Trotz hoher Anschaffungskosten steigt die Zahl der Autos

Auto und Verkehr 1913:

Wenn auch 1913 das Automobil ein Luxusfahrzeug bleibt, zeigt doch der Pkw-Bestand weiterhin einen Aufwärtstrend. Als erfolgreich erweisen sich allerdings vor allem relativ preisgünstige, als Zweisitzer konstruierte Kleinwagen.

Der durchschnittliche Anschaffungspreis für einen Pkw beträgt 1913 etwa 10 000 Mark. Bei 9000 Mark jährlichen Betriebskosten ist daher ein Jahreseinkommen von 35 000 bis 40 000 Mark zu Kauf und Haltung erforderlich (bei einem durchschnittlichen Industriearbeiterlohn von jährlich 1456 Mark im Mittel der Jahre 1909 – 1914).

Um den Pkw-Absatz zu fördern, bauen die Autowerke billigere Kleinwagen, die als Zweisitzer populär werden. Hierzu zählen der besonders unter Landärzten verbreitete »Doktorwagen« von Opel – ein 4/8 PS-Vierzylinderwagen mit 40 km/h Höchstgeschwindigkeit – sowie der Wanderer »Puppchen« (5/12 PS, 75 km/h) mit seinen zwei hintereinander angeordneten Sitzen. Daher entwickelt sich bis 1913 eine bereits relativ vielfältige Typenpalette, auch in preislicher Hinsicht. Sie reicht vom Wanderer »Puppchen« (Preis für den Zweisitzer der Chemnitzer Firma: 3800 Mark) über den viersitzigen »Phaeton« des Leipziger DUX-Werks (6/18 PS; 9000 Mark), den viersitzigen Audi-14/35-PS für 12 500 Mark, die 13/35-PS-Limousine der Zwickauer Firma Horch (115 000 Mark) bis zum Sechszylinder-»Protos« aus Berlin (27/65 PS; bis 30 000 Mark).

Einen weiteren Aufschwung verzeichnen – bei einem Durchschnittspreis von etwa 18 000 Mark – auch die Lastkraftwagen, unter anderem in der gewerblichen Nutzung durch die Lebensmittelindustrie (Brauereien) und große Verlagsanstalten. Zwischen 1909 und 1914 (Stichtag: 1. Januar) steigt ihr Bestand im Deutschen Reich von 2252 auf 9739 Stück.

Als besonders ungewöhnlich gilt der Einsatz von Autos in dem üblicherweise traditionsverhafteten Bestattungswesen. Am 4. Oktober 1913 berichtet die »Berliner Illustrirte Zeitung« über den Einsatz von »würdig gehaltenen« Leichenwagen und meint angesichts des Vorwurfs mangelnder Pietät: »Es ist anzunehmen, daß diese Bestattungsautomobile, … sich mehren werden, zumal in den Großstädten, wo die Kirchhöfe nicht selten mehr als zehn Kilometer entfernt vom Trauerhause liegen.«