Berufsschulen gefordert

Bildung 1903:

Im Deutschen Reich gibt es 1903 21 Universitäten, in der Reihenfolge der Studentenzahlen (incl. Hörerinnen): Berlin (13 400), München (4526), Leipzig (4365), Bonn, Breslau, Halle, Heidelberg, Göttingen, Würzburg, Tübingen, Freiburg i. Br., Straßburg, Münster, Marburg, Gießen, Königsberg, Erlangen, Kiel, Greifswald, Jena und Rostock. Im Wintersemester 1902/03 sind eingeschrieben: Insgesamt 36 665 Studierende, 7862 Hörer und 1271 Hörerinnen, die meisten studieren an den philosophischen Fakultäten (Natur- und Kunstwissenschaften, Sprachen etc.), es folgen die juristischen, medizinischen und theologischen.

An den Technischen Hochschulen in Berlin, München, Karlsruhe, Darmstadt, Hannover, Dresden, Stuttgart, Aachen und Braunschweig lernen insgesamt 13 269 Studenten, 2174 Hospitanten und 1590 Zuhörer.

Frauen haben lediglich in Baden das Recht auf ein ordentliches Studium, an allen anderen Universitäten können sie lediglich als Hörerinnen an Vorlesungen teilnehmen, und auch das nur mit Einverständnis des Professors.

Die Voraussetzungen für ein Studium an den reichsdeutschen Universitäten sind abhängig von den Zulassungsbestimmungen der einzelnen Bundesstaaten. In Preußen regelte ein Erlass des Unterrichtsministeriums vom November 1900 eine Gleichstellung der höheren Knabenschulen, wonach die Abschlüsse von Gymnasien und Realschulen als gleichrangig anerkannt werden. Das Abitur der Realgymnasien, auf denen Englisch oder Französisch statt Latein oder Griechisch erste Fremdsprachen sind, und die Prüfungen der Realschulen, in denen Latein keine Rolle mehr spielt, berechtigen seitdem ebenfalls zum Universitätsstudium – wenn auch in einigen Fächern erst nach der Absolvierung von Vorkursen. Die Aufwertung der neusprachlich und naturwissenschaftlich orientierten Schulausbildung ist ein Zugeständnis an die erhöhten Anforderungen in der Industrie.