Fortschritt in der Kunst – Futurismus und musikalische Tabubrüche

Fortschritt in der Kunst – Futurismus und musikalische Tabubrüche
Gustav Mahler (1892) E. Bieber [Public domain or Public domain], via Wikimedia Commons

Politik und Gesellschaft 1909:

Eine Öffnung der Kunst gegenüber dem technischen Fortschritt und den Phänomenen der industriellen Massengesellschaft fordert der italienische Schriftsteller Filippo Tommaso Marinetti in seinem »Manifest des Futurismus«. Wie mit einem Paukenschlag will er die Revolutionierung der als museal empfundenen abendländischen Kunst einleiten: »Besingen werden wir die nächtliche, vibrierende Glut der Arsenale und Werften, die von grellen elektrischen Monden erleuchtet werden; die gefräßigen Bahnhöfe, die rauchende Schlangen verzehren . . . und den gleitenden Flug der Flugzeuge, deren Propeller wie eine Fahne im Winde knattert und Beifall zu klatschen scheint wie eine begeisterte Menge.«

Nicht ganz so schrill, aber nicht weniger nachhaltig bemühen sich insbesondere österreichische Komponisten um die Erschließung neuer Dimensionen in der Musik. Die 1909 entstandenen Klavierstücke von Arnold Schönberg wirken ebenso wie die 9. Symphonie von Gustav Mahler auf viele der Zuhörer, die noch einem traditionellen Musikverständnis verhaftet sind, schockierend. Einen triumphalen Erfolg feiert der deutsche Komponist Richard Strauss mit seinem im Januar in Dresden uraufgeführten Einakter »Elektra«. Sein nach dem gleichnamigen Drama von Hugo von Hofmannsthal gestaltetes Werk ist – so ein begeisterter Kritiker – »eine Dusche der Nerven und der Sinne«.