Notlage bei der Fleischversorgung

Ernährung, Essen und Trinken 1913:

Das zentrale Ernährungsproblem 1913 liegt in der Fleischversorgung. Trotz eines seit 1900 im Wesentlichen unveränderten Pro-Kopf-Verbrauches an Fleisch (1900: 43,4 kg, 1910: 43,8 kg, 1913: 42,7 kg) kommt es 1913 zu einem einschneidenden Preisanstieg.

Die Fleischteuerung führt zu erheblichen Versorgungslücken, die staatliche Hilfe notwendig machen. Eine von Reichsinnenminister Klemens Delbrück geleitete Enquete-Kommission untersucht Möglichkeiten einer gleichmäßigen Fleischversorgung; auf Antrag des Berliner Magistrats erteilt der preußische Landwirtschaftsminister Klemens von Schorlemer-Lieser gegen den Widerstand deutscher Bauern am 8. Dezember eine Importgenehmigung für russisches Rind- und Schweinefleisch bis zum 31. März 1914, um die Preise zu senken.

Parallel zur Fleischteuerung steigt der Verbrauch von billigeren Grundnahrungsmitteln wie Reis erheblich an (Pro-Kopf-Verbrauch 1912: 2,43 kg, 1913: 3,56 kg), ebenso von Getreideprodukten sowie Kartoffeln.

Auf dem Genussmittelsektor fallen dagegen die Preise für Tee (der aber mengenmäßig bei einem Pro-Kopf-Verbrauch von 0,06 kg keine große Rolle spielt) und Kaffee (immerhin 2,44 kg pro Kopf). Die Lage verbietet den meisten Leuten jedoch den Genuss teurer Luxusgüter. Ansteigende Tendenz zeigt der Branntweinkonsum, der im Rechnungsjahr 1912/13 einen Pro-Kopf-Wert von 5,4 l hat (1911/12: 5,2 l, 1912/13: 5,3 l). Der Bierkonsum hat den Pro-Kopf-Wert von 1911 (106 l) noch nicht erreicht (1913: 102 l; nur Bayern: 232 l).