Japan und die USA erscheinen als Akteure auf der Weltbühne

Politik und Gesellschaft 1905:

Mit dem Jahr 1905 werden Systeme und Strukturen überwunden, die Jahrzehnte und sogar Jahrhunderte überdauert haben.

Erstmals im Zeitalter des Imperialismus besiegt im Russisch-Japanischen Krieg ein asiatischer Staat eine »europäische« Großmacht. In der Zeitschrift »Die Woche« heißt es dazu: »Der Geschichtsschreiber des 20. Jahrhunderts wird den 28. Mai 1905, den Tag der Seeschlacht von Tsushima, mit dem gleichen Recht als eine neue Epoche der Weltgeschichte bezeichnen, wie Goethe die Kanonade von Valmy.«

Mit dem Sieg über das Zarenreich hat Japan innerhalb von nur 50 Jahren den Sprung vom unterentwickelten, feudalen Shogunstaat zur weltweit anerkannten Großmacht geschafft – mit eben den Mitteln, die ihm der Westen zur Verfügung gestellt hat.

Die neue Großmacht handelt nun wie die traditionellen Kolonialmächte: Am 17. November erklärt Japan das Kaiserreich Korea zum »Schutzstaat« und beginnt seinerseits, die Völker Asiens brutal zu unterjochen.

Dass die Friedensverhandlungen zur Beendigung des Russisch-Japanischen Krieges unter Vermittlung von US-Präsident Theodore Roosevelt auf dem Boden der Vereinigten Staaten stattfinden, zeigt einen grundlegenden Wandel der amerikanischen Außenpolitik. Erstmals werden die USA auf der diplomatischen Bühne als Schiedsrichter aktiv und etablieren sich als weltpolitische Ordnungsmacht.