Von der Entente cordiale zur Tripelallianz

Politik und Gesellschaft 1907:

Der Kriegsausbruch scheint nur noch eine Frage der Zeit: Um die Stellung des Deutschen Reichs als »Weltmacht« zu behaupten, ist ein Waffengang unvermeidlich – dieser Meinung jedenfalls sind die führenden Köpfe der deutschen Politik. Der oberste Kriegsherr, Kaiser Wilhelm II., träumt öffentlich von der Erfüllung des Dichterworts: »An deutschem Wesen wird einmal noch die Welt genesen.«

Deutschland, durch die Marokkokrise außenpolitisch weitgehend isoliert, ist mit Österreich-Ungarn und Italien im Dreibund vereinigt, Italien setzt sich jedoch wegen seiner nordafrikanischen Kolonien immer mehr ins Einvernehmen mit Frankreich und Großbritannien, den wichtigsten Gegenkräften des Deutschen Reichs. Die deutsche These von der britischen »Einkreisungspolitik« erhält neue Nahrung durch das britisch-französisch-spanische Mittelmeerabkommen sowie den Petersburger Vertrag zwischen Großbritannien und Russland. Letzterer räumt die Gegensätze der beiden Großmächte in Asien aus und ergänzt die britisch-französische Entente cordiale zur Tripelallianz.

Damit stehen die Bündniskonstellationen bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs fest. Die Zweite Haager Friedenskonferenz versucht zwar, der internationalen Spannung entgegenzuwirken, doch angesichts der weltweiten Hochrüstung – vor allem des deutsch-britischen Wettrüstens zur See – können und wollen die Politiker dieses Ziel nicht erreichen.