Kaum Frauen an überfüllten Universitäten

Bildung 1913:

Die deutschen Universitäten klagen auch nach dem Sommersemester 1913 über eine anhaltende Studentenschwemme – vor allem durch die rasche Entwicklung der Naturwissenschaften bedingt. Zunehmend wird über Mittel wie Numerus clausus und Ausländerbegrenzung an Universitäten diskutiert.

Nach Ende des Sommersemesters sind an den deutschen Universitäten insgesamt 60 045 Studenten immatrikuliert (im Sommersemester 1912: 59 181 ). Die drei größten Universitätsstädte im Jahr 1913 sind Berlin (7837 Studenten), München (6655 Studenten) und Leipzig (5171 Studenten).

Eine kleine Minderheit bleiben dabei die weiblichen Studenten, auch wenn die »Berliner Illustrirte Zeitung« am 3. August die erste Frau mit dem Titel eines Diplomingenieurs der Technischen Hochschule Darmstadt vorstellt. An den Universitäten verfügen die Frauen nach dem Sommersemester 1913 mit 3368 Studentinnen nur über einen Anteil von 5,6%. Die Berliner Universität besitzt seit 1910 immerhin ein »Damenzimmer«, um die Studentinnen vor den häufigen Belästigungen durch Kommilitonen und Professoren zu schützen.

Auch die ausländischen Studenten bilden mit 8,1% (4841 Studenten) eine kleine Minderheit, die gegenüber dem Sommersemester 1912 bei zusätzlichen 15 Studenten lediglich eine Steigerungsrate von 0,3% aufweist (gegenüber 1,5% bei deutschen Studenten). Dennoch ordnet der preußische Kultusminister August von Trott zu Solz in Berlin am 29. September Zulassungsquoten für ausländische Studenten an und verhängt dabei einen Zulassungsstopp für russische Studenten (deren Zahl im Deutschen Reich 1913 2332 beträgt).

Außerdem gibt es 1913 konkrete, aber heftig umstrittene Pläne für die Einführung eines Numerus clausus in den juristischen Fakultäten, die mit 17,6% nach den Medizinern (26,2%) den zweitgrößten Anteil der Studenten stellen.

Der Anstieg der Studentenzahlen wird verständlich, wenn man die im Zuge der Industrialisierung wachsende Attraktivität vor allem der naturwissenschaftlich orientierten Institute für Theoretische Physik, Physikalische Chemie und Mathematik sowie die medizinischen Institute berücksichtigt. Durch den Neubau des Astronomischen Observatoriums im Babelsberger Schlosspark (zu Potsdam) erhält die Astronomie 1913 einen erheblichen zusätzlichen Aufschwung.

Wie ein am 3. Dezember in der sozialdemokratischen Zeitung »Vorwärts« angekündigter Vortrag des Physikers Max von Laue zum Thema »Neues über Röntgenstrahlen und die Struktur der Materie« belegt, werden die Ergebnisse universitärer Forschung auch in der Öffentlichkeit rezipiert.