Architektur-Monument in Wien

Architektur 1907:

Otto Wagner vollendet nach dreijähriger Bauzeit die Kirche Am Steinhof in Wien, die zu den hervorragendsten Schöpfungen der Jugendstilarchitektur zählt. Die Kirche bildet den Mittelpunkt einer von Wagner entworfenen Heil- und Pflegeanstalt auf dem Gallitzinberg. Der über kreuzförmigem Grundriss errichtete Zentralbau ist – wie Wagners epochales Postsparkassenamt von 1906 – außen mit Marmorplatten verkleidet. Die Kupfernägel, die die Platten akzentuiert befestigen, überziehen das Mauerwerk wie ein Filigranmuster. Der abstrakte Jugendstildekor ist in Zonen zusammengefasst. Die außen stark überhöhte Kuppel ist mit Kupferplatten gedeckt. Das Kircheninnere besticht ebenfalls durch seine einheitliche Jugendstileinrichtung. Wagner verbindet nüchternen Sinn für Zweck und klare Konstruktion mit subtilem Empfinden für Eleganz der Form, Materialwerte und Wirkung von Flächen. In seiner Programmschrift »Moderne Architektur« (1896) fordert er, dass an die Stelle der Stilnachahmungen ein »Nutzstil« als Form der Zukunft treten müsse.