Der Preis der Rüstung: Die Untertanen wählen die SPD

Der Preis der Rüstung: Die Untertanen wählen die SPD
HMS Dreadnought (Britisches Schlachtschiff, 1906). Als 1906 die britische "HMS Dreadnought" vom Stapel lief, gab es auf den Weltmeeren kein stärkeres Kriegsschiff, es war der Start für das erste große Wettrüsten der Weltgeschichte. By not stated (US Navy Historical Center Photo # NH 63367) [Public domain], via Wikimedia Commons

Politik und Gesellschaft 1912:

Die Gefahr eines Krieges scheint gebannt – doch gerüstet wird weiter, vor allem vom Deutschen Reich und Großbritannien. Ein Versuch des britischen Kriegsministers Richard Burdon Haldane, das Wettrüsten zwischen beiden Flotten zu beenden, scheitert im Februar in Berlin. Zu stark ist Deutschlands Traum von der Beherrschung der Meere und der Eroberung neuer Kolonien –imperialistische Ziele, die das Deutsche Reich mit anderen Mächten teilt: So erklärt Frankreich Marokko im April zum Protektorat, Italien erobert Libyen, Russland und Großbritannien engagieren sich in Persien, und die Vereinigten Staaten versuchen, ihren Einflussbereich in Mittel- und Südamerika zu vergrößern. Alle gemeinsam betreiben sie die Ausbeutung des chinesischen Reiches – beschönigend »Politik der offenen Tür« genannt. Gegen diese imperialistische Politik kann sich die junge Republik kaum wehren. Der aggressive Charakter der Außenpolitik und die Kriegsgefahr führen in den europäischen Ländern zu innenpolitischen Spannungen. Zwar fördert die Aufrüstung das ökonomische Wachstum – die Kriegsproduktion läuft auf vollen Touren –, doch verursacht sie auch immense Kosten. Die Militärhaushalte überfordern die finanziellen Möglichkeiten der Staaten, es kommt zu Preiserhöhungen und Stagnation der Löhne. Streiks und soziale Unruhen sind die Folge. Unter der Arbeiterschaft gewinnen die Sozialdemokraten an Zulauf: Bei den Wahlen zum Deutschen Reichstag im Januar wird die SPD erstmals stärkste Fraktion. Dies führt jedoch zu keiner grundlegenden Veränderung der deutschen Politik. Diese liegt in den Händen der kaiserlichen Regierung, vor allem aber in denen Wilhelms II. Und der lässt sich in seinen Weltmachtfantasien keineswegs beirren. Er setzt auf den Untertanengeist der deutschen Nation, den Heinrich Mann in seinem 1912 als Fortsetzungsroman publizierten »Untertan« so treffend beschreibt.