Reformkleid oder »Reformsack«?

Mode 1905:

Noch immer wird das um 1900 aufgekommene Reformkleid viel diskutiert und von Medizinern und Künstlern engagiert verteidigt, weil es den Vorstellungen einer der Natur gemäßen Lebensweise näherkommt und den Körper nicht einzwängt.

Das Reformkleid fällt lose von den Schultern herab, ohne die Taille einzuschnüren, behält aber entsprechend der Mode den schleppenden Saum bei. Seine Ärmel sind bequem weit geschnitten. Es soll ohne das gesundheitsschädliche eng geschnürte Korsett und nur mit einem leichten Miederleibchen getragen werden. Von den eleganten Damen wird es jedoch als »Reformsack« abgelehnt. Nur als Haus- oder Teekleid trägt auch die Dame der Gesellschaft eine lose herabhängende Toilette, die ein unbequemes Korsett nicht nötig erscheinen lässt.

Begrüßt wird das Reformkleid jedoch in den Kreisen der Frauenbewegung. Besonders in England setzen sich ihre Vertreterinnen für die neue Kleidung ein.