Beginnende Konkurrenz zwischen Omnibus und Eisenbahn

Verkehr 1913:

Wenn auch 1913 im Verkehrswesen die Eisenbahn der dominierende Faktor bleibt, gewinnt die Personenbeförderung mit Kraftomnibussen immer mehr Bedeutung. Beim Gütertransport erhält die Handelsschifffahrt großes Gewicht; dagegen existiert ein regelmäßiger Flugverkehr nur ansatzweise.

Die meisten Personen im Deutschen Reich werden 1913 von der Eisenbahn befördert. Dabei transportieren die Vollspur-Bahnen insgesamt 1798 Millionen Personen bei 41 210 Millionen Personenkilometern (zum Vergleich 1912: 1744 Millionen Personen bei 39 933 Millionen Personenkilometern; 1903: 958 Millionen Personen bei 22 508 Millionen Personenkilometern). Das Streckennetz im Deutschen Reich beträgt Ende 1913 61 158,8 km, das entspricht 113,1 km pro 1000 km2 Grundfläche (1903: 52 814 ,2 km, entspricht 97,7 km pro 1000 km2 Fläche).

Die Straßenbahnen erweitern ihr Gesamtnetz 1913 auf 5110,7 km (1912: 4846,3 km), wobei Preußen mit seinen industriellen Ballungsräumen (einschließlich Berlin und Hamburg) mit 3777,4 km den größten Anteil ausmacht. Bei den Straßenbahnen entstammen 1913 96,8% aller Einnahmen aus dem Personenverkehr und lediglich 3,2% aus Gütertransport und Beteiligung an anderen Unternehmen. Populär und quantitativ bedeutend ist 1913 die Personenbeförderung mit Kraftomnibussen, initiiert seit 1904 vor allem durch die Firma Büssing. 1913 existieren bereits 197 Linien mit einem Streckennetz von etwa 3400 km, vor allem in Industriegebieten und Urlaubsregionen. Auch Post, Eisenbahn und Gemeinden führen Bus-Linienverkehre durch; hier gibt es 1913 170 Linien mit einem gleichfalls fast 3400 km langen Streckennetz.

Die Handelsschifffahrt als wichtigster Träger des Welthandels weitet sich auch 1913 rapide aus. Die Tonnage der deutschen Flotte steigt von 1900 bis 1913 um 2,432 Millionen BRT auf 5,082 Millionen BRT, was einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 7% entspricht (zum Vergleich: Die britische Handelsflotte wächst bei einem durchschnittlichen Jahreszuwachs von 4,3% von 13,241 Millionen BRT auf 18,696 Millionen BRT; die Welthandelsflotte insgesamt steigt durchschnittlich um 4,8%). Aber das überdurchschnittliche Wachstum der deutschen Flotte äußert sich auch in qualitativer Hinsicht: Während 1913 fast 50% der britischen Tonnage überaltert sind (Trampschifffahrt), gehören über 80% der deutschen Flotte zur mit modernster Technik ausgestatteten Linienschifffahrt. Am härtesten umkämpft ist in der Handelsschifffahrt die Nordatlantik-Route. Wenn auch die Luftfahrt 1913 mit spektakulären Ereignissen aufwartet, spielt sie im Verkehrswesen – bis auf einen von Hugo Eckener durchgeführten bescheidenen Zeppelin-Passagierdienst für Langstrecken – keine entscheidende Rolle.

Eine für das Jahr 1913 geplante Linie nach Südamerika kann aus technischen und finanziellen Gründen zunächst nicht verwirklicht werden. Flugzeuge haben nur im Postdienst gelegentlich Bedeutung.