Torpedo-Linie senkt Benzinverbrauch

Auto und Verkehr 1911:

Bei den deutschen Automobilherstellern setzt sich 1911 im Karosseriebau die windschnittige Torpedo-Linie durch. Ihr Kennzeichen ist der leicht ansteigende, sanft gerundete Übergang von der Motorhaube zur Spritzwand. Durch die Glättung der Außenhaut werden auch zwei praktische Ziele erreicht: Reduzierung des Luftwiderstands und damit des Benzinverbrauchs, Verkleinerung des Hubraums und damit für den Automobilisten eine Verminderung der Steuern.

Die Kraftfahrzeugsteuer belastet Automobile mit hoher Leistung wesentlich stärker als Kleinwagen, was die Autohersteller zum Bau von Fahrzeugen mit möglichst wenig Hubraum zwingt. Da die Hubraumverkleinerung nicht zulasten von Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit gehen soll, versuchen die Konstrukteure, die Aerodynamik zu verbessern. Ergebnis ist die Torpedo-Linie.

Ein typischer Vertreter dieser Linie ist der 1911 vorgestellte Opel Torpedo 6/16 PS mit einem Hubraum von 1539 cm3. Sein Motor entspricht dem Vierzylindertriebwerk des Doktorwagens von 1909, die Karosserie jedoch hat sich völlig verändert. Die Lampen befinden sich nicht mehr rechts und links des »Kutschbocks«, sondern zwischen dem abgerundeten Kühler und den aus einem Stück von Hand getriebenen Blechkotflügeln, die bis zum Rahmen heruntergezogen sind. Das Lenkrad ist auf der rechten Seite angebracht, da die Rechtssteuerung Norm ist. Das schräg aufsteigende, spitz zulaufende Heck (»Bootsheck«) wird eine Art Markenzeichen der Rüsselsheimer Firma Opel.

Im November 1911 wird in den USA die berühmte Autofirma Chevrolet gegründet. Der 32-jährige Schweizer Louis Chevrolet, der 1900 in die USA ausgewandert ist und sich dort als Rennfahrer einen Namen gemacht hat, eröffnet mit seinem Partner William Durant die Chevrolet Motor Company of Michigan. Das Team lässt in Detroit eine Fabrik für teure Automobile errichten.