Alfred Roller, Josef Hoffmann und Gustav Klimt aus Wien sowie von Paul Scheurich, Edmund Edel und Julius Klinger aus Berlin.

Als ein Stiefkind künstlerischer Entwicklung erscheint hingegen das Zeitungs- und Zeitschrifteninserat. Hier gibt es zwar neben mehrseitigen, dem redaktionellen Teil angepassten Reportagebeiträgen von Produzenten, Restaurants, Unterhaltungstheatern o. Ä. auch ästhetisch gestaltete Titelseiten, doch herrschen Kleinanzeigen vor. Diese aber scheinen in der Mehrzahl eher dem persönlichen Geschmack und den Werbevorstellungen des Erzeugers als dem eines Gestalters zu entspringen. Erst wenige große Firmen nutzen diese Medien für ihr Werbekonzept – zu ihnen gehört der Hersteller des Mundwassers »Odol«. Unternehmenschef Ernst Lingner kalkuliert sehr erfolgreich mit den Massenauflagen der Blätter.