Die Marokkokrise überwunden – das Reich „eingekreist“

Die Marokkokrise überwunden – das Reich „eingekreist“
Dreadnought, 1906, Großkampfschiff. By not stated (US Navy Historical Center Photo # NH 63367) [Public domain], via Wikimedia Commons

Politik und Gesellschaft 1906:

Die Welt steht 1906 im Zeichen von Imperialismus, Kolonialismus und gigantischer Aufrüstung – in Berlin wie in Tokio, London, Paris oder Washington. Mit dem Stapellauf des ersten Großkampfschiffs vom Typ »Dreadnought« in Großbritannien beginnt die letzte Phase im deutsch-britischen Wettrüsten zur See. Noch kann der Krieg vermieden werden. Die Unterzeichnung der Akte von Algeciras beendet am 7. April die Marokkokrise mit einem Kompromiss, der den kolonialen Expansionsbestrebungen Frankreichs und Spaniens sowie den Wirtschaftsinteressen des Deutschen Reichs Rechnung trägt. Die Algeciras-Konferenz beseitigt zwar die Kriegsgefahr, leitet jedoch eine außenpolitische Isolierung des Deutschen Reichs ein, dessen Forderungen nur vom Dreibundpartner Österreich-Ungarn – nicht vom Dreibundpartner Italien – unterstützt werden.

Am 14. November prägt Reichskanzler Bernhard von Bülow das Schlagwort »Einkreisung« für diese Isolierung: Deutschland werde von den »Entente-cordiale«-Partnern Großbritannien und Frankreich sowie durch den französisch-russischen Zweiverband eingekreist. Doch der Kanzler zeigt sich nicht beunruhigt: »Ein Volk von 60 Millionen mit einem Heer wie das deutsche ist niemals isoliert, solange es sich selbst treu bleibt, solange es sich selbst nicht aufgibt. Wir haben es gar nicht nötig, irgendjemand nachzulaufen, den anderen gegenüber entgegenkommender zu sein als diese uns gegenüber. Das wäre nicht würdig, das wäre nicht einmal klug. Solange wir unser Schwert scharf halten, sind wir auch in der Lage, uns unseren Freunden nützlich und unseren Feinden unangenehm zu machen.«