Fernsehbilder elektrisch

Wissenschaft und Technik 1911:

Triumphe feiern 1911 die Physik und die Verkehrstechnik, besonders die Luftfahrt.

Zusammen mit seinen deutschen Kollegen Werner Kolhörster und A. Gockel entdeckt der österreichische Physiker Victor Francis Hess bei Ballonaufstiegen in 2000 und 5000 m Höhe die kosmische Höhenstrahlung. Vermutet hatten die Existenz dieser energiereichen Strahlung, die gleichmäßig aus allen Richtungen des Universums kommt, schon 1899 die deutschen Physiker Julius Elster und Hans Geitel und 1900 Charles Thomson Rees Wilson aufgrund von elektrischen Entladungsexperimenten. Die Höhenstrahlung besteht zu etwa 85% aus Protonen (Wasserstoffkernen), zu 14% aus Alpha-Teilchen (Heliumkernen) und daneben aus schwereren Atomkernen. Wechselwirkungen der 1895 entdeckten Röntgenstrahlen mit Atomen beobachtet und beschreibt der Londoner Physikprofessor Charles Glover Barkla. Er erschließt damit der Atomphysik neue experimentelle Zugänge.

Der niederländische Physiker Heike Kamerlingh Onnes entdeckt die Supraleitfähigkeit von Metallen in der Nähe ihres Temperaturnullpunktes (- 273,15 °C) neu. Bekannt war dieses Phänomen schon 1885 den französischen Physikern Louis Paul Cailletet sowie Bouty und unabhängig von ihnen dem polnischen Physiker Zygmunt Florenty von Wróblewski, die den Effekt der widerstandslosen Leitung elektrischen Stroms bei Experimenten mit unterkühltem flüssigem Sauerstoff und Stickstoff beobachtet hatten. Kamerlingh Onnes arbeitet mit flüssigem Helium bei Temperaturen von 1 Kelvin (-272,15 °C) und entdeckt bei dem erfolglosen Versuch, das Helium zum Gefrieren zu bringen, zugleich dessen Superfluidität (besondere Dünnflüssigkeit) bei niedrigsten Temperaturen.

Die angewandte Physik hat zwei Erfolge im Bereich der Elektronik zu verzeichnen. Der deutsche Fernsehpionier Otto von Bronk erfindet den Hochfrequenzverstärker, und dem russischen Physiker Wladimir Kosma Zworykin, Assistent von Boris Rosing in Petersburg (Leningrad), gelingt erstmals die Übertragung eines Fernsehbildes auf ausschließlich elektrischem Wege. Bisher wurde elektromechanisch gearbeitet.

Marksteine in der Luftfahrt stellen folgende Ereignisse dar: Am 18. Januar gelingt Eugene B. Ely die erste Landung auf dem Deck eines Schiffes. Am 12. April gelingt dem Franzosen Pierre Prier der erste Nonstop-Flug von London nach Paris. Am 22. Oktober schließlich fliegt der italienische Hauptmann Piazza den ersten militärischen Einsatz der Geschichte – einen Aufklärungsflug.

Einen Superlativ im Straßenverkehr präsentiert die Stadt Hamburg mit der Fertigstellung des Elbtunnels. Mittelbar kommt dem Straßenverkehr eine Technik zugute, die der deutsche Physiker Carl Pulfrich entwickelt. Er setzt Luftaufnahmen maßstabsgetreu in unverzerrte Grund- und Aufrisse um und nutzt dieses Verfahren für die Landesvermessung und insbesondere die Kartographie.