Einstein revolutioniert festgefügtes Bild des Kosmos

Wissenschaft und Technik 1905:

Der als Patentprüfer in Bern arbeitende deutsche Physiker Albert Einstein formuliert die Gesetze der speziellen Relativitätstheorie. Er revolutioniert damit das gesamte physikalische Weltbild, das bisher auf rein mechanistischen Denkmodellen aufbaute. Die Grundlage dieses Weltbilds lieferten Naturwissenschaftler wie Galileo Galilei, Christian Huygens und Isaac Newton. Erstmals in seiner Allgemeingültigkeit in Frage gestellt wurde diese Physik, als 1881 der US-Physiker Albert Abraham Michelson die bekannten naturgesetzlichen Zusammenhänge von Zeit und Raum auf sehr hohe Geschwindigkeiten anwenden und die Relativitätsbewegung der Erde gegenüber dem ruhenden »Äther« des Weltalls ermitteln wollte. Bei seinen Experimenten erwies sich die Lichtgeschwindigkeit als von der Bewegung des Beobachters unabhängige Konstante.

Die Erklärung dieses merkwürdigen empirischen Befundes gelingt erstmals Albert Einstein. Er stellte fest, dass es keine absoluten Bewegungen in einem als feststehend aufgefassten Raum und damit auch keinen »Welt-Äther« geben kann. Nach seinem neuen physikalischen Verständnis lässt sich jedes beliebig bewegte, aber nicht beschleunigte System als ruhend auffassen und damit zum Inertialsystem (Bezugssystem) für Raum-Zeit-Beobachtungen wählen. Misst ein Beobachter die Zeit in seinem eigenen System (A) und vergleicht sie mit der Zeit, die währenddessen in einem an ihm vorbeiziehenden Inertialsystem (B) verstreicht, so stellt er fest, dass eine völlig gleich arbeitende Uhr im System (B) langsamer als in seinem eigenen System läuft (Zwei-Uhren-Paradoxon). Weil beide Systeme gleichberechtigt sind, stellt aber auch ein sich im System befindender Beobachter fest, dass die Uhren im System (A) langsamer laufen.

In erster Linie die noch junge Elektrotechnik ist es, die vor allem die Gemüter von Journalisten zu zahlreichen Zukunftsvisionen anregt. Einige davon werden später zur Realität, andere bleiben im Bereich reiner Utopie angesiedelt. So wird die Entwicklung der Telefonie nicht nur bis zum Bildtelefon in Gedanken weiterentwickelt, sondern auch zu technischen Anlagen, die auf mysteriöse Weise auch körperliche Kontakte über größere Distanzen hin elektromechanisch übertragen. Die Weiterentwicklung der Zeitung sieht ein Zeichner der »Illustrated London News« in öffentlichen Kinematographenbildern, gekoppelt mit dem Ton aus Megaphonen. Statt des klassischen Ackerbaus stellt er sich für die Jahrhundertmitte riesige Getreidefabrikationsanlagen vor.

Phantastische Visionen in technikgläubiger Zeit sollen den Alltag der Menschen verändern