Kanonenbootdiplomatie und Kriegstreiberei

Kanonenbootdiplomatie und Kriegstreiberei
Das Kanonenboot SMS Panther, Cay Jacob Arthur Renard [Public domain or Public domain], via Wikimedia Commons

Politik und Gesellschaft 1911:

Mit dem Jahr 1911 beginnt für die Großmächte der Weg in den Weltkrieg. Die allgemeine Aufrüstung, das deutsch-britische Wettrüsten zur See, die Spannungen auf dem Balkan, der deutsch-französische Gegensatz in Elsass-Lothringen und Marokko, italienische Annexionsgelüste in Nordafrika – die allgegenwärtigen Konflikte artikulieren sich nicht nur in diplomatischen Aktivitäten und lautstarken Reden nationalistischer Politiker, sondern führen an den Rand eines deutsch-französischen Kriegs und münden in den italienisch-türkischen Tripoliskrieg.

Während das Deutsche Reich im Januar den 40. Jahrestag seines Bestehens feiert, lässt sich Wilhelm II. als »Friedenskaiser« bejubeln, doch wenige Monate später ist es mit der trügerischen Ruhe vorbei: Der Vormarsch französischer und spanischer Truppen in Marokko provoziert das Deutsche Reich und führt zur Entsendung des Kanonenboots »Panther« nach Agadir. Die dadurch ausgelöste Zweite Marokkokrise, die an den Rand eines Kriegs zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich führt, wird im November durch das Marokko-Kongo-Abkommen beigelegt. Der Konflikt macht jedoch plötzlich allen Regierungen deutlich, dass die im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts weitgehend durch »friedliche Penetration« erfolgte Neuaufteilung der Kolonialgebiete jederzeit zu einer militärischen Auseinandersetzung zwischen den Großmächten führen kann.