Großer Aufwand und neue Medien

Werbung 1908:

Es greift ein gewisser Luxus im Reklamewesen um sich, das Publikum wird immer verwöhnter und abgestumpfter, die Veranstaltungen, sein Interesse dennoch zu fesseln und sich unter dem Vielen, was sich herandrängt, doch noch eine Beachtung zu erringen, werden immer gefälliger, kostspielerischer, verschwenderischer…« Der Reklamefachmann Victor Mataja nennt in seinem Buch »Die Reklame« als Beispiele für diese Tendenz der zeitgenössischen Werbung u. a. »die durch Künstlerhand entworfenen modernen Plakate, die reichillustrierten Preislisten in der Stärke eines Buches, die prächtigen Schaufenster in unseren vornehmen Straßen, die vor keinem Aufwand mehr zurückschreckende Ausstattung vieler Verkaufsräume, … die ganz- und mehrseitigen Mammutinserate … unserer Zeitungen und Zeitschriften mit ihrer Riesenauflage«.

1908 erscheint erstmals die deutsche Fachzeitschrift »Die Reklame«. Sie trägt der Tatsache Rechnung, dass Werbung mittlerweile auch zu einem Fach für Spezialisten geworden ist. Immer stärker werden beim Entwickeln von Reklamefeldzügen werbe- und verkaufspsychologische Erkenntnisse berücksichtigt.

Neben die bisher üblichen Plakate und Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften treten neue Werbeträger, die erst durch die moderne Technik möglich gemacht worden sind. Eines dieser Werbemedien ist die Lichtreklame, durch die abendliche Großstädte ein neues Gesicht bekommen: Konturenbeleuchtungen und leuchtende Schriftzeichen ziehen die Blicke der potenziellen Käufer und Kunden an. Immer größere Bedeutung, z. B. für die Modewerbung, erhält die Fotografie. Neue Möglichkeiten der Reklame ergeben sich auch durch die Verbreitung der Kinematographentheater. Durch sie wird u. a., der Schleichwerbung, etwa für bestimmte Automarken, Tür und Tor geöffnet.