Arbeiterinnenschutz ist Schutz der Familie

Arbeit und Soziales 1911:

Die Zahl der erwerbstätigen Frauen liegt im Deutschen Reich bei ca. 7,4 Mio. und hat damit seit 1882 um 37% zugenommen. In Frankreich sind 7,5 Mio. Frauen erwerbstätig, in Italien 5,2 Mio. Kennzeichnend für die Entwicklung der Frauenarbeit ist dabei die Umgestaltung der unbezahlten helfenden und häuslichen Arbeit der Frau in eine selbstständige Erwerbs- und Berufsarbeit.

Die meisten Frauen sind jedoch durch die Berufs- und die Familien- bzw. Hausarbeit doppelt belastet. Der Gesetzgeber hat dem in gewissem Maß Rechnung getragen: Bei der Gewerbenovelle von 1891 beschloss der Reichstag eine maximale Arbeitszeit für Frauen von elf Stunden bei einer Stunde Mittagspause. Hinzu kamen das Verbot der Sonntags- und Nachtarbeit und die Verlängerung der Mittagspause um eine halbe Stunde für Frauen über 16 Jahren, die einen Haushalt zu versorgen haben. Dank dieser Gesetzgebung ist den Frauen eine notdürftige Versorgung ihrer Männer oder Familien möglich, sodass auch in proletarischen Schichten ein Mindestmaß an Familienleben aufrechterhalten werden kann. Die Arbeiterinnenschutzgesetze sind also zugleich Familienschutzgesetze.