Der eisernen Faust des Zaren zum Trotz wird Finnland unabhängig

Der eisernen Faust des Zaren zum Trotz wird Finnland unabhängig
Unruhen in St. Petersburg, Januar 1905. Der Urizky-Platz vor dem Winterpalast wird durch Militär abgesperrt. Bundesarchiv, Bild 183-S01260 / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons

Politik und Gesellschaft 1905:

Für das Zarenreich hat die Niederlage im Krieg gegen Japan unmittelbare innenpolitische Folgen. Es brechen revolutionäre Unruhen aus, die Zehntausenden von Menschen das Leben kosten. Doch nicht nur »Aufrührer« verlangen das Ende der zaristischen Alleinherrschaft; auch Bürgertum und Wirtschaft fordern von Nikolaus II. eine Regierungsbeteiligung nach dem Muster westeuropäischer Verfassungsstaaten.

Während der Zar im Januar am »Petersburger Blutsonntag« noch auf eine unbewaffnete Menge schießen lässt, verspricht er unter dem Eindruck der Unruhen und Streiks im Oktobermanifest die Gewährung bürgerlicher Rechte und die Wahl eines Parlamentes. Damit hat das liberal-konservative Bürgertum sein Ziel erreicht: Die Arbeiterschaft bleibt von der politischen Willensbildung ausgeschlossen; sozialreformerische Ansätze werden nicht verwirklicht. Dieses Versäumnis gibt den Kommunisten langfristig Rückhalt in den sozial niederen Schichten und führt schließlich 1917 zur Oktoberrevolution.

Kaukasier, Armenier, Polen, Finnen und Balten nutzen die innenpolitisch unsichere Situation, um – allerdings vergeblich – für die staatliche Eigenständigkeit im russischen Vielvölkerstaat zu kämpfen. Dieses Ziel erreichen nur die Finnen: Am 4. Mai gewährt ihnen der Zar die Autonomie.