Reichstagswahlen im Zeichen des Kolonialismus

Politik und Gesellschaft 1907:

Die Ergebnisse der Reichstagswahl 1907 nach Wahlkreisen. By Karte_der_Reichstagswahlen_1907.svg: Maximilian Dörrbecker (Chumwa)data source: Carl Wilhelm Reibel: Handbuch der Reichstagswahlen 1890-1918. Vol. 1+2, Droste Verlag Düsseldorf, 2007, ISBN 9783770052844data source (online): Heinrich Best: Datenbank der Abgeordneten der Reichstage des Kaiserreichs 1867/71 bis 1918 (BIORAB - Kaiserreichs)data source (online): Datenbank der deutschen Parlamentsabgeordnetenderivative work: Furfur [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Die Ergebnisse der Reichstagswahl 1907 nach Wahlkreisen. By Karte_der_Reichstagswahlen_1907.svg: Maximilian Dörrbecker (Chumwa)data source: Carl Wilhelm Reibel: Handbuch der Reichstagswahlen 1890-1918. Vol. 1+2, Droste Verlag Düsseldorf, 2007, ISBN 9783770052844data source (online): Heinrich Best: Datenbank der Abgeordneten der Reichstage des Kaiserreichs 1867/71 bis 1918 (BIORAB – Kaiserreichs)data source (online): Datenbank der deutschen Parlamentsabgeordnetenderivative work: Furfur [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Im Deutschen Reich gehen die nichtdemokratischen Kräfte aus den Reichstagswahlen – den sogenannten Hottentottenwahlen – gestärkt hervor: Während die Sozialdemokratie eine vernichtende Niederlage einsteckt, finden sich Parteien von liberal bis antisemitisch im »Hottentottenblock« zusammen, einer Art Koalition unter Reichskanzler Bernhard Fürst von Bülow; gemeinsamer Nenner dieser Koalition ist der »nationale Gedanke«. Benannt sind Wahlen und Koalition nach dem blutigsten Krieg der deutschen Kolonialgeschichte, dem Hottentottenkrieg, für dessen Fortführung SPD und Zentrum im Vorjahr die Gelder verweigert hatten. Mit den Stimmen des Hottentottenblocks billigt der Reichstag nun nicht nur diese Gelder, sondern auch eines der Hauptanliegen von Kaiser Wilhelm II.: die Schaffung eines eigenen Kolonialministeriums. Ein solches Ministerium, so der oberste Kriegsherr, entspreche der gestiegenen Bedeutung der deutschen Kolonialpolitik. Der Reichstagsabgeordnete Ernst Müller-Meiningen bringt die Haltung des Hottentottenblocks in diesem Punkt auf folgende Formel: »Wir werden alles bewilligen, um den deutschen Kolonialbesitz zu erhalten.«

Aber nicht nur in den deutschen Kolonien gärt es: In Ägypten kommt es zu Massenprotesten gegen die Herrschaft Großbritanniens. Im südafrikanischen Natal bricht unter dem Eindruck des Aufstands im benachbarten Deutsch-Südwestafrika ein Zulu-Aufstand aus. In Britisch-Indien lässt die Kolonialmacht Oppositionelle deportieren. Wie unmenschlich die Kolonialmächte vielfach mit den Eingeborenen umgehen, beleuchten die erschreckenden Berichte aus dem Kongostaat, der Privatkolonie des belgischen Königs.